Moskau in einer nahen Zukunft. Animatoren haben die Gabe, die Seelen der Toten zum Leuchten zu bringen, indem sie deren Leben noch einmal Revue passieren lassen. Die Schicksale der Verstorbenen, Terroropfer und Täter, sie alle fügen sich zu einem grausamen und unerbittlichen Bild des russischen Lebens. Bis Sergej Barmin von einer Nachfolgeorganisation des KGB aufgefordert wird, auch lebende Menschen zu animieren und Kontrolle über ihre Bewusstsein zu erlangen ... Ein literarischer Thriller zwischen Science-Fiction und russischer Gegenwart.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
»Bereichere dein Wissen über deinen Gegenstand, über deine Materie, über ihre Symbolik. Vollkommenheit erfordert Wissen, Unwissen zieht den Tod nach sich.« Albertus Magnus hat recht. Ein Animator muss wissen. Aber es wäre - leider! - töricht, den unangenehmen Eindruck Wissen zu nennen, den der damals noch lebende Entschlafene bei unserer morgendlichen Begegnung auf mich gemacht hat (übrigens verstärkt durch den Verdacht, dass der Sicherheitsexperte Michail Michailowitsch offenbar einer der wichtigsten Motoren der Öffentlichkeitskampagne über die Möglichkeit und Notwendigkeit des Animierens Lebender war). Aus dem Obersten auch nur ein Krümchen lebendigen Lebens rauszuquetschen ist ebenfalls ein Ding der Unmöglichkeit - vermutlich erlaubt ihm sein Dienst keine Krümeleien. Ich habe nichts, um mich einzufühlen. Und selbst der Versuch ist irgendwie - nicht gerade ekelhaft, aber ... Vom Leben des zur Unzeit Dahingeschiedenen weiß ich nichts. Außerdem habe ich, wie man es auch dreht und wendet, eine Art Schock erlebt. Eine schöne Bescherung: Morgens setzt du jemandem die Grundlagen der Animation auseinander, und abends hebst du das Laken - und da liegt er! Also, diese Leiche ist nicht gerade mein Ding. Und unterm Strich kommt bei der Geschichte bestimmt nichts Gutes heraus. Hätte ich früher Bescheid gewusst, hätte ich nicht einmal daran gedacht herzukommen, hätte abgelehnt ... Aber was bleibt mir jetzt übrig? Meine Professionalität hat sich wenigstens darin gezeigt, dass die böse Vorahnung mich nicht getäuscht hat. Die Sitzung verläuft soso lala, mit Ach und Krach, mit knapper Not, könnte man sagen. Ein trüber gelblicher Schein. Auch der Winke-Effekt, so ungern ich es zugebe, kommt aus irgendeinem Grund voll zum Tragen - unten im Kolben schillert es irisierend, sogar mit einem Stich ins Sumpfgrüne hier und da. Der Teufel weiß warum. Da kenn sich einer aus im Nachhinein ... Ich will gerade die Arme ausbreiten, nach dem Motto, ist's auch karg, es kommt von Herzen, auch bei uns läuft nicht immer alles glatt ... Doch entgegen meinen Erwartungen strahlt Oberst Dobrynin freudig auf, als er das Gefäß entgegennimmt, und ruft: »Na, guck mal an! Das ist ja toll!« Mir bleibt nichts anderes übrig als mich zu räuspern und trotzdem die Arme auszubreiten, nach dem Motto, Meisterschaft bringt selbst der Suff nicht um, Genosse Oberst. Aber sein albernes Lob bessert meine Laune nicht im geringsten. Im Gegenteil, mir ist speiübel. Ja, ja ... Ich bin ja selber schuld. Hätte ich wenigstens gefragt, wohin es geht. Aber nein - ich steige wie ein Schaf ins Auto, um wegen eines Honorars wer weiß wohin zu rasen ... All diese Flure und Bunker ... Der ominöse Michail Michailowitsch ... Das gelbe Lichtgerinnsel, beschämend für einen Profi ... Wenn das jemand sieht, werde ich der Schande nicht entgehen. Allerdings hat der Oberst erwähnt, dass sie eine Art Spezial- oder Staatsdepot für ihre Leute haben, kurz gesagt, so eine Teufelsschmiede, wo sie alle nach dem Tod geschlossen vor sich hin brennen. Das beruhigt mich doch etwas. Das versprochene Honorar wird mir in voller Höhe ausgezahlt. Ich stopfe den dicken Packen grüner Lappen in meine Brusttasche, nachdem ich vorher die Visitenkarte des Experten unauffällig in dessen eigene Jackentasche geschoben habe. Soll doch alles der Teufel holen! Ins Alpina, nur noch ins Alpina! Um so mehr, als ich schrecklichen Hunger habe. Der Oberst steckt den Kolben in eine Plastiktüte, die er lässig hin und her schwenkt, während er mich zum Ausgang führt. »Kann ich Sie mitnehmen?« fragt er, als wir endlich wieder an der frischen Luft sind. »Ach was«, sage ich. »Ich nehme ein Taxi.« Es stellt sich aber heraus, dass er in genau die gleiche Richtung muss wie ich. Er wirft die Tüte auf den Rücksitz vom Mercedes (wieder bleibt mir das Herz stehen - die Kolben zerbrechen leichter als Glühbirnen). Dann setzt er sich ans Steuer - weder der Fahrer noch der Jeep vom Begleitschutz sind zu sehen -, und wir fahren los. Jetzt wirkt er richtig aufgekratzt (sicher, weil die Sache erledigt ist), und nach einiger Zeit sieht er zu mir hin und sagt kumpelhaft, während seine Augen im Halbdunkel fröhlich funkeln: »Unsere sind ja alle in den Kursen. Deshalb mussten wir uns an Sie wenden.« »In welchen Kursen?« frage ich schwach interessiert. »In Fortbildungskursen natürlich. Haben Sie etwa noch nicht davon gehört?« »Was für eine Fortbildung?« »Na, für Animatoren! Man hat doch jetzt eine neue Methode entwickelt - das Animieren von Lebenden. Mann! Das ist ein Ding, Sergej Alexandrowitsch!« Ich schaue stumpfsinnig in den näherkommenden roten Lichtkreis der Ampel. Das Auto fährt gemächlich darauf zu und hält. »Wie, Sie haben noch nicht davon gehört?« fragt der Oberst interessiert, während er wieder zu mir rüberschaut. »Nein«, sage ich. »Habe ich nicht.« »Was? Das ist doch eine Riesensache! Was Sie nicht sagen!« Die Ampel zwinkert gelb, der Oberst legt den Gang ein, und wir fahren weiter. »Besonders für uns. Überlegen Sie mal! Wir strampeln uns ab, haben Tag und Nacht keine ruhige Minute - aber wie willst du die Burschen kriegen? Nehmen wir mal an, da ist ein Verdächtiger, nehmen wir an, wir haben ihn sogar geschnappt ... Er hat keinen Sprengstoff bei sich, keinen Zünder, keine Waffe, überhaupt nichts, was man gegen ihn verwenden könnte. Seine Papiere sind scheinbar in Ordnung ... Und? Ja, sicher, man kann ihn fragen: Na, was ist, Alter, planst du einen Anschlag?« Das Auto hält erneut an einer Ampel. Der Oberst wendet sich mir zu und sagt lachend: »Und er sagt es dir, verlass dich drauf! Aber klar doch! Nach drei Tagen lässt man ihn laufen, er holt sich alles, was er braucht, aus seinem Versteck, und ab geht die Post!« Wir biegen in den Gartenring ein. »Und dann noch die anderen, du weißt schon ...« Er wechselt übergangslos zum Du. »Die Stänkerer. Die machen keinen Finger krumm, für die ist der Staat an allem schuld! An allen Problemen! ... Nach dem Motto: Was für ein Scheißstaat! Er kann dies nicht! Er kann das nicht! Dieser Hurensohn von Staat will nichts als Geld scheffeln! ... Nett, was? Wenn du so ein Zeug redest, willst du vielleicht selber eine Bombe in einen Kindergarten legen! Oder?« Er schweigt verbissen. Der Stau kommt nur meterweise vorwärts. »Nein, ab jetzt funktioniert die Sache anders. Ob du willst oder nicht - es gibt die objektive Aussage von einem Animator. Du hast was geplant - also hast du's auch. Basta. Da redet sich keiner mehr raus.« »Halten Sie an«, sage ich. »Danke.« »Mach's gut, Serjoga!« ruft er, als ich die Tür zuschlage. »Hau rein! Man sieht sich bestimmt mal!« Er fährt an und fädelt sich geschickt in die unsäglich stinkende Autoschlange ein, die dem Gartenring systematisch die Luft abdrückt. Ich versuche gar nicht erst, ein Taxi zu bekommen, weil es einfacher sein wird, eine Station mit der Metro zu fahren. Als ich das letzte Mal hier war (ich habe ja gesagt, dass ich die Dienste der Metro selten in Anspruch nehme), wurden den Fahrgästen runde Plastikjetons verkauft. Jetzt bekomme ich eine Pappkarte. Ich versuche, sie ins Kontrollgerät zu schieben. Das Gerät rasselt aggressiv los und bringt mich damit ziemlich in Verlegenheit. Trotzdem gebe ich den Versuch nicht auf, auf den Bahnsteig zu gelangen. Zu guter Letzt springt eine rotbemützte Bahnangestellte in ihrem gläsernen Starenhäuschen vom Stuhl, reißt mir die Fahrkarte aus der Hand, steckt sie mit dem richtigen Ende (oder mit der richtigen Seite, wer kennt sich schon in diesen Feinheiten aus) ins Gerät und verabschiedet mich mit einem leichten Stoß und den Worten: »Wie die kleinen Kinder!« Dröhnend und ratternd kommt ein Zug aus dem Tunnel geschossen, die Türen öffnen sich, aus jeder ergießt sich eine kleine Menschenmenge auf den Bahnsteig und wird von neuen, nachdrängenden Fahrgästen ersetzt. Eine Männerstimme verkündet den Namen der nächsten Station (und zwar so triumphierend, als würde uns dort eine große Freude erwarten), und wir fahren ab. »Komm her! Komm schon!« höre ich eine schroffe Stimme...
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Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: good. Befriedigend/Good: Durchschnittlich erhaltenes Buch bzw. Schutzumschlag mit Gebrauchsspuren, aber vollständigen Seiten. / Describes the average WORN book or dust jacket that has all the pages present. Artikel-Nr. M03446208275-G
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Zustand: Gut. Gebundene Ausgabe 288 Seiten; Spuren der Zeit am Schutzumschlag, insgesamt jedoch guter, sauberer und ordentlicher Zustand. Innen nahezu ungelesen. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 440 Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 550. Artikel-Nr. 38621
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Anbieter: Der Buchecker, Koeln, Deutschland
Pp. Zustand: Sehr gut. 287 S. ; 21 cm Exemplar mit Gebrauchsspuren (das kann heißen: das Buch KANN normale Leseverformung wie Knicke am Buchrücken, oder leichte Nachdunklung o. ä. haben oder auch, obwohl unbeschädigt, als Mängelexemplar gekennzeichnet sein, ferner können auch Notizen oder Unterstreichungen im Text vorhanden sein. Alles dies zählt zur Kategorie des GUT ERHALTENEN). In jedem Falle aber dem Preis und der Zustandsnote entsprechend GUT ERHALTEN. und ACHTUNG: Die Covers können vom abgebildeten Cover und die Auflagen können von den genannten abweichen AUSSER bei meinen eigenen Bildern (die mit den aufrechtstehenden Büchern vor schwarzem Hintergrund, wie auf einer Bühne) MEINE EIGENEN BILDER SIND MASSGEBEND FÜR AUFLAGE, AUSGABE UND COVER g-125c-1125 KEIN VERSANDKOSTENRABATT !!! Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 450. Artikel-Nr. 772081
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Anbieter: Antiquariat Bläschke, Darmstadt, Deutschland
8° Ppbd. mit illustr. OU. Zustand: Gut. 287 S. Sehr gutes Expl. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 530. Artikel-Nr. 11072
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Anbieter: Vulkaneifel Bücher, Birgel, Deutschland
hardcover. Zustand: Sehr gut. Auflage: 1. 288 Seiten Etikettenrest am Cover, kleine Lagerspuren am Buch, Inhalt einwandfrei und ungelesen Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 420. Artikel-Nr. 220540
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