Simone Kirsch alias Vivien Leigh führt ein aufregendes Doppelleben: Sie ist Stripperin in einer Peepshow und neuerdings ausgebildete Privatdetektivin. Als ein Nachtclubbesitzer ermordet und ihre Freundin der Tat verdächtigt wird, muss sie ihren ersten Fall lösen.
"Peepshow" ist der Auftakt einer neuen Krimiserie mit einer unkonventionellen und intelligenten Heldin, die sich mit Witz und den Waffen einer Frau durch das Rotlichtmilieu schlägt.
"Redhead hat mit Simone Kirsch eine wunderbare Figur geschaffen."
Daily Examiner
"Der beste Krimi des Jahres."
Weekend Australian
"Dem Genre des Frauenkrimis wird mit 'Peepshow' neues Leben eingehaucht. Leigh Redhead ist eine brilliante junge Autorin."
Sydney Morning Herald
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Leigh Redhead, geboren 1971, arbeitete in ihrem bisherigen Leben bereits als Köchin auf einem Fischerdampfer, war Masseuse, Bedienung, Stripperin und jobbte im Supermarkt. "Peepshow" ist ihr erster Roman um die Detektivin Simone Kirsch, für den sie in Australien mehrere Auszeichnungen erhielt. Die Fortsetzung ist bereits in Planung.
"Redhead hat mit Simone Kirsch eine wunderbare Figur geschaffen."
Daily Examiner
"Der beste Krimi des Jahres."
Weekend Australian
"Dem Genre des Frauenkrimis wird mit 'Peepshow' neues Leben eingehaucht. Leigh Redhead ist eine brilliante junge Autorin."
Sydney Morning Herald
Prolog
Montag, 3. November
Der Raver wankte aus dem Palace Nachtclub in die grelle Morgendämmerung.
»Oh Gott.«
Seit zehn Jahren Raver und trotzdem am nächsten Tag völlig geplättet. Doch er hatte vorgesorgt. Er kramte in seiner weiten Cargohose nach seiner Sonnenbrille. Schon besser. Mit dem schwarzen Gestell und den blaugetönten Gläsern sah das Ding nicht nur verdammt cool aus, sondern machte auch das Licht weich und diffus. Alles wirkte freundlicher.
Er kaute seinen zuckerfreien Kaugummi und überlegte, was er jetzt tun sollte. Nach Hause konnte er noch nicht. Das Ecstasy, das er vor einer halben Stunde geschluckt hatte, fing gerade erst richtig an zu wirken.
»Sei vorsichtig damit, Alter«, hatte der Dealer, nackt bis auf eine Latexhose und vor Schweiß glänzend, gesagt. »Die sind echt stark, direkt aus Amsterdam. Fang lieber erst mal mit einer halben an.«
Von wegen!
Eine Halbe war was für Weicheier, zu denen er ganz bestimmt nicht gehörte. Doch als er sich nun an dem frischen Morgen in St. Kilda umsah und alles irgendwie leicht flimmerte, knisterte und knallte, konnte er nicht abstreiten, dass der Dealer womöglich Recht gehabt hatte. Mann, er stand völlig neben sich. Die Wirkung von dem Zeug traf ihn in Wellen, und sie wurden mit jedem Mal heftiger. Das Beste war, wenn er zum Strand ging, eine rauchte und ein bisschen entspannte.
Bei einer Palme blieb er stehen, um zu pinkeln. Er lehnte den Kopf an die raue Rinde und zog den Reißverschluss seiner Hose herunter. Die verfluchten Drogen brachten alles unterhalb der Gürtellinie zum Schrumpeln. Er drückte, doch es kamen nur ein paar dünne Tropfen, also schüttelte er ab.
Autos rasten an ihm vorbei entlang der Marine Parade. Es war Montagmorgen, und die Menschen waren auf dem Weg zur Arbeit. Alles Loser. Jemand hupte, und er winkte dem Verkehr zu, bevor er die Hose wieder schloss.
Der Strand war vor kurzem geebnet und mit hübschen Riffeln versehen worden. Winzige Wellen schwappten leise ans Ufer, wie auf einer New-Age-Entspannungskassette. Und über den blassblauen Himmel zogen rosarote Schleierwolken. Ein magischer Anblick. Er klopfte die Taschen nach seinen Kippen ab, als er etwas in der Bucht entdeckte.
Abgefahren. Es war ein Delfin. Der Raver liebte Delfine schon sein ganzes Leben lang. Er war kein Hippie, schrieb sich aber gern eine spirituelle Seite zu, die er mit reichlich Chemikalien nährte. Für ihn stand fest, dass Delfine geheimnisvolle Kreaturen waren, vielleicht aus einer anderen Galaxis geschickt, um den Menschen den Sinn des Lebens beizubringen. Er kaufte nur Thunfisch ohne Treibnetzfang und wollte sich sogar ein Delfintattoo stechen lassen, bis ihn sein Freund George davon überzeugte, dass das ein bisschen weibisch sei und ein keltisches Symbol besser zu ihm passe.
Er spürte den Ruf des Delfins, der durch Sonarwellen mit seinem Gehirn kommunizierte. Fantastisch. Beschwingt lief er zum Wasser, nackt bis auf die Boxershorts, und schwamm los. Ich komme, kleiner Delfin. Warte auf mich. Das Tier verschwand immer wieder, und der Raver glaubte schon, er hätte es aus den Augen verloren, als es plötzlich in der Dünung auftauchte. Er stürzte sich vorwärts und umarmte das Tier.
Doch es war gar kein Delfin.
Was der Raver umklammerte, war eine Mülltüte mit breiigem Inhalt, die auf dem Meer trieb. Während er Wasser trat, rutschte das nasse Plastik von dem Ding, und die Sonne, die sich hinter den Wolken versteckt hatte, kam heraus und glitzerte blendend hell auf der Meeresoberfläche. Er merkte, dass er keinen Boden mehr unter den Füßen hatte, und hielt sich instinktiv stärker an dem Gegenstand fest. Das Ding drehte sich zu ihm, der Müllbeutel trieb davon, und der Raver fand seine Arme um den Hals einer Leiche geschlungen, die Wange an das Gesicht eines Toten gedrückt. Gummiartige Lippen küssten seine Haut, und ein trübes Auge starrte ihn an. Das andere fehlte. An seiner Stelle war eine tiefe rote Höhle mit weißlichen Nervenenden, die wie die Tentakel einer Seeanemone hin und her wogten. Aus dem Loch kam ein gurgelndes Geräusch, als das Meerwasser eingesogen wurde.
1
Ich lag auf dem Rücken in der Peepshow im Shaft Cinema mit hoch gestreckten Beinen und einem durchsichtigen Negligee, unter dem ich keinen Slip trug.
Zwei der sechs Kabinen waren besetzt, und jedes Mal wenn einer der Typen eine Münze einwarf, hörte ich ein Summen, die blickdichte Scheibe wurde durchsichtig, und ein kleines orangefarbenes Licht schaltete sich über dem Fenster ein.
Es kostete zwei Dollar für fünfundvierzig Sekunden, wovon ein Dollar an mich ging. Die Kabinen waren dunkel, und die Gesichter der Männer schemenhaft, wenn sie sie nicht direkt an die Scheibe drückten, was keine gute Idee war.
Sie warfen immer mehr Münzen nach, also wand ich mich auf der dünnen Matratze, richtete mich auf allen vieren auf, warf meine langen dunklen Haare in vorgetäuschter orgasmischer Erregung hin und her und tat so, als spielte ich an mir herum. Aus einem Ghettoblaster dröhnte ein Song von Madonna, und farbige Discolichter flackerten in dem kleinen Raum. Spiegel an den Wänden und der Decke reflektierten mich tausendmal bis in die Unendlichkeit. In einer Peepshow kann man sich aus jedem Blickwinkel sehen.
Die Tür ging auf, und meine beste Freundin Chloe zog den schmuddeligen roten Vorhang zur Seite.
»Simone!« Sie hatte Lockenwickler in den blonden Haaren, und ihre Brüste quollen zwischen einem knappen pinkfarbenen Bikinitop hervor.
»Du siehst scharf aus.« Ich warf einen Blick auf die Uhr. Es war dreiviertel vier. »Ich hab noch fünfzehn Minuten.«
»Er ist tot.« Sie hielt die Nachmittagsausgabe der Herald Sun umklammert. »Das fette Schwein wurde umgebracht.«
»Welches fette Schwein?« Ich lag auf der Seite und streckte das Bein in Jane-Fonda-Manier nach oben.
»Mord in Stripclub«, zitierte Chloe die Titelseite. »Die Leiche, die heute Morgen vor St. Kilda im Meer treibend gefunden wurde, ist identifiziert. Es handelt sich um den Stripclub-Besitzer Francesco (Frank) Parisi, 38 Jahre. Wie die Polizei bestätigte, wurde der Inhaber des Red Room, einem Etablissement für Table Dance in der Flinders Street, auf brutale Weise niedergestochen, bevor man ihn in die Bucht warf.« Chloe arbeitete tagsüber im Shaft und nebenher jeden Freitag- und Samstagabend im Red.
Ich beugte mich vor den Fenstern nach vorn und warf jedem der Typen einen kurzen Blick zu. »Hast du ihn kalt gemacht?«, witzelte ich.
Chloes Miene blieb ernst. Sie drückte die Zeitung fest an die Brust und kaute auf der Unterlippe herum. »Ich glaube, wir sollten was trinken gehen«, sagte sie.
Wir überquerten die Swanston Street, wichen den Straßenbahnen und Silvertop Taxis aus und steuerten das Black Opal an, eine Kneipe mit Spielautomaten. Dort waren die Drinks billig und die Männer zu beschäftigt damit, ihre Maschinen zu melken, um ein paar Stripperinnen in ihrer Freizeit zu belästigen. Maxine sprang für uns in der Peepshow ein. Sie hätte eigentlich schon Mitte der Achtziger aufhören sollen, aber das ist eine andere Geschichte.
Ich besorgte eine Cola mit Bourbon für Chloe und ein Glas Champagner für mich. Wir setzten uns an einen Bistrotisch im hinteren Teil der Bar, die Zeitung lag zwischen uns.
Ich nippte an meinem Drink, während ich darauf wartete, dass Chloe mich aufklärte. Sie zündete sich eine Winfield Blue an und sah sich mit ängstlichem Blick in der Kneipe um. Die Frau steigerte sich in jede Kleinigkeit hinein. Also zog ich einfach die Zeitung zu mir herüber und las mein Horoskop. Es funktionierte.
»Ich hab dir nichts von Samstagabend erzählt«, platzte sie heraus. »Ich hätte es tun sollen, aber es war mir peinlich.«
Als sie eine Kunstpause machte, blätterte ich zu den Stellenanzeigen. Sie hielt es fünf Sekunden durch.
»Am Anfang meiner Schicht hat Frank mich in sein Büro gerufen, um mit mir eine Line Koks zu ziehen, du weißt schon, damit der Abend in Schwung kommt.«
Ich wusste Bescheid,...
„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Anbieter: DER COMICWURM - Ralf Heinig, Hohnhorst, DE, Deutschland
Taschenbuch. Zustand: Gut. ---. nein. Artikel-Nr. 20479
Anzahl: 1 verfügbar