In Washington verschwindet eine brisante Geheimakte, die den Ausgang der Präsidentschaftswahlen und das Schicksal der ganzen Welt entscheidend verändern könnte.
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Kyle Mills, Jahrgang 1966, lebt in Jackson Hole, Wyoming, wo er sich neben dem Schreiben von Thrillern dem Skifahren und Bergsteigen widmet. In den USA ist Kyle Mills mit seinen Romanen regelmäßig in den Bestsellerlisten zu finden und gilt neben Tom Clancy, Frederick Forsyth oder David Baldacci als Erneuerer des intelligenten Politthrillers.
»Lesen Sie die Romane von Kyle Mills - ich tue es.«
Tom Clancy
»Eine atemlose Hetzjagd voller falscher Fährten, unvorhersehbarer Wendungen und waghalsiger Manöver.«
Los Angeles Times
Tristan Newberry warf einen Blick auf die scheinbar endlosen Reihen grauer Metallregale, die ihn auf allen Seiten umgaben, und entdeckte den alten Mann, als dieser um einen Berg aus Aktenkartons bog. "Kann ich den nächsten bringen?", fragte der Schwarze, während er leicht gebeugt auf Tristan zugeschlurft kam. "Ich glaube, ja." Tristan schob einen Zeh unter den Karton zu seinen Füßen und hob ihn einige Zentimeter an. Noch immer recht schwer. Der alte Sicherheitsbeamte war der einzige andere Mensch in diesem vergessenen Lager und bestand darauf, beim Herumschleppen der Akten zu helfen. Aber mit seinen zweiundsiebzig Jahren waren er und sein Rücken nicht mehr die Jüngsten. Tristan bückte sich, nahm einige besonders schwer aussehende Aktenbündel aus dem Karton und legte sie auf den Boden. "Was machen Sie da?", erkundigte sich Carl, während er näher kam. Es war jeden Tag die gleiche Frage. "Der Boden dieses Kartons sieht aus, als würde er jeden Moment herausfallen." Es war jeden Tag die gleiche Antwort. Carl nickte weise und akzeptierte die kleine Notlüge mit einem dankbaren Lächeln. Mit einem übertrieben lauten Stöhnen hob Tristan den Karton an und hielt das leichtere Ende dem alten Mann hin, der es mit beiden Hände packte und dann langsam nach hinten schlurfte. "Wir sollten besser hier entlang gehen ", sagte er, während er plötzlich die Richtung änderte. "Da drüben gibt es wohl wieder eine undichte Stelle." Tristan legte den Kopf in den Nacken, sah sich das Leitungsgewirr an der Decke an und versuchte, das Rohr zu finden, von dem Carl sprach. Die Dämmung, mit der fast alle Leitungen isoliert waren, hatte schon vor Jahren zu modern begonnen, und jetzt tropfte das Kondenswasser auf den gesammelten Regierungsschwachsinn in den Regalen darunter. Nach den ersten paar Wochen, in denen er hier in der Falle gesessen war, hatte Tristan auf der Fahrt nach Hause bemerkt, dass ihm der Modergeruch noch immer anhaftete. Und inzwischen hatte er ihn sogar noch nach dem Duschen in der Nase. Es war nicht unbedingt das, was er sich vorgestellt hatte. Er hatte seit einem Jahr Jura an der Georgetown University studiert, als die Wirtschaft ins Trudeln geraten war. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon so gut wie alles verkauft, was er besaß, um die Studiengebühren bezahlen zu können. Er war bis über beide Ohren verschuldet, nachdem er seine Kreditkarten überzogen und gleich mehrere Studentenkredite aufgenommen hatte. Aber wen kümmerte das schon? Schließlich würde er in nicht einmal zwei Jahren seinen Abschluss machen und dann für hunderttausend Dollar im Jahr bei einer angesehenen Anwaltskanzlei anfangen. Irrtum. In der Abschlussklasse des letzten Jahres waren vermutlich mehr Juristen gewesen als überhaupt in der Stadt praktizierten. Und diese hatten sich alle auf dieselben zehn Stellen beworben. Vor kurzem hatte er zufällig einen Freund getroffen, der vor sechs Monaten die Anwaltsprüfung bestanden hatte und jetzt bei einem Videoverleih arbeitete. Und daher hatte er keine andere Wahl gehabt, als sein Studium abzubrechen und zu versuchen, einen Job in einer der wenigen Wachstumsbranchen zu ergattern, die es in den Vereinigten Staaten noch gab: der Regierung. Oder genauer gesagt, bei der Freigabe von Dokumenten, deren Veröffentlichung durch das vor kurzem verbesserte Gesetz zur Informationsfreiheit erzwungen wurde. Als er zu dem Vorstellungsgespräch gegangen war, hatte man ihn in einen Warteraum gewiesen, in dem schon so viele andere Bewerber warteten, dass sich einige von ihnen kleine Bereiche auf den hässlichen grünen Fliesen abgesteckt hatten und auf dem Boden hockten. Nachdem er sich ein paar Sekunden lang durch die Menge gekämpft und gesehen hatte, wie vehement die Fliesen verteidigt wurden, war er wieder gegangen. Was für eine Chance hatte er denn schon? Er war nur ein mittelloser Studienabbrecher aus einer amen Farmerfamilie, der über keinerlei Beziehungen verfügte und noch nie für die Regierung gearbeitet hatte. Er war schon halb den Korridor hinunter und damit beinahe in Freiheit gewesen, als eine junge Frau mit einem großen schwarzen Brillengestell auf der Nase hinter ihm hergerannt kam und ihn am Arm nahm. Er wusste heute noch, was sie gesagt hatte: "Mr Newberry, es tut mir Leid. Das war das falsche Vorstellungsgespräch." Gehorsam war er ihr durch das Labyrinth von Gängen, Treppen und Fahrstühlen gefolgt, so lange, bis sein normalerweise untrüglicher Orientierungssinn aufgegeben hatte. Irgendwo tief in den Eingeweiden des Gebäudes war er dann in ein kleines, fensterloses Büro geführt worden, wo er warten sollte. Und dort hatte er dann einen kahlköpfigen Mann mit schlechten Zähnen kennen gelernt und sich die rätselhafte Geschichte von den falsch archivierten Dokumenten angehört. Anschließend hatte der Mann zu Tristan gesagt, dass sein Lebenslauf beeindruckend sei - was gelogen war - und er über ganz hervorragende Qualifikationen verfüge, um bei der Suche nach den Dokumenten zu helfen - was ebenfalls gelogen war. Blabla, blabla. Zuerst hatte er mit nur mäßigem Interesse zugehört. Er suchte lediglich eine sichere Stelle, mit der er genug verdiente, um einigermaßen über die Runden zu kommen, bis die Wirtschaft wieder an Fahrt gewann. Doch je mehr der Kerl geredet hatte - eigentlich war es immer dasselbe gewesen -, desto faszinierter war Tristan gewesen. Der Glatzkopf - Tristan konnte sich beim besten Willen nicht mehr an seinen Namen erinnern - hatte ihm gesagt, dass sie sozusagen nach dem Indiana Jones des Nationalarchivs suchten. Und wer konnte so einen Job schon ablehnen? "Auf drei", sagte Carl. Tristan wartete auf Carls Kommando und holte Schwung, während der alte Mann zählte. Bei drei wuchteten sie den schweren Karton auf den Kartentisch, der Tristan seit seinem ersten Tag als Arbeitsplatz diente. "Ich hole die Sachen, die Sie herausgenommen haben." Carl schlurfte in die Richtung davon, aus der sie gekommen waren. Tristan nickte abwesend und warf einen Blick in den Karton. Was würde es wohl heute sein? Budgets für landwirtschaftliche Subventionen an Farmer aus den Vierzigerjahren? Eine detaillierte statistische Analyse über das Verhältnis von Weizenhöhe zu Niederschlag in Millimeter? Egal. Wie so oft hatte sich herausgestellt, dass sein neuer Job nicht ganz so aufregend war, wie man es ihm erzählt hatte. Im Grunde genommen ging es darum, dass irgendein Schwachkopf vor einiger Zeit eine Ladung geheimer FBI-Dokumente in ein Aktenlager des Landwirtschaftsministeriums gebracht hatte. Und jetzt mussten diese Dokumente gefunden werden, bevor das Archiv der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. (...)
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