Verwandte Artikel zu Perry Rhodan Lemuria 05: Die letzten Tage Lemurias

Perry Rhodan Lemuria 05: Die letzten Tage Lemurias - Softcover

Thomas Ziegler

 
9783453530171: Perry Rhodan Lemuria 05: Die letzten Tage Lemurias

Inhaltsangabe

Nach dem überwältigenden Erfolg von PERRY RHODAN-ANDROMEDA und PERRY RHODAN-ODYSSEE nun der neue, in sich abgeschlossene Zyklus PERRY RHODAN-LEMURIA. Von den besten Autoren der Heftserie exklusiv für Heyne geschrieben! Es gibt nur eine Rettung für die Gegenwart: Der Vorstoß nach Lemuria - und in die tiefste Vergangenheit.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Mit dem Erwachen kam der Schmerz. Der Schlaf hatte ihn vorübergehend blockiert, durch bizarre, fantastische Träume ersetzt, kleine Fluchten in die Welt des Unbewussten, aber als Thore Bardon die Augen aufschlug, war der Schmerz wieder gegenwärtig. Er nagte an seinem Herzen, nährte sich an seiner Seele, und es gab nichts, was er dagegen tun konnte. Er lag schwitzend auf seiner Pritsche in der Kommandantenkabine, spartanisch und schmucklos wie alle Unterkünfte im Wohndeck des Schweren Kreuzers IBODAN, starrte in die Dunkelheit und hörte das Keuchen seiner stoßartigen Atemzüge, als wäre er nur ein unbeteiligter Beobachter und kein Akteur.
Im Hintergrund rumorte das stetige, gedämpfte Dröhnen der Ringwulst-Impulstriebwerke und täuschte Beständigkeit vor, obwohl es keine Beständigkeit mehr gab, nur noch Zerstörung, Untergang, Tod.
Tod
Bardon stöhnte auf.
Die Erinnerungen brachen wieder über ihn herein, eine Bilderflut aus vergangenen Tagen, wahllos herausgegriffene Momentaufnahmen aus dem Leben auf Gunrar II im 34. Tamanium, die lächelnden Gesichter seiner Frau und Kinder, glückliche Augen, unbeschwert, ahnungslos. Die Geborgenheit, die er im Kreis seiner Familie gefunden hatte, hallte als mattes Echo in ihm wider, überlagert von dem Wissen, dass Gunrar II nicht mehr existierte, dass alle, die er einst gekannt und geliebt hatte, tot waren, für immer verloren, verglüht im Feuersturm der Bestienschiffe.
Er war allein.
Nur noch der Schmerz begleitete ihn.
Und alles, was ihm geblieben war, war die Mission.
Die Mission
Der Gedanke belebte ihn. Er vertrieb nicht den Schmerz, reduzierte ihn aber zu einem dumpfen Druck im Hinterkopf, aus dem er jederzeit wieder hervorbrechen konnte, brüllend und grell und unerträglich. Doch solange er an der Mission arbeitete, solange er sie mit aller Kraft verfolgte, sich durch nichts und niemand von ihr abbringen ließ, blieb der Schmerz nicht nur gedämpft, sondern verwandelte sich in etwas, das an Hoffnung erinnerte wenn es denn im 97. Jahr des großen Krieges Hoffnung überhaupt noch geben konnte.
Thore Bardon schwang die Beine von der harten Pritsche und stand auf. Der Kabinencomputer registrierte seine Bewegung und machte Licht. In der plötzlichen Helligkeit schienen die kahlen Wände näher zu rücken, ihn wie eine eiserne Faust zu umschließen. Er kniff die Augen zusammen, atmete tief durch und wartete, bis sich der jagende Schlag seines Herzens wieder beruhigt hatte.
Er musste kühl bleiben, durfte kein Gefühl zeigen. Er war der Kommandant, und die Besatzung verließ sich auf ihn. Sie sah zu ihm auf, erwartete Autorität und Führung in einer Zeit, in der das Chaos herrschte und der Tod triumphierte. Wenn ihre verzweifelte, tollkühne Mission Erfolg haben sollte, dann musste er mit der Präzision eines Uhrwerks funktionieren und durfte keinerlei Schwäche zeigen.
Sein Blick fiel auf das Holobild auf der Nachtkonsole, und der Schmerz brannte wie Feuer in seinem Herzen. Es zeigte Jercy und ihre drei Kinder Aból, Dhoma und Chemee, in einem glücklichen Moment eingefroren, vor der Kulisse des zentralen Raumhafens von Gunrar II.
Ich werde es für euch tun, dachte er grimmig. Ich werde den Weltraum durchmessen und die Zeit mir untertan machen, und dann werde ich euch zurückholen aus der Finsternis des Todes. Ich werde nicht zulassen, dass ihr für immer im Grab bleibt.
Er stapfte mit schweren Schritten in die Nasszelle, trat unter die Dusche und ließ von dem lauwarmen, dünnen Wasserstrahl den kalten Nachtschweiß und die Müdigkeit fortwaschen. Er war ein großer, kräftiger Mann mit samtbrauner Haut, kahl geschorenem Schädel und einem Gesicht, das jungenhaft gewirkt hätte, wäre es nicht von dem verzehrenden Schmerz zerfurcht, der ihn auf Schritt und Tritt begleitete. Das Licht in seinen Augen war erloschen, der Mund ein freudloser Strich, der das Lächeln schon vor langer Zeit verlernt hatte. Von seinem rechten Schulterblatt bis zum Solarplexus zog sich eine rosige Narbe, ein Souvenir der Schlacht um Lhordavan im 44. Tamanium, eine der wenigen Schlachten, die die Lemurer gegen die Bestien gewonnen hatten.
Doch während er im Orbit um Lhordavan gekämpft hatte, furchtlos und heldenhaft, wie es von ihm erwartet wurde, war eine andere Flotte der Schwarzen Bestien über Gunrar II hergefallen und hatte alle getötet, die er liebte. Gunrar war nur eine dünn besiedelte Agrarwelt gewesen, Lhordavan aber ein hoch entwickelter Industrieplanet, dessen Produktionskapazitäten für den Krieg von entscheidender Bedeutung waren. Bardon konnte verstehen, warum das Oberkommando der Flotte einen dichten Verteidigungsring um Lhordavan gelegt, Gunrar II jedoch ungeschützt gelassen hatte.
Strategische Erwägungen.
Nüchternes Kosten-Nutzen-Denken.
Lhordavan musste um jeden Preis gehalten werden, und sie hatten es geschafft, auch wenn Hunderte von Raumschiffen zerstört wurden und Hunderttausende von Männern und Frauen gefallen waren. Ein großer Sieg, ein bitterer Triumph. Und währenddessen war Gunrar II verbrannt, mit allem, was dort lebte, seiner Frau Jercy und den Kindern, seinen Nachbarn und Freunden
Genug!, dachte Bardon zornig. Hör auf, dich selbst zu quälen. Gunrar ist Geschichte, und es liegt allein an dir, die Geschichte zu ändern sofern dies überhaupt möglich ist.
Er trocknete sich ab, schlüpfte in seine Uniform und warf einen Blick auf die Zeitanzeige seines Kom-Armbands. Es war kurz vor 24.00 Uhr Bordzeit. Er hatte nur drei Stunden geschlafen. Flüchtig überlegte er, sich noch einmal hinzulegen, vielleicht etwas Musik zu hören, um Entspannung zu finden, aber er verwarf den Gedanken. Blieb er allein, würden ihn nur die Erinnerungen heimsuchen, das Glück verlorener Tage, das sich in Schmerz verwandelt hatte. Er musste in die Zentrale gehen, musste irgendetwas tun, um sich abzulenken und die Mission voranzutreiben.
Das unveränderte Dröhnen der Impulstriebwerke verriet, dass der Schwere Kreuzer noch immer in der Sublichtphase war, aber vielleicht waren die Reparaturen am Halbraumantrieb inzwischen abgeschlossen. Vielleicht konnten sie den Flug zum 87. Tamanium endlich fortsetzen und ihre Mission erfüllen.
Thore Bardon straffte sich, strich mit einer automatischen Bewegung die Schöße seiner Uniformjacke glatt und trat hinaus auf den Korridor. Hier war das Dröhnen der Impulstriebwerke lauter und erinnerte an das Grollen urzeitlicher Tiere, im Bauch des Schiffes eingeschlossen. Es roch nach Ozon, verbranntem Stahlplastik und verdampften Kühlmitteln, eine Folge des Treffers, den die Steuerbordseite der IBODAN vor einigen Tagen abbekommen hatte, als der kleine, aus fünf Schiffen bestehende Verband auf eine Flotte der Bestien gestoßen war.
Sie hatten sich nur durch eine schnelle Flucht vor der Vernichtung retten können, aber der blinde Sprung in den Halbraum hatte sie weit von ihrem Kurs abgebracht, und die Reparaturarbeiten kosteten weitere wertvolle Zeit.
Bardon ging mit schnellen Schritten durch den Korridor, stieg in den Antigravschacht und ließ sich hinauf zur Kommandoebene des Schweren Kreuzers tragen. Unterwegs begegnete ihm kein Crewmitglied, eine Folge der späten Stunde, aber auch der Verluste, die sie erlitten hatten. Ein Viertel der Besatzung war tot, ein weiteres Viertel verwundet. Und die überlebende Crew war müde und erschöpft, von den Entbehrungen gezeichnet, den Schrecken der vergangenen Wochen und Monate, aber auch von der heiligen Entschlossenheit erfüllt, die ihnen allen in diesen düsteren Stunden Kraft gab.
Wir sind die letzte Hoffnung von Lemur, dachte Bardon, das einzige Bollwerk des Großen Tamaniums, das noch nicht in Trümmern liegt. Von unserem Erfolg oder Misserfolg hängt nicht nur unsere Zukunft ab, sondern auch unsere Vergangenheit.
Er schauderte, als ihm plötzlich die Hybris ihres Planes dämmerte, die ungeheuerlichen, unvorstellbaren Folgen, die ihre Mission für die gesamte Galaxis Apsuhol haben würde Aber es nicht zu tun, zu resignieren und sich mit der...

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.