Ex-Detektiv Lincoln Rhyme ist nach einem Arbeitsunfall querschnittsgelähmt. Immer mehr zieht er sich in seine Welt zurück, bis ein Serienkiller die Stadt in Angst versetzt: An jedem Tatort hinterläßt er einen Hinweis auf seinen nächsten Mord. Lincolns Interesse wird wach - denn langsam kommt ihm der Verdacht, daß er den Mörder kennen muß. Ein neuer Thriller der Extraklasse: rasant und atemberaubend realistisch - für alle Fans von Thomas Harris "Schweigen der Lämmer" !
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Jeffery Deaver ist "der beste Autor psychologischer Thriller weltweit" (The Times). Wie kaum ein anderer beherrscht er den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Lincoln Rhyme und Amelia Sachs haben eine riesige Fangemeinde, nicht zuletzt wegen der grandiosen Verfilmung von "Der Knochenjäger" mit Denzel Washington und Angelina Jolie.
In New York ist die Gegenwart so mächtig, daß die Vergangenheit vergessen ist.
John Jay Chapman
Freitag, 22.30 Uhr, bis Samstag, 15.30 Uhr
EINS
Sie wollte nur noch schlafen.
Die Maschine war mit zwei Stunden Verspätung gelandet, und sie hatten ewig lange auf das Gepäck warten müssen. Und dann hatte auch noch die Mietwagenfirma Mist gebaut die Limousine war vor einer Stunde weggefahren. Deshalb mußten sie jetzt auf ein Taxi warten.
Sie stand mit den anderen Passagieren in der Schlange, die schlanke Gestalt leicht zur Seite geneigt, um das Gewicht des Laptop-Computers auszugleichen, den sie über der Schulter hängen hatte. John quasselte unentwegt über Zinssätze und neue Möglichkeiten zur Umschichtung des Transitgeschäfts, doch sie konnte nur noch an eins denken: Freitag abend, halb elf. Ich will mir bequeme Klamotten anziehen und mich hinhauen.
Sie musterte den endlosen Strom der gelben Taxis. Irgend etwas an der Farbe und der Gleichförmigkeit der Wagen erinnerte sie an Insekten. Und sie erschauderte leicht, spürte wieder dieses grusligkrabbelige Gefühl, das sie aus ihrer Kindheit in den Bergen kannte, wenn sie und ihr Bruder einen toten Dachs mit heraushängenden Eingeweiden gefunden oder einen Waldameisenhaufen umgetreten und das Gewusel feuchter Beine und Leiber betrachtet hatten.
T. J. Colfax trat vor, als das nächste Taxi kam und mit quietschenden Bremsen anhielt.
Der Fahrer ließ den Kofferraumdeckel aufspringen, blieb aber im Wagen sitzen. Sie mußten ihr Gepäck selbst einladen, was John sauer aufstieß. Er war es gewohnt, daß man ihn bediente. Tammie Jean störte sich nicht daran; sie war gelegentlich immer noch überrascht, daß sie eine Sekretärin hatte, die ihre Korrespondenz tippte und verwaltete. Sie warf ihren Koffer hinein, schlug den Deckel zu und setzte sich in den Wagen.
John stieg nach ihr ein, knallte die Tür zu und wischte sich über das schwammige Gesicht und die beginnende Glatze, so als hätte er sich beim Verstauen seiner Reisetasche völlig verausgabt.
»Zuerst zur Zweiundsiebzigsten Ost«, brummte John durch die Trennscheibe.
»Danach zur Upper West Side«, fügte T. J. hinzu. Das Plexiglas zwischen den Vordersitzen und dem Fond war völlig verkratzt, so daß sie den Fahrer kaum sehen konnte.
Das Taxi schoß davon und rollte kurz darauf über die Stadtautobahn in Richtung Manhattan.
»Schau«, sagte John. »Daher die vielen Menschen.«
Er deutete auf eine riesige Reklametafel, auf der die Delegierten zu der am Montag beginnenden UN-Friedenskonferenz willkommen geheißen wurden. Rund zehntausend Besucher sollten in der Stadt weilen. T. J. betrachtete die Reklametafel Schwarze, Weiße und Asiaten, alle lachten und winkten. Irgend etwas störte an diesem Bild. Die Proportionen und die Farben stimmten nicht. Und die Gesichter wirkten alle viel zu blaß.
»Leichenräuber«, murmelte T. J.
Sie rasten über die breite Stadtautobahn dahin, die schmutziggelb im Licht der Straßenbeleuchtung schimmerte. Vorbei am alten Navy Yard, vorbei an den Piers von Brooklyn.
John hörte endlich auf zu reden, holte seinen Taschenrechner heraus und tippte irgendwelche Zahlen ein. T. J. lehnte sich zurück, blickte hinaus auf die flirrenden Bürgersteige und die mürrischen Mienen der Menschen, die auf den Vordertreppen der Sandsteinhäuser entlang der Stadtautobahn hockten. Sie wirkten wie besinnungslos vor Hitze.
Auch im Taxi war es ziemlich heiß. T. J. streckte die Hand nach dem Knopf aus, mit dem sich das Fenster senken ließ. Sie war nicht weiter überrascht, als er nicht funktionierte. Sie griff über John hinweg. Der Fensterheber auf seiner Seite war ebenfalls kaputt. Erst dann stellte sie fest, daß die Türverriegelungen fehlten.
Die Türgriffe ebenfalls.
Ihre Hand glitt über die Tür, tastete nach der Griffnabe. Nichts als hätte sie jemand abgesägt.
»Was ist?« fragte John.
»Tja, die Türen Wie kriegen wir die wieder auf?«
John schaute von der einen zur anderen, als das Hinweisschild auf den Midtown Tunnel auftauchte und vorbeihuschte.
»He!« John klopfte an die Trennscheibe. »Sie haben die Ausfahrt verpaßt. Wo wollen Sie hin?«
»Vielleicht fährt er über die Queensboro«, meinte T. J. Die Strecke über die Brücke war zwar weiter, aber man sparte dadurch die Tunnelmaut. Sie setzte sich auf und klopfte mit ihrem Ring an das Plexiglas.
»Fahren Sie über die Brücke?«
Er beachtete sie nicht.
»He!«
Und im nächsten Moment raste er an der Ausfahrt zur Queensboro Bridge vorbei.
»Scheiße«, schrie John. »Wo fahren Sie denn hin? Nach Harlem. Ich wette, er bringt uns nach Harlem.«
T. J. blickte aus dem Fenster. Ein anderer Wagen fuhr neben ihnen her, zog langsam vorbei. Sie trommelte an die Scheibe.
»Hilfe!« schrie sie. »Bitte «
Der andere Fahrer warf ihr einen Blick zu, dann noch einen, und runzelte die Stirn. Er fuhr langsamer und reihte sich hinter ihnen ein, doch das Taxi scherte jäh aus, nahm schlitternd eine Ausfahrt nach Queens, bog in eine Gasse ab und raste durch eine menschenleere Lagerhausgegend. Sie mußten um die hundert Stundenkilometer fahren.
»Was machen Sie da?«
T. J. hämmerte an die Trennscheibe. »Fahren Sie langsamer. Wohin ?« »O Gott, nein«, murmelte John. »Schau.« Der Fahrer hatte eine Skimaske übergezogen. »Was wollen Sie?« rief T. J. »Geld? Wir geben Ihnen Geld.« Noch immer kein Ton von vorne.
T. J. riß ihre Targus-Tasche auf und zog ihren schwarzen Laptop heraus. Sie holte aus und knallte die Kante des Computers gegen die Trennscheibe. Das Glas hielt, doch der Schlag hatte den Fahrer anscheinend zu Tode erschreckt. Der Wagen brach aus und hätte beinahe die Ziegelwand des Hauses gestreift, an dem sie gerade vorüberrasten.
»Geld! Wieviel? Ich kann Ihnen jede Menge Geld geben!« John geiferte geradezu, und die Tränen liefen ihm über die dicken Backen. Wieder rammte T. J. ihren Laptop mit aller Kraft gegen das Fenster. Der Bildschirm flog weg, doch die Trennscheibe blieb ganz. Sie versuchte es noch mal, und diesmal zerbrach das Computergehäuse und rutschte ihr aus der Hand. »O Mist « Sie wurden beide heftig nach vorn geschleudert, als das Taxi in einer schmuddeligen, unbeleuchteten Sackgasse scharf abbremste. Der Fahrer stieg aus. Er hatte eine kleine Pistole in der Hand. »Nein, bitte«, flehte sie. Er ging zur Hintertür, beugte sich hinab und schaute durch das schlierige Glas. Er stand eine ganze Weile so da, während sie und John sich in die andere Ecke drängten und die schweißnassen Leiber aneinanderdrückten.
Der Fahrer schirmte die Augen mit der Hand ab und schaute sie sich genau an. Plötzlich ertönte ein lautes Krachen, und T. J. fuhr zusammen. John schrie kurz auf.
In der Ferne, hinter dem Fahrer, zuckten rot-blaue Feuerzungen über den Himmel. Dann weiteres Geknatter und Geheul. Er drehte sich um und blickte auf, als eine riesige orangerote Spinne ihre Beine über der Stadt ausstreckte.
Ein Feuerwerk. T. J. fiel ein, daß sie in der Times etwas darüber gelesen hatte. Ein Geschenk des Bürgermeisters und des UN-Generalsekretärs, mit dem sie die Konferenzteilnehmer in der großartigsten Stadt der Welt empfingen.
Der Fahrer wandte sich wieder dem Taxi zu. Mit einem lauten Schnappen entriegelte er das Schloß und öffnete langsam die Tür.
Ein anonymer Anruf. Wie üblich.
Folglich konnte man nicht nachhaken und feststellen, welches unbebaute Grundstück der Anrufer meinte. »Siebenunddreißigste, Nähe Eleventh Avenue, hat er gesagt. Das ist alles«, hatte die Zentrale über Funk durchgegeben.
Anonyme Anrufer waren, was genaue Ortsbeschreibungen anging, bekanntlich nicht die Zuverlässigsten.
Amelia Sachs, die jetzt schon schwitzte, obwohl es erst neun Uhr morgens war, kämpfte sich durch das hohe Gras. Sie ging in Schlangenlinie, schritt den Suchabschnitt ab so nannte man das bei der Polizei. Nichts. Sie beugte sich zu dem Funkmikrofon, das an ihrer marineblauen Uniformbluse befestigt war....
„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
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Softcover. Zustand: Sehr gut. 512 Seiten Ex-Detective Lincoln Rhyme ermittelt erneut nach einem Arbeitsunfall und zieht die Stadt in seinen Bann, während er Hinweise auf einen Serienmörder verfolgt. Zustand: Einband mit geringfügigen Gebrauchsspuren, insgesamt SEHR GUTER Zustand! HC1-784-3/8-00410767 Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 528. Artikel-Nr. 368923
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