Eine Parabel über das brisante Verhältnis von Normalität und Fremdheit - und auf das Schicksal von Liebe und Glück in einer unglücklichen, lieblosen Gesellschaft.
Ben Lovatt, der destruktive Junge aus „Das fünfte Kind“, ist erwachsen geworden. Doch er findet sich nicht zurecht in dieser Welt. Die Menschen bleiben ihm fremd, so wie er den anderen ein Fremder bleibt. Noch immer aggressiv und seinen Instinkten ausgeliefert, machen ihn seine Eigentümlichkeiten zu etwas provozierend Unbegreiflichem, zu einem ungeheuer einsamen Menschen und zum Spielball der Gesellschaft.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Doris Lessing, 1919 im heutigen Iran geboren und auf einer Farm in Südrhodesien (Simbabwe) aufgewachsen, lebt seit 1949 in England. 1950 veröffentlichte sie dort ihren ersten Roman und kam 1953 mit "Eine afrikanische Tragödie" zu Weltruhm. In Deutschland hatte sie ihren großen Durchbruch 1978 mit der Veröffentlichung von "Das goldene Notizbuch", das seitdem zu ihrem Hauptwerk gezählt wird. Heute ist Doris Lessing eine der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart, ihr umfangreiches Werk umfaßt Lyrik, Prosa und autobiographische Schriften. Im Oktober 2007 wurde sie mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.
"Mit 'Ben in der Welt` ist Doris Lessing ein großer, sozial engagierter Roman gelungen!"
Die Presse
"Eine meisterhafte erzählte, bewegende Parabel auf Außenseitertum, Normalität, Anderssein. 'Ben in der Welt' ist ein melancholischer Abgesang auf die Zivilisation - und ein großes Alterswerk."
NEWS
"Doris Lessing versetzt einen Urmenschen in moderne Zeiten. Er scheitert grausam - das ist die anrührende Geschichte eine Außenseiters ohne Überlebenschance."
FOCUS
»Wie alt sind Sie?«
»Achtzehn.«
Die Antwort kam nicht sofort, denn Ben hatte Angst vor dem, was jetzt geschehen würde, dass der junge Mann hinter der Glasscheibe, die ihn vor den Besuchern schützte, seinen Kugelschreiber auf dem Formular absetzte, das er gerade ausfüllte, und mit einem Gesichtsausdruck, den Ben nur zu gut kannte, seinen Klienten musterte. Er gestattete sich, auf ungeduldige Weise belustigt zu sein, ohne dass dies den Grad von Spott erreichte. Er sah einen untersetzten, gedrungenen, kräftig gebauten Mann vor sich - er trug eine Jacke, die ihm zu groß war -, der mindestens vierzig sein musste. Und dieses Gesicht! Es war ein breites Gesicht mit sehr ausgeprägten Zügen, einem Mund, der zu einem Grinsen verzogen war - was kam dem denn eigentlich so witzig vor?-, einer breiten Nase mit bebenden Nasenflügeln, grünlichen Augen mit sandfarbenen Wimpern unter widerborstigen, sandfarbenen Brauen. Er trug einen kurzen, adretten, spitz geschnittenen Bart, der nicht zum Gesicht passte. Sein Haar war gelb und schien - wie sein Grinsen - auffallen und aufsässig wirken zu wollen, es fiel lang in einer Tolle nach vorn und in steifen Locken zu beiden Seiten herunter, als wolle es einen modischen Haarschnitt karikieren. Zu allem Überfluss sprach er mit wohlerzogener Stimme; machte er sich über ihn lustig? Der Beamte unterzog ihn dieser Minuten langen Musterung, weil er sich von Ben bis zum Grad der Verärgerung verunsichert fühlte. Er klang gereizt, als er schließlich sagte: »Sie können keine achtzehn sein. Na, los, wie alt sind Sie wirklich?«
Ben schwieg. Er war wachsam, jede seiner Fasern, denn er wusste, dass Gefahr lauerte. Er wünschte, er wäre nicht hierher gekommen, wo sich die Wände um ihn schließen konnten. Er hörte auf die Geräusche von draußen, um sich zu vergewissern, dass alles normal war. Ein paar Tauben unterhielten sich in einer Platane auf dem Gehsteig, und er war bei ihnen, dachte daran, wie sie da saßen und Zweiglein mit rosa Krallen griffen, die er sich um seinen eigenen Finger schließen fühlen konnte; sie waren guter Dinge, mit der Sonne auf ihren Rücken. Hier drinnen gab es Geräusche, die er nicht verstehen konnte, bis er jedes einzelne von den anderen getrennt hatte. Unterdessen wartete der junge Mann vor ihm, in seiner Hand den Kugelschreiber, der zwischen seinen Fingern hin und her glitt. Ein Telefon klingelte direkt neben ihm. Zu seinen Seiten saßen mehrere junge Männer und Frauen auch mit dieser Glasscheibe vor sich. Manche benutzten Instrumente, die klickten und rasselten, manche starrten auf Bildschirme, auf denen Worte erschienen und wieder verschwanden. Jede dieser lärmenden Maschinen, das wusste Ben, war ihm gegenüber wahrscheinlich feindselig. Jetzt bewegte er sich leicht zur Seite, um den Spiegelungen der Glasscheibe zu entgehen, die ihn störten und ihn nicht genau diese Person sehen ließen, die böse auf ihn war.
»Doch, ich bin achtzehn«, sagte er.
Er wusste, dass das stimmte. Als er vor drei Wintern zu seiner Mutter gegangen war - er blieb nicht, weil sein verhasster Bruder Paul hereinkam -, hatte sie in großen Buchstaben auf ein Stück Karton geschrieben:
Dein Name ist Ben Lovatt.
Deine Mutter heißt Harriet Lovatt. Dein Vater heißt
David Lovatt.
Du hast vier Brüder und Schwestern, Luke, Helen,
Jane und Paul. Sie sind älter als du.
Du bist fünfzehn Jahre alt.
Und auf der anderen Seite der Pappe hatte gestanden:
Du bist geboren am ...
Du wohnst in ...
Dieses Stück Pappe hatte Ben so sehr mit verzweifelter Wut erfüllt, dass er es seiner Mutter wegnahm und aus dem Haus rannte. Als erstes kritzelte er über den Namen Paul. Dann über die Namen der anderen Geschwister. Dann, als die Pappe zu Boden fiel und beim Aufheben die Rückseite sehen ließ, kritzelte er mit seinem schwarzen Kugelschreiber über alle Worte, die dort standen und hinterließ nur ein wildes Durcheinander von Linien.
Diese Zahl, fünfzehn, tauchte immer wieder in Fragen auf, die man ihm - so meinte er - ständig stellte. »Wie alt sind Sie?« Weil er wusste, dass sie so wichtig war, prägte er sie sich fest ein, und als das Jahr um die Weihnachtszeit wechselte, was niemand verpassen konnte, zählte er ein Jahr hinzu. Jetzt bin ich sechzehn. Jetzt bin ich siebzehn. Jetzt, wo der dritte Winter vorbei ist, bin ich achtzehn.
»Na gut, wann sind Sie also geboren?«
Seit er mit seinem zornigen, schwarzen Stift die ganze Rückseite der Pappe voll gekritzelt hatte, war ihm mit jedem Tag klarer geworden, welchen Fehler er da gemacht hatte. Und schließlich hatte er die ganze Pappe zerstört, in einem letzten Wutanfall, denn sie war wertlos geworden. Er kannte seinen Namen. Er kannte ›Harriet‹ und ›David‹, und er gab nichts um seine Brüder und Schwestern, die wünschten, dass er tot wäre.
Er erinnerte sich nicht daran, wann er geboren war.
Wie er jetzt so auf jeden Laut horchte, wurde er gewahr, dass die Geräusche in dem Besucherraum plötzlich lauter geworden waren, weil in einer Schlange von Leuten, die vor einer der Glasscheiben warteten, eine Frau begonnen hatte, den Beamten anzuschreien, der sie befragte, und wegen dieses Zorns, der sich Luft machte, begannen sich alle Schlangen zu bewegen und mit den Füßen zu scharren, und andere Leute murmelten und sagten dann laut wie ein Bellen kurze, wütende Worte wie Arschlöcher, Scheißkerle - und dies waren Worte, die Ben nur zu gut kannte, und vor denen er Angst hatte. Er spürte, wie Angstkälte von seinem Nacken das Rückgrat herunterkroch. Der Mann hinter ihm wurde ungeduldig und sagte: »Ich hab' nicht den ganzen Tag Zeit wie Sie.«
»Wann sind Sie geboren? An welchem Datum?«
»Ich weiß nicht«, sagte Ben.
Und jetzt zog der Beamte einen Schlussstrich unter die Sache und vertagte das Problem mit einem: »Besorgen Sie sich erstmal Ihre Geburtsurkunde. Gehen Sie zum Standesamt. Das wird die Sache klären. Sie wissen nicht mehr, wer Ihr letzter Arbeitgeber war. Sie haben keine Anschrift. Sie wissen Ihr Geburtsdatum nicht.«
Mit diesen Worten schweiften seine Augen von Bens Gesicht ab, und er bedeutete dem Mann hinter Ben mit einem Kopfnicken, dass er vortreten solle. Ben wurde abgedrängt und verließ schnurstracks das Amt, er hatte das Gefühl, als ständen ihm alle Haare an seinem Körper und die Haare auf seinem Kopf zu Berge, so ratlos und verängstigt war er. Draußen war ein Gehsteig mit Menschen, eine kleine Straße voller Autos, und unter der Platane, wo sich die Tauben gurrend und fröhlich bewegten, eine Bank. Er setze sich auf das eine Ende, weit entfernt von einer jungen Frau, die ihm einen Blick zuwarf, aber dann einen zweiten, die Brauen runzelte und fortging, wobei sie mit jenem Blick zu ihm zurücksah, den Ben kannte und erwartete. Sie hatte keine Angst vor ihm, dachte jedoch, dass sie bald welche haben könnte. Ihr Körper war voller Hast und Anspannung, wie auf der Flucht. Sie betrat mit einem Blick zurück einen Laden.
Ben hatte Hunger. Er besaß kein Geld. Auf dem Boden lagen ein paar zerbröselte Brotkrusten für die Tauben. Hastig, mit einem Blick in die Runde, sammelte er sie auf: Man hatte ihn schon früher wegen so etwas gescholten. Jetzt kam ein alter Mann und setzte sich auf die Bank, er starrte Ben lange an, beschloss jedoch, nicht auf das zu hören, was ihm seine Instinkte sagten. Er schloss die Augen. Die Sonne ließ das alte Gesicht leicht vor Schweiß glänzen. Ben blieb sitzen und dachte, dass er jetzt zu der alten Frau zurückgehen musste, doch sie würde enttäuscht von ihm sein. Sie hatte ihm gesagt, er solle auf dieses Amt gehen und Arbeitslosengeld beantragen. Der Gedanke an sie ließ ihn lächeln - ein sehr anderes Grinsen als das, das den Beamten geärgert hatte. Er saß da und lächelte, ein kleines Lächeln, das ein Strahlen von Zähnen in seinem Bart sehen ließ, und sah zu, wie der alte Mann erwachte und sich den Schweiß abwischte, der ihm über das Gesicht lief, wobei er zu dem Schweiß...
„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: good. Befriedigend/Good: Durchschnittlich erhaltenes Buch bzw. Schutzumschlag mit Gebrauchsspuren, aber vollständigen Seiten. / Describes the average WORN book or dust jacket that has all the pages present. Artikel-Nr. M03442727413-G
Anzahl: Mehr als 20 verfügbar
Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: very good. Gut/Very good: Buch bzw. Schutzumschlag mit wenigen Gebrauchsspuren an Einband, Schutzumschlag oder Seiten. / Describes a book or dust jacket that does show some signs of wear on either the binding, dust jacket or pages. Artikel-Nr. M03442727413-V
Anzahl: 7 verfügbar
Anbieter: Ammareal, Morangis, Frankreich
Zustand: Très bon. Ammareal reverse jusqu'à 15% du prix net de cet article à des organisations caritatives. ENGLISH DESCRIPTION Book Condition: Used, Very good. Ammareal gives back up to 15% of this item's net price to charity organizations. Artikel-Nr. E-872-689
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Ammareal, Morangis, Frankreich
Zustand: Bon. Légères traces d'usure sur la couverture. Tampon ou marque sur la face intérieure de la couverture. Ammareal reverse jusqu'à 15% du prix net de cet article à des organisations caritatives. ENGLISH DESCRIPTION Book Condition: Used, Good. Slight signs of wear on the cover. Stamp or mark on the inside cover page. Ammareal gives back up to 15% of this item's net price to charity organizations. Artikel-Nr. E-918-664
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Bookbot, Prague, Tschechien
Zustand: Fine. Gebogener Buchrücken. Ben, das fünfte Kind der Lovatts, war ein aggressiver, destruktiver Junge. Seine Mutter versuchte seine tyrannische Wut zu bändigen, doch am Ende stand die Zerstörung der Familie, und Ben zog mit einer Gruppe gewalttätiger Jugendlicher hinaus in die Welt. Nun ist Ben erwachsen geworden. Allein und unfähig, auf sich gestellt sein Leben zu bewältigen, ist er ein hoch explosives Bündel aus ungestillten Bedürfnissen und namenlosen Frustrationen. Er fühlt sich orientierungslos und hasst die Menschen, obwohl er Nähe sucht. Kurz findet er seinen Frieden, als Ellen Biggs ihn bei sich aufnimmt. Doch die über achtzigjährige alte Dame stirbt bald. Bald wird Bens Außenseitertum, seine kindliche Gier, die ihn angreifbar und verletzlich macht, von Geschäftemachern schamlos ausgenutzt. Artikel-Nr. b3447cf2-2d4c-4667-a3f4-982b27bf5971
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: DieBücheroma123, Prackenbach, Deutschland
turtleback. Zustand: Gut. 208 Seiten; MÃngelexemplarstempel unten am Schnitt 53690x Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 500. Artikel-Nr. 131163
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Book Broker, Berlin, Deutschland
Zustand: Wie neu. Genehmigte Taschenbuchausg., 1. Aufl. 208 S. Alle Bücher & Medienartikel von Book Broker sind stets in gutem & sehr gutem gebrauchsfähigen Zustand. Die Ausgabe des gelieferten Exemplars kann um bis zu 10 Jahre vom angegebenen Veröffentlichungsjahr abweichen und es kann sich um eine abweichende Auflage handeln. Unser Produktfoto entspricht dem hier angebotenen Artikel, dieser weist folgende Merkmale auf: Helle/saubere Seiten in fester Bindung. Mit Mängelexemplarkennzeichnung am Buchschnitt. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 209 turtleback, Maße: 11.9 cm x 1.9 cm x 18.8 cm. Artikel-Nr. 661570191
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Der Buchecker, Koeln, Deutschland
kart. Zustand: Gut. Genehmigte Taschenbuchausg., 1. Aufl. 204 S. ; 19 cm Exemplar mit Gebrauchsspuren (das kann heißen: das Buch KANN normale Leseverformung wie Knicke am Buchrücken, oder leichte Nachdunklung o. ä. haben oder auch, obwohl unbeschädigt, als Mängelexemplar gekennzeichnet sein, ferner können auch Notizen oder Unterstreichungen im Text vorhanden sein. Alles dies zählt zur Kategorie des GUT ERHALTENEN). In jedem Falle aber dem Preis und der Zustandsnote entsprechend GUT ERHALTEN. und ACHTUNG: Die Covers können vom abgebildeten Cover und die Auflagen können von den genannten abweichen AUSSER bei meinen eigenen Bildern (die mit den aufrechtstehenden Büchern vor schwarzem Hintergrund, wie auf einer Bühne) MEINE EIGENEN BILDER SIND MASSGEBEND FÜR AUFLAGE, AUSGABE UND COVER g-061a-0526 KEIN VERSANDKOSTENRABATT !!! Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 450. Artikel-Nr. 778249
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Gerald Wollermann, Bad Vilbel, Deutschland
Zustand: Gut. 208 Seiten 2. Auflage 2002. Mängelstempel auf Buchschnitt. Innerhalb Deutschlands Versand je nach Größe/Gewicht als Großbrief bzw. Bücher- und Warensendung mit der Post oder per DHL. Rechnung mit MwSt.-Ausweis liegt jeder Lieferung bei. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 209 Taschenbuch, Größe: 11.9 x 1.9 x 18.8 cm. Artikel-Nr. 1000470
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: winni´s antiquariat, St. Georgen am Ybbsfelde, Österreich
Zustand: Wie Neu!!! Wie Neu!!! Artikel-Nr. BLX111664
Anzahl: 1 verfügbar