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Die Brautjungfer - Softcover

Rendell, Ruth (Verfasser):

 
9783442460274: Die Brautjungfer

Inhaltsangabe

Der 25jährige Philip lebt mit seinen beiden Schwestern noch bei seiner Mutter und führt ein unspektakuläres Leben. Aber das ändert sich, als seine jüngere Schwester heiratet: Philip verliebt sich Hals über Kopf in eine der fünf Brautjungfern. Zu seinem Erstaunen erwidert die schöne Senta seine Gefühle. Sie ist ebenso verführerisch wie geheimnisvoll und sie lebt in einer bizarren Scheinwelt. Philip gerät in einen geradezu hypnotischen Sog von Leidenschaft und Erotik. Dabei bemerkt er zunächst kaum, dass auch seine Welt zunehmend aus den Fugen gerät. Bis Senta einen Liebesbeweis der ganz besonderen Art von ihm fordert: einen Mord … Zum zweiten Mal hat Claude Chabrol einen Roman von Ruth Rendell verfilmt. Beide verbindet nicht nur ihr Geburtsjahr, sondern auch ihr Interesse an exzessiver Liebe am Rand von seelischen Abgründen, auf dem schmalen Grat zwischen Wahn und Wirklichkeit. "Hier geht es weniger um Verbrechen und Bluttaten als darum, wie das Böse sich in das Leben ganz normaler Menschen einschleicht. Diesen Roman zu lesen ist wie einen gemächlichen Klapperbus zu besteigen, um plötzlich zu seinem Entsetzen zu bemerken, dass er sich in eine Achterbahn verwandelt hat." The Times

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Ruth Rendell wurde 1930 in South Woodford/London geboren. Zunächst arbeitete sie als Journalistin, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Romanen widmete. Seitdem hat sie über dreißig Bücher veröffentlicht. Dreimal bereits erhielt sie den Edgar-Allan-Poe-Preis und zweimal den Golden Dagger Award. 1997 wurde sie mit dem »Grand Masters Award« der Crime Writer's Association of America, dem renommiertesten Krimipreis, ausgezeichnet und darüber hinaus von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben. Ruth Rendell, die auch unter dem Pseudonym Barbara Vine bekannt ist, lebt in London.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Ein gewaltsamer Tod fasziniert die Leute. Auf Philip hingegen wirkte Gewalt abstoßend. Er hatte geradezu eine Phobie dagegen. Jedenfalls nannte er es sich selbst gegenüber manchmal so, eine Phobie gegen Mord und Totschlag in jeglicher Form, gegen die willkürliche Vernichtung menschlichen Lebens im Krieg und seine sinnlose Vernichtung durch Unfälle. Physische Gewalt verstörte ihn, in der Realität, auf dem Bildschirm, in Büchern. So empfand er schon, seit er ein kleiner Junge gewesen war und andere Kinder mit Spielzeugpistolen aufeinander gezielt und Totschießen geübt hatten. Wann es begonnen oder was es ausgelöst hatte, das wußte er nicht. Dabei war er seltsamerweise nicht feige oder überempfindlich, und er hatte nicht mehr oder weniger Angst als alle anderen auch. Es war nur so, daß ein unnatürlicher Tod für ihn weder unterhaltsam war, noch einen makabren Reiz hatte. So entzog er sich nach Möglichkeit derlei Dingen, in welcher Form auch immer. Er wußte, daß das ungewöhnlich war. Und so verbarg er seine Phobie oder versuchte es wenigstens.

Wenn die anderen fernsahen, saß er dabei, ohne die Augen zu schließen. Auch zog er nicht über Zeitungen und Romane her. Aber alle kannten seine Gefühle, auch wenn sie keinen besonderen Respekt davor hatten. Sie sprachen dennoch über Rebecca Neave.

Philip selbst hätte sich für ihr Verschwinden nicht interessiert und noch viel weniger Spekulationen darüber angestellt. Er hätte den Apparat abgeschaltet. Wahrscheinlich hätte er ihn schon zehn Minuten vorher abgeschaltet, um sich Nordirland, den Iran, Angola und das Zugunglück in Frankreich genauso zu ersparen wie das Mädchen, das verschwunden war. Er hätte sich niemals das Foto ihres hübschen Gesichts angesehen, den lächelnden Mund, die im grellen Sonnenlicht zusammengekniffenen Augen, das im Wind wehende Haar.

Rebecca Neave war an einem Herbstnachmittag gegen drei Uhr verschwunden. Ihre Schwester hatte an jenem Mittwochvormittag mit ihr telefoniert, und ein Mann, der seit kurzem mit ihr befreundet und gerade viermal mit ihr ausgegangen war, hatte sie an diesem Tag mittags angerufen. Das war das letzte Mal gewesen, daß jemand ihre Stimme hörte. Eine Nachbarin hatte gesehen, wie sie den Wohnblock verließ, in dem sie lebte. Sie trug einen hellgrünen Trainingsanzug aus Samt und weiße Turnschuhe. Das war das letzte Mal, daß jemand sie zu Gesicht bekommen hatte.

Als das Foto des Mädchens auf dem Bildschirm erschien, sagte Fee: "Sie war auf meiner Schule. Der Name kam mir gleich bekannt vor. Rebecca Neave. Ich wußte, daß ich ihn schon mal gehört hatte. "

"Du hast nie erwähnt, daß du eine Freundin hattest, die Rebecca heißt."

"Wir waren keine Freundinnen, Cheryl. Wir waren dreitausend an dieser Schule. Ich glaube nicht, daß ich irgendwann einmal mit ihr gesprochen habe. " Fee starrte auf den Bildschirm, während ihr Bruder ebenso angestrengt versuchte, nicht hinzusehen. Er hatte die Zeitung zur Hand genommen und eine Innenseite aufgeschlagen, zu der die Rebecca-Neave-Story nicht vorgedrungen war. "Die Polizei nimmt sicher an, daß sie ermordet wurde", sagte Fee.

Rebecca Neaves Mutter erschien auf dem Bildschirm und bat die Zuschauer um Hinweise auf ihre verschollene Tochter. Rebecca war dreiundzwanzig. Sie hatte einen Töpferkurs für Erwachsene gegeben, sich aber zur Aufbesserung ihres Einkommens in einem Inserat als Babysitter und Haushüter angeboten. Es erschien denkbar, daß sich auf ihr Inserat hin jemand telefonisch gemeldet hatte. Rebecca hatte für jenen Abend eine Verabredung getroffen und war dann hingegangen. Jedenfalls nahm ihre Mutter das an.

"Ach, die arme Frau", sagte Christine, die gerade mit Kaffee auf einem Tablett hereinkam. "Was sie durchmachen muß! Ich kann mir gut vorstellen, wie mir zumute wäre, wenn es um einen von euch ginge."

"Nun ja, um mich brauchst du keine Angst zu haben", sagte Philip, der kräftig gebaut, wenn auch mager, und beinahe einen Meter fünfundneunzig groß war. Er sah seine Schwester an. "Kann ich das jetzt abschalten?"

"So was hältst du nicht aus, was?" Cheryl hatte einen finsteren Gesichtsausdruck und gab sich nur selten Mühe, freundlicher dreinzublicken. "Vielleicht ist sie gar nicht ermordet worden. Jedes Jahr verschwinden Hunderte von Leuten." (...)

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