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Hotel Sphinx: Roman - Hardcover

Phillips, Arthur

 
9783442301027: Hotel Sphinx: Roman

Inhaltsangabe

2005 512 Seiten; Gebundene Ausgabe Goldmann Verlag (HC),

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Arthur Phillips wurde 1969 in Minneapolis geboren und studierte in Harvard. Als Kind gehörte seine Liebe der Schauspielerei, später trat er als Jazzmusiker auf, war tätig als Redenschreiber und Unternehmer. Fünfmal gewann er Amerikas beliebteste Quizsendung "Jeopardy". Mit seinem literarischen Romandebüt "Prag" gelang ihm 2002 auf Anhieb ein sensationeller Erfolg, ebenso wie 2005 mit seinem zweiten Roman "Hotel Sphinx". Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und hat Kritiker wie Leser begeistert. Nach längeren Aufenthalten in Budapest und Paris lebt Arthur Phillips heute mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in New York.

Aus dem Klappentext

"Arthur Phillips hat das Zeug zum ganz großen Schriftsteller!"
Kirkus Review

"Ein Meisterstück wunderbar klassischer Erzählkunst!"
Salon

"Phillips zeigt mit großer Verve, wie es möglich ist, Tatsachen mit Erfundenem und historische Fakten mit satirischen Elementen zu einem überschäumenden Erzählwerk zu verbinden!"
New York Times

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

31. Dez. Sonnenuntergang. Vor dem Grab Atum-hadus. Auf der Victrola 50 spielt »I'm Sitting on the Back Porch Swing (Won't You Come Sit by Me, Dear?)«.

Meine liebste Margaret, auf ewig meine Königin, deren Schönheit die Sonne bewundert,

morgen treten Dein Vater und ich die Heimreise an, zurück zu Dir. Zuerst fahren wir gen Norden mit dem luxuriösen Flußschiff nach Kairo, übernachten dort im Hotel Sphinx, dann geht's mit dem Zug nach Alexandria und von dort im Triumph auf dem italienischen Dampfer Cristoforo Colombo mit Zwischenstationen Malta und London nach New York, wo wir den ersten Zug zu Dir nach Boston nehmen. Spätestens am 20. Januar wirst Du Deinen Verlobten und Deinen Vater in die Arme schließen.
Nach meiner Rückkehr werden wir natürlich als allererstes heiraten. Sodann werde ich mit frischer Kraft eine zweite Expedition hier nach Deir el-Bahari vorbereiten, um eine photographische Bestandsaufnahme der Wandmalereien zu machen und die Grabbeigaben und Juwelen aus dem Grab zu holen. Für heute abend bleibt mir nur, den Eingang des Grabes zu versiegeln und meinen Fund genau so zu verlassen, wie ich ihn entdeckt habe. Und dann, Dir dieses Paket zu schicken. Gleich muß mein Bote da sein.
Nun steht uns nichts mehr im Wege, meine Liebste. Mein Erfolg hier, der erneute Segen Deines Vaters - alles ist nun genau so, wie ich es versprochen habe. Du wirst erleichtert sein, wenn Du hörst, daß Dein Vater und ich wieder gute Freunde sind. (Danke für Dein »Warntelegramm«, aber sein Zorn, schon in Boston völlig fehl am Platze, hätte seinen Aufenthalt hier in meiner Gesellschaft nie überdauert!) Dein Vater gratuliert mir sogar zu meiner Entdeckung (»unsere Entdeckung, Trilipush!« korrigiert er mich immer), schickt Dir viele Grüße und bittet Dich erschöpft und zerknirscht, das dumme Zeug zu vergessen, das er über mich gesagt hat. Er stand unter schrecklichem Druck, war von Neidern und Intriganten umzingelt und ist nun einfach hoch erfreut, weil ich ihm verziehen habe, daß er, wenn auch nur kurz, auf solch zerstörerische Lügen hereingefallen ist. Wir kehren nun also zu Dir zurück, so wie Du zu mir zurückkehren wirst.
Solltest Du diesen Brief allerdings tatsächlich lesen, bin ich, aus Gründen, die ich nur erahnen kann, nicht wohlbehalten nach Boston und in Deine Arme zurückgekehrt. Dann bin ich nicht auf Wolken unsterblichen Ruhms herbeigeeilt und habe Dir nicht die Kette aus weißestem Gold, die ich aus Atum-hadus Grab geholt habe, um den weißen Hals geschlungen. Und ebensowenig habe ich Dich sanft beiseite genommen und Dir unter den hohen Bogenfenstern im Empfangszimmer Deines Vaters die Tränen der Freude über meine wohlbehaltene Rückkehr abgewischt und Dich leise gebeten, mir sofort nach Erhalt ein Paket (dieses Paket!) zu geben, das Du - mit den verlockenden Briefmarken aus dem weit entfernten Ägypten, adressiert an mich unter Deiner Adresse - bald von mir erhalten wirst und nur öffnen sollst, falls ich aus unerklärlichen Gründen für längere Zeit nichts mehr von mir hören lasse.
Doch nein, alles wird so ablaufen, wie ich es gesagt habe, und Du wirst diesen Brief gar nicht lesen. Ich werde vorher ankommen, werde ihn Dir, bevor Du ihn öffnen kannst, sanft aus den Händen nehmen, und all das hier wird ungelesen bleiben, überflüssig sein, eine Vorsichtsmaßnahme, von der nur ich weiß.
Kein Aber, Margaret. Auch Du hast die Niedertracht derer erlebt, die uns scheitern sehen wollen, und man weiß nie, wann einem ein ominöses Unglück oder Schlimmeres widerfährt. Ebendeshalb nehme ich mir die Freiheit, Dir die beiliegenden Tagebücher zu schicken. Lieber Gott, mögen sie alle unversehrt ankommen.
Margaret, wenn meine Feinde ihre Krakenarme noch nicht bis ins ägyptische Postwesen ausgestreckt haben, hältst Du jetzt drei Schachteln mit chronologisch geordnetem Inhalt in Händen. Meine Aufzeichnungen beginnen mit meiner Ankunft in Kairo im Hotel Sphinx am 10. Oktober, als mir vor lauter Gedanken an Dich und unsere Verlobungsfeier noch immer der Kopf schwirrte. Nicht alle diese Eintragungen sind jedoch zur Veröffentlichung gedacht. Das Tagebuch besteht zum Großteil aus einem Brief an Dich, dem Brief, für den ich bis jetzt noch nie den richtigen Absendezeitpunkt gefunden habe. In Boston will ich alles fein säuberlich voneinander trennen. Die Aufzeichnungen in der zweiten Schachtel beginnen an der Stelle, an der ich meinen Vorrat an Hotelschreibpapier aufgebraucht und auf die Großzügigkeit meiner Kollegen in der Antikenverwaltung der Ägyptischen Regierung zurückgegriffen habe. Mehrere Dutzend Seiten sind auf dem Geschäftspapier des Generaldirektors der Behörde geschrieben. Zum Schluß habe ich dann eine sehr hübsche Indian and Colonial Rough-Kladde No 46 von Lett's vollgeschrieben, es sind die Lieblingskladden der britischen Forscher, die fern der Heimat in Hitze und Sand arbeiten und unter Einsatz von Leib und Leben die Wissenschaft vorantreiben. Keine Bange, die am Ende herausgerissenen Blätter sind weiter nichts als die Seiten dieses Briefs. Zusammen bilden diese Dokumente die Rohfassung meines unanfechtbaren Meisterwerks, Ralph M. Trilipush und die Entdeckung des Grabes von Atum-hadu.
Ich habe auch die Briefe, die Du mir geschickt hast, freundliche und unfreundliche Worte durcheinander, mit hineingepackt. Sieben Briefe, zwei Telegramme und das Telegramm, das ich Dir geschickt hatte und das mir gestern vor die Nase geknallt wurde. Außerdem die Telegramme Deines Vaters an mich.
Ich habe eben eine neue Nadel in den Tonarm eingesetzt, meine vorletzte. Ach, das Lied ist wunderschön.
Ein Junge dient mir als Postbote. Ich vertraue ihm.
Mit der Zeit, Margaret, erodieren die Dinge. Sand schleift ab, Geröll deckt zu, Papyri zerbröseln, Farben verwittern. Damit wird natürlich einerseits etwas zerstört. Aber manchmal sorgt Erosion auch für Klarheit, denn trügerische Übereinstimmungen, kleinere Fehler, verwirrende, unwesentliche Einzelheiten werden abgerieben. Wenn ich beim Verfassen meiner Notizen hier und dort in die Irre gegangen bin, zum Beispiel etwas, das ich gesehen oder mir eingebildet habe zu sehen, mißverstanden oder schlecht beschrieben habe - nun, in dem Moment selbst denkt man: Macht nichts, das redigiere ich, wenn ich zu Hause bin. Und das werde ich auch. Sollte ich aber totgeprügelt, in den Reisekoffer eines ranken, schlanken Grafen gestopft, zerhackt und dann häppchenweise in aller Ruhe über Bord und den hungrigen Haien zum Fraß vorgeworfen werden, ja, dann ist es jammerschade, daß ich mein Werk nicht redigiert habe, als es noch möglich war. Für den Fall brauche ich eine intelligente, mutige Redakteurin, die den Staub von Spekulationen bläst, damit die nackte Wahrheit zum Vorschein kommt wie Obsidian und Alabaster. Für diesen klärenden Feinschliff wirst Du sorgen.
Damit kommen wir zu der entscheidenden Aufgabe, die ich Dir anvertraue, meine Muse und eventuelle Testamentsvollstreckerin. Du bist nun die Schutzgöttin all dessen, was ich erreicht habe. Das Geschriebene ist die Geschichte meiner Entdeckung, der vernichtenden Niederlage der Zweifler und des Sieges über meine Selbstzweifel. Ich vertraue Dir nichts weniger an als meine Unsterblichkeit. Und ich verlasse mich auf Dich, denn wen habe ich sonst? Wenn mir etwas zustößt, dann bist Du - nach Öffnen des Pakets und Lesen dieser Zeilen - dafür verantwortlich, daß mein Name und der Name Atum-hadus niemals vergessen werden. Das ist das Mindeste, was Du für mich tun kannst, Margaret.
Du wirst die Publikation dieses, meines letzten Werkes überwachen. Bestehe auf einer großen Auflage bei einem renommierten Universitätsverlag. Stell Dich auf Deine hübschen Hinterbeine und verlange nicht nur Platz auf den Regalen aller wichtigen Universitätsbibliotheken, sondern auch der wichtigen Ägyptischen Museen in den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und in Kairo. Und was die Öffentlichkeit betrifft, Maggie, halt Dir die Ohren zu! Denn wenn die Neuigkeiten publik werden, wird...

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