Die Welt ist noch nicht am Ende ihres Lateins
Latein ist hip wie nie zuvor: David Beckham trägt auf seinem Arm lateinische Tattoos, und „Quo vadis?“-Smalltalk à la Asterix ist auf jeder Party ein Knüller. Passend dazu kommt nun der ultimative Führer durch die lateinische Sprache. Doch keine Angst – oder wie der versierte Lateiner sagen würde: „Nil desperandum!“ Mit „Latin Lover“ gelingt es Harry Mount, die angestaubte Sprache der alten Römer trendig und äußerst heutig zu präsentieren.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Harry Mount hielt Vorlesungen über die Klassische Antike in Oxford und war zudem Tutor für Latein, bevor er sich entschied Journalist zu werden. Er arbeitete u.a. als Chefreporter und New-York-Korrespondent des "Daily Telegrapgh". "Latin Lover" ist sein erstes Buch, das in deutscher Sprache erscheint.
David Beckham hat an der Chingford School in Essex, Großbritannien, nicht Latein gelernt. Das Fach war schon lange aus dem Lehrplan der staatlichen Schule gestrichen worden, bevor er dort in den späten Achtzigerjahren eingeschult wurde. Wenn es jedoch um die künstlerische Gestaltung seines Körpers geht, ist der Fußballer ein überzeugter Lateiner. Von den neun Tätowierungen auf seinem Körper sind drei lateinisch (und bei zwei weiteren, »Victoria« und »Romeo«, handelt es sich um durch das Lateinische inspirierte Namen).
Auf seinem linken Unterarm trägt er die verzwickte kleine Wendung »Ut Amem et Foveam« -»Dass ich liebe und hege« -, die den Konjunktiv sorgfältig und korrekt verwendet.
Auf seinem rechten Unterarm findet sich die Nummer des Fußballtrikots, das er trägt - 7 -, allerdings hat er sich für die römische Ziffer entschieden: VII. Unter die VII hat Beckham seinen Tätowierer aus Manchester, Louis Malloy, dem er seit seinen Fußballspielerzeiten bei Manchester United verbunden ist, »Perfectio in Spiritu« schreiben lassen - »Perfektion im Geiste«.
Während ich dies schreibe, ist bei einer weiteren Berühmtheit eine lateinische Tätowierung gesichtet worden: Am 25. Januar 2006 wurde die Schauspielerin Angelina Jolie auf dem Londoner Flughafen Heathrow auf ihrem Weg zum Weltwirtschaftsgipfel in Davos gesehen. Die unteren Regionen ihres schwangeren Bauches waren geschmückt mit der lateinischen Tätowierung »Quod me nutrit me destruit« - »Was mich nährt, zerstört mich«.
Wie sich Angelina Jolie sicherlich bewusst ist, schwingt in dem Latein auf ihrem Bauch ein Echo mit, das sich durch die Zeiten und durch die Federn der größten Autoren aller Zeiten verbreitet. Aus diesem Grunde trägt sie dieses Zitat auf Lateinisch und nicht auf Englisch oder auf Suaheli; aus demselben Grunde hat sie es in einer gotischen Schriftart ausführen lassen - um den Eindruck althergebrachter Weisheit zu erwecken.
Dasselbe Streben nach etwas Altem und Hochgeistigem hat zur Folge, dass Jacques Chirac seine neue europäische Internet-Suchmaschine (wenn sie denn zustande kommt) »Quaero« - lateinisch für »Ich suche« - und nicht etwa »Je cherche« nennen möchte. Und dieses Streben ist auch der Grund dafür, dass Beckham, der keinerlei formale Kenntnisse dieser Sprache besitzt, das Lateinische für die auf seiner Haut wiederzufindenden Wörter und Zahlen wählt, die er, seine Ehefrau und einige in Madrid ansässige PR-Mädchen den ganzen Tag und oft genug auch nachts anstarren müssen.
Die ganz zentrale Ursache hierfür ist die vornehme Aura der lateinischen Sprache. Weil die Altphilologie - also Altgriechisch und Latein - keinen praktischen Nutzen hatte, gewann sie häufig bei jenen an Prestige, die es sich leisten konnten, ihre Zeit statt geldbringenden Disziplinen wie Naturwissenschaften oder dem Ingenieurwesen lieber geschliffener Prosa, Lyrik und Geschichte zu widmen. Sie blühte an Großbritanniens exklusiven Privatschulen - heute überlebt der ordentliche Unterricht in diesen klassischen Sprachen nur dort und an den wenigen verbliebenen Grammar Schools, so wie er in Deutschland weitgehend an die humanistischen Gymnasien verbannt ist.
Und obwohl Beckham die Geschichte des Lateinunterrichts im britischen Schulsystem vielleicht nicht kennen wird, ist er sich sicherlich des vererbten Ballasts der Vornehmheit bewusst, den diese Sprache mit sich trägt.
Er wird sie in den Wahlsprüchen einiger Fußballklubs bemerkt haben. (Der Wahlspruch von Arsenal London lautet: »Victoria Concordia Crescit« - was nicht »Posh Spice fliegt mit der Concorde« heißt, sondern »Der Sieg erwächst aus der Eintracht«.) Ihm mag der klassische Einfluss hinter den Gruppen von ionischen Säulen aufgefallen sein, die den Giebel des Vorbaus seines im Queen-Anne-Stil erbauten Hauses, Beckingham Palace in Sawbridgeworth, Hertfordshire, einrahmen. Er hat die Sprache vielleicht auch in Datumsangaben auf Kriegsdenkmälern und in Inschriften auf Grabsteinen und auf den Fassaden alter Häuser gesehen. Wo auch immer Beckham Latein wahrgenommen hat - der Rahmen wird prächtig oder mit bedeutungsvollen Ereignissen im Leben verbunden gewesen sein: Geburt, Tod, Stätten der Gelehrsamkeit. Die Umgebung wird eher alt gewesen sein oder eine, die Assoziationen mit Althergebrachtem hervorrufen möchte.
Das Wissen darum, dass die lateinische Sprache wenn nicht in gesprochener, dann doch zumindest in schriftlicher Form 2500 Jahre überlebt hat, verleiht der Wendung »Ut amem et foveam« eine elementare Kraft, die ihre englische oder deutsche Entsprechung einfach nicht besitzt. Und hierbei handelt es sich um eine Kraft, die sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. Beckham mag vielleicht nicht in der Lage sein, Latein zu lesen, aber er wird es erkennen, wenn es ihm in der gesprochenen Sprache des Alltags begegnet: RIP (requiescat in pace - Ruhe in Frieden), i.e. (id est - das heißt), per se (»an sich«, unter Fußballern eine populäre Wendung: »Ich wechsle nicht per se wegen des Geldes zu Real Madrid«) und so weiter.
Alle diese Ausdrücke sind mentale Auslöser, kleine Ticks - über die englische wie die deutsche Sprache verstreut und in solider Form im ganzen Land zu finden-, wodurch der lateinischen Sprache etwas zu eigen ist, das der Marketingchef von Manchester United als gewaltiges Markenpotenzial bezeichnen würde.
Und so kommen wir zum eigentlichen Kern dieses Buches: Dass es nämlich nicht schwierig ist, den Sprung zu machen von den Lateinkenntnissen eines Tätowierers aus Manchester auf ein Niveau, das einem erlaubt, die meisten Inschriften auf Grabsteinen zu verstehen, und mit dem man echtes Vergnügen daran findet, kleine Ausschnitte von Horaz und Catull zu lesen.
Wenn Sie während Ihrer Schulzeit kein Latein gelernt haben -kein Problem. Wenn Sie doch Latein gelernt haben, umso besser. Sie mögen vielleicht denken, dass Sie es vergessen haben. Das haben Sie sicher nicht. Wenn Sie auch nur den kleinsten Teil Ihrer Jugend damit verbracht haben, langweilige Deklinationen und Konjugationen zu lernen, dann bedeuten die Anstrengung, die Sie darauf verwendet haben, und die jungen Jahre, in denen Sie es getan haben, dass wenigstens noch eine Spur dieses Wissens vorhanden ist, die sich in den versteckten Regionen Ihres Gehirns eingegraben hat. Irgendwo in Ihrem Geist pulsieren noch die alten Rhythmen: amo, amas, amat; Ablativus absolutus, Futur II, Konjunktiv.
Während Sie die Liste durchgehen und die Regeln hinter jeder Wendung ein wenig komplizierter werden, wird die Erinnerung an sie möglicherweise immer blasser sein. Aber alles, was diese Regeln nötig haben, ist ein kleines Kitzeln des Gedächtnisses, und schon strömen sie alle zurück. Nur ein kurzer Fischzug durch diese nette kleine Lateinfibel mit ihrer Rückschau auf einige jener
Deklinationen und Konjugationen wird ausreichen, um diese Erinnerung wieder ans Tageslicht zu bringen. Die Freuden, die schon das Erlernen der lateinischen Sprache in kleinem Umfang mit sich bringt, sind riesig.
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