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Warte bis es dunkel wird: Roman. Deutsche Erstausgabe - Softcover

Kathryn Fox

 
9783442368587: Warte bis es dunkel wird: Roman. Deutsche Erstausgabe

Inhaltsangabe

Ein schockierend spannender Fall für die Pathologin Dr. Anya Crichton!

Die bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche einer jungen Frau gibt dem Ermittlerduo Detective Kate Farrer und Oliver Parke Rätsel auf. Pathologin Dr. Anya Crichton findet zwar heraus, dass die Frau vor kurzem entbunden hat – doch von dem Baby fehlt jede Spur. Parallel beschäftigen zwei weitere Fälle Kate und Oliver. Bald wird offensichtlich, dass die Morde irgendwie miteinander verknüpft sind. Und während sie noch fieberhaft an der Lösung der Fälle arbeiten, geraten die beiden Ermittler selbst ins Fadenkreuz des Täters …

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Kathryn Fox ist Ärztin und arbeitet nebenbei als freie Medizinjournalistin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Sydney. Ihr Debütroman Nachts, wenn du nicht schlafen kannst wurde mit dem »Davitt Award for Best Australian Crime Novel 2005« ausgezeichnet. Derzeit arbeitet sie an ihrem sechsten Roman.

Aus dem Klappentext

"Schlaflose Nächte garantiert!"
Jeffery Deaver

"Ein schlicht atemberaubender Thriller!"
Vogue

"Kathryn Fox hat eine unvergessliche Serienheldin erschaffen!"
James Patterson

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.


Kate Farrer bemühte sich verzweifelt, die Wagentür zu öffnen. Die Muskeln in ihrer Brust zogen sich wie ein Schraubstock zusammen. Wenn sie nur mehr Luft bekäme. Ihre verkrampften Finger wühlten im Handschuhfach, eine Karte und ein Interstate-Führer landeten auf dem Boden.
Ihr Puls ging unregelmäßig, und sie musste alle Kraft aufbieten, um sich auf die Aufgabe zu konzentrieren, doch endlich fand sie die Tüte. Sie vergrub Mund und Nase in der Öffnung und atmete ein, dann aus, zählte, zwei, drei, vier. Das Papier knisterte bei jedem Atemzug. Die Luftzufuhr war langsam, aber beruhigend. Die Benommenheit begann nachzulassen, während Kates Muskeln den Griff um ihren Brustkorb lockerten.
Reiß dich zusammen! Zorn durchflutete sie nun, und ihre Faust musste mit einem schmerzhaften Hieb auf das Lenkrad dafür büßen. Trotz der drei Monate Beurlaubung war das Trauma frisch wie eh und je. Sie hatte zwei Möglichkeiten - Opfer bleiben oder sich durchbeißen und überleben. Bis heute hatte sie hart, verdammt hart, dafür gearbeitet, zu überleben.
Ein Feuerwehrmann, der am Beifahrerfenster vorbeiging, erschreckte sie. Sie stopfte die Tüte in das Handschuhfach zurück, klappte den Deckel zu und rieb sich den Handballen. Zwölf Wochen lang hatte sie sich bemüht, mit negativen Emotionen klarzukommen. Im Augenblick fühlte sich ihr Magen an wie eine Wäscheschleuder mit einer Katze darin. Das Schlimmste war das Gefühl, nicht Herrin der Lage zu sein, nicht zu wissen, wann die Paniksymptome wieder die Oberhand gewinnen würden.
Sie wusste, sie schaffte es jetzt oder nie. Detective Sergeant Kate Farrer holte noch zweimal tief Luft, dann riss sie die Tür auf und stieg aus dem Wagen. Rauch brannte ihr in der Nase, der Geruch nassen, verkohlten Holzes hing schwer in der Luft. Der kleine graue Betonbau am Ende des von Bäumen gesäumten Moat Place hatte nur noch wenig Ähnlichkeit mit seinen Nachbarn. Von der linken Hälfte standen lediglich die Außenwände der Zimmer. Sie waren schwarz vor Ruß, der durch die zerbrochenen Fenster ins Freie gedrungen war. Das Geräusch berstenden Glases ließ eine Gruppe von Feuerwehrleuten zur Seite des Hauses eilen. Flammen schlugen aus dem Fenster und entzündeten das überstehende Dach.
Kate hielt gebührenden Abstand und sprach in ein kleines Aufnahmegerät, während Feuerwehrmannschaften mit Schläuchen von innen und außen Wasser auf die Flammen spritzten, um sie zu löschen. Obwohl sie mindestens fünfzehn Meter von den Flammen entfernt war, kribbelte ihr Gesicht von der Hitze.
Sie dachte an ihren Psychologen. Er machte sich lustig über sie, als er die Verknüpfung von Denken und Fühlen als »typisches Polizistendenken« definierte. Die Ironie dieser Analogie fiel ihm nicht auf. So viel zu professionellen Einsichten. »Stellen Sie sich eine belastende Situation vor, und fragen Sie sich: >Was kann schlimmstenfalls passieren?< Dann fragen Sie sich, wie wahrscheinlich es ist, dass dieser Fall eintritt.«
Das Problem war nur, dass Kate genau wusste, was ihr im Dienst passieren konnte und wie wahrscheinlich dies war. Sie hatte die Hölle durchgemacht, als ein Psychopath sie tagelang gefangen hielt, und sie litt immer noch unter Alpträumen und Flashbacks. Ein Ausdruck, ein Geruch oder Klang, der sie an ihren Entführer erinnerte, konnte sie binnen Sekunden in ein schluchzendes Häufchen Elend verwandeln. Nun war ihre Beurlaubung beinahe zu Ende, und man hatte sie gebeten, wegen Personalmangels vorzeitig zurückzukehren. Polizeiarbeit war das, was sie bis zu der Entführung immer am besten gekonnt hatte.
Sie stellte sich vor, wie ein Feuerwehrmann mit dieser Frage umgehen würde, die darauf abzielte, Angstursachen herunterzuspielen. Das Schlimmste, was einem von ihnen geschehen konnte, war, dass er eines Tages zur Arbeit ging, bei einem Brand im Einsatz war und an Ort und Stelle urnenfertig zu Asche verbrannte. So viel zu Polizeipsychologen. Manche Neurosen waren eben verständlich, vor allem bei Notdiensten. Die Schwierigkeit, wie sie nur allzu gut wusste, bestand darin, sie zu beherrschen.
Bleib ruhig, du schaffst es. Zurück zu den grundlegenden Dingen. Arbeite dich von außen nach innen durch den Tatort.
Trotz des einsetzenden leichten Nieselregens schwelten Teile des Gartens weiter. Die Castle Hill Road war größtenteils mit Absperrband abgeriegelt, um die Zahl der Schaulustigen zu beschränken. Sanitäter warteten an ihre Fahrzeuge gelehnt. Zwei andere weiße Limousinen parkten zusammen mit einem Feuerwehrauto und einem Kombi der Spurensicherung vor dem Grundstück.
Kate sah den Van eines Fernsehsenders an dem blau-weißen Band eintreffen. Die verdammten Reporter waren wie Abschleppwagen und Schmeißfliegen. Je übler das Gemetzel, desto schneller tauchten sie auf, und desto rascher vermehrten sie sich. Der Ärger über sie war Kate eher vertraut als das Gefühl der Verletzlichkeit. Sie sah sich nach ihrem neuen Partner um, während sie weiterdiktierte.
»Um acht Uhr dreißig sind noch vier lokale Polizeibeamte am Tatort im Einsatz. Brandermittler sind anwesend. Die Pressemeute fängt an, ihr Glück zu versuchen.«
»Detective Sergeant Farrer?«
Ein schlanker, hochgewachsener Mann im grauen Anzug rückte seine fliederfarbene Krawatte zurecht. Das blonde Haar war kurz geschnitten, ohne allzu militärisch zu wirken. »Oliver Parke«, sagte er und streckte eine Hand aus. In der anderen hielt er zwei Becher Kaffee in einem Pappkarton. »Guten Tag, schön, Sie kennenzulernen.«
Kate war in der Vorwoche, als man sie bat, ihre Beurlaubung abzukürzen, über ihren neuen Partner unterrichtet worden. Die seit längerem bestehenden Probleme der Einheit mit Unterbesetzung und altmodischen Ermittlungsmethoden hatten zur Rekrutierung von frischem Blut geführt, hauptsächlich Akademikertypen. Das Letzte, was sie gebrauchen konnte, war ein unerfahrener Partner, der anstelle von gesundem Menschenverstand ein Universitätsdiplom besaß, ohne Bezug zur realen Welt. Aber sie hatte kein Mitspracherecht bei der Sache und wollte im Augenblick nur zu wohltuender Routine zurückfinden.
Sie schüttelte dem frisch beförderten Detective Constable die Hand und bemerkte den kräftigen Griff. Er war offensichtlich bemüht, einen guten ersten Eindruck zu machen.
»Ich war so frei, da ich direkt an diesem Kaffeehaus vorbeikam. Einer ist schwarz, der andere mit Milch.«
Kate, deren Mund trocken war, musste zugeben, dass sein Timing stimmte. Sie nahm den schwarzen Kaffee.
»Danke, aber machen Sie's nicht zur Gewohnheit.«
Sie mochte dieses kumpelhafte »Ich bin dran, du bist dran« nicht. Partner gingen auch nicht gemeinsam aufs Klo, warum sollten sie immer zusammen Kaffee trinken?
»Wie viele Fälle haben Sie schon bearbeitet?«
»Wenn Sie Mordfälle meinen, zwei bisher. Das hier könnte der dritte sein.« Er ließ kaum wahrnehmbar die Luft aus den Lungen entweichen.
Kate spürte, wie sie dasselbe tat.
»Wie war Ihre Arbeitspause?«
Detective Farrer hatte keine Geduld für Small Talk. Banale Gespräche waren etwas, dem sie unbedingt aus dem Weg zu gehen suchte, zuletzt mehr denn je.
»Was wissen Sie bisher über den Tatort?« Kate war sich nicht sicher, ob sie ein spöttisches Grinsen über das Gesicht ihres Partners huschen sah. Er hatte wahrscheinlich Geschichten über sie gehört. Wenn sie vom Inspector kamen, dürften sie positiv gewesen sein, aber alles, was von den männlichen Detectives stammte, war sicherlich weniger schmeichelhaft.
»Das Feuer ist so gut wie unter Kontrolle. Ein Bauingenieur untersucht das Haus nach strukturellen Schäden. Die Jungs vom hiesigen Revier haben die Straße abgeriegelt, wie Sie sehen.«
Die mit Pyjamas bekleideten Nachbarn zischelten missbilligend und redeten eifrig mit einem Kamerateam, das sich an der Kreuzung drei Häuser weiter über die Absperrung beugte. Sie würden Zeugenaussagen senden, ehe die Polizei Gelegenheit fand, die Leute zu befragen.
»Sorgen Sie dafür, dass wir das...

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