Yayoi Yamamoto arbeitet Nacht für Nacht in einer Lunchpaket-Fabrik am Rande Tokios, um endlich das Geld für eine eigene kleine Wohnung aufbringen zu können. Doch als sie herausfindet, dass ihr Mann Kenji ihre gesamten Ersparnisse verspielt hat, verliert sie die Nerven und bringt ihn im Affekt um. Verzweifelt versucht Yayoi zusammen mit drei Kolleginnen die Tat zu vertuschen, doch mit jedem Schritt geraten die Frauen tiefer in einen unentrinnbaren Sog des Verderbens...
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Natsuo Kirino wurde 1951 in Kanazawa geboren und lebt seit ihrer Jugend in Tokio. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Seikei University, bevor sie sich zu einer Karriere als Schriftstellerin entschloss. Mit ihrem Roman „Die Umarmung des Todes“ gelang ihr der große internationale Durchbruch. Ihre Bücher werden in neunzehn Sprachen übersetzt und mit renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet.
"Spannend und faszinierend anders als Krimis westlicher Autorinnen."
Thea Dorn
"Wie Kirino einen packenden Plot mit wirklichkeitsnah-illusionslosen, sozialkritischen Einblicken verbindet, kündet von schriftstellerischer Meisterschaft internationalen Ranges!"
FAZ
"Mit diesem Roman hat sich Natsuo Kirino in die vorderste Reihe der zeitgenössischen japanischen Literatur geschrieben!"
Nihon Keizai
Sie erreichte den Parkplatz vor der verabredeten Zeit. Als sie aus dem Wagen stieg, hüllte sie die dichte Finsternis der extrem feuchten Julinacht ein, die ihr wohl wegen der drückenden Schwüle undurchdringlich und zäh vorkam.
Masako Katori spürte, wie ihr das Atmen schwer fiel, und sah zum sternlosen Nachthimmel auf. Ihre von der Klimaanlage im Auto trockene, abgekühlte Haut war auf der Stelle von klebrigem Schweiß benetzt.
In die Autoabgase, die vom Shin-Oume-Highway herüberdrangen, mischte sich schwach der ölige Geruch nach Frittiertem, der typisch war für die Lunchpaket-Fabrik, in der Masakos Schicht bald beginnen würde.
Ich will zurück, schoss es ihr durch den Kopf, als ihr der Gestank in die Nase stieg. Wie sie darauf kam und wohin sie zurück wollte, wusste sie nicht. Sicher nicht in das Haus, das sie eben erst verlassen hatte. Aber warum nicht nach Hause zurück? Und wohin denn sonst? Masako hatte das irritierende Gefühl, vom Weg abgekommen zu sein.
Die langen Stunden von Mitternacht bis fünf Uhr dreißig würde sie ohne Pause damit verbringen müssen, am Fließband Lunchpakete zu packen. Für einen Teilzeitjob war der Stundenlohn hoch, doch die Arbeit im Stehen war hart. Es wäre nicht das erste und auch nicht das zweite Mal, dass sich hier draußen bei dem Gedanken an die bevorstehende Plackerei alles in ihr zusammengekrampft hätte, weil sie sich körperlich nicht wohl fühlte. Aber dieses ziellose Gefühl heute, das war etwas anderes.
Masako zündete sich wie immer eine Zigarette an, und es kam ihr dabei zum ersten Mal der Gedanke, dass sie das nur tat, um den Fabrikgeruch zu übertünchen.
Die Lunchpaket-Fabrik stand einsam und verlassen am Ende der Straße entlang der grauen Mauer eines riesigen Automobilwerks im Herzen von Musashi-Murayama-City, umgeben von staubigen Feldern und Ansammlungen kleinerer Autowerkstätten. Eine flache Gegend, wo man den Himmel gut überblicken konnte. Der Parkplatz lag noch einmal etwa drei Minuten zu Fuß von der Fabrik entfernt, hinter dem verwüsteten Areal der alten, stillgelegten Fabrik.
Der Parkplatz war einfach ein notdürftig planiertes, großes, freies Stück Land. Die einzelnen Stellplätze hatte man zwar provisorisch mit Klebeband markiert, aber die Linien waren durch Sand und Staub verwischt und kaum mehr zu erkennen. Die Kleinbusse und Pkw, mit denen die Arbeiter herkamen, parkten kreuz und quer.
Man würde es kaum bemerken, wenn sich jemand im Gebüsch oder im Schatten der Autos versteckt hielte. Ein unheimlicher Ort. Masako sah sich vorsichtshalber genau um, während sie den Wagen abschloss.
Sie hörte Räder, die sich in den Boden fraßen, und für einen kurzen Augenblick erleuchteten gelbe Scheinwerfer das Gebüsch. Ein grünes Golf Cabriolet fuhr mit aufgeklapptem Verdeck auf den Parkplatz. Auf dem Fahrersitz thronte die füllige Kuniko Jonouchi.
»Entschuldige, ich bin spät dran«, begrüßte sie Masako mit einer höflichen Kopfbewegung und parkte ihren Golf achtlos neben den stumpfen roten Toyota Corolla von Masako. Es kümmerte sie nicht, dass der Wagen weit nach rechts ausgeschwenkt stand. Die Geräusche - wie sie die Handbremse zog, die Autotür zuschlug oder das Verdeck einschnappen ließ - gerieten ihr unnötig laut, alles an ihr war grell und schrill.
Masako trat die Zigarette mit der Spitze ihres Turnschuhs aus. »Ein schickes Auto hast du da.«
Sogar in der Fabrik sorgte der Golf für Gesprächsstoff.
»Ja, findest du?« Sichtlich erfreut fuhr sich Kuniko mit der Zunge über die Lippen. »Trotzdem ganz schön blöd, mir deswegen Schulden aufzuhalsen.«
Masako lachte vage. Für Kunikos Schulden war offensichtlich nicht allein das Auto verantwortlich. Sie hatte eine Schwäche für Kosmetik und Kleidung, am liebsten teure Markenartikel. »Komm schon, lass uns gehen!«
Seit Anfang des Jahres hatte auf der Strecke zwischen dem Parkplatz und der Lunchpaket-Fabrik des Öfteren ein Grabscher sein Unwesen getrieben und schon mehrere Nachtschichtarbeiterinnen ins dunkle Gebüsch gezerrt und belästigt. Erst gestern hatte die Firmenleitung noch davor gewarnt, ohne Begleitung zur Arbeit zu kommen.
Gemeinsam bogen Masako und Kuniko in den unbeleuchteten, vollkommen dunklen, ungepflasterten Weg ein. Rechter Hand reihten sich willkürlich Wohnblocks und Bauernhöfe mit großen Gärten aneinander; ein wildes Durcheinander zwar, aber man spürte die Nähe von Menschen. Die linke Seite war eine einsame, verwilderte Gegend: Jenseits eines von Gräsern überwucherten unterirdischen Kanals lagen dort die alte, stillgelegte Lunchpaket-Fabrik, eine Bowlingbahn, die geschlossen worden war, und andere verlassene Gebäude. Es hieß, die Teilzeit arbeitenden Hausfrauen, die Opfer des Grabschers geworden waren, seien auf das Grundstück der stillgelegten Fabrik verschleppt worden. Wachsam flog Masakos Blick nach rechts und links, während sie schnellen Schrittes neben Kuniko herging.
Aus dem kleinen Wohnblock hinten rechts waren die Stimmen eines Mannes und einer Frau zu hören, die sich auf Portugiesisch stritten. Neben Hausfrauen wie Masako, die als Teilzeitkräfte beschäftigt waren, arbeiteten viele japanischstämmige oder weiße Brasilianer in der Fabrik. Darunter waren auch viele Ehepaare.
»Sie sagen, der Grabscher wäre einer der Brasilianer«, meinte Kuniko und zog im Dunkeln die Brauen zusammen. Masako reagierte nicht darauf und ging schweigend weiter. Es spielte keine Rolle, aus welchem Land der Mann kam: Solange er in dieser Fabrik arbeitete, würden die in Körper und Seele aufgestauten Frustrationen durch nichts zu lindern sein und zwangsläufig ein Ventil suchen. Den Frauen blieb nur übrig, sich so gut es ging selbst zu verteidigen.
»Es soll ein großer Mann sein. Mit ungeheurer Kraft und ohne ein Wort soll er sich an einen klammern.« In Kunikos Tonfall schwang fast so etwas wie Sehnsucht mit.
Hinter ihnen war das Quietschen einer Fahrradbremse zu hören. Angespannt drehten sie sich um und erkannten eine ältere Frau von kleiner Statur.
»Ach, ihr beide seid das. Morgen zusammen!« Es war Yoshie Azuma, das Arbeitstier. Sie hatte die fünfundfünfzig überschritten und war Witwe. Wegen ihrer flinken, geschickten Hände und weil sie für zwei arbeitete, wurde sie von den Kolleginnen in der Fabrik leicht spöttisch »Meisterin« genannt.
Masako begrüßte sie erleichtert: »Gott sei Dank, du bist es! Morgen, Meisterin!«
Kuniko trat einen halben Schritt zurück, als sei Yoshie nicht ganz ihr Fall.
»Jetzt sag du nicht auch noch Meisterin zu mir!« Yoshie, die nicht den Eindruck machte, als sei es ihr wirklich unangenehm, wenn man sie so nannte, stieg vom Rad und gesellte sich zu Fuß zu ihnen. Ihre Statur war wie geschaffen für körperliche Arbeit: klein, aber kräftig - wie ein Krebs. Doch ihr im Verhältnis zum Körper zu schmal geratenes Gesicht schwebte kreideweiß durch die dunkle Nacht und wirkte irgendwie verbittert und leer, was ihr einen unglückseligen Ausdruck verlieh.
»Euch hat wohl das Geschwätz um den Grabscher dazu gebracht, zusammen zur Arbeit zu kommen, was?«
»Genau. Kuniko ist noch jung.«
Kuniko kicherte; sie gab vor, 29 zu sein.
Yoshie wich einer Pfütze aus, die in der Dunkelheit schimmerte, und sah Masako ins Gesicht: »Na, du gehörst ja wohl auch noch nicht zum alten Eisen. Du bist doch erst dreiundvierzig, oder?«
»Ach, hör auf mit dem Blödsinn«, antwortete Masako ohne ein Lächeln. In letzter Zeit war es kaum mehr vorgekommen, dass sie sich ihrer Weiblichkeit in irgendeiner Weise bewusst geworden wäre.
»Bist du etwa schon vertrocknet? Kalt und welk?« Yoshie hatte das scherzhaft gemeint, aber Masako dachte, dass es sich genau so anfühlte. Kalt und ausgetrocknet kroch sie am Boden. Ihre gegenwärtige Daseinsform war die eines Reptils.
»Sag mal, bist du heute nicht ziemlich spät dran, Meisterin?«, wechselte Masako das Thema.
»Ach ja, die alte Dame hat wieder mal Probleme gemacht.« Yoshie, die ihre bettlägerige Schwiegermutter...
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