Friede Springer: Die Biografie - Softcover

Kloepfer, Inge

 
9783455094893: Friede Springer: Die Biografie

Inhaltsangabe

Zwanzig Jahre nach Axel Springers Tod bricht seine fünfte und letzte Ehefrau erstmals ihr Schweigen: Sie erzählt vom bewegten Leben an der Seite des legendären Verlegers und vom langen und kräftezehrenden Kampf um sein Erbe.
'Villenhaushalt sucht Kindermädchen': Im Sommer 1965 führt eine Anzeige die 23-jährige Friede Riewerts von der Nordseeinsel Föhr ins Haus von Axel Springer, dem mächtigsten deutschen Zeitungsverleger. Zwei Jahre später wird sie zur Frau an seiner Seite, lebt zwanzig Jahre nur für ihn. Als er 1985 stirbt, droht sein Lebenswerk zu zerfallen - demontiert durch Machtkämpfe zwischen Großaktionären, Konzernvorständen und Miterben. Der jungen Witwe gelingt, was niemand erwartet hat: Sie setzt sich gegen alle Widersacher durch und steht heute an der Spitze eines wieder florierenden Konzerns. Inge Kloepfer rollt ein halbes Jahrhundert deutscher Mediengeschichte auf - ein packender Wirtschaftskrimi und eine außergewöhnliche Liebesgeschichte.

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Über die Autorin bzw. den Autor

Inge Kloepfer, Jahrgang 1964, studierte Volkswirtschaftslehre und Sinologie. 1992 wurde sie Mitglied der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seit 2001 schreibt sie für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Berlin.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Plötzlicher Abschied
Sie blieb, saß eine ganze Weile noch bei ihm. Allein. Eine Stunde vielleicht oder länger, oder nur zwanzig Minuten. Sie hatte sich vornübergebeugt und ihre Stirn auf seinen merkwürdig gewölbten Brustkorb sinken lassen, den Kopf zwischen den ausgestreckten Armen, die Hände ineinander verschränkt. Sie hörte nichts, sie sah nichts und dachte nichts. Sie spürte nur die Stille um sich herum und eine tiefe Müdigkeit, die andere und auch sie selbst später als Schockzustand beschreiben sollten.
Irgendwann stand sie auf, verließ den Raum der Intensivstation. Mit langsamen, kleinen Schritten zog sie sich zurück, ganz leise, unhörbar fast, als wollte sie ihn nicht stören, sondern weiterschlafen lassen. Sie ging den kahlen Gang des Krankenhauses entlang, bat irgendwo um ein Telefon und wählte die Nummer des Pfarrers. Mechanisch sprach sie ihren Namen in den Hörer und dann noch zwei Sätze, bevor sie wieder auflegte: "Hier ist Friede Springer. Mein Mann ist gestorben. Sie sollten das wissen, ehe Sie es aus den Abendnachrichten erfahren."
Jobst Schöne, Pfarrer der altlutherischen Kirche in Berlin, der der Zeitungsverleger Axel Springer angehörte, war dessen Seelsorger gewesen. Er hatte ihm die Stellen der Bibel erklärt, die der sich nicht erklären konnte, und die Offenbarung des Johannes. Er hatte dem Verleger viel bedeutet und ihm geholfen in den dunkelsten Tagen seines Lebens. Er hatte Friede und Axel Springer in seiner Kirche getraut, und er würde ihn beerdigen. Doch Friede Springer dachte nicht an die Beerdigung, sondern überlegte nur, wer noch alles wissen sollte, daß ihr Mann gerade gestorben war.
Den Kindern ihres Mannes und seinen Enkeln hatte sie bereits am Vormittag angedeutet, daß es dem Vater und Großvater nicht gutgehe. Barbara, Tochter aus erster Ehe und ältestes Kind Springers, hatte sie zuerst angerufen. Danach die anderen: Raimund Nicolaus, Sohn aus Springers vierter Ehe mit Helga, und die beiden Enkel Axel Sven und Ariane, die Kinder seines Sohnes Axel junior, der sich vor fünfeinhalb Jahren das Leben genommen hatte. Auch Ernst Cramer hatte sie Bescheid gesagt, dem engsten Mitarbeiter und Freund Springers, der längst auch ihr ans Herz gewachsen war. "Ernst", hatte sie ins Telefon geflüstert, "Axel geht es sehr, sehr schlecht." Sie hatte einen Moment gestockt, geweint und dann nur noch hervorgebracht: "Er stirbt." - "Ich bin gleich bei euch", hatte der Freund versprochen, den Hörer auf die Gabel geworfen und war ins Krankenhaus geeilt, ihr Beistand zu leisten. Aber im Grunde war er hilflos - wie jeder, der zusehen muß, wie eine Frau ihren Mann verliert. "Axel wird das schon schaffen", hatte er ihr immer wieder zugeredet, als Springer schon auf die Intensivstation gebracht worden war und dort im Koma lag. Doch er glaubte selbst nicht mehr an seine Worte, zu offensichtlich deutete sich das nahe Ende seines Verlegers an. Dann hatte er Friede zurückgelassen und war nach Hause gefahren. Er wußte, daß er ihr nicht helfen konnte, daß sie allein fertig werden mußte mit der Sorge um ihren Mann. Wahrgenommen hatte sie ihn kaum. Von zu Hause aus hatte Cramer nur noch ein paar enge Mitarbeiter des Verlegers angerufen, wohl keine Handvoll an der Zahl, um ihnen zu sagen, wie schlecht es um Springer stünde und daß das Schlimmste zu befürchten sei. Schnell hatte sich herumgesprochen, daß es mit Axel Springer wohl zu Ende ginge.
Ob sie nach Hause gefahren werden wolle, hörte Friede Springer plötzlich eine Stimme hinter sich. Es war Volker Regensburger, der Hausarzt, mit dem sie ihren Mann am Tag zuvor ins Martin-LutherKrankenhaus nach Berlin-Grunewald gebracht hatte. "Ja, nach Hause", wiederholte sie tonlos, folgte ihm zum Auto und stieg ein. Es war warm draußen, vom bevorstehenden Herbst keine Spur, immer noch Spätsommer, so, wie es den ganzen September gewesen war.
Sie fuhren schweigend über die Argentinische Allee nach Westen, hinaus aus dem Villenviertel. Der Wagen rollte weiter in Richtung Wannsee und steuerte durch den Wald auf die Halbinsel Schwanenwerder zu, auf der Axel Springer sich und seiner Frau seine Berliner Villa hatte bauen lassen.
Niemand hatte Springers nahen Tod vorhergesehen oder gar erwartet, am wenigsten die, die ihm am nächsten standen. In der letzten Woche seines Lebens hatte er nur noch seine fünfte und letzte Ehefrau Friede zu sich gelassen. Und selbst sie, die Tag und Nacht bei ihm war, hatte nicht damit gerechnet, daß er sie so bald zurücklassen würde. Sie war zwar nicht mehr von seiner Seite gewichen und hatte natürlich gemerkt, daß sein Körper ihn zunehmend im Stich ließ. Aber daß es so schnell zu Ende gehen würde?
Springer hatte in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder über sein Testament gesprochen und über eine Zukunft des Verlages ohne ihn - Friede hatte, wie bei allem, was Axel Springer bewegte und beschäftigte, mitgedacht. Sie hatte ihn verstanden oder ihm zumindest das Gefühl gegeben. Aber sie hatte nicht ernsthaft geglaubt, daß es schon in kürzester Zeit soweit sein könnte. Und auch Springer selbst hatte zwar im Sommer des Jahres 1985 seinen Nachlaß neu geordnet, allerdings nicht in der Annahme, damit die letzten Entscheidungen seines Lebens zu treffen. Er hatte sich mit dem Tod befaßt - und das nicht erst seit kurzem, sondern über Jahre. Er hatte unerschütterlich an ein Weiterleben im Jenseits geglaubt und allein das Sterben gefürchtet. Dreiundsiebzig, das war kein Alter, um abzutreten. Schneller, als er es sich selbst vorstellen konnte, hatte er die Welt und seine junge Frau verlassen. Und irgendwie war sie nach all den Jahren an seiner Seite immer noch still und unauffällig und ein bißchen unbedarft. (...)

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