Verwandte Artikel zu Babuschkas Töchter: Roman

Babuschkas Töchter: Roman - Softcover

Robski, Oksana

 
9783453351318: Babuschkas Töchter: Roman

Inhaltsangabe

Sie ist jung, sie ist reich, schön ? und Witwe. Auch wenn ihr Mann sie kurz vor seinem Tod wegen einer anderen verlassen hat, trauert sie ausgiebig mit ihren Freundinnen um ihn, bei Champagner und Mandarinensaft. Zu dumm, dass sie plötzlich die verrückte Idee hatte, den Mörder ihres Mannes ausfindig zu machen. Denn statt auf der teuersten Einkaufsstraße Moskaus zu flanieren, ist sie jetzt auf der Flucht vor Verbrechern?

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Oksana Robski ist die bekannteste Autorin des modernen Russlands. Ihr Erstling "Babuschkas Töchter" wurde in zehn Sprachen übersetzt; die Verfilmung ist bereits angelaufen. Oksana Robski weiß aus eigener Anschauung, worüber sie schreibt, denn sie gehört z

Aus dem Klappentext

"BABUSCHKAS TÖCHTER ist die russische Antwort auf Bridget Jones und SEX AND THE CITY."
Vedomosti

"Die Heldin, die den Mord an ihrem Mann rächt - das hat Stil, das ist cool, das ist beinahe Uma Thurman, wie sie auf den Flügeln der Nacht fliegt."
gazeta.ru

"Ungezwungen wie ein Tagebuch, unterhaltsam wie die Klatschspalten einer Illustrierten!"
Glamour

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

1
Meine Hände zitterten, als ich das Schlafzimmer verließ, um meinem Mann zu sagen, was ich mir vorgenommen hatte zu sagen. Hinter uns lagen neun Jahre Ehe, eine achtjährige Tochter und eine blutjunge Blondine, mit der ich ihn eine Woche zuvor im Restaurant getroffen hatte.
»Am besten, wir trennen uns.« Ich blickte ihm ruhig in die Augen.
»Wie du willst.« Er nickte gleichgültig. Ich drehte mich um und ging zu Bett.

Hat die Eifersucht Sie schon einmal so gequält, wie sie mich quälte? Wäre ich Dante, dann käme diese Folter gleich nach den glühend heißen Bratpfannen. Oder sogar davor.
Ich konnte nicht schlafen, ich aß ohne Appetit, ich nahm ab ohne jegliche Diät. Sonderbar, aber wenn man ohne Diät abnimmt, sagen alle: »Sie ist ja geradezu krankhaft mager.«
Ich bot einen erbärmlichen Anblick, obwohl mir selber schien, ich würde mich tapfer halten.
Ich zerriss alle seine Fotos.
Am nächsten Tag klebte ich sie wieder zusammen. Legte sie auf dem Fußboden des Schlafzimmers aus und vergoss bittere Tränen. Versuchte, mir meinen Mann zusammen mit dieser Blondine in den intimsten Situationen vorzustellen. Aber irgendwie konnte ich es nicht. Mein Vorstellungsvermögen versagte: Offenbar beschützte es meinen labilen Verstand. Aber ich versuchte es trotzdem weiter. Und wenn ich plötzlich für einen kurzen Augenblick ein Bild vor mir sah, ertrug ich heroisch den Schmerz, den es mir verursachte. Ich war schon völlig mürbe, als plötzlich das Telefon klingelte.
Eine trockene Männerstimme sprach mich mit meinem Vor- und Vatersnamen an. Die Stimme teilte mir mit, mein Mann sei tot. Fünf Schüsse, zwei davon in lebenswichtige Organe: Lunge und Kopf. Im Treppenhaus unseres Moskauer Hauses. Der Chauffeur im Krankenhaus, in bedrohlichem Zustand. Ich möge bitte kommen, um auszusagen. Und herzliches Beileid. Ich antwortete höflich, ohne Hysterie. Legte wieder auf. Die Luft war so schwer geworden, dass meine Lungen sich weigerten, sie zu atmen.
Es war, als sei die Schnur, die mich mit der Welt verband, gerissen. Ich befand mich auf einer winzigen, schwankenden Insel, wo man mich mutterseelenallein zurückgelassen hatte.
Ich streckte meine Hand nach den Menschen aus. In der Hand lag das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war meine Freundin Veronika. Ich sagte, mein Mann sei ermordet worden. Sie glaubte es nicht. Ich wiederholte es. Offenbar überzeugend. Sie japste auf und wusste ganz offensichtlich nicht, was sie sagen sollte. Was soll man auch einer Freundin sagen, die mit matter Stimme mitteilt, man habe ihren Mann erschossen?
Ich legte auf. Sie rief nicht zurück.
Ich ging zum Fenster. Das Oberlicht war geöffnet.
Ich machte einen weiteren Versuch, zur Außenwelt vorzudringen: Ich schrie. Nach einigen Sekunden, als mir die Luft in den Lungen schon knapp wurde, hörte ich meine Stimme. Ich schloss den Mund und klappte aus irgendeinem Grund das Oberlicht zu.
Kritisch musterte ich den Inhalt meines Kleiderschranks. Die Frau von Serge musste umwerfend aussehen. Sogar auf der Miliz. Ich zog eine rosa Seidenhose an, die mir mein Mann gekauft hatte.
Als ich das Haus verließ, sah ich mich um. Ich hatte Angst. Bevor ich losfuhr, verriegelte ich alle Türen. Die ganze Fahrt schaute ich in den Rückspiegel. Aber offenbar folgte mir niemand.
Das Milizrevier war in der Realität noch schäbiger, als man es aus den Fernsehserien kennt. Es roch nach Mäusen. Die Milizionäre waren nicht mehr jung, aber gut gelaunt.
Ich fragte, ob mein Mann sofort tot gewesen sei.
»Warum wollen Sie das wissen?« Der Einsatzbeamte kniff misstrauisch die Augen zusammen.
Ich konnte ihm keine Antwort geben. Hätte ich ihm erklären sollen, wie wichtig es ist, zu erfahren, ob es ein leichter Tod war? Leicht genug, damit einem nicht noch das Herz vor Mitleid bricht, wenn man denn schon weiß, dass der Mann tot ist? Das war mir zu dumm.
Die dritte Kugel hatte man in seinem rechten Arm gefunden. Ich stellte mir vor, wie er diesen Arm instinktiv vors Gesicht gehalten und für den Bruchteil einer Sekunde den Tod aufgeschoben hatte.
Mir wurde klar, dass ich für sie verdächtig war. Sie fragten mich nach Geld, Autos, Häusern, Wohnungen. Wieso wir nicht zusammenlebten. Was zwischen uns passiert sei. Und in welcher Beziehung ich zu unserem Chauffeur stünde.
Was hatte der Chauffeur damit zu tun?
Ich bat um Wasser, mir wurde angst.
Ich wäre gern nach draußen gegangen, aber sie fragten immer weiter. Hinter mir hackte jemand mit einem Finger meine Antworten in eine vorsintflutliche Schreibmaschine. In meinem Kopf schwirrten die aus dem Kino vertrauten Sätze über Anwälte: »Ich sage kein Wort mehr ohne meinen ...« Aber in diesem schäbigen Zimmer hätte das nur albern geklungen.
»Wissen Sie ...«, der Blick des Polizisten ließ auf den IQ eines Berufsschülers schließen; wahrscheinlich würde der Typ nicht mal Bestechungsgeld nehmen, was auf seinen Kollegen bestimmt nicht zutraf. »Wissen Sie, Ihre Nachbarn haben gesagt, Ihr Chauffeur kümmere sich sehr intensiv um Sie, und Sie hätten ein Verhältnis mit ihm.«
Ich schwieg. Vermutlich dachten sie, es hätte mir die Sprache verschlagen. Mir fiel tatsächlich nichts dazu ein. Um ihnen klar zu machen, dass ihre Vermutung völliger Schwachsinn war, hätte ich ihnen ein Foto von Serge zeigen und ihnen die Geschichte unserer Bekanntschaft erzählen müssen. Von unserer Liebe. Unserem Leben. Und von unserer wunderbaren Tochter. Dann hätten sie alles begriffen. Und hätten uns wahrscheinlich beneidet. So wie uns noch vor kurzem alle beneidet hatten.
Und wie dumm und albern würden ihnen dann diese Geschichten über mich und den Chauffeur vorkommen.
Aber ich schwieg.
Man brachte mir Wasser.

Drei Tage später wurde Serges Leiche offiziell freigegeben.
Ich saß auf dem Fußboden, die Arme um die Knie gelegt, und weinte.
Es wurde dunkel und langsam wieder hell.
Das Telefon klingelte, aber ich nahm nicht ab.

Das Leichenschauhaus befand sich praktischerweise ganz in der Nähe meiner Wohnung. Die Luft anhaltend, öffnete ich die Tür.
»Mein Mann liegt hier, ich würde ihn gern sehen.«
Die Frau hinter dem Büroschreibtisch blickte mich nicht einmal an.
»Ist nicht gestattet.«
Sie gab mir seine Uhr, seine Brieftasche und ein Foto. Das erste gemeinsame Foto von Serge und mir. Ich hatte nicht gewusst, dass er es bei sich trug. Auf der Rückseite stand von meiner Hand geschrieben: »Eines Tages ... werden wir um nichts mehr trauern. Nur umeinander.« Ich setzte meine Unterschrift in irgendeine Kladde. Wieder hätte ich am liebsten geheult. Serge hatte mein Foto bei sich getragen.
Im Flur begegnete mir ein kahlköpfiger Mann in weißem Kittel. Er roch intensiv nach Kölnisch Wasser. Ich hielt ihm Geld hin.
»Bitte helfen Sie mir. Ich muss unbedingt meinen Mann sehen.«
Er nahm das Geld und deutete, ohne eine Miene zu verziehen, mit dem Kopf auf die nächste Tür.
»Gehen Sie rein. Nummer siebzehn.«
Ich stieß die Tür auf.
Ich senkte den Kopf, um den Radius meines Gesichtskreises zu verengen. Bemühte mich, nur auf die Nummern zu sehen, die an den nackten Füßen angebunden waren. Zuerst die linke Reihe, dann die rechte.
Ich strengte mich nach Kräften an, zu vergessen, dass zu beiden Seiten nackte Leichen lagen.
Da war er. Nummer siebzehn.
Im Film hatte ich immer gesehen, wie die Leute sich schluchzend über die Körper ihrer verstorbenen Lieben warfen.
Ich stand wie versteinert.
Mein Mann, der immer so pingelig gewesen war, wenn es um sein Äußeres ging: frisch gebügeltes Hemd, blank geputzte Schuhe, perfekter Haarschnitt - konnte unmöglich in diesem grässlichen Raum liegen, auf diesem Tisch, mit einem Nummernschild am Fuß. Aber das war sein Körper. Sein Fuß.
Ich stürzte nach draußen und musste mich auf dem Hinterhof der Leichenhalle übergeben. Lange. Bis es dunkel wurde.
Die Freunde von Serge übernahmen die Organisation des Begräbnisses. Ich brauchte nur das Restaurant für das Essen und ein...

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.