Lachs im Zweifel: Zum letzten Mal per Anhalter durch die Galaxis (Die Dirk-Gently-Serie, Band 3) - Softcover

Buch 3 von 3: Die Dirk-Gently-Serie

Adams, Douglas

 
9783453400450: Lachs im Zweifel: Zum letzten Mal per Anhalter durch die Galaxis (Die Dirk-Gently-Serie, Band 3)

Inhaltsangabe

Das große Vermächtnis eines genialen Humoristen und Geschichtenerzählers

In Douglas Adams letztem – unvollendetem – Roman lässt der Autor einmal mehr Privatdetektiv Dirk Gently im Dunkeln tappen. Gently wird von jemandem angeheuert, den er nie trifft, um einen Job auszuführen, der nicht spezifiziert wird.
Das Buch wird ergänzt von einer eindrucksvollen Werkschau seiner wichtigsten – vielfach unveröffentlichten – Artikel, Kolumnen, Kurzgeschichten und Interviews.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Douglas Adams schuf die verschiedensten Manifestationen von "Per Anhalter durch die Galaxis": die Radiosendungen, Romane, eine TV-Serie, Computerspiele, Theaterstücke, Comicbücher und Badetücher. Dazu schrieb er die Dirk-Gently-Romane und diverse Sachbücher. Weltweit hielt er Vorträge und war aktives Mitglied des Dian Fossey Gorilla Fund und von Save the Rhino International. Douglas Adams wurde in Cambridge geboren, mit seiner Frau und Tochter lebte er in Islington bei London, bevor er ins kalifornische Santa Barbara, übersiedelte, wo er 2001 überraschend starb. Nach Douglas Adams' Tod kam 2005 endlich die Kinoversion von "Per Anhalter durch die Galaxis" auf die große Leinwand.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Yesterday:

Die Stimmen all unserer gestrigen Tage

Ich erinnere mich nur diffus an meine Schulzeit. Sie verstrich irgendwie im Hintergrund, während ich versuchte, den Beatles zu lauschen.

Als "Can't Buy Me Love" rauskam, war ich zwölf Während der Frühstückspause stahl ich mich aus der Schule, kaufte mir die Platte und drang in das Zimmer der Hausmutter ein, weil sie einen Plattenspieler hatte. Dann spielte ich den Song, nicht so laut, daß man mich hätte erwischen können, nur laut genug, um mit dem Ohr dicht am Lautsprecher zuhören zu können. Dann spielte ich den Song noch mal fürs andere Ohr. Dann drehte ich die Platte um und machte das gleiche mit "You Can't Do That." In dem Moment fand mich der Housemaster und ließ mich nachsitzen, genau wie ich es erwartet hatte. Das schien mir ein niedriger Preis für etwas, das, wie mir heute klar ist, Kunst war.

Natürlich wußte ich damals nicht, daß es Kunst war. Ich wußte bloß, daß die Beatles das Aufregendste im Universum waren. Mit dieser Einstellung ließ es sich nicht immer leicht leben. Einerseits mußtest du dich mit den Fans der Rolling Stones rumschlagen, und das war schwierig, weil die mit schmutzigen Tricks kämpften und hartgesottener waren. Und dann mußtest du dich auch noch mit Erwachsenen, Eltern und Lehrern rumschlagen, die meinten, daß du deine Zeit und dein Taschengeld für Schrott verschwendetest, den du eine Woche später wieder vergessen würdest.

Ich verstand nicht recht, warum sie mir das sagten. Ich sang im Schulchor und kannte mich in Harmonie und Kontrapunkt aus, und mir war klar, daß die Beatles was außerordentlich Raffiniertes waren. Mich verblüffte, daß es kein anderer hörte: unglaubliche Harmonien und ein mehrstimmiger Gesang, wie man sie in Popsongs noch nie gehört hatte. Die Beatles machten all das offenbar nur zu ihrem eigenen heimlichen Vergnügen, und ich fand es toll, daß man auf solche Weise Spaß haben konnte.

Toll auch, daß ich ihnen immer wieder nicht ganz folgen konnte. Wenn sie ein neues Album rausbrachten, ließ es mich die ersten paar Male beim Hören kalt und ratlos. Danach entwirrte es sich ganz allmählich in meinem Kopf Ich begriff, daß der Grund für meine Verwirrung darin lag, daß ich etwas hörte, was einfach anders war als alles, was je zuvor irgendwer gespielt hatte. "Another Girl", "Good Day Sunshine" und das seltsame "Drive My Car." Diese Songs sind mir heute so vertraut, daß ich mich nur mit großer Willensanstrengung daran erinnern kann, wie fremd sie mir anfangs vorkamen. Die Beatles haben nicht nur Songs geschrieben, sie haben das ganze Genre erfunden, in dem sie arbeiteten.

Ich habe sie nie live erlebt. Schwer zu glauben, ich weiß. Ich war am Leben, als die Beatles auftraten, und habe sie nicht ein einziges Mal zu Gesicht gekriegt. Darüber lasse ich mich ziemlich oft aus. Fahren Sie bloß nicht mit mir nach San Francisco, sonst werde ich Ihnen unermüdlich immer wieder den Candlestick Park zeigen und darüber jammern, daß die Beatles dort 1966 ihr letztes Konzert gegeben haben - kurz bevor mir aufging, daß man auch auf Rockkonzerte gehen kann, wenn man aus Brentwood in Essex kommt.

Ein Schulfreund von mir hatte mal Eintrittskarten zu einem Fernsehstudio, in dem die Show von David Frost aufgezeichnet wurde, aber schließlich sind wir doch nicht hingegangen. Am Abend sah ich die Sendung, und die Beatles waren drin und spielten "Hey Jude." Danach war ich ungefähr ein Jahr lang krank. An einem anderen Tag, an dem ich zufällig nicht nach London gefahren bin, gaben die Beatles ihr Konzert auf dem Dach an der Savile Row. Ich spreche nicht darüber. Nie.

Nun ja, die Jahre vergingen, und die Beatles auch. Aber Paul McCartney machte immer weiter. Vor ein paar Monaten rief mich der Gitarrist Robbie McIntosh an und sagte: "In ein paar Tagen spielen wir im Mean Fiddler. Hast du Lust zu kommen?"

Das war eine der blödesten Fragen, die mir j e gestellt wurde, und ich brauchte ein bißchen Zeit, um mir klar zu werden, was er überhaupt gemeint hatte. Der Mean Fiddler - für alle, die es nicht wissen - ist eine Kneipe in einer reizlosen Gegend im Nordwesten Londons, mit einem Hinterzimmer, in dem Bands auftreten. Etwa zweihundert Leute passen da rein.

Es war das Wort wir, das mich vorübergehend verwirrte, weil ich wußte, daß die Band, in der Robbie spielte, Paul McCartneys Band war, und ich mir nicht vorstellen konnte, daß Paul McCartney in Kneipen auftrat. Falls aber Paul McCartney doch in Kneipen auftrat, wäre der Gedanke verrückt gewesen, daß ich nicht alles auf den Kopf stellen würde, um hinzugehen. Also ging ich hin.

Vor zweihundert Leuten stand Paul McCartney in einer Kneipe und spielte Songs, die er meines Wissens noch nie in der Öffentlichkeit gespielt hatte. "Here, There and Everywhere" und "Blackbird", um nur zwei zu nennen. Ich selber hatte "Blackbird" in Kneipen gespielt, verdammt noch mal. Statt mich aufs Abitur vorzubereiten, hatte ich wochenlang die Gitarrenstimme geübt. Es kam mir fast so vor, als würde ich halluzinieren.

Es gab zwei absolut überwältigende Augenblicke. Einer war die letzte Zugabe, eine makellose, krachende Darbietung von - glauben Sie's oder glauben Sie's nicht - "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band." (Noch mal: Das fand in einer Kneipe statt!) Und der andere war einer der phantastischsten Rock'n'-Roll-Songs der Welt - "Can't Buy Me Love" - eben jener, den ich das erste Mal gehört hatte, als ich im Zimmer der Hausmutter mit dem Ohr dicht am Dansette-Plattenspieler hockte.

Es gibt ein beliebtes Spiel, bei dem man gefragt wird: "Wann hättest du am liebsten gelebt und warum?" In der italienischen Renaissance? In Mozarts Wien? In Shakespeares England? Ich persönlich hätte gern zu Zeiten Bachs gelebt. Aber ich habe mit dem Spiel echte Schwierigkeiten, weil das Leben zu jeder anderen Zeit bedeuten würde, die Beatles zu verpassen, und das kann ich mir ehrlich nicht vorstellen. Mozart, Bach und Shakespeare werden uns immer bleiben, aber ich bin mit den Beatles aufgewachsen und mir nicht sicher, ob mich etwas anderes dermaßen beeinflußt hat.

Paul McCartney wird morgen fünfzig. Herzlichen Glückwunsch, Paul. Ich hätte es um nichts in der Welt verpassen mögen.

The Sunday Times London, 17. Juni 1992

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