das Tagebuch des Roger von Lunel ; Roman Taschenbuchausg. 2005 528 S. Taschenbuch Heyne, W,
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Stephen J. Rivelle, 1949 in Philadelphia geboren, studiert Literatur in den USA und Frankreich sowie Regie bei Eric Rohmer. Er schreibt mehrere Drehbücher und arbeitet als Regisseur. Der Autor lebt in Los Angeles.
»Ein packender und intelligenter Ausblick in eine ferne Vergangenheit.«
Publishers Wekly
Das Tagebuch Rogers, Baron auf Lunel und Diener Gottes
Begonnen im Jahre 1096 nach der Fleischwerdung unseres Erlösers
DEN ZWEITEN AUGUST
Ich habe keinen Leibeserben. Das ist für mich eine Quelle großer Betrübnis, denn ein Mann lebt im Alter und nach dem Tode in seinen Kindern fort. Ich stehe im neunundzwanzigsten Lebensjahr und werde wohl ohne Nachfahren bleiben, sofern es Gott nicht anders gefällt, denn der Schoß meiner Ehefrau Jehanne ist verdorrt, seit sie bei der Geburt ihres vierten Kindes eine Blutung erlitt. Es war eine Tochter, die sie ihrem früheren Eheherrn schenkte.
Mithin verfasse ich dies Tagebuch für den Fall, daß je ein Nachkomme meiner Linie etwas über mich wissen will, seien es die Kinder meiner Schwester Gauburge oder die Abkömmlinge meines beklagenswerten Stiefbruders Michael.
Mit meinen Aufzeichnungen beginne ich, weil ich kürzlich das Kreuz genommen habe und schon bald im Dienst meines Lehnsherrn, Raimund von Saint-Gilles, Graf von Toulouse, zur großen Pilgerfahrt nach Jerusalem aufbrechen werde. Da es allein in Gottes Hand steht, ob ich zurückkehren werde oder nicht, will ich alles derart getreulich berichten, wie ich das vermag, und nichts verheimlichen, ganz so, als spräche ich zu meinem liebsten Freund. Wie unser Herr und Heiland gesagt hat: Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
Als erstes will ich über mich selbst berichten.
Ich bin Roger, Baron auf Lunel, Sohn Richards von Burgund, Gefolgsmann des Grafen Raimund von Saint-Gilles. Zur Welt gekommen bin ich im Jahre 1066, da Wilhelm der Normanne Britannien eroberte. Meinen Vater raffte der Fluß in seinem einundzwanzigsten Lebensjahr dahin. Zu jener Zeit war ich erst drei Jahre alt und kannte ihn daher kaum, doch habe ich sein Andenken stets in Ehren gehalten. Gleich nach seinem Tod hat Gaspard, der Bischof von Mäcon, die Ländereien meines Vaters an sich gebracht. Zu dieser Untat bediente er sich eines juristischen Winkelzuges: Er behauptete, meiner Eltern Ehe sei ungültig, da sie Vetter und Base zweiten Grades gewesen seien. Solch üble Verleumdungen hatte er in Umlauf gesetzt, daß sich meine Mutter gezwungen sah, mit meiner Schwester und mir zu ihren Vettern in die Provence zu fliehen. Dort hat sie sich meinem Stiefvater Gilles von Lunel vermählt.
Dieser wiederum hatte zwei Söhne, Reynald und Michael. Als die Mauren Spaniens Pilgerstätte am Grab des heiligen Jakobus bedrohten, schloß sich Gilles zum Kampf gegen sie Robert Guiscard an und nahm seinen älteren Sohn Reynald mit. Diesen zog beim Überqueren des Flusses Arga das Gewicht seiner Ausrüstung unter Wasser, so daß er ertrank; sein grüblerisch veranlagter Vater kam nicht darüber hinweg und nahm sich das Leben.
Michael war zu jener Zeit erst zwölf Jahre alt. Da seine Tante Drucille nicht wollte, daß der Nachlaß auf meine Familie überginge, machte sie ihren Einfluß auf ihren Vetter, den Bischof Benoit von Montpellier, mit dem Ziel geltend, die Ehe meiner Mutter für ungültig erklären zu lassen und den Nachlaß ausschließlich Michael zuzusprechen. So waren meine Mutter, meine Schwester und ich mit einemmal aufs neue besitzlos und lebten als Gäste im eigenen Hause.
Michael heiratete in seinem sechzehnten Jahr Guy SaintRocs rothaarige Tochter Elisabeth, die im vierten Monat der Ehe ein Mädchen zur Welt brachte. Es bekam den Namen Magdalena. Elisabeth, die zur Hysterie neigte, wurde bald darauf in ein Kloster in Montelimar verbannt, die Ehe annulliert. Michael, der im Wahnsinn seiner Gattin Gottes Strafe für seine Unkeuschheit sah, verzichtete auf sein Erbe und trat in den Cluniazenserorden ein. (...)
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Zustand: Gut. Zustand: Gut | Seiten: 526 | Sprache: Deutsch | Produktart: Bücher | Keine Beschreibung verfügbar. Artikel-Nr. 1709119/3
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