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Die Stimmen: Roman - Hardcover

Bernuth, Christa Von

 
9783442308989: Die Stimmen: Roman

Inhaltsangabe

Saskia Danner ist tot. Ihre Leiche wurde in den Tiroler Bergen gefunden, wohin Saskia ihren Mann Michael und seine Schüler auf einer Klassenfahrt begleitet hatte. Die Obduktion lässt keine Zweifel aufkommen: Saskia Danner wurde ermordet, und zwar mit einer Art Garotte, einem Metalldraht mit Holzgriffen. Die zuständige Polzei in Miesbach hat schnell einen Verdächtigen: Saskia Danners Ehemann, Französischlehrer am Elite-Internat in Issing am Tegernsee. Auch ein mögliches Motiv ist bald gefunden: Michael Danner hat seine Frau jahrelang misshandelt; nun scheint seine Gewalt eskaliert zu sein – mit tödlichen Folgen. Aber Danner hat ein Alibi: Sechs seiner Schüler bezeugen, dass ihr Lehrer zur Tatzeit mit ihnen in einer Berghütte gesessen und philosophische Fragen diskutiert hat.
Konstantin Steyer ist tot. Karin Stolowski hat ihren Freund, den Artdirector einer großen Münchner Werbeagentur, in seiner Wohnung gefunden – erdrosselt mit einer Garotte. Zwei Morde - eine Tatwaffe? Um der Sache auf den Grund zu gehen, fährt die Kommissarin Mona Seiler nach Issing. Aber ihre Befragung Michael Danners bringt sie in ihren Ermittlungen nicht weiter. Mona fühlt sich von dem selbstgefälligen und schillernden Danner gleichermaßen angezogen wie abgestoßen. Und sie findet keine Antwort auf die Frage, ob ein Mann, der seine Frau schlägt, auch in der Lage ist, sie zu töten. Kurz bevor Mona Issing wieder verlassen will, wendet sich Danners Schülerin Berit Schneider an sie und lässt das Alibi ihres Lehrers platzen: Zur fraglichen Zeit in Tirol haben die sechs Schüler nicht, wie angegeben, mit Danner zusammengesessen. Sie waren vielmehr nach dem übermäßigen Konsum von Haschich völlig weggetreten und deshalb gar nicht in der Lage, auf Danner zu achten. Nachdem Berit zu Protokoll gegeben hat, dass sie ihrem Lehrer zu Liebe gelogen haben, lässt Mona Danner rund um die Uhr beschatten.
Robert Amondsen ist tot. Der Coburger Physiker wurde gleichfalls mit einer Drahtschlinge erwürgt. Und Michael Danner kommt nicht als Täter in Frage, da er zur Tatzeit unter Beobachtung der Polizei stand. Mona Seiler hat das Gefühl, wieder bei Null anfangen zu müssen. Zum ersten Mal in ihrer unlängst mit der Beförderung zur Kriminalhauptkommissarin gekrönten Karriere scheint sie es mit einem Serienmörder zu tun zu haben. Monas Mitarbeiter, die ohnehin nur widerwillig eine Frau an der Spitze der Mordkommission akzeptieren, sprechen hämisch von Überforderung. Aber dann findet Mona heraus, dass sowohl Steyer als auch Amondsen Absolventen des Internats waren und das Motiv für die Taten in Issing zu finden sein muss. Als sie den alten Issinger Deutschlehrer Alfons Kornmüller aufsucht, erhofft sie sich nähere Auskünfte über die toten Ex-Schüler. Leider scheint der senil wirkende Mann Mona nicht zu verstehen. Nur so viel wird deutlich: Robert Amondsen hat im Sommer 1979 seinem damaligen Vertrauenslehrer Kornmüller etwas gebeichtet – etwas, das so schlimm gewesen sein muss, dass Kornmüller bald darauf vorzeitig in Pension ging ...

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Christa v. Bernuth, geboren 1961, arbeitete als Paketzustellerin, Zigarettenverkäuferin und Betreuerin einer angeblichen russischen Großfürstin. Seit zehn Jahren ist sie als Autorin für unterschiedliche Magazine tätig. 1999 erschien ihr erster Roman, »Die Frau, die ihr Gewissen verlor« (»Ein intelligenter Beziehungsthriller.« Brigitte), in dem sie bereits die Gefahren der Liebe und deren tödliches Potenzial beschrieb. In ihrem hoch gelobten zweiten Roman, »Die Stimmen« hat sie die Figur der Kriminalhauptkommissarin Mona Seiler eingeführt. Die RTL-Verfilmung von »Die Stimmen« mit Mariele Millowitsch in der Hauptrolle war mit über sechs Millionen Zuschauern ein sensationeller Erfolg. Christa v. Bernuths dritter Roman, »Untreu«, wird ebenfalls mit Mariele Millowitsch als Mona Seiler für RTL verfilmt.

Aus dem Klappentext

Pressestimmen zu »Die Frau, die ihr Gewissen verlor«:

»Ein intelligenter Psycho-Krimi - flott geschnitten und mit vielen Erzählperspektiven.«
Abendzeitung

»Christa von Bernuth kennt sich bestens aus ... Ein intelligenter Beziehungs-Thriller.«
Brigitte

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

»Drei-drei-eins, drei-drei-eins«, singen die Mädchen. »Wähl mich«, ruft eine in weißer Rüschenwäsche dazwischen und streicht über ihre monströsen Brüste. »Ruf! Mich! An!«, herrscht eine Domina in dunklem Lederbikini, der ihr tief in die Haut schneidet.
Die Fernbedienung knallt auf den Boden, und Mona wacht auf.
Sie hat vergessen, das Licht auszuschalten. Die nackte Birne an der Decke beleuchtet den hässlichen Schrank aus dunkelbraunem Holzimitat, den grauen Teppich mit dem ausgebleichten Fleck unter der Fensterbank, ihren immer noch nicht ganz ausgepackten Koffer, obwohl ihr Urlaub bereits zwei Wochen zurückliegt. Der Fernseher vor ihrem Bett ist zu laut gestellt. Draußen lauert die Dunkelheit.
Es ist vielleicht zwei oder drei, zu spät, um jemanden anzurufen oder um auszugehen, zu früh, um aufzustehen. Schlafenszeit. Sie hasst es. Die Stunden zwischen zwei und vier sind die einsamsten der Welt.
Manchmal hilft es, wenn sie sich vormacht, dass sie wach bleiben will. Manchmal schläft sie gerade dann ein. Was sie garantiert wach hält, ist der Gedanke, morgen einen harten Tag zu haben.
Sie hat morgen einen harten Tag.
Sie überlegt, ob sie nach Lukas sehen soll. Dann erinnert sie sich daran, dass Lukas heute Nacht bei seinem Vater ist, und fällt fast in der gleichen Sekunde in tiefen Schlaf.

Gravelottestraße, ein frisch renovierter Altbau mit gelber Fassade. Zwei still vor sich hinblinkende Streifenwagen stehen davor, die Straße ist für den normalen Verkehr gesperrt. Mona parkt in zweiter Reihe. Es ist sechs Uhr morgens, dunkel und kalt. Die Presse ist weg, alle sind weg. Ein Mann steht mit verschränkten Armen an der offenen Haustür; das Licht fällt von hinten auf ihn, sodass sie nur seine Silhouette erkennen kann. Wahrscheinlich ist es Fischer. Sie hat ihn beauftragt, auf sie zu warten. Wenigstens das, wenn sie schon viel zu spät, nämlich fast zwei Stunden später als der gesamte Rest der Mordkommission 1, verständigt wurde.
Es ist Fischer. Mona geht auf ihn zu und kann direkt beobachten, wie sich sein Gesicht bei ihrem Anblick verfinstert. Sie ist eine Frau, sie wurde ihm »vor die Nase gesetzt«.
»Wie weit sind die Tatortleute?«, fragt sie, während sie gemeinsam den winzigen Lift betreten, in dem sie sich viel zu nahe kommen. Sie versucht, freundlich zu sein. Er kann nichts dafür, dass keiner sie benachrichtigt hat.
»Ziemlich weit. Sie machen gerade Pause.«
»Brotzeit, was? Reichlich früh dafür.«
Fischer lächelt nicht, sondern starrt reglos an die Decke, während sich der Lift träge in Bewegung setzt. Im trüben Oberlicht der Kabine stellt Mona fest, dass sich seine kurz geschorenen dunklen Haare an der Stirn bereits lichten. Sie stellt sich vor, wie er die Geheimratsecken jeden Morgen besorgt im Spiegel studiert. Dabei ist er noch jung, vielleicht Mitte zwanzig. Unter seinen Augen liegen tiefe Schatten. Er ist seit vier Uhr morgens im Einsatz.
Die MK1 hatte Bereitschaft, und sie, die neue Leiterin, hätte von Anfang an dabei sein müssen. Wer ist Schuld, dass sie als Letzte am Tatort erscheint?
»War Berghammer hier?«, fragt sie. Berghammer ist Chef des Dezernats 11, zu dem die fünf Mordkommissionen gehören. Bei Fällen wie diesem, die sich spektakulär anlassen, taucht er gerne selbst auf.
»Ja«, sagt Fischer. Mona schließt die Augen. Berghammer war hier, alle waren hier, und sie nicht.
»Wie sieht's oben aus?«, fragt sie.
»Erdrosselt. Würd ich mal sagen. Mit was ganz Gemeinem. Wirst du gleich sehen.«
»Hat jemand aus dem Haus…?«
»Keiner hat was mitbekommen. Niemandem ist was aufgefallen, keiner hat was gesehen und so weiter. Drei sind nicht da. Das war hier vielleicht ein Auflauf vorhin. Wir mussten die Leute echt anschreien, damit sie das Feld räumen.«
Der Lift hält leicht schwankend im fünften Stock, und die Türen öffnen sich. Fischer weist auf eine Holztreppe, die nach oben führt. »Er wohnt in der sechsten Etage. Dachwohnung. Wahrscheinlich später ausgebaut.«
»Mhm.« Sie gehen nach oben und schlüpfen in die weißen Schutzoveralls, die neben der Wohnungstür bereitliegen.
»Nicht schlecht, was?«, sagt Fischer, Monas Schweigen richtig deutend. Die Wohnung ist eine Art Loft. Es gibt keinen Flur, sondern nur einen riesigen hohen Raum mit abgeschrägten Wänden, der auf eine mindestens dreieinhalb Meter hohe Fensterfront mit angrenzender Dachterrasse zuläuft, für die der Bauherr wahrscheinlich ein ganzes Beamtenheer von der Landesbaukommission schmieren musste.
»Ist das hier das einzige Zimmer?«, fragt Mona.
»Das sieht nur so aus«, sagt Fischer grinsend. »Da hinten gehen Schlafzimmer, Küche und Bad ab.«
»Und das Opfer?«
»Im Schlafzimmer. Sieht echt schlimm aus.«
»Klar. Ist nicht meine erste Leiche.«
»Ich meine, richtig ekelhaft.« Fischer macht wieder sein beleidigtes Gesicht.
Der Mann liegt nackt auf dem Boden, Beine und Arme leicht gespreizt. Aus einer tiefen, verkrusteten Wunde am Hals ist so viel Blut ausgetreten, dass der helle Teppichboden rostrot verfärbt ist. Das Gesicht des Mannes ist bläulich grau angelaufen. Seine Augen sind geschlossen, als würde er schlafen. Ein merkwürdiges Detail, denn häufig sind die Augen toter Menschen wenigstens einen Spaltbreit geöffnet oder aber krampfhaft zugekniffen. Der Täter hat sie ihm vielleicht nachträglich zugedrückt. Das Fenster ist geschlossen, der Geruch schwer erträglich. Wahrscheinlich liegt das an der Heizung, die bis zum Anschlag aufgedreht ist und die den Verwesungsprozess schon hat einsetzen lassen.
Nein. Es ist kein Verwesungsgeruch, das wäre auch viel zu früh. Der Tote hat sich eingekotet.
Mona hat Opfer von Bandenkriegen gesehen, Penner mit eingeschlagenen Schädeln und von gewalttätigen Ehemännern verprügelte Frauen, die an ihrem eigenen Nasenbluten erstickt waren, aber das hier ist ganz anders.
Ihr normaler Alltag hat nichts mit dem hier zu tun. Das edle Ambiente. Der Tote mit dem schönen Körper. Und das viele Blut, die entgleisten Gesichtszüge: Es ist auf abstoßende Art filmreif.
Fischer bricht das Schweigen. »Erst könnte man meinen, jemand hat ihm die Kehle durchgeschnitten.«
»Aber?« Mona kann sich nicht überwinden, näher heranzugehen. Noch nicht. Das ist merkwürdig, denn normalerweise ist sie nicht zimperlich. Der Geruch kann es auch nicht sein. Fäulnisveränderte Leichen stinken weitaus schlimmer.
»Der Erkennungsdienst wollte auf dich warten, bevor sie mit der Arbeit anfangen.«
»Na immerhin! Wie aufmerksam!«
»Schau dir mal die Wundränder an«, sagt Fischer, ihre sarkastische Bemerkung ignorierend. Immerhin ist seine Stimme etwas freundlicher.
Gezwungenermaßen geht Mona nun doch zu dem Toten und beugt sich über ihn. Sie atmet so flach wie möglich durch die Zähne.
»Die Wundränder sind irgendwie ausgefranst, wenn du mich fragst«, sagt Fischer hinter ihr. Seine Stimme klingt stolz und aufgeregt. Er will gelobt werden, so viel ist klar. Ein Lob kostet nichts, und vielleicht verbessert es das Klima.
»Äh - gut«, sagt Mona deshalb. »Mir scheint, du hast Recht. Vielleicht war das Messer - nicht richtig scharf.« Ein ekelhafter Gedanke. Dann war der Tod noch qualvoller.
»Oder es war gar kein Messer.«
»Sondern?« Sie nimmt die Gelegenheit wahr, sich wieder umzudrehen.
»Eine Garrotte«, sagt Fischer. »Eine was?« Frische Luft wäre jetzt toll. »Eine Garrotte. Ein Draht mit zwei Griffen an den Enden. Geht schnell, man braucht keine Waffe, und es macht keinen Lärm.«
»So.« Langsam bewegt sie sich zur Tür.
»Genau.« Fischer folgt ihr.
Endlich sind sie wieder im Wohnzimmer. Stehen etwas dumm in dem riesigen Raum herum. Setzen kann man sich ja schlecht. »Wo hast Du das her? Das mit der Garrotte?«
»Aus der Polizeischule. Vielleicht auch irgendwo gelesen.«
»Hört sich … äh …überzeugend an.«
»Wer ist er eigentlich?«
Fischer holt seinen Notizblock aus der Hosentasche und leiert die Angaben herunter. »Konstantin Steyer, Artdirector und Mitgeschäftsführer der Werbeagentur Weber & Partner in der Giselastraße.«
»Artdirector? Was soll das denn heißen?«
»Ist angeblich so was wie Chefgrafiker. Zuständig für die Gestaltung von Anzeigen.«
»Wie alt ist er?«
»39. Geboren in Hannover. War seit siebzehn Jahren in München gemeldet. Hat hier studiert. Soweit wir wissen, liegt nichts gegen ihn vor. Hat nicht mal Punkte in Flensburg.«
»Wer hat ihn gefunden?«
»Seine Freundin. Karin Stolowski.«
»Wann?«
»Angeblich heute Nacht um drei. So wie er jetzt daliegt. Hat ihn nicht angefasst. Bekam beim Anblick der Leiche so eine Art hysterischen Zusammenbruch, raste aus der Wohnung, ist mit dem Rad in ihre eigene zurückgefahren, hat dort alles ihrer Mitbewohnerin erzählt, die sie aus dem Schlaf gerissen hatte, dann sind die beiden mit dem Freund der Mitbewohnerin noch mal hergefahren - also, um es kurz zu machen, gegen vier Uhr haben sie die Streife alarmiert. War hier bis vor zwanzig Minuten.«
»Wer?«
»Karin Stolowski, wer denn sonst? Ließ sich nicht heimschicken und hat die ganze Zeit geheult.« Er redet sehr schnell, völlig untypisch für die Leute hier.
»Warum nachts um drei? Ich meine, was wollte sie da bei ihm, und was hat sie vorher gemacht?«
»Sie hatten sich gestritten, sagt Karin Stolowski. Sie sagt, sie sei auf ihrem Rad durch die Stadt gekurvt, was trinken gegangen und dann zu ihm zurückgefahren, um sich zu versöhnen. Vielleicht war Koks oder Ecstasy im Spiel.«
»Wieso das denn? Gibt's hier Drogen in der Wohnung?«
Fischer schüttelt den Kopf, als sei das eine völlig deplatzierte Frage. »Die Spurensicherung hat nichts gefunden, aber das sagt ja nichts, oder? Diese Typen da nehmen doch alle irgendwas. Kreativitätssteigerung, ha ha.«
Er verzieht verächtlich den Mund. Mona glaubt sich zu erinnern, dass er früher bei der Drogenfahndung gearbeitet hat.
»Wann hat die Stolowski ihn verlassen?«, fragt ...

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