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Die sieben Monde des Jakobus: Roman - Softcover

Buch 2 von 2: Die große Jakobsweg-Saga

Riebe, Brigitte

 
9783453351035: Die sieben Monde des Jakobus: Roman

Inhaltsangabe

Für die Katholikin Clara Weingarten wird das Leben im streng calvinistischen Genf Mitte des 16. Jahrhunderts zur Hölle. In einer Zeit der Kriege, Verfolgung und Inquisition scheint der Pilgerweg ins ferne Santiago de Compostela die letzte Zuflucht zu sein. Im Schutz der Dunkelheit brechen Clara und ihr kleiner Sohn auf.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Brigitte Riebe, 1953 geboren, ist promovierte Historikerin und arbeitete zunächst als Verlagslektorin. Zu ihren bekanntesten historischen Romanen zählen "Die Hüterin der Quelle", "Schwarze Frau vom Nil" sowie die beiden erfolgreichen Jakobsweg-Romane "Straße der Sterne" und "Die sieben Monde des Jakobus". Zuletzt erschienen bei Diana die Romane "Liebe ist ein Kleid aus Feuer" und "Auge des Mondes", die im Mittelalter bzw. im alten Ägypten spielen. Für ihre Romane stellt Brigitte Riebe sehr umfangreiche Recherchen an und reist auch immer an die Orte des Geschehens. So begab sie sich auch nach Kreta, auf den Spuren des Minotaurus. Ihr Schreibtisch aber steht in München, wo sie auch geboren und aufgewachsen ist.

Aus dem Klappentext

»Von der ersten bis zur letzten Seite spannend, Brigitte Riebe ist eine Spezialistin für historische Romane!«
Nürnberger Nachrichten

»Brigitte Riebe weiß die Leser zu verblüffen und zeichnet ein farbenprächtiges, spannendes Gemälde des 16. Jahrhunderts. Das Buch zählt unter den historischen Romanen zu den besten!«
Generalanzeiger Bonn

»Das Buch ist zeitlich gut platziert, das Interesse an einem Roman zu diesem Thema entsprechend hoch.«
Süddeutsche Zeitung

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Prolog

BRAUTNACHT

Blätter, vergilbt und brüchig, bedeckt mit einer kühnen, steilen Handschrift.

"Was ist das?", fragte sie leise. Sie hatte bei ihm gelegen, kannte seinen Geruch und sein Morgengesicht, aber plötzlich war er ihr fremd.

"Er kam wie verabredet mit den Schatten der Dämmerung",

begann er halblaut vorzulesen. Sie liebte seine helle Stimme, die so gut zu seinem umgänglichen Wesen passte.

"Mein Herz begann zu rasen, als ich seine hohe Gestalt mit dem rotblonden Haar erblickte, das ihm in Wellen bis auf die Schultern fiel. .. "

Schon die ersten Worte berauschten sie. Genauso hatte sie empfunden, als sie Heinrich zum ersten Mal gesehen hatte. Aber woher kannte der unbekannte Schreiber ihre heimlichsten Gefühle?

"Es war wahnsinnig, was wir taten. Es würde uns beide ins Verderben stürzen ... "

"Was ist das?", wiederholte sie. Eine innere Unruhe hatte sie erfasst, die sie sich nicht erklären konnte. "Was liest du da?"

"Blancas Vermächtnis", sagte er nachdenklich. Heinrich hielt die Ledermappe mit den vergilbten Blättern in seinen Händen wie einen Schatz. "Und die Kommentare ihrer Tochter Pilar. Aufzeichnungen, die sich schon seit Jahrhunderten im Familienbesitz befinden. Ich habe lange überlegt, was ich damit anstellen soll, aber nun weiß ich es endlich."

"Und was wird das sein?", fragte sie.

Er lächelte, wie sie es so an ihm mochte.

"Drucken will ich sie. Ja, ich werde sie drucken, um die Erinnerung für alle Zeiten zu bewahren. Von der Vergangenheit kann man sich ebenso wenig trennen wie von seinem Schatten. Alles, was geschehen ist, gehört zu uns."

Clara wollte nach den Blättern greifen, er aber legte die Mappe beiseite und nahm stattdessen ihre Hand.

"Das siehst du dir später einmal genauer an. Wenn alles fertig ist. Denn hier ist noch etwas Wichtiges, was zu uns gehört."

Ihr Herz hatte schneller geschlagen, als er zum ersten Mal das kleine Ladengeschäft ihres Vaters unter den Arkaden betreten hatte, wo es nach Met und Bienenwachs roch, weil der Lebzelter nicht nur die bei allen beliebten Süßigkeiten buk, sondern als Wachszieher auch das Münster mit seinen Kerzen belieferte. Clara hatte gewusst, dass auch sie ihm gefiel, und trotzdem war der Anfang alles andere als einfach gewesen. Zunächst hatte sie Heinrichs Schüchternheit für Hochmut, seine Zurückhaltung für Kälte gehalten. Inzwischen zweifelte sie nicht mehr an seiner Liebe. Und dennoch gab es in ihr noch immer die Angst, es könne trotz allem viel zu schnell vorbei sein.

Der Ring, den er ihr ansteckte, war schwer. Er saß wie angegossen am Mittelfinger ihrer linken Hand.

"Er hat uns stark gemacht, er hat uns schwach gemacht, darin liegt sein Geheimnis", sagte Heinrich. "So viele Schicksale hat er schon gesehen."
Zwei Steine, durch ein breites Goldband miteinander verbunden. Milchig blau der eine, von gelben Blitzen durchzogen, sobald sie die Hand bewegte, der andere strahlend grün. Niemals zuvor war ihr solch ein Schmuckstück begegnet.

"Der blaue ist ein Labradorit, den man auch Stein der Wahrheit nennt; er verkörpert die Treue. Der grüne Smaragd gilt als der Stein der Hoffnung. Eins kann ohne das andere nicht existieren, sie brauchen sich gegenseitig, und Liebe verbindet sie. Es sollen einmal zwei Ringe gewesen sein", fuhr er fort. "Vor langer Zeit. Aber die Spur des anderen hat sich irgendwann verloren. Gefällt er dir?"

Sie nickte, zu überwältigt, um zu sprechen.

"Mit diesem Ring nehme ich dich zu meiner Frau", sagte er. "Ich verspreche, dich glücklich zu machen bis zum Ende meiner Tage. Und sollte ich es einmal vergessen, dann musst du mich an diese Nacht erinnern. Versprichst du mir das, Clara?"

Sie nickte abermals.

Morgen würde der Priester sie im Freiburger Münster zu Mann und Frau erklären, und sie hatte sich seit Wochen auf das laute Läuten der Angelusglocke gefreut. Tausendmal und mehr war Clara im Geist schon in der kleinen Nikolauskapelle gekniet, wo die Trauung stattfinden sollte, über ihren Häuptern das alte Steinrelief: Apostel Jakobus, der einen Pilger krönte.

Heinrich schien zu erraten, woran sie dachte.

"Ja, morgen sollen alle mit uns feiern", sagte er, "Verwandte, Nachbarn und Freunde. Morgen werden wir sie bewirten, mit ihnen lachen, trinken und tanzen. Diese Nacht aber gehört uns."

Endlich war der Bann gelöst. Ihre Augen lächelten, und die Antwort kam einfach und frei.

"Ich verspreche, dich glücklich zu machen bis zum Ende meiner Tage. Mit diesem Ring nehme ich dich zu meinem Mann. Solange ich lebe, bleibt er an meiner Hand."

Sie hörte seinen Atem, der schneller ging bei ihren Worten, dann berührte er zart ihren Wangenknochen und zeichnete die Konturen nach, als wolle er sie sich für immer einprägen. Clara hatte ihr Gesicht zu seinem erhoben, und als seine Lippen ihre berührten, erwiderte sie seinen Kuss. Sie schlang die Arme um ihn und wollte ihn nicht mehr loslassen - nie mehr.

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.