Todesahnung: Thriller - Softcover

Patterson, James

 
9783442467648: Todesahnung: Thriller

Inhaltsangabe

Dieser Albtraum beginnt, wo andere enden


Kristin Burns, 27, eine passionierte, aber noch erfolglose Fotografin, verdient sich ihren Lebensunterhalt als Kindermädchen in New York. Als sie eines Morgens von der Schule, in die sie die Kinder gebracht hat, nachhause fährt, sieht sie vor dem Falcon Hotel eine Menschenmenge. Beim Näherkommen erkennt sie, dass sich dort ein Drama mit mehreren Toten abgespielt hat. Instinktiv zückt Kristin ihre Kamera und fotografiert ununterbrochen – bis sie feststellt, dass sich der Reißverschluss eines der Leichensäcke öffnet und eine weibliche Hand daraus hervorkommt ...


Ein rasanter, nervenzerreißender Thriller.


Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

James Patterson, geboren 1947, war Kreativdirektor bei einer großen amerikanischen Werbeagentur. Seine Thriller um den Kriminalpsychologen Alex Cross machten ihn zu einem der erfolgreichsten Bestsellerautoren der Welt. Auch die Romane seiner packenden Thrillerserie um Detective Lindsay Boxer und den „Women´s Murder Club“ erreichen regelmäßig die Spitzenplätze der internationalen Bestsellerlisten. James Patterson lebt mit seiner Familie in Palm Beach und Westchester, N.Y.

Aus dem Klappentext

»Patterson ist der Beste, und wir Fans haben nur einen Wunsch an ihn: mehr!«
Larry King, USA Today

»Mit Startauflagen in Millionenhöhe ist Patterson Stammgast im exklusiven Männerclub der Grishams, Clancys und Crichtons, die den US-Thriller-Markt fest im Griff haben.«
Buchreport

"Eiskalt, klar und kompromisslos."
Bild am Sonntag

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Für Tote ist es an diesem Morgen noch viel zu früh. Das wäre sicherlich mein erster Gedanke, wenn ich zum Denken bereits in der Lage wäre.
In der Sekunde, in der ich auf dem Weg zur Arbeit um die Ecke biege und die Menge erblicke, den Aufruhr und die schäbig-grauen Leichensäcke, die aus diesem ach so todschicken Hotel gekarrt werden, greife ich nach meiner Kamera. Ich kann nicht anders. Der Instinkt geht mit mir durch.
Klick, klick, klick.
Denk nicht darüber nach, was hier passiert ist. Drück einfach ab, Kristin.
Mein Kopf zuckt nach rechts und links, angeführt von der Linse meiner Leica R9. Ich nehme zuerst die Gesichter um mich herum ins Visier - die Schaulustigen, die Gaffer. Das ist das, was Annie Leibovitz tun würde. Ein Geschäftsmann in Nadelstreifen, ein Fahrradbote, eine Mutter mit Kinderwagen, sie alle stehen und starren auf die schreckliche Mordszenerie. Ob es einem gefällt oder nicht, dies ist der Höhepunkt ihres Tages. Und es ist noch nicht einmal acht Uhr morgens.
Ich bewege mich vorwärts, obwohl etwas in mir sagt: "Schau weg, geh weiter." Auch, als etwas sagt: "Du weißt, wo du bist - vor diesem Hotel. Du weißt es, Kristin."
Ich schlängle mich zum Hoteleingang durch. Es zieht mich immer näher, es ist wie ein Sog, dem ich nicht standhalten kann. Und immer weiter schieße ich Bilder, als wäre ich im Auftrag der New York Times oder der Newsweek hier.
Klick, klick, klick.
Wild durcheinandergeparkte Polizeiautos und Krankenwagen blockieren die Straße. Ich verfolge die umherwirbelnden blau-roten Lichter, wie sie von den blinkenden Lichtbalken der Autodächer über die umliegenden Häuserwände tanzen.
In den Fenstern der Nachbargebäude stehen weitere Gaffer. Eine Frau mit Lockenwicklern beißt von ihrem Bagel ab. Klick.
Die Sonne blitzt im Gestell der letzten Rolltrage auf, die aus dem Hotel geschoben wird. Damit sind es vier. Was hat sich da drin abgespielt? Ein Mord? Ein Massenmord?
Vier Rolltragen stehen nebeneinander auf dem Bürgersteig, auf jeder liegt ein Leichensack. Ein widerlicher, schrecklicher Anblick.
Ich drehe am Objektiv und knipse sie mit Weitwinkel wie bei einem Gruppenfoto - wie eine Familie. Ich drehe das Objektiv andersherum und hole jeden einzelnen Leichensack näher heran. Wer liegt da drin? Was ist mit diesen Menschen passiert? Wie sind sie gestorben?
Denk nicht nach, Kristin, drück einfach ab.
Zwei muskulöse Sanitäter treten aus dem Hotel und nähern sich zwei Polizisten. Detectives, wie in Law & Order. Sie unterhalten sich, sie schütteln die Köpfe. Sie haben diesen typisch harten New Yorker Blick drauf, den nichts mehr überrascht.
Einer der Detectives, ein älterer, hagerer Mann, blickt in meine Richtung. Ich glaube, er sieht mich. Klick, klick, klick. Hastig lege ich eine neue Filmrolle ein, nachdem ich schon eine verbraten habe.
Es gibt wirklich nichts mehr zu fotografieren, trotzdem halte ich munter drauf. Ich werde zu spät zur Arbeit kommen, aber das ist mir egal. Ich kann mich einfach nicht losreißen.
Moment mal!
Mein Blick zuckt zurück zu den Rolltragen. Zuerst kann ich es nicht glauben. Vielleicht ist es der Wind, oder mein Hirn spielt so früh am Morgen noch verrückt.
Dann passiert es wieder. Ich schnappe nach Luft. Der letzte Leichensack ... er hat sich bewegt!
Habe ich wirklich richtig gesehen?
Ich bin erschrocken und will fortrennen. Doch ich schiebe mich noch näher heran. Instinkt? Sog?
Ich starre auf den zugezogenen Leichensack. Ich weiß nur, dass die Polizei oder die Sanitäter einen schrecklichen Fehler begehen.
Der Reißverschluss!
Er kriecht rückwärts. Der Leichensack wird von innen geöffnet!
Meine Augen fallen beinahe heraus, meine Knie werden weich. Im wörtlichen Sinn. Ich stolpere durch die Menge, starre schockiert und ungläubig durch die Linse.
Ein Finger wird herausgeschoben, dann eine ganze Hand. O Gott, und da ist Blut!
"Hilfe!", schreie ich und senke die Kamera. "Dieser Mensch da lebt!"
Die Gaffer drehen sich ebenso um wie die Polizisten und Sanitäter. Sie blicken mich spöttisch oder ungläubig an, als wäre ich gerade aus der Klapsmühle geflohen. Sie halten mich für durchgedreht!
Ich stoße mit dem Zeigefinger in die Luft, in Richtung des Leichensacks, wo sich eine Hand Hilfe suchend durch den geöffneten Reißverschluss schiebt. Sie sieht nach einer Frauenhand aus.
Tu doch was, Kris! Du musst sie retten!
Wieder hebe ich die Kamera vors Gesicht und ...


2


Ich breche mir beinahe den Hals, so schlagartig richte ich mich auf. Ich bin schweißgebadet, schreie hysterisch und habe keine Ahnung, wo ich bin. Ich reibe mir die Augen, weil ich nur verschwommen sehe, doch meine Hände zittern unkontrolliert. Eigentlich zittert mein ganzer Körper. Reiß dich zusammen, Kris, ermahne ich mich.
Langsam nimmt meine Umgebung Konturen an, entwickelt sich wie ein Polaroidfoto.
Das war nur ein Traum, du dumme Nuss! Nur ein Traum. Ich lass mich zurück aufs Kissen fallen und stoße den weltgrößten Seufzer der Erleichterung aus. Noch nie war ich so glücklich, allein in meinem eigenen Bett zu liegen.
Aber der Traum schien so echt.
Die Leichensäcke ... die Hand einer Frau, die aus einem der Säcke auftaucht.
Ich drehe mich zum Wecker - kurz vor sechs. Gut, ein paar Minuten habe ich noch. Doch kaum habe ich meine Augen geschlossen, reiße ich sie schon wieder auf.
Ich höre etwas, ein Klopfen, und es ist nicht mein aufgeregtes Herz. Jemand ist an der Tür.
Ich werfe mir den blauen Frotteebademantel über, der noch aus meinen Tagen am Boston College stammt, und schleppe mich durch meine kleine Wohnung, die mit Zweite-Wahl-Möbeln aus dem Fabrikverkauf eingerichtet ist, aber mit denen von der schicken Sorte. So was wie ein Sofa mit drei Beinen - wie aus einem Film der Farrelly-Brüder.
Das Klopfen wird lauter. Drängender und ärgerlicher.
Ja, ja, schon gut, halt deine Pferde im Zaum!
Ich frage nicht, wer an der Tür ist. Dazu gibt es die Gucklöcher, vor allem in Manhattan.
Leise beuge ich mich vor und spähe mit einem müden Auge hindurch.
Scheiße.
Sie.
Ich öffne die Tür. Meine alte Nachbarin vom Ende des Flurs, Mrs Rosencrantz, starrt mich durch ihre Gleitsichtbrille aus dem Drogeriemarkt an. Ihr geht sicher irgendetwas völlig auf den Keks.

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.