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9783442464456: Todesstätte: Roman

Inhaltsangabe

„Bald wird sich ein Mord ereignen“, kündigt ein anonymer Anrufer der Polizei von Derbyshire an. Detective Fry zweifelt zunächst, ob sie diese Drohung ernst nehmen soll. Doch als sie hört, wie der Unbekannte mit ruhiger, kontrollierter Stimme die Tat bis ins Detail schildert, ist sie überzeugt, dass sie es mit einem gefährlichen Killer zu tun hat. Noch ahnt sie nicht, dass er sich sein Opfer bereits ausgesucht hat und dass es vielleicht schon zu spät ist, ihn aufzuhalten …

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Stephen Booth wurde in Burnley, im englischen Lancashire geboren. Er war fünfundzwanzig Jahre lang als Journalist für Zeitungen und beim Rundfunk tätig, bevor er mit "Kühler Grund" seinen ersten und sofort international gefeierten Roman schrieb. Mit "Todesnacht" liegt bereits der siebte Fall für das Ermittlerpaar Ben Cooper und Diane Fry vor, ein weiterer Roman aus der Serie ist in Vorbereitung. Stephen Booth lebt mit seiner Frau in der Nähe von Retford in Nottinghamshire.

Aus dem Klappentext

"Ein neues mitreißendes Buch von einem der besten Krimiautoren Großbritanniens."
Sunday Telegraph

"Stephen Booth führt Cooper und Fry, und damit den Leser, an einen Abgrund des Grauens."
The Book Place

"Für einen Krimi, bei dem sich alles um den Tod dreht, ist 'Todesstätte' nicht nur faszinierend, sondern auf merkwürdige Weise sogar tröstlich."
The Age (Australien)

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Bald wird sich ein Mord ereignen. Vielleicht geschieht er schon in den nächsten Stunden. Wir könnten unsere Uhren abgleichen und die Minuten zählen. Was für eine Gelegenheit, um Zeuge zu werden, wie ein Leben verstreicht, um es in jenem letzten, vollkommenen Augenblick zu begleiten, wenn das Dasein erlischt und die Seele sich vom Körper trennt.
Das Ende ist immer so nah, nicht wahr? Das Schicksal lauert unter unseren Füßen wie eine Ratte in der Kanalisation. Es hängt in der Zimmerecke wie eine Spinne in ihrem Netz, die auf ihren großen Moment wartet. Und der Augenblick unseres Todes existiert bereits in uns, tief in uns. Er ist ein dunkles Gespenst an der Schwelle zu unseren Träumen, ein Gewicht, das an unseren Füßen zerrt, ein Flüstern im Ohr in der dunkelsten Stunde der Nacht. Wir können ihn weder sehen noch greifen. Aber dennoch wissen wir, dass er da ist.
Aber vielleicht … vielleicht werde ich auch einfach warten und die Vorfreude genießen. Schließlich heißt es doch, das wäre das halbe Vergnügen, oder etwa nicht? Das Warten und das Planen, die ungetrübte, gespannte Erwartung. Wir können unsere Fantasie vorauseilen lassen wie einen Hund, der mit zuckender Schnauze und vor Erregung geifernd einer Fährte folgt. In Gedanken können wir uns das Blut ausmalen und uns daran ergötzen. Wir können die Augen schließen und den Duft einatmen.
Ich kann ihn schon jetzt riechen, ihr nicht? Er ist so stark, so süß. So unwiderstehlich. Es ist der Duft des Todes.
Auf dem Flur näherten sich Schritte. Jemand mit schweren Stiefeln ging langsam über den Linoleumfußboden. Dieser Mensch hatte keine Eile, war in Gedanken anderswo, dachte an sein Mittagessen oder an das Ende seiner Schicht, machte sich Sorgen wegen der stechenden Schmerzen in seinem Rücken und weil sein Hosenbund zu eng geworden war. Ein ganz gewöhnlicher Mensch, der nur selten ans Sterben dachte.
Die Schritte machten in der Nähe der Tür halt, und es war das Rascheln von Papier zu hören, gefolgt von einem Augenblick der Stille. Der Duft von Kaffee schwebte durch die Luft, warm und metallisch wie der Geruch von Blut, der aus der Ferne hertrieb.
Während Detective Sergeant Fry der Stille lauschte, rieb sie mit einem Taschentuch an den schwarzen Flecken an ihren Fingern. Mit dem Faxgerät war es immer dasselbe. Jedes Mal, wenn sie sich dem verdammten Ding näherte, bekam sie Druckerschwärze auf die Haut. Entweder leckte die Kartusche, oder auf dem Gehäuse befanden sich Fingerabdrücke. Heute Abend kam es ihr allerdings vor, als versuchte sie, sich einen viel dunkleren Fleck als Faxtoner von den Händen zu wischen.
»Er ist ernsthaft geistesgestört«, sagte sie. »Das ist alles. Ein Irrer. Ein Fall für die Psychiatrie.«
Sie erwartete jedoch keine Antwort. Es war nur eine Taktik von ihr, um das Lesen des Rests der Abschrift hinauszuzögern. Fry rieb abermals an ihren Fingern, wodurch die Flecken aber nur verschmierten und noch tiefer in ihre Poren eindrangen. Sie würde sie später mit Seife und einer Handbürste bearbeiten müssen.
»Verdammte Maschinen. Wer hat die eigentlich erfunden?«
Auf der anderen Seite des Schreibtischs wartete Detective Inspector Paul Hitchens geduldig, während er sich mit seinem Stuhl hin und her drehte und zufrieden über das schrille Quietschen lächelte, das bei jeder Drehbewegung aus dem Metallgestell drang.
Fry seufzte. In der Einsatzzentrale warteten die Unterlagen zu mehreren Fällen auf sie, die dafür sorgten, dass ihr die Arbeit ohnehin bereits bis zum Hals stand. Am nächsten Vormittag hatte sie einen Gerichtstermin, um in einem Mordprozess als Zeugin auszusagen, und im Lauf des Tages stand noch eine Besprechung mit der Strafverfolgungsbehörde auf dem Programm. Sie hatte keine Zeit, um noch irgendetwas anderes anzunehmen, was ihr Detective Inspector eigentlich hätte wissen müssen.
Außerdem hatte sie letzte Nacht schon wieder schlecht geschlafen, und nach einem langen Arbeitstag schmerzte ihr Kopf, als drückten Stahlfedern gegen ihre Stirn und bohrten sich tief in die Nerven hinter ihren Augen. Ein aufkeimendes Übelkeitsgefühl sagte ihr, dass sie nach Hause gehen und sich eine Weile hinlegen sollte, bis sie sich wieder besser fühlte.
Und dieses Mal wird es sich um einen echten Mord handeln – nicht um eine trunkene Schlägerei im Hinterhof eines Pubs. Es wird keinen unkontrollierten Ausbruch sinnloser Gewalt geben, kein erbärmliches Aufflackern unreifer Leidenschaft. Niemand wird unüberlegt ein Messer zücken oder jemandem mit dem Stiefel gegen die Schläfe treten. Es wird kein Urin im Blut sein, kein Kot auf den Steinen, es wird kein Schreien und kein Zappeln geben, wenn ein Hals durch meine Finger gleitet wie eine glitschige Schlange …
Nein, es wird nichts derart Ekelerregendes geschehen. Nicht dieses Mal. All das sind Anzeichen für ein verwirrtes Gehirn, das einem irrationalen Impuls nachgibt. Das ist nicht meine Art zu töten.
Mein Mord wurde sorgfältig geplant. Dieser Tod wird ein Musterbeispiel für Perfektion. Er wird in allen Details vollkommen sein, makellos in der Konzeption, fehlerfrei in der Ausführung. Eine Leistung, auf die ich für den Rest meines Lebens werde stolz sein können.
ANMERKUNG ZUR ABSCHRIFT: KURZE PAUSE, GELÄCHTER.
Ein kalter Wurm wand sich in Frys Magen. Sie blickte von den gefaxten Seiten auf und unterdrückte ein Übelkeitsgefühl, das beim Lesen des letzten Satzes in ihr aufgestiegen war.
»Ich muss mir die originale Tonbandaufnahme anhören«, sagte sie.
»Selbstverständlich. Sie ist aus Ripley unterwegs zu uns. Wir bekommen sie gleich morgen früh.«
»Wie wird sie denn versendet? Mit einer Brieftaube?«
Hitchens drehte sich zu ihr um und sah sie an. Er strich sich mit den Handflächen über die Ärmel seines Jacketts – eine Angewohnheit, die er in den letzten Wochen entwickelt hatte, als sorgte er sich unentwegt um sein Äußeres. Heute Abend wirkte er besonders angespannt. Vielleicht schlief er auch nicht gut.
»Diane, ich habe mir dieses Tonband angehört«, sagte er. »Dieser Kerl klingt überzeugend. Ich glaube, er meint es ernst.«
Als sich die Schritte vor der Tür entfernten, folgte Fry ihrem Klang und ließ ihre Gedanken durch die Flure des Hauptquartiers der E-Division wandern: die Treppe hinunter, vorbei an der Spurensicherungsabteilung und der abgesperrten, verdunkelten Einsatzzentrale und dann durch einen Korridor voller gedämpfter, widerhallender Stimmen. Nachdem die Geräusche verklungen waren, irrten auch ihre Gedanken ziel- und orientierungslos umher. Wie so oft in ihren Träumen hatten sie sich in einem Labyrinth verirrt, aus dem es kein Entrinnen gab.
»Nein, er lacht«, sagte sie. »Er macht sich über uns lustig.«
Hitchens zuckte mit den Schultern. »Dann glauben Sie mir eben nicht. Warten Sie einfach, bis Sie das Tonband gehört haben, und bilden Sie sich selbst ein Urteil.«
Fry betrachtete den Detective Inspector interessiert. Sie wusste, dass er trotz seiner mangelhaften Führungsqualitäten über gute Instinkte verfügte. Wenn Hitchens sich die Tonbandaufnahme angehört hatte und der Meinung war, sie sei ernst zu nehmen, war sie gewillt, ihm zu glauben. Die auf Papier gedruckten Worte des Anrufers allein reichten nicht aus. Ihre wirkliche Bedeutung würde dem Klang seiner Stimme zu entnehmen sein, der Art und Weise, wie er sprach, der hörbaren Überlagerung von Wahrheit und Lüge.
»Anscheinend will er andeuten, dass er schon einmal getötet hat«, stellte sie fest.
»Ja, es gibt ein paar vielsagende Formulierungen. ›Nicht dieses Mal‹, zum Beispiel.«
»Allerdings missbilligt er im selben Atemzug etwas. Würden Sie sagen, er missbilligt sich selbst?«
Hitchens nickte und fing erneut an, sich über die Ärmel zu streichen. Er hatte kräftige Hände mit sauberen, kurz geschnittenen Fingernägeln. Über die mittleren Knöchel von drei Fingern zog sich eine weiße Narbe.
»Vielleicht wird er sich als interessantes psychologisches Untersuchungsobjekt erweisen«, merkte er an.
Der Tonfall des Detective Inspectors klang zu beiläufig. Und plötzlich glaubte Fry zu wissen, weshalb er so angespannt wirkte.
»Sie wollen mir doch nicht etwa sagen, dass wir bereits einen Psychologen auf den Fall angesetzt haben?«
»Es war nicht meine Entscheidung, Diane. Vergessen Sie nicht, dass uns die Sache aus Ripley übertragen wurde.«
Sie schüttelte verärgert den Kopf. Irgendein hochrangiger Polizist im Hauptquartier der Derbyshire Polizei musste von dem Telefonanruf Wind bekommen und beschlossen haben, sich einzumischen. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Sie malte sich aus, wie einer dieser »Association of Police Officers«-Typen mit seinen silberfarbenen Tressen in Ripley durch den Konferenzraum schlenderte und einer Gesandtschaft des Polizeikomitees seine praxisnahe Arbeitsweise demonstrierte, weil er hoffte, dass man sich an ihn erinnern würde, wenn die nächste Beförderungsrunde anstand.
»Okay, und wer ist der Psychologe?«, erkundigte sich Fry. »Oder genauer gesagt, mit wem ist er zur Schule gegangen?«
»Tja, in diesem Punkt täuschen Sie sich«, erwiderte Hitchens. Er zog eine geprägte Visitenkarte aus der Klammer heraus, von der die Akte zusammengehalten wurde. Als Fry die Karte in die Hand nahm, stellte sie fest, dass die Akte bislang noch ziemlich dünn war. Doch das würde sich schnell ändern, wenn erst einmal die Expertenberichte auf ihren Schreibtisch prasselten.
»Dr. Rosa Kane«, sagte sie. »Wissen Sie irgendwas über sie?«
Die Liste der offiziell zugelassenen Experten und Berater war kürzlich aktualisiert worden. Irgendjemand war neue Wege gegangen und hatte der Liste seinen eigenen Stempel aufgedrückt, indem er Leute mit unorthodoxen Ideen hinzugefügt hatte.
»Nicht das Geringste«, sagte Hitchens, »aber wir haben morgen einen Termin mit ihr, um sie kennenzulernen.«
Fry nahm das »wir« zur Kenntnis. Sie machte eine große Show daraus, sich Dr. Kanes Daten aufzuschreiben, ehe sie Hitch...

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