Was eine seltene Ehre ist, kostet die amerikanische Ärztin Marlo Morgan zunächst viel Kraft und Überwindung: eine dreimonatige rituelle Wanderung durch den australischen Busch als Gast der Aborigines. Doch im Laufe der strapaziösen Tour erfährt sie eine ungeheure emotionale Bereicherung und spirituelle Wandlung. - Der Bestseller jetzt erstmals im Taschenbuch.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Marlo Morgan studierte Medizin und engagierte sich besonders im Bereich der Gesundheitsvorsorge. Ihr Welterfolg "Traumfänger" stand monatelang auf den internationalen Bestsellerlisten und wurde in 26 Sprachen übersetzt. Marlo Morgan lebt in Missouri, USA.
Der Ehrengast
Man sollte meinen, es hätte irgendeine Warnung geben müssen, aber ich habe nichts dergleichen verspürt. Die Ereignisse hatten bereits ihren Lauf genommen. Meilen von mir entfernt saß eine Gruppe Raubvögel und harrte ihres Opfers. Das Gepäck, das ich erst vor einer Stunde ausgepackt hatte, würde am nächsten Tag mit dem Aufkleber »nicht abgeholt« versehen und in Aufbewahrung gegeben werden - viele Monate lang.
Es war ein schwüler Oktobermorgen. Ich stand in der Auffahrt des australischen Fünfsternehotels und wartete auf einen mir unbekannten Kurier. Und statt eine unangenehme Vorahnung zu empfinden, jubelte mein Herz. Es ging mir einfach wunderbar: Ich war freudig erregt, fühlte mich erfolgreich und gut vorbereitet. Tief in meinem Inneren wußte ich es: »Heute ist mein Tag.«
Ein Jeep ohne Verdeck bog in die kreisförmige Auffahrt ein. Ich kann mich erinnern, daß die Räder auf dem glühendheißen Asphalt zischten. Feine Wassertropfen wehten wie ein Sprühregen über die strahlendroten Lampenputzerbäume auf das rostige Metall. Der Wagen hielt an, und der Fahrer, ein etwa dreißigjähriger Aborigine, blickte in meine Richtung.
»Kommen Sie«, bedeutete mir seine schwarze Hand. Er suchte nach einer blonden Amerikanerin. Und ich wartete auf jemanden, der mich zu einem Stammestreffen von Aborigines bringen sollte. Unter dem kritischen Blick und der mißbilligenden Gestik des uniformierten australischen Türstehers erkannten wir, daß wir uns gefunden hatten.
Noch bevor ich den lächerlichen Kampf mit meinen hochhackigen Schuhen aufnahm, um in den Geländewagen zu klettern, war mir klar, daß ich völlig unpassend gekleidet war. Der junge Fahrer an meiner Seite trug Shorts, ein schmuddeliges weißes T-Shirt und Tennisschuhe ohne Socken. Als wir den Transport zu dem Stammestreffen arrangierten, hatte ich vermutet, sie wurden mir einen normalen Wagen schicken, vielleicht einen Holden, den Stolz der australischen Automobilindustrie. Niemals hatte ich mir erträumt, daß man mir ein völlig offenes Gefährt schicken wurde. Nun denn, dachte ich, lieber zu gut als zu schlecht gekleidet, wenn es zu einem Empfang geht - noch dazu einem Bankett zu meinen Ehren.
Ich stellte mich vor. Er nickte nur und tat so, als sei ihm langst klar, wer ich war. Der Türsteher runzelte die Stirn, als wir an ihm vorbeischössen. Wir fuhren durch die Straßen der Küstenstadt, vorbei an Reihen von Häusern mit Veranden vor der Tür, an den für Australien typischen Milchbars und zubetonierten Parkplatzen ohne einen Tupfen Grün. Als wir in einen Kreisverkehr einfuhren, in den sechs Straßen mundeten, umklammerte ich krampfhaft den Türgriff. Als wir ihn wieder verließen, brannte mir die Sonne von hinten auf den Rucken. Schon jetzt wurde es mir in meinem neuerworbenen pfirsichfarbenen Seidenkostüm mit farblich abgestimmter Bluse unangenehm warm. Ich vermutete, daß wir zu einem Gebäude am anderen Ende der Stadt fuhren, aber da irrte ich. Wir bogen in die Hauptverkehrsstraße ein, die parallel zur Küste verlief. Offensichtlich spielte sich der Empfang außerhalb der Stadt ab, an einem Ort, der weiter vom Hotel entfernt lag, als ich erwartet hatte. Ich zog meine Jacke aus und machte mir Vorwurfe, daß ich so dumm gewesen war, nicht genauer nachzufragen. Wenigstens hatte ich eine Haarbürste in meine Handtasche gesteckt, und mein schulterlanges blondiertes Haar war - ganz der Mode entsprechend - zu einem Zopf geflochten und hochgesteckt.
Seit ich den ersten Anruf in dieser Sache erhalten hatte, war ich vor allem neugierig gewesen. Ich kann jedoch nicht sagen, daß er mich wirklich überraschte. Schließlich war es nicht das erste Mal, daß meine Arbeit öffentlich anerkannt wurde, und dieses Projekt war ein besonders erfolgreiches. Ich arbeitete mit städtischen Halbblut-Aborigines, die durch Selbstmordversuche auf sich aufmerksam gemacht hatten. Ich hatte ihnen zu ersten finanziellen Erfolgen und Selbstwertgefühl verholfen, und das mußte früher oder später bemerkt werden. Nur eines war merkwürdig: Der Stamm, der mich eingeladen hatte, lebte zweitausend Meilen weit entfernt an der anderen Küste des Kontinents. Allerdings wußte ich bis auf ein paar gelegentlich aufgeschnappte Bemerkungen auch nur wenig über die verschiedenen Aborigine-Völker. So war mir zum Beispiel nicht klar, ob es sich bei ihnen um eine ziemlich einheitliche Rasse handelte, oder ob es, wie bei den Ureinwohnern Amerikas, zwischen den einzelnen Stämmen große Unterschiede und verschiedene Sprachen gab.
Über eines aber machte ich mir wirklich Gedanken: Was wurde man mir überreichen? Noch eine holzgeschnitzte Gedenktafel, die ich zur Aufbewahrung heim nach Kansas City schicken würde? Oder vielleicht einfach nur einen Blumenstrauß? Nein, bei Temperaturen um die 40 Grad sicher keine Blumen. Außerdem waren die für den Ruckflug viel zu umständlich zu transportieren. Wie vereinbart war der Fahrer pünktlich um zwölf Uhr mittags gekommen. Also mußte es sich um einen Empfang mit Mittagessen handeln. Ich fragte mich, was ein Ureinwohnerrat wohl servieren würde? Hoffentlich kein traditionelles australisches Essen von irgendeinem Partyservice. Vielleicht war es ja ein improvisiertes Büffet, zu dem jeder etwas mitbrachte, so daß ich erstmals die Gelegenheit hatte, die verschiedensten Aborigine-Gerichte zu kosten. Ich hoffte auf einen mit vielen, bunten. Topfen beladenen Tisch.
Dies versprach, eine wunderbare und wirklich einzigartige Erfahrung zu werden, und ich freute mich auf einen Tag, den ich so schnell nicht wieder vergessen wurde. In meiner Handtasche, die ich mir extra für diesen Anlaß gekauft hatte, befanden sich eine 35-mm-Kamera und ein kleines Tonband. Es war zwar nie von Mikrophonen und Scheinwerfern die Rede gewesen, auch hatte man nie erwähnt, daß ich eine Ansprache halten sollte, aber zumindest war ich auf alles vorbereitet. Es zählte zu meinen besten Eigenschaften, daß ich immer vorausdachte. Schließlich war ich mittlerweile fünfzig Jahre alt und hatte in meinem Leben genügend Enttäuschungen und peinliche Situationen erlebt, um für jede Lage einen Alternativplan dabeizuhaben. Meine Freunde lobten meine Flexibilität: »Immer einen Plan B im Ärmel«, pflegten sie zu sagen.
Ein Highway-Straßenzug (die australische Bezeichnung für einen LKW-Konvoi, in dem jeder Wagen mehrere riesige Anhänger hinter sich herzieht) fuhr auf der Gegenfahrbahn an uns vorbei. Die Wagen tauchten plötzlich aus den flirrenden Hitzewellen auf und donnerten mitten auf der Fahrbahn auf uns zu. Meine Gedanken wurden abrupt unterbrochen, als der Fahrer das Steuer herumriß und vom Highway in einen holprigen Weg abbog, auf dem wir eine meilenlange rote Staubwolke hinter uns ließen. Irgendwann verschwanden auch die beiden ausgefahrenen Spuren, und jetzt konnte ich gar keine Straße mehr erkennen. Wir fuhren im Zickzack um die Büsche und holperten über den ausgetrockneten, sandigen Wüstenboden. Mehrmals versuchte ich ein Gespräch anzufangen, aber der Motorlärm in dem offenen Fahrzeug und das Geräusch des Gestrüpps, das von unten gegen die Karosserie schlug, machten jede Unterhaltung unmöglich. Ich wurde ordentlich durchgeschüttelt und mußte meine Kiefer fest aufeinanderpressen, um mir nicht auf die Zunge zu beißen. Auch der Fahrer schien ganz offensichtlich wenig geneigt, ein Gespräch anzubahnen.
Mein Kopf wurde hin- und hergeworfen, und ich fühlte mich wie eine Lumpenpuppe mit schlenkernden Gliedern. Mir wurde immer heißer. Meine Seidenstrumpfhose schien an meinen Füßen zu schmelzen, doch ich traute mich nicht, die Schuhe auszuziehen, weil ich befürchtete, sie könnten aus dem Wagen hinaus in die unendlich weite, kupferfarbene Ebene geworfen werden, die uns umgab, so weit das Auge reichte. Ich hatte wenig Hoffnung, daß mein stummer Fahrer wegen so etwas anhalten würde. Ein feiner Staubfilm legte sich auf meine Sonnenbrille, und ich wischte ihn immer wieder mit dem Saum meines Unterrocks ab. Diese Armbewegungen öffneten die...
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