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Tom Clancy's Net Force - Fluchtpunkt: Roman - Softcover

 
9783453770874: Tom Clancy's Net Force - Fluchtpunkt: Roman

Inhaltsangabe

256 Seiten; paperback Pavillon,

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Über die Autorin bzw. den Autor

Tom Clancy, geboren 1948, arbeitete lange Jahre als Versicherungsagent. Eine Meuterei auf einem sowjetischen Zerstörer regte Clancy dazu an, seinen ersten Thriller, "Jagd auf Roter Oktober" zu schreiben. Das Buch wurde auf Anhieb ein internationaler Erfolg, der sich in der Verfilmung mit Sean Connery in der Hauptrolle wiederholte. Seither ist Tom Clancy der Erfolg treu geblieben, seine Romane belegen regelmäßig über Wochen hinweg die ersten Plätze der internationalen Bestsellerlisten, die Verfilmungen mit Harrison Ford als Jack Ryan waren ausnahmslos Kassenschlager. Wie realistisch und gut recherchiert seine Bücher sind, zeigt die Tatsache, dass der Autor nach den Anschlägen vom 11. September von der amerikanischen Regierung als spezieller Berater hinzugezogen wurde - in "Befehl von oben" hatte er ein Szenario entworfen, dass der späteren Realität erschreckend nahe kam. Steve Pieczenik ist von Beruf Psychiater. Er arbeitete während der Amtszeiten von Henry Kissinger, Cyrus Vance und James Baker als Vermittler bei Geiselnahmen und als Krisenmanager.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Südamerika Juni 2025 Termina Internacional, Corteguay
Prolog
Julio Cortez holte tief Luft, als sich das Flugzeug der Landebahn näherte. Der Sturm, durch den sie die letzte halbe Stunde geflogen waren, peitschte die Windböen und sintflutartigen Regenfälle mit unverminderter Stärke gegen die Maschine. Durch das Fenster neben sich konnte Julio kaum etwas ausmachen - geschweige denn, sich davon überzeugen, daß der Landevorgang planmäßig verlief. Mit einem harten Ruck setzten die Räder des Flugzeuges auf dem regennassen Rollfeld auf. Julio konnte das Aufheulen des Triebwerks und das Dröhnen der Landeklappen hören, als diese ihre Maximalstellung erreichten. Er spürte, wie das Flugzeug zitternd die Geschwindigkeit drosselte. Mit einem langen Stoßseufzer blies er die Luft, die er angehalten hatte, aus seiner Lunge. Bis hierhin hatten sie alles heil überstanden.
Das holprige und reparaturbedürftige Rollfeld ließ die Fahrt zum Flughafenterminal zu einer unangenehm rütteligen Angelegenheit werden. Unter normalen Umständen wäre Julio froh gewesen, nach einem solchen Flug wieder sicher auf dem Boden gelandet zu sein. Doch waren dies alles andere als normale Umstände.
Prüfend musterte er die Gesichter der Mitreisenden. Wie zuvor wichen alle seinem Blick aus und waren plötzlich eifrig mit ihrem Lesestoff, ihrem Handgepäck oder ihrem Sitznachbarn beschäftigt. Niemand erwiderte seinen Blick, niemand nickte ihm freundlich zu.
Mit dem Flugbegleitpersonal von CorteAir verhielt es sich nicht anders. Während des unruhigen Fluges waren sie höflich, effizient und gründlich gewesen - aber Julio und seiner Familie gegenüber hatten sie sich nicht ausgesprochen warmherzig oder freundlich gezeigt. Jedenfalls nicht so wie den anderen Fluggästen gegenüber.
Sie wissen nicht, ob es gefährlich ist, mit uns zu reden, dachte er und fragte sich, wann sich das endlich änderte - und ob es sich jemals änderte.
Während sein Vater und seine Mutter mit seiner kleinen Schwester Juanita beschäftigt waren, starrte Julio angestrengt zum Fenster hinaus und versuchte, einen ersten Blick auf sein Heimatland zu erhaschen, an das er nur ein paar vage Kindheitserinnerungen hatte. Doch in der Dunkelheit konnte er nur den Regen ausmachen, der über das Plexiglas herunterströmte, und in der Ferne den roten Schein der Blinklichter am Ende der Landebahn.
Das Flugzeug verlangsamte seine Fahrt, als die Triebwerke weiter gedrosselt wurden. Mit einem Ruck und einem Schütteln schwenkte die Maschine nach links. Schließlich erhob sich das Terminal schemenhaft vor ihnen aus der Dunkelheit, zum Teil noch in einen Schleier aus Regen gehüllt.
Die Maschine beendete ihr Wendemanöver und rollte auf das spärlich beleuchtete Hauptterminal zu.
Der Termina Internacional von Corteguay war weder groß, noch erfüllte er die technischen Voraussetzungen, um moderne Flugzeuge abfertigen zu können. Deshalb waren Julio und seine Familie mit einem alten, tief fliegenden Passagierjet in den kleinen, südamerikanischen Inselstaat gekommen. Es war eine Boeing 777, die zweifellos seit mehr als zwanzig Jahren pausenlos im Einsatz war.
Nun gut, dachte Julio, eigentlich wollte ich die Reise vom Dulles Airport in Washington nach Corteguay sowieso nicht unternehmen. Je länger das Ganze dauert, um so besser.
Diese Erkenntnis löste ein Gefühl der Traurigkeit in ihm aus.
Von der Entfernung her ist es gar nicht so weit, grübelte er, trotzdem liegen Welten dazwischen. Ebensogut hätte ich auf einem anderen Planeten landen können.
Einem überaus gefährlichen Planeten.
Bei jeder anderen Gelegenheit hätte Julio den Flug in einem solch primitiven und technisch anspruchslosen Luftfahrzeug als Abenteuer betrachtet. Es war so ähnlich, wie in den Flugsimulatoren zu fliegen - seine Lieblingsbeschäftigung.
Aber an diesem Abend empfand Julio die Rückkehr in sein Geburtsland als genug Abenteuer.
Schließlich gab er es auf, durch das Fenster zu starren, und wandte sich wieder seiner Familie zu. Seine Mutter und sein Vater versuchten immer noch, die zappelnde Juanita zu beruhigen. Während er zuschaute, bemühte er sich zu begreifen, was seine Eltern dazu bewegt haben könnte, in ein Land zurückzukehren, in dem alles gefürchtet und verhaßt war, woran sie glaubten.
Sein Vater, bemerkte Julio stolz, setzte sein mutigstes Gesicht auf. Er lächelte seiner Familie zu, während der Pilot sie über die Sprechanlage in der Sozialistisch-Demokratischen Republik von Corteguay willkommen hieß.
Warum sollte er auch nicht lächeln? fragte sich Julio. Heute Abend beendet er sein Leben als Exilpolitiker - und nimmt seinen Platz als Präsidentschaftskandidat bei Corteguays ersten freien Wahlen seit fast sechzig Jahren ein. Heute Abend ist mein Vater heimgekehrt ...
Es ist auch meine Heimat ... Daran mußte sich Julio immer wieder erinnern. Lieber wäre er jetzt in Washington, D.C., wo er die meiste Zeit seines Lebens verbracht hatte und wo all seine Freunde lebten.
Er schob diese Gedanken beiseite und konzentrierte sich auf das Hier und Jetzt, ganz so, wie es ihn sein Vater immer gelehrt hatte. Genauso verdrängte er jeden Gedanken an Glück und Sicherheit.
Auch das hatte sein Vater ihm beigebracht - nicht durch Worte, sondern durch sein Vorbild.
Während das Flugzeug langsamer wurde, wandte sich Julio zu seiner Mutter um. Sie hatte alle Hände voll zu tun, sich um Juanita zu kümmern. Die Fünfjährige kämpfte mit ihrem Sicherheitsgurt und versuchte gleichzeitig, den Tablettisch herunterzulassen.
Trotz seiner Besorgnis mußte Julio fast lachen.
Erstaunlich, daß ein so kleines Kind soviel Wirbel verursachen konnte. Ich war bestimmt nicht so ungezogen, als ich klein war, dachte Julio, doch er konnte sich nur lückenhaft und verschwommen erinnern. Juanita wird alle ganz schön in Trab halten, wenn sie erst einmal ein Teenager ist wie ich.
Seine Mutter rief die Fünfjährige sanft zur Ordnung. Während sie beruhigend auf Juanita einsprach, war sie nach außen hin die Ruhe selbst. Doch in ihren Augen konnte Julio einen dunklen Schatten lauern sehen. Er erkannte sofort, was es war.
Angst.
Seine Mutter hatte Angst. Um ihre Familie.
Julio spürte es auch. Ebenso sein Vater, obwohl er seine Angst besser verbergen konnte als alle anderen.
Wenn Dad das kann, kann ich es auch, sagte sich Julio.
Der tapfere Gesichtsausdruck seines Vaters erinnerte ihn daran, daß jener Mann, der sein Vater einmal gewesen war und den er so gut gekannt hatte - der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger, Menschenrechtsaktivist und Universitätsprofessor -, für immer verschwunden war. An seine Stelle war ein Politiker und aufstrebender Regierungsbeamter getreten, der, wenn es das Volk von Corteguay wünschte, entschlossen war, die Last einer ganzen Nation auf seinen Schultern zu tragen.
Um dieses Ziel zu erreichen, mußte Ramon Cortez seine wahren Gefühle vor allen verbergen, mit Ausnahme der Menschen, die er liebte und denen er vertraute. Und vielleicht sogar auch vor ihnen.
Schlagartig wurde Julio bewußt, daß sie sich innerhalb eines einzigen Tages alle auf magische Weise verändert hatten. Nur wenige Stunden zuvor waren sie eine typische amerikanische Familie gewesen, die ein typisch amerikanisches Leben führte. Jetzt, im Verlauf eines kurzen Fluges, waren sie zu politischen Agitatoren und Feinden des gegenwärtigen Regimes von Corteguay geworden. In einem Land, das für seine Geheimpolizei, seine Militärdiktatoren und politische Unterdrückung bekannt war, war politischer Aktivismus ein äußerst gefährliches Betätigungsfeld.
Julio wurde jäh aus seinen trüben Gedanken gerissen, als das Flugzeug ruckartig zum Stehen kam. Ein elektronischer Dauerton tönte durch den Passagierraum und ließ die Fluggäste wissen, daß sie die Sicherheitsgurte lösen und sich von den Sitzen erheben durften.
Doch Julio sah niemanden aufstehen, als er seinen Blick durch das Flugzeug schweifen ließ. Die Augen der anderen...

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