Wie immer Chefsache: Roman - Hardcover

Rütter, Martin

 
9783442830022: Wie immer Chefsache: Roman

Inhaltsangabe

Hunde würden Rütter lesen! Menschen auch!


Mattes Reuter hatte immer das Ziel, Redakteur bei der ZEIT zu werden. Leider hängt er aber noch mit vierzig als freier Mitarbeiter bei einem Stadtteilmagazin fest und wohnt, nach einer gescheiterten Beziehung, mit Hund Mina bei seiner erfolgreichen Schwester. Das liegt nicht zuletzt an seiner Philosophie, dass es „Sucher" und „Finder" gibt und Mattes eindeutig zu denen zählt, die lässig warten, bis sie von ihrer Chance gefunden werden. Widerwillig kommt er der Anfrage nach, bei dem Hundemagazin „Hassos Herrchen – Finas Frauchen" als Chefredakteur zu beginnen und merkt mit Entsetzen, dass er sich damit beruflich zunächst nicht verbessert. Aber er hat nichts zu verlieren und pokert hoch. Seine neu eingeführte Magazinrubrik „Ich hätt’ da mal ’ne Frage“, in der er unter dem Pseudonym ‚Mina R.’ die Probleme verzweifelter Hundehalter beantwortet, macht ihn zum Hundeexperten und sein Leben nimmt unerwartet Fahrt auf …


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Über die Autorin bzw. den Autor

Martin Rütter, geboren 1970, Tierpsychologe, avancierte durch seine Sendung „Der Hundeprofi“ (VOX) und zahlreiche andere Fernsehauftritte zum „Star der Szene“ (Focus), da er sowohl den Hund als auch den Mensch versteht. Martin Rütter betreibt ein deutschlandweites Netzwerk mit Zentren für Menschen mit Hund und bietet eine fundierte Ausbildung zum D.O.G.S.-Coach an. Seine Sachbücher sind Bestseller, sein Langenscheidt-Buch „Hund – Deutsch, Deutsch – Hund“ ein amüsanter und beliebter Ratgeber. Das gleichnamige Live-Programm, konzipiert als eine Mischung aus Information und Entertainment, wird vom Publikum begeistert aufgenommen. „Wie immer Chefsache“ ist sein erster Roman. Gemeinsam mit seiner Familie und Hündin Mina lebt er bei Bonn.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Was wirst du machen?�, fragte Alex, der neben ihm her rannte. Es war ein Dienstag im M�. Die Luft war an diesem Vormittag unerwartet kalt, aber sie roch nach Fr�hling und Aufbruch.
�Ich wei�es nicht.� Mattes wusste es wirklich nicht. Sie befanden sich auf ihrer zweiten Runde um den See, und er hatte sich vorgenommen, bis zur Ankunft auf dem Parkplatz die Entscheidung �ber den weiteren Verlauf seines Lebens getroffen zu haben. Seit gestern Vormittag �berlegte er daran herum. Leider begeisterten ihn die Auswahlm�glichkeiten nicht sonderlich. Er f�hlte sich wie mit Los Nummer 27 am Tombola-Tisch des �rtlichen Sch�tzenvereins, bei dem er sich zwischen geh�lten gr�nen Topflappen mit Sch�tzenverein-Emblem oder einem Zinnbecher mit Geweihpr�ng entscheiden musste. Nichts sah wirklich verlockend aus, und auf jeden Fall war alles weit entfernt vom Hauptgewinn. Es ging um eine Stelle. Er hatte zwar einen Job, aber als mehr konnte er seine t�iche Arbeit wirklich nicht bezeichnen, denn es war nicht ann�rnd das, was er sich beruflich als Ziel gesetzt hatte. Wenn er es genau betrachtete, konnte er es nicht mal mehr als eine Art Vorstufe sehen, denn Berichte �ber Goldhochzeiten und kleine Empf�e im Rathaus, die er als freiberuflicher Redakteur f�r das Stadtteilmagazin schrieb, waren nicht der direkte Weg zum Chefsessel der ZEIT, den er anstrebte. Gleich nach dem Abi war er frisch und unbeirrt gestartet, aber der
Weg erschien ihm inzwischen lang, und er hatte jetzt schon ziemlich viel Zeit knapp hinter der Startlinie vertr�delt. Am Ende lag aber immer noch das Ziel und wartete auf ihn - redete er sich jedenfalls ein.
Alex grinste: �Wolltest du nicht immer Chefredakteur werden? Ich h�r dich das seit zwanzig Jahren sagen.�
�Ja�, sagte Mattes und versuchte ihn mit der Faust am Oberarm zu treffen. Alex wich lachend aus, bis Mattes es aufgab und st�hnte: �Ich w� ein perfekter Chefredakteur. Aber doch nicht bei einem Hundemagazin! Sehe ich aus wie ein Typ, der seine Zeit beim Sch�rhundverein verbringen will?� Er kommandierte �bertrieben laut und herrisch: �Sitz! Platz! Aus!!�, was ihm wegen der Lautst�e einige verwunderte Blicke anderer Parkbesucher einbrachte, und seufzte: �Ich bin der Mann f�r Politik, Sport und Kultur. Nicht f�r Dosenfutter und Hundek�rbchen.�
Sie fielen in ein langsames Tempo und blieben stehen, als sie am Bootssteg angekommen waren. �Warum nicht ein Hundemagazin?�, fragte Alex und machte ein paar Dehn�bungen. �Schlechter als das, was du jetzt machst, kann es nicht sein. Seit Sarah dich rausgeschmissen hat, baust du ab.�
�Sie hat mich nicht rausgeschmissen, wir haben uns getrennt�, stellte Mattes richtig.
Alex nickte: �Das kann ich gut verstehen. Erstaunlich genug, dass sie dich so lange ertragen hat. Aber jetzt bist du raus, und sie hat die Wohnung behalten. Im Gegensatz zu dir kann sie sich die auch leisten.�
�Du redest schon wie sie�, sagte Mattes und richtete sich auf.
�Ach, komm�, feixte Alex. �Mit deiner Hundeerfahrung bist du genau der Richtige f�r ein Hundemagazin.�
�Einen verfressenen Hund zu haben bedeutet keine Hundeerfahrung.�
�Ich mein doch nicht Mina, ich denke an Arco.�
�Arco!�, st�hnte Mattes und erinnerte sich schlagartig an das gelbe Gebiss und die gefletschten Z�e. Und sofort hatte er auch die Erinnerung an die grummelnde Angst im Bauch, die er als Kind vor diesem Hund gehabt hatte. �Arco war kein Hund, das war ein neurotisches Pudelmonster�, sagte er. Alex lachte: �Ich hatte so einen Schiss! Ich bin niemals wieder mit zu deiner Tante Thea gekommen. Hast du kein Foto von Arco, wie er an der T�r steht und seine Z�e zeigt? Das musst du in der Redaktion vorlegen, dann hast den Job, weil du ihn �berlebt hast!� Er streifte sich seinen Pullover �ber und strich sich mit den Fingern durch die Haare, um sie wieder in Form zu bringen. �Wie viele Menschen hat Arco eigentlich zerfleischt?� Mattes sch�ttelte den Kopf: �Gar keinen. Aber das kann echt nur Zufall gewesen sein. Das Biest war v�llig gest�rt.� Alex klimperte mit seinem Autoschl�ssel: �Morgen rufst du mich an und sagst, was du machen wirst!�
�Vielleicht will ich den Job gar nicht.�
�Auch gut. Aber entscheide dich!�
Mattes setzte sich in sein Auto und fuhr nach Hause. Nach Hause? Es war das Zuhause seiner Schwester, die ihm gro��gigerweise die Einliegerwohnung im Keller angeboten hatte, nachdem seine Freundin Sarah eine Entscheidung �ber ihre gemeinsame Zukunft getroffen hatte. Im Entscheidungen treffen war er noch nie so gut gewesen. Entscheidungen setzten voraus, dass man M�glichkeiten abw�n und sein Handeln aktiv planen musste. Das war nicht sein Ding. Er hatte meistens gewartet, bis etwas entschieden war und er nur noch handeln musste.
Mattes unterteilte Menschen in Sucher und Finder. Die Sucher waren Menschen, die ihr Vorgehen planten, aktiv handelten, Dinge anpackten und ihre Chancen suchten. Diese Menschen waren ihm zuwider. Ihm war nahezu alles zuwider, was ein Konzept hatte. F�r ihn hatten Genies, zu denen er sich unumwunden und ohne jeden Zweifel z�te, kein Konzept n�tig. Sie waren Finder. Sie lebten in den Tag hinein und fanden, mehr oder weniger zuf�ig, ihre Chancen. Wobei er nat�rlich insgeheim darauf hoffte, von der Chance selbst gefunden zu werden. Die M�glichkeit, dass eines Tages die ZEIT anrufen und ihm den Posten des Chefredakteurs antragen w�rde, erschien ihm darum nicht ganz ausgeschlossen. An manchen Tagen sogar ziemlich wahrscheinlich. Seine �Abwarterei�, wie Sarah es ver�tlich nannte, die es als typische Sucherin nicht nachvollziehen konnte, dass er in aller Gem�tsruhe darauf wartete, zu H�herem berufen zu werden, l�ste dann auch ihren Trennungswunsch aus. Nach vier Jahren zuerst gl�cklicher, dann zunehmend nebeneinanderher pl�chernder Beziehung, hatte sie entschieden, dass er seine Sachen packen und den Wohnungsschl�ssel abgeben sollte. Mit vier Kisten und seinem Hund Mina hatte er pl�tzlich auf der Stra� gestanden. Nicht mal die obligatorische Stereoanlage hatte er ausst�pseln und mitnehmen k�nnen, denn auch die hatte Sarah gekauft. So wie die CD- Sammlung, die M�bel und den gro�n K�hlschrank. Er hatte kurz �berlegt, ob er die leeren Weinflaschen einpacken sollte, denn zumindest guten australischen Rotwein hatte er regelm�g mitgebracht, und damit geh�rten die Flaschen rechtlich gesehen ihm. Aber er hatte das Gef�hl, dass das l�erlich wirken k�nnte. Au�rdem sollte Sarah sich ruhig an ihn erinnern, wenn sie die Flaschen zum Altglascontainer bringen musste. Vielleicht w�rde sie ihre Entscheidung kurzzeitig bedauern. Aber dann war es zu sp� Jedes Klirren der zerberstenden Flaschen im Container w�rde ein h�rbares Zeichen f�r ihre zerbrochene Beziehung sein. Mattes und Sarah gab es nicht mehr.
Aber jetzt ging es nicht mehr um Sarah, jetzt musste er eine Entscheidung �ber sein Leben treffen. Seit seiner Schulzeit wollte er Journalist werden und schnell zum Chefredakteur der ZEIT aufsteigen. Das machte was her. Als Chef w�rde er eine Art Oberaufsicht �ber die anderen Redakteure haben, k�nnte Arbeit delegieren und m�sste nicht selber um jede Zeile, die er geschrieben hatte, k�fen, damit sie ver�ffentlicht w�rde. Er wusste intuitiv und schon sehr fr�h, dass das der richtige Posten f�r ihn w�. Inzwischen w� es ihm schon recht gewesen, bei der ZEIT nur Ressortleiter zu sein. Oder Redakteur f�rs Vermischte. Oder hin und wieder Schreiber einer Kolumne. Hauptsache irgendetwas, das seinem Ziel ansatzweise nahe kam. Immerhin war er Abonnent, obwohl er zugeben musste, dass das wirklich die unterste Stufe einer Zusammenarbeit war. Journalistisch hing er als freiberuflicher Mitarbeiter bei einem Stadtteilmagazin fest. Mit immer den gleichen Artikeln, die ihn weder intellektuell forderten, noch in irgendeiner Weise bedeutsam waren.
Ein einziges Mal hatte er einen aufdeckenden Artikel �ber die Schlamperei und kriminellen Machenschaften beim Einkauf der...

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ISBN 10:  3442477913 ISBN 13:  9783442477913
Verlag: Goldmann, 2012
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