Die Wanderschaft des Propheten Almustafa ist ein spirituelles Gleichnis für den Weg durch das Menschenleben. Die Worte des Propheten rücken so manche unlautere Lebensgewohnheit zurecht und regen Zeile für Zeile zu Selbstbesinnung und Neuanfang an. In kompakter Form geben die zwei Propheten-Bücher die Essenz von Gibrans Vision wieder.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Der Maler und Dichter Khalil Gibran wurde 1883 im libanesischen Becharré geboren. Die Jahre zwischen seinem zwölften und siebenundzwanzigsten Lebensjahr verbrachte er abwechselnd in seiner arabischen Heimat, in Europa, wo er sich u.a. in Paris dem Künstlerkreis um Rodin anschloss, und in den USA. 1910 ließ er sich endgültig in den USA nieder, wo er sich fortan in erster Linie der Erneuerung der arabischen Literatur widmete. Er starb 1931 im amerikanischen Exil.
Vorwort
Hans Christian Meiser
DER PROPHET
Die Ankunft des Schiffes
Über die Liebe
Über die Ehe
Über die Kinder
Über das Geben
Über Essen und Trinken
Über die Arbeit
Über Freude und Leid
Über die Häuser
Über die Kleider
Über Kaufen und Verkaufen
Über Schuld und Sühne
Über die Gesetze
Über die Freiheit
Über Vernunft und Leidenschaft
Über den Schmerz
Über die Selbsterkenntnis
Über das Lehren
Über die Freundschaft
Über das Reden
Über die Zeit
Über das Gute und das Böse
Über das Beten
Über das Vergnügen
Über die Schönheit
Über die Religion
Über den Tod
Der Abschied
IM GARTEN DES PROPHETEN
Vorwort
Im Jahr 1923 erschien in New York ein »merkwürdiges kleines Buch« mit philosophischen Betrachtungen, Meditationen und Gleichnissen. In biblisch-mystischer Sprache erzählen sie von den wichtigsten Fragen des menschlichen Lebens und bieten durch die Gestalt des weisen Almustafa Antworten, deren durchdringender Tiefe sich kaum ein Leser entziehen kann. Das Buch, an dem der libanesische Dichter und Maler Khalil Gibran fast ein Vierteljahrhundert lang gearbeitet hatte, trug den Titel »Der Prophet«, und es wurde in kürzester Zeit zu einem sensationellen Erfolg und zu einem Kultbuch, das bis heute nichts von seiner Aussagekraft verloren hat und eine Generation nach der anderen von neuem begeistert.
Khalil Gibran plante, diesem Werk noch zwei weitere Bände folgen zu lassen. Von diesen Werken erschien allerdings nur »Im Garten des Propheten« mit poetischen Reflexionen über die Beziehungen des Menschen zur Natur, abermals vorgetragen durch die Worte Almustafas. Das Manuskript wurde 1934 von Gibrans Schülerin und Nachlassverwalterin Barbara Young postum veröffentlicht, da der frühe Tod des Dichters im Jahre 1931 seine ursprüngliche Absicht zunichte gemacht hatte. In deutscher Sprache war »Im Garten des Propheten« erst fünfzig Jahre später erhältlich. Es ist ein Werk voller Sprach- und Gedankenkraft, das in jeder Zeile Anregung zur Selbst-, Um- und Neubesinnung gibt.
In ihrer Gibran-Biographie »Dieser Mann aus dem Libanon« erwähnt Barbara Young schließlich den dritten Band der Propheten-Bücher, dem Gibran den Titel »Die Heimkehr des Propheten« geben wollte. Dessen Niederschrift war ihm jedoch nicht mehr gegönnt.
Durch Gibrans dichterisches Schaffen zieht sich sein inniges Anliegen, die Welt des Christentums mit der des Islam verschmelzen zu lassen. Dieses Anliegen ist leichter zu verstehen, wenn man sich mit dem Leben Khalil Gibrans vertraut macht:
Am 6. Dezember des Jahres 1883 wurde er in Becharré im Quadischa-Tal des Libanon geboren. Seine Mutter Kamileh war die Tochter eines maronitischen Priesters. 1894 emigrierte die Familie, allerdings ohne den Vater, der im Libanon blieb, in die Vereinigten Staaten von Amerika, nach Boston. Politisch war der Libanon türkische Provinz, die erst ab 1861 einem maronitischen Gouverneur unterstand. 1920 erhielt Frankreich das Mandat für den nun mit Syrien vereinten Großlibanon. Nicht nur heute also ist diese Region des Nahen Ostens Schauplatz machtpolitischer Kämpfe aller Art, Spannungsgebiet schwer zu durchschauender Interessen, Arena für inner- und außerarabische Konflikte.
Gibran, der mittlerweile zum Studium seiner Muttersprache und zur Beschäftigung mit der klassischen und modernen arabischen Literatur an die »Schule der Weisheit« in den Libanon zurückgekehrt war, bereiste 1901 Griechenland, Italien und Spanien. 1904 begann er als Maler Aufmerksamkeit zu erregen, und 1905 erschien sein erstes Buch in arabischer Sprache, »Die Musik«. Drei Jahre später erreichte er Paris, wo er an der Académie Julien und der Ecole des Beaux Arts studierte. Begegnungen mit Auguste Rodin, Claude Debussy und Maurice Maeterlinck wie die Beeinflussung durch das Werk William Blakes und Friedrich Nietzsches »Also sprach Zarathustra« ließen ihn allmählich zu einer ganz und gar europäisch geprägten Gestalt werden, die allerdings ihre arabische Herkunft nie verleugnete.
1910 plante Gibran zusammen mit einem Freund ein Opernhaus für Beirut, dessen Kennzeichen zwei Kuppeln sein sollten – Symbol der Versöhnung zwischen Islam und Christentum, jener beiden Weltreligionen, die im Libanon neben-, aber nicht miteinander existierten und existieren. 1912 zog Gibran, der inzwischen nach Boston zurückgekehrt war, nach New York, wo 1918 sein erstes Buch in englischer Sprache, »Der Narr«, erschien. 1920 wurde er Gründungspräsident der literarischen Vereinigung »Arrabitah«, welche sich hauptsächlich arabischer Exilschriftsteller annahm. Gibran veröffentlichte zudem die Werke »Die Stürme«, »Der Vorbote« (1920), »Sand und Schaum« (1926), »Jesus Menschensohn« (1928) sowie »Die Götter der Erde« (1931).
Am 10. April 1931 starb Gibran in New York und wurde am 21. August in seiner Geburtsstadt Becharré in der Kapelle des Klosters Mar Sarkis, seinem Wunsche gemäß, beigesetzt. In der Nähe des Klosters wurde mit Unterstützung der libanesischen Regierung ein Gibran-Museum eingerichtet. 39 Jahre später fand in Beirut das erste internationale Gibran-Festival statt, und im Jahr 2001 verlieh die jordanische Königin Nur in Washington den Khalil-Gibran-Preis an den britischen Musiker Sting für dessen Umwelt-Engagement und seinen Einsatz für die Völkerverständigung.
Gibran menschlich wie literarisch einzuschätzen, ist ein schwieriges Unterfangen. »Man hat ihn den großen Mystiker, den Philosophen, den religiösen Menschen, den Ketzer, den Gelassenen, den Aufrührer, den Zeitlosen genannt«, schreibt Joseph Sheban, ein Biograf Gibrans. Gesichert ist jedenfalls, dass sein Versuch, Christentum und Islam zu vereinigen, zumindest literarisch gelang. Daher rühren auch die inhaltlichen und sprachlichen Anklänge an die Bibel in seinen Propheten-Büchern.
Archaische Bildhaftigkeit und biblische Metaphorik, islamische Mystik und europäische Philosophie finden sich in den von Gibran stets neu erörterten »fünf letzten Fragen«, den Fragen nach Leben, Tod, Liebe, Erde und Gott. Es geht ihm um das alte, sokratische »Erkenne dich selbst«. Und – wie Hegel – zeigt er anhand der Dialektik von Knospe, Blüte und Frucht, dass in der Verschiedenheit nicht nur die Einheit und der Widerspruch geborgen sind, sondern vor allem die fortschreitende Entwicklung zur sichtbaren Wahrheit und deren Vollendung. Das Ganze, also die Einheit von Knospe, Blüte und Frucht, zu sehen ist das Vermögen der Vernunft, und Freiheit besteht in der von der Vernunft geleiteten Bewegung auf das Ganze hin. »Wir sind Gott in der Gestalt des Blattes, der Blüte und der Frucht«, heißt es im »Garten des Propheten«.
Einheit wird gesehen als Innesein des Lebens im Tode beziehungsweise des Todes im Leben; die Frucht als Vollendung ist das eigentliche Wesen, der Kern, um den herum die Wirklichkeit sich legt. Sind Blüte und Frucht im Kern schon angelegt, so wird der Same der Blüte wieder einen neuen Kern ergeben. Daher verweist der Tod als Frucht darauf, dass er selbst fruchtbar ist und dass er die Möglichkeit, überhaupt fruchtbar zu sein, aus dem Leben selbst empfängt, wie das Leben seine eigene weitere Fruchtbarkeit aus dem Ab-Leben erhält.
Die Propheten-Bücher schließen daher mit dem Gedanken der Wiedergeburt. Diese rhythmische, spiralförmige Wiederholung des sich selbst reproduzierenden Lebens ist nicht nur durch die Reflexionsgabe des menschlichen Bewusstseins einsehbar, sondern auch durch die empirische Betrachtung der Natur wie des Lebens selbst, die freilich wiederum zum Gegenstand der bewussten Reflexion wird – wie an Gibrans Wort abzulesen ist. Der Tod nimmt nicht, er setzt frei, und das Leben gibt, indem es sich im Tode selbst entäußert. In der Einheit leben beide über die Endlichkeit hinweg. Dass die Seele des Menschen daher göttlichen Ursprungs ist, bedarf keiner weiteren Erörterung.
Khalil...
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