Topagent Sam Fisher muss das Verschwinden eines deutschen Wissenschaftlers klären, der für die amerikanische Marine arbeitete. Angeblich soll der Deutsche in die Hände einer chinesischen Bande gefallen sein, die sein Wissen nützen will, um Taiwan angreifen zu können.
Um einen weltweiten Krieg zu verhindern, muss Sam Fisher möglichst schnell Erfolg haben.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Tom Clancy, geboren 1948, arbeitete lange Jahre als Versicherungsagent. Eine Meuterei auf einem sowjetischen Zerstörer regte Clancy dazu an, seinen ersten Thriller, "Jagd auf Roter Oktober" zu schreiben. Das Buch wurde auf Anhieb ein internationaler Erfolg, der sich in der Verfilmung mit Sean Connery in der Hauptrolle wiederholte. Seither ist Tom Clancy der Erfolg treu geblieben, seine Romane belegen regelmäßig über Wochen hinweg die ersten Plätze der internationalen Bestsellerlisten, die Verfilmungen mit Harrison Ford als Jack Ryan waren ausnahmslos Kassenschlager. Wie realistisch und gut recherchiert seine Bücher sind, zeigt die Tatsache, dass der Autor nach den Anschlägen vom 11. September von der amerikanischen Regierung als spezieller Berater hinzugezogen wurde – in "Befehl von oben" hatte er ein Szenario entworfen, dass der späteren Realität erschreckend nahe kam.
Pünktlich um elf Uhr weckt mich der mechanische Alarm des OPSAT. Da ich imstande bin, an jedem beliebigen Ort auf der Stelle fest zu schlafen, kommt mir der im OPSAT eingebaute kleine Hammer sehr gelegen, der unablässig auf den Puls an meinem Handgelenk klopft. Er arbeitet lautlos und reißt mich nicht so heftig aus dem Schlaf, wie es mitunter bei einem Wecker der Fall ist.
Rund um das kleine Zelt pfeift der Wind. Der Wetterbericht hatte vor einem Wintersturm noch vor Mitternacht gewarnt, und wie es aussieht, braut er sich gerade zusammen. Großartig. Unter normalen Umständen hätten mich die Minustemperaturen außerhalb meines Biwaks schon vor Stunden in einen Eiszapfen verwandelt. Dass dies nicht geschehen ist, verdanke ich einzig und allein einem technologischen Durchbruch des Third Echelon. Seine Spezialisten haben jene hautenge, an einen Astronautenanzug erinnernde Hightech-Kampfuniform entwickelt, die meinen allzu menschlichen Körper vor den rauen Elementen schützt. Diese Uniform bewahrt mich nicht nur vor Hitze und Kälte, die eingewebten Kevlar-Fasern wirken sogar kugelablenkend. Aus einigen Metern Entfernung funktioniert es ganz gut, allerdings verzichte ich gern darauf, das Material aus der Nähe zu testen. Nichts für mich - nein, danke.
Sobald ich aus dem Zelt gekrochen bin, richte ich mich auf und spähe prüfend in den dichten Wald. Außer dem Heulen des Windes ist nichts zu hören. Lambert hat mich gewarnt, dass ich so tief in den Wäldern auf Wölfe stoßen könnte. Aber offenbar ist heute mein Glückstag. Wenn ich ein Wolf wäre, könnte mich bei diesem Wetter auch nichts aus meinem Bau locken. Bei fast minus 25 Grad Celsius stehen die Chancen schlecht, dass eine frische Mahlzeit einfach so vorüber läuft. Mit Ausnahme eines zweibeinigen Säugetiers, das zufälligerweise schwer bewaffnet ist.
Rasch rolle ich das Zelt zusammen. Wenn es auf der Erde aufgestellt ist, sieht es aufgrund seiner einzigartigen Tarnung wie ein schneebedeckter Felsbrocken aus. Erst wenn man es aus nächster Nähe genau unter die Lupe nimmt, erkennt man, was es wirklich ist: eine weitere großartige Entwicklung der National Security Agency. Ironischerweise weiß nur eine Hand voll Mitarbeiter der NSA von der streng geheimen Spezialeinheit Third Echelon. Innerhalb der US-amerikanischen Regierung kann kaum ein Dutzend Leute etwas mit dem Begriff »Splinter Cell« anfangen, und ich bin einer dieser Eliteagenten des Third Echelon. Um die Wahrheit zu sagen, sind nicht einmal mir alle Eingeweihten bekannt. Abgesehen von meinem unmittelbaren Vorgesetzten, Colonel Irving Lambert, und dem kleinen Team, das in einem unscheinbaren, nicht näher bezeichneten Gebäude etwas abseits des NSA-Hauptquartiers in Washington D. C. arbeitet, weiß ich nicht, welche Senatoren oder Kabinettsmitglieder je vom Third Echelon gehört haben. Allerdings bin ich ziemlich sicher, dass der Präsident über uns Bescheid weiß. Doch auch er würde ungerührt das Sechste Protokoll auf mich anwenden, sollte ich tatsächlich einmal gefasst werden. Das bedeutet nichts anderes, als dass er mich einfach verleugnen würde. Die Regierung würde ihre Hände in Unschuld waschen und vorgeben, dass ich nie existiert habe.
Ich verstaue das Zelt und setze das Sichtgerät auf. Der Nachtsichtmodus funktioniert überraschend gut in diesem ukrainischen Schneesturm. Auch wenn ich mich fühle, als wäre ich in einer Szene aus dem Film Doktor Schiwago gelandet, verhindert es zumindest, dass ich beim Gehen durch den Wald ständig gegen einen Baumstamm stoße. Obuchiw liegt etwa acht Kilometer entfernt im Süden. Ich selbst befinde mich zwischen dieser Kleinstadt und dem im Norden gelegenen Kiew, wo meine Mission begann. Eigentlich sollte man heute »Kyiw« sagen statt »Kiew«, das wäre die genauere Übersetzung des ukrainischen Namens der Stadt. Dasselbe gilt für das ehemalige »Obuchow«, das heute zumeist »Obuchiw« genannt wird. Seit die Ukraine im Jahr 1991 unabhängig wurde, unternimmt man hier alles, um die russischen Städtenamen in ukrainische umzuwandeln. Allerdings bin ich ziemlich sicher, dass die Russen bei den alten Namen bleiben werden.
In der heute freien Ukraine kann man sich problemlos bewegen, sodass ich keine Schwierigkeiten hatte, meine Ausrüstung in der amerikanischen Botschaft in Kiew abzuholen, einen Geländewagen zu bekommen und damit nach Obuchiw zu fahren. Als ich das Ding sah, musste ich lachen: Es war ein Ford Explorer XL, Baujahr 1996, mit stolzen 200 000 Kilometern auf dem Tacho. Aber er läuft ausgezeichnet. Heute morgen wanderte ich vom Dorf aus in den Wald hinein, wo ich mitten in der eisigen Einsamkeit das Zelt aufschlug. Die Kundschafter des Third Echelon bestätigten, dass der dritte Hangar jenes Tarnkappenflugzeugs des Shops, das ich vor Monaten in der Türkei zerstört habe, in einer Lichtung dieses Waldes steht und nach wie vor benützt wird. Auf den Satellitenfotos kann man erkennen, dass immer wieder Fahrzeuge hier auftauchen und Männer in dem Gebäude ein und aus gehen. Einen von insgesamt drei Hangars habe ich in Aserbaidschan in der Nähe von Baku aufgespürt und vernichtet. Einen zweiten in der Gegend von Wolowo, einer kleinen Siedlung südlich von Moskau, hat eine militärische Spezialeinheit in die Luft gejagt. Jetzt habe ich den Auftrag, den dritten hier auszukundschaften, um herauszufinden, was die Kerle vorhaben. Der Shop, jenes berüchtigte Waffenschiebernetz unter der Leitung von russischen Kriminellen, ist nach meinem Einsatz letztes Jahr in Zypern gründlich aufgemischt worden. Aber auch wenn wir seine Organisation nachhaltig zerstört haben, befinden sich seine Anführer immer noch auf freiem Fuß. Viele unserer Informationen weisen darauf hin, dass der Shop sein Hauptquartier von Russland in den Fernen Osten verlegt hat, möglicherweise auf die Philippinen oder nach Hongkong. Das müssen wir noch feststellen. Deshalb konzentrierte man sich in den letzten Monaten innerhalb des Third Echelon darauf, die vier so genannten Direktoren des Shops ausfindig zu machen und der Gerechtigkeit zu überantworten. Oder sie zu töten. Je nachdem, was sich eben ergibt.
Kopf des Unternehmens ist ein Georgier namens Andrej Zdrok. Er ist die Nummer Eins. Die übrigen Direktoren sind Prokofieff, ein russischer Armeegeneral - soweit ich weiß, ist er nicht mit dem Komponisten verwandt -, Oskar Herzog, ein ehemaliger DDR-Staatsanwalt, und Anton Antipow, ein weiterer Russe, der früher beim KGB war. Sobald ich herausgefunden habe, wo sich diese Kerle aufhalten, habe ich meine Mission erfüllt und kann nach Hause zurückkehren.
»Wie ich sehe, sind Sie schon auf dem Weg, Sam«, ertönt die Stimme von Colonel Lambert über die Implantate in meinen Ohren. Wenn der Empfang gut ist, kann ich über diese Implantate mit dem Team in Washington sprechen.
Um ihm zu antworten, drücke ich auf das Implantat an meinem Hals. »Ich nähere mich jetzt dem Zielgelände. Was zeigt der Satellit?«
»Keine Aktivität. Sie haben die Zustimmung einzudringen.«
Leise bewege ich mich durch den Wald, nur meine Stiefel knirschen in dem eisigen Schnee. Dagegen ist nichts zu machen. Außerdem bezweifle ich, dass ich so tief im Wald auf Wächter stoße. In unmittelbarer Nähe des Hangars werde ich wohl vorsichtiger sein müssen. Und da taucht er auch schon direkt vor mir zwischen den sich lichtenden Bäumen auf.
Augenblicklich kauere ich mich zusammen und lasse den Blick über das Gelände vor mir schweifen. Am Ende einer Rollbahn erhebt sich ein Gebäude, das einst als Flugzeughangar diente. Wer auch immer das Tarnkappenflugzeug gesteuert hat, muss sehr geschickt gewesen sein, denn unmittelbar am Ende der Rollbahn beginnt der dichte Wald. Neben dem Hangar steht ein kleineres Bauwerk, in dem vermutlich die Büros und Unterkünfte für die Männer untergebracht sind, die hier arbeiten. Ein elektrisch geladener Zaun mit einem ebenso gesicherten Tor umgibt das Gelände und einen Teil einer unasphaltierten Straße, die jetzt mit Schnee bedeckt ist und...
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