Eine Frau für alle Fälle: Roman: Roman. Deutsche Erstausgabe - Softcover

Rao, Saira

 
9783442466450: Eine Frau für alle Fälle: Roman: Roman. Deutsche Erstausgabe

Inhaltsangabe

Noch nie war der alltägliche Wahnsinn im Büro so komisch

Sheila hatte immer davon geträumt, an einem renommierten Gericht zu arbeiten. Doch schon am ersten Arbeitstag entpuppt sich dieser Traum als Alptraum. Die machtbesessene Richterin Friedman provoziert sie, wo sie nur kann, ihr Sekretär hat die bizarre Vorliebe, nebenbei als mittelalterlicher Barde zu arbeiten, und Friedmans Assistentin bringt den halben Tag damit zu, ihre zahlreichen Plüschhunde zu tätscheln. Doch als Sheila einen spektakulären Straffall zugeteilt bekommt, wird ihr bewusst, dass es um mehr geht, als das pure Überleben unter lauter Verrückten …

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Saira Rao ist in Richmond, Virginia, geboren und aufgewachsen. Nach ihrem Abschluss an der Universität von Virginia arbeitete sie für verschiedene Nachrichtenagenturen, bevor sie die New York University School of Law besuchte, die sie 2002 erfolgreich als Juris Doctor verließ. Ihr Referendariat absolvierte sie am Berufungsgericht Philadelphia.
Saira Rao lebt mit ihrem Mann in New York City. “Eine Frau für alle Fälle” ist ihr erster Roman.

Aus dem Klappentext

"Ein urkomisches Leseerlebnis für jeden, der einmal einen verrückten Chef hatte oder mit verklemmten Hochschulabsolventen arbeiten musste. Ich musste während des ganzen Buches laut lachen!"
Holly Dunlap, Hollywould

"Raos Witz macht ihr Debüt zu einem unverwechselbaren Leseerlebnis."
Publishers Weekly

"Unheimlich unterhaltsam ... und sehr aufschlussreich!"
Philadelphia Inquirer

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

1. KAPITEL

Einatmen. Jetzt ausatmen.
Ich war achtundzwanzig Jahre alt, keine Vorstrafen, einen Juris Doctor. Ich zahlte meine Rechnungen pünktlich, vergaß keine Geburtstage und spülte manchmal sogar die Joghurtbecher aus, bevor ich sie zum Recycling brachte. Wohlwollend ausgedrückt, hätte man behaupten können, dass ich die Logistik des täglichen Lebens beherrschte. Weniger wohlwollend hätte man einwenden können, dass ich vielleicht ein bisschen langweilig war. Sie werden verstehen, warum es mich unter diesen Umständen leicht beunruhigte, dass einfach nur zu atmen für mich zum Problem geworden war.
Und dann gab es da noch die Hitzewallungen. Konnte das schon die Menopause sein? Meine Hände schwebten über der Tastatur. Nur eine rasche Google-Suche nach »Menopause«. Meine Hände begannen zu zucken. Wer wollte ihnen das verdenken? Ich stand im Begriff, eine Todsünde zu begehen. Zuck, zuck, zuck. Atme ein. Jetzt aus. Jumping Jack Flash. Wem wollte ich hier was vormachen? Ich brauchte mit Sicherheit Hormone, bevor die erste Gesichtsbehaarung auftrat. Niemand mochte Frauen mit Schnurrbart.
»Wo ist die Akte McMillan? Sie wissen doch, dass sie darauf wartet!«, fuhr mich Janet mit einem erstickten, wütenden Flüstern an. Ich zuckte die Achseln, nicht willens, zwei Regelverstöße auf einmal zu begehen - sprechen und das Internet nutzen. Janet krümmte sich wie ein Pudel mit Verstopfung. Trotz ihrer täglichen Schmähungen tat Janet mir auch ein klein wenig leid. Die Dame ist in ihrem Leben schon öfter zurechtgestutzt worden als ein Bonsaibäumchen.
Zwanzig Jahre in dieser Institution hatten eine, wie ich annahm, gutmütige Vorstädterin (Janet, damals) in eine tollwütige Hündin verwandelt. Ich war immerhin erst einen Monat hier, und schon fing das mit den Haaren und den Hitzewallungen an. Aus dem Präzedenzfall, der mir hier leibhaftig vor Augen stand, konnte ich schließen, dass meine Zukunft düster aussah.
Großartig! Meine Suche nach »früher Menopause« hatte 26 715 Treffer ergeben. Es bestand kein Zweifel, ich war mittendrin. Atmen, Hitzewallung, Zuckungen. Nicht zu fassen, dass ich eben noch die wütende Janet bemitleidet hatte, während ich mich hier in ein ausgewachsenes Monster verwandelte. Ich schielte nach hinten zu Matthew, um herauszufinden, ob er noch atmete. Allmählich machte ich mir Sorgen, dass Matthew eines Tages einfach so sterben würde, vornübergebeugt, auf seinen Monitor starrend, und wir es nicht mal merken würden, bevor sie nach ihm brüllte. Erst dann, wenn er es nicht mehr in unter zwei Sekunden in die Folterkammer schaffte, erst dann würden wir sein verfrühtes Ableben bemerken. Vielleicht sollte ich »tot dasitzen« googeln. Das war mit Sicherheit schlimmer als die Menopause.
Gerade als meine Muskeln wieder nach der Tastatur zuckten, kam Evan, der juristische Wanderprediger, an meinen Tisch geschlendert und blieb so kurz stehen, dass ich beinahe nicht zu ihm hätte aufsehen müssen. Beinahe.
»Na, bist du schon mit Robinson fertig?«, wandte er sich an mich, mehr vorwurfsvoll als fragend. Ein Vorwurf, der dadurch unterstrichen wurde, dass er, noch während er sprach, auf dem Absatz kehrtmachte. Den kerzengeraden Rücken mir zugewandt, flüsterte Evan: »Na ja, ich gebe jetzt Welbert ab, und mit etwas Glück bekomme ich dann endlich mal was Anspruchsvolles.«
Ich wusste wirklich nicht, wie die Harvard Law School das geschafft hatte, aber irgendwie war es dieser Schule gelungen, die ödesten, langweiligsten Nervensägen der Welt auszusuchen, um ihre geheiligten Hallen zu füllen. Noten, Aufnahmetests, egal. Der wahre Zulassungstest bestand darin, seine Großmutter dermaßen zur Weißglut bringen zu können, dass sie postwendend einen Mord beging.
Ach! Ich hörte, wie sich hinter mir etwas regte. Konnte das Matthew sein? Ich drehte mich um, und in der Tat, er hatte es geschafft, sich aufzusetzen, und reckte sich mit Blick zu mir. Ich runzelte die Stirn. Er verdrehte die Augen. Übersetzung. Ich: »Was ist?« Matthew: »Evan ist ein Volltrottel.« Kommunikation beendet. In den letzten paar Wochen hatten wir gelernt, die universelle Sprache der Verurteilung zu beherrschen, ohne auch nur einen Laut von uns zu geben.
DING! »Dreizehnter Stock, auf dem Weg nach unten!« Das war der Aufzug der Richterin, das Einzige, was uns vor ihrer unmittelbar bevorstehenden Ankunft warnte.
»SHEEEEERA!!! SHAYYYLLLLA!!«
Nicht das schon wieder. An die Dezibel hatte ich mich ja inzwischen gewöhnt. Aber mein Name lautete SHEILA. Nicht Sheera. Nicht Shayla. Nicht Sheba (auch wenn es mir insgeheim gefiel, wenn sie mich Sheba nannte).
»KOMMEN SIE AUF DER STELLE ZU MIR! SIND SIE TAUB?«
Schön wär's.
Ich schoss in die Folterkammer, kam schlitternd vor der Ehrenwerten Helga Friedman zum Stehen. Sie war eindeutig sauer. Senkrechte Augenbrauen. Tief gefurchte Stirn.
Zusammengekniffene Augen. Heruntergezogene Mundwinkel. Wippender auftoupierter Dutt. Sie war auf dem Sprung. Ebenso wie ihr hellroter Lippenstift, der merkwürdigerweise überall seine Spuren hinterließ, nur nicht auf ihren Lippen.
»Ja, Richterin.«
»Ich habe Ihr Memo zu W.A. vs. Trenton gelesen. Bringen die euch in Pakistan eigentlich kein Englisch bei?«
Nicht schon wieder Pakistan. Ich war Inderin. Nicht dass ich zu den Indern gehörte, die Pakistani hassten. Ich stammte einfach nur nicht aus Pakistan. Genauso wenig wie aus Kroatien.
»Euer Eh..., Euer Eh ...«
»Ich vermute mal nicht. Ich kann nur sagen, dass man kein Richter am Supreme Court zu sein braucht, um ganz grundlegende Staatsgesetze zu interpretieren - und Sie sind sogar schon daran gescheitert!«
»Ich, ähm, Euer Eh.«
»NEIN! NEIN! NEIN!«
Der gefürchtete Nein!-Hattrick. Das war kein gutes Zeichen.
»ICH BIN BUNDESRICHTERIN!« In der Tat, unter anderem auch das. »Begreifen Sie überhaupt, was ich hier sage? Können Sie das?«
Augen wurden noch schmaler. Dutt fing einen Breakdance an. Kleine Hand griff nach dem dicken Supreme-Court-Kommentar. Zeitlupe. Hand hob Buch.
»Ich, ähm, dachte nur .«
RUMMS!
Sie hatte mich erwischt, schon wieder. Dieses Mal frontal ins Gesicht.
»RAUS HIER! RAUS! RAUS!« Sie hämmerte mit ihrer kleinen Faust auf den Tisch.
Ich stolperte in mein Abteil zurück, ein kleines Rinnsal Blut tröpfelte von meiner Wange. Konnte man die Bluterkrankheit bekommen? Verbluten hörte sich plötzlich irgendwie nett an, tröstlich gar.
Ich hockte mich auf meinen ramponierten Drehstuhl und starrte sehnsüchtig über den Delaware nach Camden, New Jersey. Noch vor sechs Monaten war ich eine allseits beliebte Redakteurin beim Columbia Law Review gewesen. Ich hatte wahnsinnig schicke Klamotten, ein schnuckeliges Apartment im West Village (Miete zum Festpreis) und einen tollen Freundeskreis.
Jetzt saß ich hier, mit getrocknetem Blut im Gesicht, und plante meine Flucht nach New Jersey.
Ich war Referendarin am Bundesberufungsgericht. Beinahe dreißig. Aufrecht. Stolz. Betete um die Bluterkrankheit. Dies war mit Sicherheit die wichtigste Erfahrung in meinem Leben. Ganz wie es mir alle an der Columbia Law versprochen hatten.

15.09., 04.09 Uhr
Basic Member
© Hilfe!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ich weiß, ich hör mich allmählich verrückt an, aber es ist Mittwoch, und ich hab bis jetzt nur Briefe bekommen, in denen steht, dass sie meine Bewerbungsmappe erhalten haben. Ich dreh hier noch durch. Ich weiß, dass eine aus meiner Parallelklasse in der 2. Runde ein Bewerbungsgespräch bekommen hat. Warum ruft bei mir keiner an?!!

24.12., 13.23 Uhr Basic Member
Warum rufen diese Richter einfach nicht an???
Hi, ihr alle. Ich warte auf Antworten von 3 Richtern, die offensichtlich nicht wissen, dass sie mich noch umbringen! Haben die denn keine Ahnung, dass sie hier über mein LEBEN reden????? Warum können sie mir nicht zumindest Bescheid sagen, dass ich es NICHT geschafft hab??? Es ist Weihnachten, um...

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