Ein liebenswerter Kommissar, die schönste Stadt der Welt, hochspannende Kriminalfälle
Kommissar Maurice LaBréa:
LaBréa ist 44 Jahre alt und arbeitete viele Jahre als Ermittler bei der Kripo in Marseille. Als seine Frau Anne auf schreckliche Weise ermordet wird, zieht er mit seiner zwölfjährigen Tochter Jenny in eine Atelierwohnung im Pariser Marais-Viertel. LaBréa ist mit Leib und Seele Polizist und betrachtet jeden Mordfall als persönliche Herausforderung. Er liebt exquisites Essen und einen guten Wein. Entspannung findet er bei einer Platte aus seiner umfangreichen Jazzsammlung.
Die neue große Krimi-Reihe der ARD, verfilmt von Nico Hoffmanns Produktionsfirma teamworx (Donna Leon, Die Sturmflut, Die Flucht).
Um über den Tod seiner Frau hinwegzukommen, zieht Kommissar LaBréa mit seiner zwölfjährigen Tochter Jenny zurück in seine Heimatstadt, der schönsten Stadt der Welt: Paris. Und tatsächlich scheinen die Wiederentdeckung der vertrauten Straßen und Plätze sowie das besondere Flair der Stadt zu wirken. Doch dann wird ein bekannter Filmproduzent ermordet und kurz darauf dessen Frau. Kommissar LaBréa steht vor einem Rätsel.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Alexandra von Grote ging in Paris zur Schule, studierte in München und Wien Theaterwissenschaften und promovierte zur Dr.phil. Nach einer Tätigkeit als Fernsehspiel-Redakteurin beim ZDF war sie Kulturreferentin in Berlin. Seit vielen Jahren ist sie als Filmregisseurin tätig. Sie schrieb zahlreiche Drehbücher, Gedichte, Erzählungen und Romane. Alexandra von Grote lebt in Berlin und Südfrankreich.
»Der Roman bietet alles, was zu einem erfolgreichen Whodunit gehört ...«
krimi-couch.de
"Die Autorin nimmt den zunehmend gefesselten Leser mit auf die Reise zu den komplexen Mosaiksteinen der Ermittlung."
Neue Westfälische Zeitung
"Genau das Richtige für einen wunderschönen Schmökerabend bei einem Glas (französischen) Rotwein."
büchertipp 24
Anne stand am anderen Ufer des Sees und winkte ihm aufgeregt zu. Er wollte seine Hand heben und zurückwinken, doch sein Arm ließ sich nicht bewegen, gehorchte ihm nicht. Das Wasser im See, eine dunkle, glatte, fast ölige Fläche, schäumte plötzlich auf und überspülte die Uferböschung, von der aus Anne ihm unvermindert Zeichen gab.
Er drehte sich um. Die Häuser am Kai ragten in den Himmel, höher als gewöhnlich, so kam es ihm vor. Restaurants und Cafés waren geschlossen. Vor dem Lokal, dessen Fenster und Türen mit Brettern vernagelt waren, türmten sich Tische und Stühle auf dem Bürgersteig, als wären sie ausrangiert worden.
Als er erneut auf den See blickte, war Annes Gestalt am Ufer verschwunden. Er trat ein paar Schritte nach vorn, suchte das Wasser mit seinen Blicken ab. Jetzt schwamm sie direkt auf ihn zu, den Kopf mühsam über den Fluten haltend. Er sah, wie sie versuchte, ihm immer noch zuzuwinken. Jetzt umspülte das Wasser seine Füße. Warm drang es in sein Schuhwerk ein. Als er genauer hinsah, war es Blut. Es färbte seine hellen Socken und kroch die Hosenbeine hoch wie Flüssigkeit auf einem Stück Löschpapier.
Angst erfasste ihn. Er hatte Anne aus den Augen verloren. Wo war sie? Da sah er sie wieder. Ihr Kopf wippte auf den Wellen des Sees, dessen Farbe inzwischen deutlich als dunkelrot zu erkennen war. Es war, als bewegte Anne sich auf der Stelle, ja, als entfernte sie sich sogar wieder.
Über den See schoss eine Motoryacht heran. Sie ähnelte in ihrer Schnittigkeit dem Boot, das er in Marseille besessen hatte und mit dem er mit Anne und Jenny oft aufs Meer hinausgefahren war. Das aufheulende Motorengeräusch brach sich an den Häuserfassaden am Hafenkai und wurde als Echo zurückgeworfen. Ein Geisterschiff; kein Mensch schien das Boot zu steuern.
In diesem Moment schrie Anne laut um Hilfe. Sie hatte die Yacht gesehen und ruderte verzweifelt mit den Armen.
Er wollte sie warnen. »Tauch einfach ab!«, wollte er rufen, doch die Stimme versagte ihm. Inzwischen hatte das blutrote Wasser seine Hüfte erreicht. Die Beine knickten ihm weg. Er warf sich nach vorn und begann zu schwimmen. Mit Entsetzen stellte er fest, dass er das Schwimmen verlernt hatte. Als er mit weit aufgerissenen Augen nach unten in die warme Flut driftete, sah er Anne auf sich zuschwimmen, aber sie kam nicht näher. Sie öffnete den Mund und schrie erneut, doch der Motorenlärm des Bootes, der unter Wasser laut und verzerrt klang, verschluckte ihren Schrei. Noch einmal hob sie den Arm, eine Bewegung wie in Zeitlupe.
Jetzt sah er den Kiel des Motorbootes und die sich wie rasend drehende Schiffsschraube. Während das Boot direkt auf Anne zuhielt und mit seiner ganzen Wucht ihren Körper erfasste, sank er immer tiefer auf den Grund des Sees ...
LaBrea erwachte. Soeben hatte der Wecker geklingelt. Sieben Uhr. Er spürte Schweißperlen auf seiner Stirn. Als er den Kopf drehte, blickte er in Obelix' grüngelbe Augen. Der Kater lag mit seinem ganzen Gewicht auf LaBreas rechtem Arm, der eingeschlafen war. Das Tier reagierte unwillig, als es jetzt weggescheucht wurde.
»Wieso liegst du nicht bei Jenny und quetschst ihr die Arme ab?«, knurrte LaBrea.
Er schlug die Bettdecke ein Stück zurück, gähnte und streckte seinen Körper. Dann schüttelte er seine Hand, die taub geworden war, ballte sie mehrmals zur Faust und spürte, wie das Blut langsam in die Fingerspitzen zurückströmte. Der Kater warf ihm noch einen missbilligenden Blick zu und stolzierte beleidigt durch die angelehnte Schlafzimmertür ins Wohnzimmer. Er war ein mächtiges Tier, mit langem schwarzem Perserfell.
LaBrea atmete tief durch. Es war derselbe Traum gewesen wie so oft in den letzten Wochen und Monaten. Fast jedenfalls. Es gab ein paar Varianten, seit er ihn träumte. Manchmal schwamm Anne nicht in einem See, sondern rannte über eine Straße, durch ein Waldstück oder über eine weite Fläche auf ihn zu. Doch nie kam sie an. Und nie konnte er sich auf sie zubewegen. Wie gelähmt, festgefroren stand er an Uferrändern, an Waldsäumen, in Straßenschluchten, wo Anne in unüberbrückbarer Distanz vor ihm auftauchte. Diese Träume endeten stets gleich, nämlich mit Annes Tod. Er ereilte sie in unterschiedlichen Situationen. Mal erfasste ein Auto sie, dann wieder fiel Anne tot zu Boden, wie von unsichtbarer Hand niedergeschmettert. Manchmal wurde sie auch erschossen. Von irgendwoher ertönte ein trockener Knall, aus einer versteckten Waffe abgefeuert. Nie kamen andere Menschen in diesen Träumen vor. Anne und er waren allein inmitten dieser kalten, düsteren Traumlandschaft, umgeben von unsichtbaren Todesschützen und Geisterfahrern und einem Meer aus Blut.
So war es ja auch gewesen. Unmengen Blut, das den Teppichboden von Annes Sprechzimmer in der Praxis getränkt hatte, als LaBrea sie fand. Sieben Messerstiche in Hals, Brust und Bauch. Blutverschmierte Haare. Das Gesicht zur
Seite gedreht. Die linke Hand über den Kopf gereckt. Als letzter, verzweifelter Hilferuf? Gegen die beiden Junkies, die an jenem Freitagabend in ihre Praxis eingedrungen waren, hatte sie keine Chance. Wegen 75 Euro, die Anne in ihrem Portemonnaie bei sich trug, musste sie sterben.
LaBréa befand sich damals nur wenige Straßen entfernt am alten Hafen, in der Bar de la Marine. Dort feierte Jeff, einer von LaBréas Mitarbeitern, seinen Abschied aus dem Polizeidienst. Er war sechzig Jahre alt und ging in den Ruhestand. Der Wirt des Lokals hatte ein üppiges Buffet aufgefahren, mit Austern, Langustenschwänzen und seiner berühmten hausgemachten Bouillabaisse, und die Stimmung unter den dreißig Gästen entwickelte sich prächtig. Gegen zehn Uhr abends hatte Jenny ihren Vater über sein Handy angerufen und ihm mitgeteilt, dass Anne noch nicht nach Hause gekommen war. In der Praxis meldete sich niemand, sagte sie, und ihre Stimme klang ängstlich.
Das Gespräch mit seiner Tochter hatte LaBréa in eine plötzliche Unruhe versetzt, die er sich nicht erklären konnte. Irgendetwas stimmte nicht, das spürte er. Zwar arbeitete Anne oft bis tief in die Nacht in der Praxis, erledigte Bürokram, schrieb Gutachten. An diesem Tag jedoch wollte sie gegen sieben zu Hause sein und mit Jenny Crêpes backen. Undenkbar, dass sie das Versprechen ihrer Tochter gegenüber nicht einhielt. LaBréa kannte niemanden, der zuverlässiger und pünktlicher war als seine Frau. Deshalb war er in jener Nacht auch so in Sorge und verließ die Abschiedsfeier seines Kollegen vorzeitig.
Es war ungewöhnlich warm für die Jahreszeit. Bis Mitte Februar hatte heftiger Mistral geblasen, doch seit einer Woche zog ein laues Lüftchen durch die Stadt. In den Gärten blühten die Mimosen und Mandelbäume, und die Erde roch nach Frühling und Aufbruch. LaBréa ging rasch über die Hafenpromenade und bog in die Rue Fort Notre Dame ein. In der nächsten Querstraße lag Annes Arztpraxis, in einem Flachbau mit grünen Fensterläden, die an diesem Abend nicht geschlossen waren. LaBrea sah, dass kein Licht brannte. Die Tür schien verschlossen, doch als er näher kam, war sie lediglich angelehnt.
LaBrea erhob sich aus dem Bett, rieb sich mit beiden Händen die Augen und verließ das Schlafzimmer. Es regnete.
Durch die rechteckigen Oberlichtfenster des geräumigen Wohnzimmers und die Glastüren, die von dort aus in den kleinen Garten führten, fiel das fahle Oktoberlicht. Dennoch wirkte eine solche Atelierwohnung zu ebener Erde auch an grauen Tagen beinahe hell und freundlich. Mit der Wohnung hatte er Glück gehabt. Wo fand man so etwas mitten in Paris? Die Wohnung hatte einem Maler gehört, der nach Spanien übergesiedelt war. Normalerweise wurde ein solches Domizil unter der Hand weitervermittelt. Doch LaBreas Bruder Richard, der in Paris eine Maklerfirma betrieb, war mit dem Maler befreundet. Als LaBrea und Jenny vor drei Wochen von Marseille nach Paris umzogen, war die Wohnung nicht nur frei geworden, sondern dank Richards fürsorglicher Planung auch komplett renoviert.
Es gab...
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