de Maupassant, Guy DIE NICHTEN DER FRAU OBERST Untertitel: ungekürzte Ausgabe ISBN:3453500148Medium:BuchSprache:DeutschAuflage, Bände:12. AuflageAbbild., Seiten:127 SeitenVerlag/Stadt:Heyne VerlagFormat:SoftcoverErscheinungsjahr:1971Gewicht:100g Zustand: Einband mit leichten Gebrauchsspuren, Seiten geringfügig gebräunt, insgesamt SEHR GUTER Zustand! Unsere Bestellnr: #688#
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
David Ritz verfasste als Co-Autor die Autobiographien von u. a. B. B. King, Smokey Robinson und Etta James. Zuletzt war er als Co-Autor bei dem Lebensbericht von Walter Yetnikoff beteiligt. Er verfasste auch die hochgelobten Biographien "Divided Soul: The Life of Marvin Gaye" und "Faith in Time: The Life of Jimmy Scott". David Ritz lebt in Los Angeles.
»Wenn es Grammys für Bücher von Musikern gäbe, wäre Ray ein klarer Anwärter.«
L.A. Times
»Ein emotionaler Paukenschlag, der so lebendig und echt, so verschwitzt und direkt ausfällt, wie der Mann selbst.«
San Francisco Chronicle
»Direkt, unverblümt, manchmal fast entblößend, oftmals zum Schreien komisch, immer warmherzig, berührend, und zutiefst menschlich - ganz wie seine Musik.«
Chicago Sun-Times
Vorwort von Ray Charles
Bevor ich beschloss, dieses Buch zu schreiben, dachte ich lange darüber nach. Ich überlegte, was für positive und negative Auswirkungen es für mich haben könnte.
Würde ich mir selbst schaden? Das war die erste Frage. Würde ich jemand anderem schaden? Hatte ich wirklich etwas zu verbergen, etwas, das ich nicht erzählen könnte, etwas, für das ich mich schämte?
Die Antwort auf diese Fragen ist Nein. Im Rückblick konnte ich nichts finden, was ich zensieren müsste. Es gab keinen Grund, nicht völlig offen zu sein. Was geschehen ist, ist geschehen. Es gibt kein Zurück. Ich muss und werde meinen Weg weitergehen. So bin ich eben. Außerdem: Mein Auftritt ist schon vorbei. Deshalb beschloss ich, alles zu erzählen, so gut und wahrhaftig ich mich erinnern kann.
Ich hatte niemals vor, ein Buch über mein Leben zu schreiben. Hatte nicht die geringste Absicht. So war ich recht nachlässig beim Aufbewahren meiner Sachen sogar was meine eigenen Schallplatten betrifft und ich bin unvorbereitet an diese Angelegenheit herangegangen. Keine Notizen, keine Tagebücher.
Es kommt alles aus meinem Kopf, nach monatelangen Gesprächen, bei denen ich meinen Gedanken freien Lauf ließ. Manchmal ist mein Gedächtnis scharf wie ein Messer; dann wieder lässt mich mein Kopf im Stich, und ich habe eine Mattscheibe. Ich habe mich bemüht, mich an alles zu erinnern an das Gute und an das Schlüpfrige , aber ich weiß, dass es mir nicht gelungen ist.
Es wurde viel über mich geredet. Einiges von dem, was die Leute sagen, ist einfach ihre Meinung, gut oder schlecht. Einige Dinge sind in hohem Maß ungenau oder irreführend. Und es gibt auch überschwängliches Lob Leute, die mich einen Meilenstein der Musik oder eine Legende zu Lebzeiten nennen.
Das sind starke Worte, und kürzlich habe ich versucht herauszufinden, was ich darüber denke. Wie sehe ich mich? Tja, um das herauszubekommen, muss ich in mich hineinsehen.
Dazu ist es notwendig, dass ich zurückgehe. Dass ich alles in die richtige Perspektive rücke. Dass ich sehe, woher ich komme und was ich durchgemacht habe. Das erfordert Zeit und Reflexion.
Ich will im Geiste zurückgehen und alles noch einmal erleben. Und ich bin froh, dass Sie mir dabei folgen, froh, dass Sie genügend Interesse haben, mir beim Erzählen zuzuhören.
Zuhause
Bevor ich beginne, möchte ich gleich mal an dieser Stelle sagen, dass ich ein Junge vom Land bin. Mann, ich meine wirklich das platte Land! Das gleich mal vorneweg, und das ist der Kern der Sache. Das Einzige, was ich je sah und ich meine das im wörtlichen Sinn , war das Land.
Ich verlor mein Augenlicht erst mit sieben. Es passierte ganz allmählich. So habe ich in meinem Bewusstsein Jahre mit Bildern von Orten auf dem Land, Menschen auf dem Land, Tieren auf dem Land.
Ich wurde am 23. September 1930 in Albany, Georgia, geboren. Ein paar Monate später zogen wir in eine kleine Stadt im Norden Floridas, nur dreißig oder vierzig Meilen von der Grenze zu Georgia entfernt. Auf der Landkarte heißt sie Greenville, aber wir sprachen es immer Greensville aus, mit einem s. Das war das Zuhause. Greensville ist Plains in Georgia sehr ähnlich, wenn Sie mir den Vergleich gestatten. Das Land ist gleich, und es ist der gleiche winzige ländliche Ort.
Die Leute reden immer darüber, wie es ist, arm zu sein. Aber glauben Sie mir: Wenn ich sage, wir waren arm, dann meine ich es in Großbuchstaben. Sogar im Vergleich zu den Schwarzen in Greensville waren wir auf der untersten Stufe. Wir schauten zu jedem auf. Unter uns war nur noch der Boden.
Ich war wirklich schon ziemlich groß, als ich mein erstes Paar Schuhe bekam. Und sanitäre Anlagen im Haus waren etwas, wovon wir nur träumen konnten. Und doch kümmerte man sich um mich. Zwei Frauen liebten mich. Es erscheint merkwürdig, aber ich hatte tatsächlich zwei Mütter.
Mein Vater hieß Bailey Robinson. Um die Wahrheit zu sagen: Ich würde nicht um viel Geld wetten, ob er und meine Mutter je verheiratet waren. Meine Mutter hieß Aretha. Jeder nannte sie Retha.
Der Alte war kein Teil meines Lebens. Der Kerl war groß daran erinnere mich ich. Aber er war kaum jemals da. Er transportierte Stahl oder Schwellenbolzen auf der Eisenbahnstrecke zwischen Perry in Florida und Adel in Georgia. Manchmal kam er vorbei, um Mama zu sehen, aber nicht sehr oft. Er war so groß und sie so klein, dass die Leute sie oft für Vater und Tochter hielten.
Ich erinnere mich an einen Morgen ich muss noch ein sehr kleines Kind gewesen sein , als er wegging und ich ihn fragte, ob er sich auf Mama legen und mit ihr spielen würde. Ich wusste, dass sie so was immer machten, wenn sie glaubten, dass ich schlief. Aber ich wusste nicht genau, was es war.
Diese klapprigen Schuppen waren so winzig, dass man eigentlich immer gleich aufeinander lag.
Auf diese Weise kam und ging Bailey. Ich lernte den Mann nicht wirklich kennen. Vielleicht, weil er bei der Eisenbahn arbeitete und immer fort war, vielleicht, weil es ihm egal war. Keine Ahnung.
Aber auf dem Land gab es zwei Arten des Verheiratetseins nach dem Gesetz und wie es üblich war. Beziehungen zwischen Mann und Frau sind jedenfalls Dinge, die ein kleines Kind nur schwer versteht, und bis heute bin ich nicht sicher, worum es bei diesen verwickelten Sachen ging.
Ich weiß sicher, dass Baileys erste Frau sie hieß Mary Jane jemand war, der mich liebte, und dass sie sich um mich sorgte wie eine Mutter. Vielleicht hatte Bailey während der Ehe mit ihr ein Verhältnis mit Retha und deshalb bin ich auf der Welt. Bailey hatte eine andere Frau, nachdem er sich von Mary Jane trennte. Sie hieß Stella, aber ich kenne sie eigentlich nicht.
Ja, Mary Jane mochte mich, als wäre ich ihr eigenes Kind. Sie hatte einen Sohn namens Jabbo verloren, und vielleicht wurde ich ein Ersatz. Wer weiß?
Es gibt vieles in diesem Abschnitt meines Lebens den frühesten Jahren , was ein Geheimnis bleibt, aber Sie dürfen nicht vergessen, dass ich zu jung war, um ernsthaft Fragen zu stellen. Und außerdem sollte ein kleines Kind keine Fragen stellen.
Trotz all dieser Verwirrung wer liebte wen, wer lebte mit wem, wer verließ wen weiß ich, dass zwei Frauen, Mama und Mary Jane, mich mit Liebe überhäuften und sich um mich kümmerten, solange sie lebten. Tatsache ist: Ich nannte Retha »Mama« und Mary Jane »Mother«.
Mama war klein sie wog ungefähr einhundertzehn Pfund , und sie war auch kränklich. Es war nicht so, dass sie nicht arbeiten konnte. Sie arbeitete sogar ihr ganzes Leben lang. Sie verließ die Schule nach der fünften Klasse und arbeitete auf den Tabakund Baumwollplantagen, entstielte Bohnen und enthülste Erbsenschoten.
Aber nun war ihre wichtigste Beschäftigung das Waschen und Bügeln. Andere Frauen in unserer Nachbarschaft gaben ihr etwas von der zusätzlichen Arbeit, die sie von den Weißen bekamen. Es war wie ein Subunternehmen. Sie verdiente kaum Geld dabei, aber was immer dabei rauskam, wurde für meine Kleidung und Ernährung ausgegeben.
Mama war ein einzigartiger Mensch. Sie war nicht verweichlicht, sie war wirklich streng wie der Teufel. Ich meine, Disziplin war ihr zweiter Vorname. Sie zeigte mir, dass Disziplin eine Art Liebe ist. Und das ist etwas, woran ich bis heute glaube. Mama lehrte mich alles Mögliche wichtige Lektionen und weniger wichtige Lektionen , die mich begleiten und die ich jeden Tag meines Lebens anwende.
Sie war eine schwache Frau, aber nur körperlich. In jeder anderen Hinsicht war sie stark. Sie trank nicht, rauchte nicht, fluchte nicht. Viele Regeln und eine Menge an praktischem, nüchternem Menschenverstand. Und obenauf in dieser Liste stand: Man bittet nicht und man stiehlt nicht.
Wir Mama und ich schliefen im selben Bett, bis ich elf oder zwölf war. Oder ich schlief auf dem Boden, besonders in heißen Sommernächten.
Wir wohnten an den verschiedensten Orten, als ob wir von Pontius zu Pilatus ziehen würden. Oft...
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