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Generation 1000 Euro: Roman - Hardcover

Antonio Incorvaia; Alessandro Rimassa

 
9783442311415: Generation 1000 Euro: Roman

Inhaltsangabe

Der ultimative Roman der „Generation Praktikum“.

Dies ist die Geschichte von Claudio, der in Mailand als Marketing-Assistent in einer großen Telekommunikationsfirma arbeitet. Sein Job macht ihm Spaß, aber mit den 1.028 Euro, die er im Monat verdient, kann er sich gerade mal ein WG-Zimmer in der Vorstadt leisten. Er muss jeden Cent dreimal umdrehen. Dennoch: Er lässt sich die Laune nicht verderben, und er ist nicht bereit, auf alles Schöne im Leben zu verzichten. Und dabei ist er sehr erfindungsreich …

Dies ist aber auch die Geschichte einer ganzen Generation hoch qualifizierter und schlecht bezahlter junger Leute, die angesichts eines immer schwieriger werdenden Arbeitsmarkts nach Möglichkeiten suchen, ihrem Leben dennoch einen Sinn zu geben – und die die Hoffnung auf einen richtigen Platz in der Welt noch lange nicht aufgegeben haben.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorinnen und Autoren

Antonio Incorvaia, geboren 1974, arbeitet trotz eines abgeschlossenen Architekturstudiums als Dauerpraktikant in verschiedenen Funktionen, darunter als Grafiker, Web-Designer und Fernsehredakteur.

Alessandro Rimassa, geboren 1975, ist Journalist und Fernsehautor. Die Autoren schufen gemeinsam den erfolgreichen Blog generazione1000, das erste Forum der "Milleuristi", der qualifizierten, aber chronisch unterbezahlten jungen Generation von heute. Alessandro Rimassa lebt in Mailand.

Aus dem Klappentext

"Eine Möglichkeit, wie man aus der Abhängigkeit ausbrechen kann, zeigt dieses Buch auf. Nicht mehr länger darauf hoffen, irgendwann in einer Firma Unterschlupf zu finden und sich zu verleugnen, sondern selbst etwas auf die Beine stellen."
ORF

"Die flotte Story erzählt genau davon, was junge Leute bewegt und hat für heftige Diskussionen gesorgt."
TV Media

"Antonio Incorvaia und Alessandro Rimassa, übrigens beide einst Dauerpraktikanten, haben es geschafft, einen amüsanten, schrägen Roman zu schreiben, der das Lebensgefühl einer ganzen Generation auf den Punkt bringt!"
ZEIT Campus

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Scheiße! Das ist das erste Wort, das mir heute Morgen in den Sinn kommt. Nicht nur, weil mein Mund immer noch pelzig ist von Alkohol und Zigaretten, sondern weil ich das Licht durch die Jalousien fallen sehe, weil es sich im Spiegel und an den Wänden reflektiert und somit klar ist: Ich habe den Wecker nicht gehört. Die Verspätung muss gigantisch sein.
Ich lange hinüber zur Kommode und taste nervös nach dem Handy. Da ist es. Ich wage kaum, aufs Display zu schauen: 09.48.
Noch mal Scheiße! Drei, zwei, eins …

Zwei Stunden Verspätung
Straff wie beim Militär spanne ich die Bauchmuskeln an, schlage die Decke zurück, springe aus dem Bett, lasse Boxershorts und T-Shirt fallen und stürze in die Dusche. Heißes Wasser. Eiskaltes Wasser. Zähne – Mist, irgend wann muss ich mal daran denken, mir eine neue Zahnbürste zu kaufen, die hier ist hinüber –, Bart … nee, ist zum Glück nicht so wild bei mir, kann ich mir heute sparen, Deo, Rasierwasser, Jeans, Hemd, Pullover, Schuhe. Kein Frühstück.
Ich ziehe meine Jacke an und bin schon fast aus dem Haus, als ich Matteo in seinem Zimmer grunzen höre. Beneidenswert. In diesem Moment würde ich auch gerne noch mal studieren und das Leben genießen.
Während ich schnell meine Mitbewohner durchgehe (Rossella ist nicht da, Alessio ist bei der Arbeit … Idiot, wenigstens er hätte mich heute Morgen wecken können!) und wie ein Mittelstreckenläufer um die gelangweilten Passanten herum zur Bushaltestelle trabe, wobei mir die Kälte und ein leichter, durchdringender Regen zusetzen, leuchten bei mir allmählich jede Menge Fragezeichen auf: Wenn Ross nicht da ist, wem gehört dann der BH auf dem Wohnzimmersessel? Ganz bestimmt keiner Frau, die mit Ale die Nacht verbracht hat. Seit wir zusammenwohnen, also fast zwei Jahre, hat er sich nie mit einer Frau blicken lassen. Matteo hat allerdings etwas von einer Schlittschuhläuferin erzählt, die aber zurzeit – gestern stand es in der Gazzetta dello Sport – in Deutschland für die Olympiade trainiert.
Nicht mein Bier. Heute Abend wird man ja sehen, ob jemand darauf zu sprechen kommt … Vielleicht erweisen sich meine Mitbewohner auch als wahre Verwandlungskünstler. Bedenkt man, dass wir in einer Gegend wohnen (Viale Certosa, Mailand), wo nachts die Prostituierten defilieren und Familienväter in ihren Luxuskarossen Schlange stehen, wäre das sicher nicht allzu erstaunlich. Man muss schließlich über die Runden kommen …
Na endlich, der Bus. Es ist einer von denen, die komplett mit Werbung zugekleistert sind – Handywerbung natürlich. Ich frage mich jedes Mal, ob das nun eine geniale Marketingidee oder der reinste Schwachsinn ist, weil zumindest ich hinter den zugeklebten Scheiben die betreffende Handymarke zu hassen beginne.
Acht Minuten, und ich bin an der Metro, dann noch dreizehn Minuten bis ins Zentrum. Vier Minuten Fußmarsch, und ich betrete das Büro. Alles in allem fünfundzwanzig Minuten. Viertel vor elf werde ich da sein, ungefähr zwei Stunden zu spät. Klasse!
Ich sehe es schon vor mir: Daniele, der in Gedanken noch bei seinem Fest von gestern Abend ist, hin und her gerissen zwischen Partyglück und der Verzweiflung, die schicksalhafte Dreißig nun erreicht zu haben. Dann Gloria am Telefon im Gespräch mit Gatte/Tochter/Babysitter. Mark natürlich, der auf vier Leitungen gleichzeitig spricht (während mindestens noch zwei Personen vor seinem Schreibtisch sitzen), ohne dass sein brillantes Englisch auch nur im Geringsten darunter leiden würde.
Schließlich Stefania, die nicht weiß, ob sie sich mehr über meine Verspätung aufregen soll oder über meinen Pullover, der … na ja … »vielleicht könntest du das nächste Mal einen anderen anziehen«.
Pause. Ich reinige meinen Geist, wie man aus einer Milchtüte den letzten Tropfen herausschüttelt.
Und wenn ich das Handy einfach ausstelle und verschwinde? Unmöglich, dafür fehlen mir sowohl der Mut als auch die Mittel. Vielleicht sogar die Lust. Und wenn ich mich nur für einen Tag verdrücke? Vierundzwanzig dunkle Stunden, in denen ich vergesse, wer ich bin, und aus der Zeit heraustrete. Das wäre wie ein Spaziergang auf dem Mond …
Ich habe nicht einmal Zeit, diese Vorstellung zu genießen, denn schon finde ich mich in die Wirklichkeit zurückkatapultiert. »MRW International, guten Tag«, ertönt es unüberhörbar aus dem Mund der Telefonistin mit dem künstlichen Lächeln, als ich die Glastür durchschreite und diese fabelhafte Welt vom Charme gehobener Spirituosenwerbung betrete, dieses große internationale Unternehmen mit Niederlassungen an allen möglichen Orten und Mitarbeitern, die allesamt Direktoren, Manager oder Generalbevollmächtigte sind. Alle, außer mir.
»So sieht es aus in der Welt der Arbeit, Schatz …«, sagt Eleonora immer (bei deren Anblick ich den Kopf verliere, der ich den Kopf aber auch noch irgendwann abreiße). »Du musst die Krallen ausfahren, wenn du es zu etwas bringen willst.«
Blöder Mist. Mir gefällt mein Job, aber die stillen Momente, die Freuden, die Banalitäten, die fantastischen Begebenheiten des Lebens gefallen mir genauso. Man lebt nicht vom beruflichen Erfolg allein. Auch nicht vom Geld allein. Obwohl einen 1028 Euro netto ohne dreizehntes Monatsgehalt schneller von jedem Vergnügen fortbringen als die Concorde, Friede ihrer Seele.
Die Fahrstuhltür hat sich noch kaum geöffnet, da sehe ich meiner Chefin Stefania in die Augen, und die erledigen mich mit der Geschwindigkeit und Präzision einer M16. Zum Glück lässt Mark ihr nicht die Zeit, auch nur den Mund zu öffnen: »Claudio, ich erwarte dich in meinem Büro.«
Marks Büro ist ausnahmsweise erstaunlich leer. Aus dem großen Fenster sieht man auf das Gewühl auf dem Corso Vittorio Emanuele hinunter: hier und da ein schwänzender Schüler, eine Gruppe japanischer Touristen, die nach der Gallerie suchen, um schließlich in der Via Montenapoleone zu verschwinden, die üblichen Typen, die Stifte, Taschen, Armbänder oder Zeitschriften verkaufen. Mein Blick richtet sich jetzt auf den Glasschreibtisch, wo ein altmodisches Messingschild wie in einem Schwarz weiß Film verkündet: »Mark Porter, Marketingdirektor«. Wer weiß, wer auf die Idee kam, diese Antiquität ausgerechnet Mark zu schenken, einem 37-jährigen Engländer, der seit vier Jahren in Mailand lebt und mit iPod, Mini Cooper, Apple-Laptop, UMTS-Videofon und tragbarem DVD-Player den Prototyp des technikabhängigen und innovationssüchtigen Yuppie verkörpert.
Wie gewöhnlich verliere ich mich in Gedanken. Mark, der ein weißes Hemd trägt, oberster Knopf offen, und ein hellgraues Jackett, setzt sich und bietet mir ebenfalls einen Platz an. Wenig später nähert sich eine Tussi, die ich noch nie gesehen habe: Sie dürfte in meinem Alter sein, trägt einen schwarzen Hosenanzug, schwarze Stiefel, eine hellrosa Bluse und eine auffällige Brosche am Kragen. Die Brosche ist überhaupt das Erste, was ich wahrnehme: Weißgold mit einem gigantischen Brillanten drauf, wer weiß, was sie dafür bezahlt hat (oder besser, wer sie ihr geschenkt hat). Kurze, rabenschwarze Haare, dunkle Augen, schmales, leicht längliches Gesicht. Wenn ich kleiner wäre, hätte ich vor einer wieder Angst; so allerdings scheint sie mir die perfekte Partnerin für eine Nacht bizarrer sexueller Genüsse zu sein.
»Claudio, alles klar? Du scheinst mir ein bisschen verwirrt«, geht Mark in die Offensive und klopft mir auf die Schulter.
»Ja, sorry. Entschuldige auch die Verspätung, der Wecker muss kaputt sein … Er hat nicht geklingelt. Soll nicht wieder vorkommen, das verspreche ich.«
»Darf ich dir Angelica Corda vorstellen«, fährt Mark einfach fort, ohne sich in Erörterungen verwickeln zu lassen, und das weckt in mir den starken Verdacht, dass er mich unter anderen Umständen gelyncht hätte. »Sie ist Senior Accountant in der Marketingabteilung unserer spanischen Niederlassung. Heute Abend fahrt ihr zusammen nach Spanien. Morgen ist in Barcelona ein wichtiges Meeting für die Lancierung von...

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