In einem entlegenen Teil des englischen Peak District stehen die "neun Jungfrauen", ein düsterer Steinkreis, um den sich eine dunkle Legende rankt. Bei Anbruch des Winters findet man dort eine zehnte Figur: die Leiche einer jungen Frau, ihre Glieder wie im Tanz verrenkt. Ben Cooper und seine Kollegin Sergeant Diane Fry müssen den Mord an Jenny Weston aufklären - ein Verbrechen, dessen Wurzeln weit in der Vergangenheit liegen...
Nach "Kühler Grund" der zweite Kriminalroman mit Detective Ben Cooper und Detective Diane Fry.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Stephen Booth wurde in Burnley, im englischen Lancashire geboren. Er war fünfundzwanzig Jahre lang als Journalist für Zeitungen und beim Rundfunk tätig, bevor er mit "Kühler Grund" seinen ersten und sofort international gefeierten Roman schrieb. Mit "Todesnacht" liegt bereits der siebte Fall für das Ermittlerpaar Ben Cooper und Diane Fry vor, ein weiterer Roman aus der Serie ist in Vorbereitung. Stephen Booth lebt mit seiner Frau in der Nähe von Retford in Nottinghamshire.
»Ein erstklassiger Kriminalroman!«
Sunday Telegraph
»Wenn Sie in diesem Jahr nur einen neuen Krimiautor für sich entdecken wollen, ist Stephen Booth Ihr Mann!«
Yorkshire Post
»Booth gelingt es meisterhaft, die karge Moorlandschaft mit ihren verwitterten Steinpyramiden, vom Wind gepeitschten Steinkreisen und prähistorischen Grabstätten vor dem inneren Auge der Leser lebendig werden zu lassen.«
Publishers Weekly
An dem Tag, als die erste Frau starb, hatte Mark Roper Probleme mit dem Walkie-Talkie. Schon zu Beginn seiner Schicht, auf dem Kontrollgang durch das Tal, war er in ein Funkloch geraten. Die Stille schlug ihm aufs Gemüt. Ihm wurde bewusst, wie isoliert er war, allein mit der langsam ersterbenden Natur. Sein Selbstvertrauen schwand, und die alten Zweifel regten sich wieder. Aber Angst hatte Mark zu diesem Zeitpunkt noch nicht verspürt. Die Angst kam erst später.
Normalerweise war der Spätherbst seine liebste Jahreszeit -die letzten Wochen des Zögerns, bevor es Winter wurde. Er fand es schön, wie die Berge über Nacht ihre Farbe änderten und die Touristenflut in den Dörfern des Peak District allmählich abebbte. Aber heute war kein normaler Tag, das hatte er im Gefühl. Irgendetwas war anders an diesem Sonntag im Ringham Moor. Ihm war beklommen zumute. Es war fast unheimlich, wie sich die Bäume im Wind wiegten und wie das trockene Farnkraut unter seinen Füßen knackte. Und auch, dass die Vögel am helllichten Nachmittag plötzlich verstummten, gefiel ihm gar nicht.
Als Mark aus dem Funkloch herauskam, weitete sich sein Blick bis hinüber nach Hartington und zur Grenze von Staffordshire. Aber seinen Vorgesetzten konnte er noch immer nicht erreichen, auch nicht auf dem Rückweg nach Partridge Cross über das offene Moor. Womöglich hatte er am Morgen in der Rangerstation das Funkgerät mit dem Wackelkontakt mitgenommen. Eine Kleinigkeit, die unter Umständen fatale Folgen haben konnte.
»Peakland Partridge Drei an Peakland Partridge Zulu. Owen?« Das Walkie-Talkie blieb stumm.
Vor einiger Zeit war in dieser Gegend das Heidekraut abgeflämmt worden. Der beißende Brandgeruch, der noch in den Pflanzen hing, stieg unter Marks Stiefeln auf und vermischte sich mit dem süßen, fruchtigen Duft der blühenden Blumen. Hier und da leuchteten aus dem verkohlten Gestrüpp nackte, weiße Stängel hervor wie Knöchelchen, wie die Finger eines Skeletts, die aus der Erde ragten.
Marks Vater hatte den Wildhütern oft geholfen, wenn sie einmal im Jahr das Heidekraut abbrannten, damit für die Moorschneehühner frische junge Triebe nachwachsen konnten. Die Bedingungen dafür mussten genau richtig sein, nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken, damit sich das Feuer nicht bis in den Torfboden fressen konnte. Während man die Flammen kontrollierte, wurde es einem so heiß, dass man zu verglühen glaubte, und wer an der falschen Stelle stand, wenn ein Wind aufkam, war am Abend von Kopf bis Fuß schwarz. Mark konnte sich noch gut daran erinnern, dass sein Vater manchmal tagelang wie nach einem Lagerfeuer gerochen hatte.
Plötzlich war ihm sein Vater durch den Brandgeruch so gegenwärtig, dieser hoch gewachsene Mann, als ob er neben ihm herstapfte, wie er, mit den großen roten Händen gestikulierend, über Hütehunde und Fischköder redete, wie er Mark versprach, ihn und seinen Bruder irgendwann einmal mit auf die Jagd zu nehmen. Aber er hatte sein Versprechen nicht gehalten. Und er war auch nie mehr mit Mark gewandert, schon lange nicht mehr.
Das Bild seines Vaters verschwand so schnell, wie es gekommen war. Verzweifelt versuchte Mark, die Erinnerung festzuhalten, doch sie löste sich auf wie Rauch im Wind.
Er griff erneut zum Funkgerät. »Peakland Zulu. Hörst du mich, Owen? Owen?« Doch auch diesmal bekam er keine Antwort.
Während Mark zur Hochebene aufstieg, wurde sein Rucksack immer schwerer. Er zog ihn nach hinten und drückte auf seine Rückenmuskeln. Trotz seiner dicken roten Fleece-Jacke schnitten ihm die Träger in die Schultern. Sein Nacken war schweißnass, aber als er hinter einer Anhöhe vom Wind erfasst wurde, fröstelte er. Unter ihm zogen Wolkenschatten über die Landschaft. Dazwischen huschten Sonnenstrahlen über eine Schafweide, einen schmalen Streifen Asphalt, über ein Eichendickicht oder das Dach eines abgelegenen Gehöfts. Doch diese Spuren menschlichen Lebens vertieften Marks Einsamkeit nur.
Er liebte die Natur, deshalb hatte er sich auch als Peak Park Ranger beworben. Mit den Menschen und ihren Dingen konnte er dagegen wenig anfangen. Früher hatte er die ganze Welt retten wollen, aber am Ende musste er sich mit dem Schutz eines kleinen Fleckchens Erde begnügen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass man von ihm verlangen würde, die Handlungen von Menschen zu tolerieren, die ihre Umwelt zerstörten und schändeten, die keinen Respekt vor dem Leben von Pflanzen und Tieren hatten. Diese Lektion war die schwierigste von allen. Vielleicht würde es nicht einmal Owen Fox gelingen, sie ihm beizubringen.
Dafür hatte Mark aber schon gelernt, wie wichtig es war, ständig in Funkkontakt zu bleiben; darauf legte Owen besonders großen Wert. Doch nun war er ganz auf sich allein gestellt, ausgerechnet an diesem Tag, auf seinem allerersten Solokontrollgang.
»Hier Peakland Partridge Drei. Owen? Owen? Wo bist du?« Auch für Jenny Weston war dieser Novembersonntag der falsche Tag.
Jenny war mit einem gelben Mountainbike unterwegs, das sie für drei Stunden beim Peak Cycle Centre in Partridge Cross gemietet hatte, einem Dawes Kokomo mit Sechsgangschaltung, 1-Zoll-Reifen und einem Gepäckkorb hinter dem Sattel. Jenny war schon fast fünf Meilen geradelt und hatte sich bis auf die Hochebene hinaufgequält.
Das Moor war mit prähistorischen Grabhügeln, Cairns und Steinkreisen übersät, manche so klein oder so beschädigt und überwuchert, dass man sie zwischen dem Heide- und Farnkraut kaum erkennen konnte. Weil man es mit dem Rad relativ gut erreichen konnte, war das Ringham Moor bei Mountainbikern beliebt. Hatte man es erst einmal bis nach oben geschafft, fühlte man sich dem Himmel so nah wie sonst nirgendwo, umgeben von Einsamkeit und Weite.
Jenny liebte das Ringham Moor. Aus den verschiedensten Gründen zog es sie immer wieder an, es war fast wie ein innerer Zwang. Sie kam so oft hier herauf, dass sie bis zum Hammond Tower mit dem Rad eine regelrechte Spur ausgefahren hatte. Ganz egal, wo sie sich gerade befand, immer hatte sie die Aussicht vom Turm hinunter ins Tal vor Augen - den schroffen Steilhang zwischen den Bäumen mit den Felsbrocken am Grunde.
Es war ein windiger Tag, böige Schauer rüttelten an den Birken und wehten die abgestorbenen Blätter ins Heidekraut. Menschen war keine unterwegs. Nur am Ende des Weges war Jenny ein junger Mann mit auffallend stark ausgeprägten Segelohren entgegengekommen. Er trug eine rote Wollmütze, die er weit in die Stirn gezogen hatte, und marschierte zügig in Richtung Straße, den Kopf tief gesenkt, um ihren Blick nicht erwidern zu müssen. Jenny hatte kräftiger in die Pedale getreten, um ihn so schnell wie möglich hinter sich zu lassen. Prompt war sie die Steigung etwas zu forsch angegangen und hatte anhalten müssen, um zu verschnaufen. Japsend blickte sie sich um. Der Junge war verschwunden, und auch sonst war weit und breit keine Menschenseele zu sehen - nur vor der steilen Wand eines aufgelassenen Steinbruchs kreisten ein paar Dohlen, und auf einer Weide unterhalb der Jungfrauen lag eine Herde Kühe unruhig im Gras.
Jenny hatte sich auf dem Fahrrad schon immer sicherer gefühlt als zu Fuß. Im Notfall konnte sie sich damit rasch aus dem Staub machen, falls die Situation brenzlig wurde. Und als
Frau konnte man in dieser gottverlassenen Gegend gar nicht vorsichtig genug sein.
Auf dem letzten steilen Wegstück hinauf ins Moor musste Jenny das Kokomo schieben. Als sie den bizarren Heart Stone erreichte, einen vier Meter hohen Felsen mit eisernen Hand-und Fußgriffen, wusste sie, dass sie es fast geschafft hatte.
Oben auf dem sandigen Pfad konnte man wieder Rad fahren, solange man aufpasste, dass man nicht auf die nackten Steine geriet, die in der Mitte aus der Erde ragten. Der Weg schlängelte sich über eine mit dunklem Heidekraut und Blaubeerbüschen bewachsene Hochebene. Wo sie nach Süden hin abfiel, standen vereinzelte Rhododendronsträucher. Auf zwei Seiten wurde sie von alten Steinbrüchen...
„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
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Taschenbuch. Zustand: Gut. 480 Seiten Goldmann - 1. Auf. 2003 : Stephen Booth - tb QA-THK5-WZ1X Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 422. Artikel-Nr. 92530
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Zustand: Gut. 480 Seiten 2. Auflage. Innerhalb Deutschlands Versand je nach Größe/Gewicht als Großbrief bzw. Bücher- und Warensendung mit der Post oder per DHL. Rechnung mit MwSt.-Ausweis liegt jeder Lieferung bei. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 422 Taschenbuch, Größe: 11.6 x 3.4 x 18.4 cm. Artikel-Nr. 1001310
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