Globalia: Roman - Hardcover

Rufin, Jean-Christophe

 
9783462034714: Globalia: Roman

Inhaltsangabe

Alles in Globalia ist perfekt. Und alles ist falsch. Globalia – Nummer-1-Bestseller in Frankreich, großes Medienecho, internationales Erscheinen in 14 Ländern

Ein großer utopischer Roman in der Tradition von Schöne neue Welt und 1984. Globalia erzählt von einer scheinbar perfekten Demokratie: Ein Land ohne Grenzen, eine Welt ohne Kriege. Das Alter ist abgeschafft, die Vergangenheit auch. Die Menschen sind rundum versorgt. Alles in Globalia ist erlaubt, bis auf das Abenteuer. Globalia ist von einer riesigen Glaskuppel überdacht. Sie sorgt für immer schönes Wetter und schützt die Menschen vor den unzivilisierten Gebieten außerhalb der perfekten Welt. Doch einem ist die bestmögliche aller Welten unerträglich: Der junge Baikal will raus, er will das Meer sehen, frische Luft spüren, will sich streiten und das Land jenseits der Glasglocke entdecken. Mit seiner Freundin Kate bricht er aus, wird bald vom »Gesellschaftsschutz« gefasst, nur um dann schnell wieder in der Non-Zone auf freien Fuß gesetzt zu werden. Denn die Regierung braucht ein klares Feindbild, um das Regime aufrecht und die Bevölkerung unter Kontrolle zu halten. Eine spannende Jagd auf Baikal beginnt ...

In seinem großen Gesellschaftsroman erschüttert Jean-Christophe Rufin unsere Weltsicht. Was gut scheint, muss nicht gut sein. Oder: Der Feind des Guten ist nicht unbedingt das Böse.

Mit seinem Roman ist es Rufin gelungen, ein politisch hochbrisantes Thema in spannender und komplexer Form aufzubereiten. Als Mitbegründer der Ärzte ohne Grenzen und langjähriger Aktivist in der Entwicklungspolitik kennt er den Nord-Süd-Konflikt aus eigener Anschauung. Selten hat ein Thriller ein politisches Thema so vielschichtig und spannend erzählt.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorinnen und Autoren

Jean-Christophe Rufin, geboren 1952, ist Arzt und Schriftsteller, Mitbegründer und ehemaliger Vizepräsident von Ärzte ohne Grenzen, war Staatssekretär im französischen Verteidigungsministerium. Rufin hat Zentralamerika und Ostafrika bereist, bevor er anfing, Romane zu schreiben. Für Rouge Brésil erhielt er 2001 den_ Prix Goncourt_. Heute ist er Vorsitzender des Vereins Aktion gegen den Hunger.

Claudia Steinitz übersetzt seit 30 Jahren französischsprachige Literatur u.a. von Yannick Haenel, Véronique Olmi, Albertine Sarrazin und Lyonel Trouillot.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Sie lagen nackt im hohen Gras und dösten. Kate hatte ein gebeugtes Bein über Baikals Bauch gelegt. Er atmete tief, und auf seinem Gesicht lag ein friedvoller Ausdruck, wie er ihn nur im Schlaf hatte. Obwohl Kate diese Ruhe genoss, war sie doch wachsam und besorgt. Man brauchte schon Baikals Begeisterung, um daran zu glauben, dass sie mit dem Betreten der Non-Zonen die Freiheit erreicht hatten. Eigentlich fühlte sich Kate hier eingeschränkter, bewachter, bedrohter, insgesamt weniger frei als drinnen.
Da war zunächst einmal dieser Geruch. Was sie an Brandrodung erinnert hatte, war in der Tat ein beißender Geruch nach verkohlten Baumstümpfen und Asche. Überall in den Bergen hatten sie verstümmelte Bäume entdeckt. Die Holzfäller besaßen offenbar keine besonders wirksamen Werkzeuge. Auf einer Lichtung hatten sie eine verrostete, aus Alteisen zusammengebastelte Hacke gefunden.
Nachdem sie die Glaswand hinter sich gelassen hatten, waren sie etwa zehn Stunden gelaufen. Weil sie vermuteten, dass diese Zone noch mit Kameras gespickt war, hatten sie sich bemüht, im Schutz der Bäume zu bleiben. Überrascht stellten sie fest, dass diese scheinbar unberührte Natur - wenn man sie vom Trekkingsaal aus betrachtete - in Wirklichkeit von zahlreichen Wegen durchzogen war. Allerdings trafen sie keine Menschenseele.
Baikal gab sich selbstsicher und tat, als wüsste er, wohin er ging. Ab und zu blickte er auf eine geheimnisvolle Karte, die er aus der Rucksacktasche zog. Kate spürte, dass er weniger sicher war, als er vorgab, und stellte ihm keine Fragen. Sie waren zunächst an einen Bergsee gelangt. Ein dichter Tannenwald reichte bis an das Ufer. An einer Stelle, wo ein kleiner Fluss mündete, war er zur Hälfte mit Schilf bedeckt. Der Sonnenuntergang malte rätselhafte Zeichen in den rosa gefärbten Himmel, die jeder für sich im Stillen deutete. Kates Interpretation war nicht sehr optimistisch. Sie warteten die Dunkelheit ab, um mit Zweigen ein Feuer zu machen, aßen etwas und schliefen eng aneinander geschmiegt in ihren Schlafsäcken ein. Am frühen Morgen weckte sie die Feuchtigkeit der Berge und des Sees. Kate wusch sich im kalten Seewasser. Sie dachte, dass sie nichts anderes getan hätte, wenn sie im Saal geblieben wären. Nur dass ihr dann die ständige Angst erspart geblieben wäre, die sie bei jedem ungewohnten Geräusch packte, ebenso wie der unerträgliche Geruch nach Verbranntem, der am Morgen noch stärker war.
Die Beklemmung des Morgengrauens, die Kälte, die durch die Kleidung drang, und der Abscheu vor dieser brandgeschwängerten Luft brachten Kate dazu, einen zusätzlichen Isolator anzuziehen und die Jacke bis zum Kragen zu schließen. Sie hatte sich diese Flucht anders vorgestellt, hatte nur die Gelegenheit vor Augen gehabt, allein mit Baikal zu sein, eine Ungestörtheit, in der sie endlich ihr Verlangen nach ihm mit allen Sinnen würde ausleben können. Stattdessen war es fast das Gegenteil: Unbequemlichkeit und Angst standen der Freude entgegen und erstickten schließlich sogar das Begehren.
Sie war Baikal aus Liebe gefolgt, weil sie ihn nicht allein fortgehen lassen und damit das Risiko eingehen wollte, ihn nie wiederzusehen. Sie hatte sich vage vorgestellt, das Woanders, das ihn anzog, würde ihrem Glück förderlich sein.
Was sich ihr hier offenbarte, brachte sie brutal auf den Boden der Tatsachen zurück.
An diesem trüben Morgen kam sie sich wie jemand vor, der sein Bewusstsein verloren hatte und nun allmählich seine Sinne wiederfindet. Zunächst die Orientierung in der Zeit: Sie musste sich anstrengen, um sich zu erinnern, dass es der 3. Juli 27 war. In Globalia wurden die Jahre von null bis 6o gezählt, dann fing man wieder bei null an. Dieses System, das sich der Zählung von Minuten und Sekunden anpasste, hatte viele Vorteile. Menschen mit großer Zukunft konnten sich von der entsetzlichen Indiskretion freimachen, die früher im Geburtsdatum gelegen hatte. Im Jahr 12 geboren zu sein, konnte im Jahr 22 bedeuten, dass man zehn, 70 oder 130 war. Außerdem erinnerte diese Zählung jeden daran, dass Globalia keinen Anfang hatte. Diese Welt hatte immer existiert und würde immer existieren, im Rhythmus des langsamen Pulsschlags von sechzig Jahren, die immer wieder neu beginnen würden. Der 3. Juli 27 also, so viel zur Zeit.
Mit dem Raum war es nicht so einfach. Zum ersten Mal fragte sie Baikal direkt, wo sie waren und wohin er wollte.
"Soweit ich weiß, kommen wir aus dem Nationalpark raus, wenn wir in diese Richtung weitergehen, und erreichen eine Zone hinter den großen Bywater-Fabriken", antwortete er etwas verlegen. "Wir durchqueren sie und sind an der Küste."
Obwohl er sich um eine wissende Miene bemühte, sah Kate, dass Baikal weder über den Weg noch über den Standort genau Bescheid wusste. Wie hätte er es auch wissen sollen, da sie ja durch verbotene Zonen gehen mussten, durch Gegenden, die man der Natur und den Terroristen überlassen hatte? Kate brachte es nicht übers Herz, die Fragerei fortzusetzen, aber sie spürte, dass sie die Sache bald selbst in die Hand nehmen musste. (...)

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Weitere beliebte Ausgaben desselben Titels

9783442460007: Globalia: Roman

Vorgestellte Ausgabe

ISBN 10:  344246000X ISBN 13:  9783442460007
Verlag: Goldmann Verlag, 2007
Softcover