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Straße der Pfirsichblüten

Anne Rivers-Siddons

 
9783442097548: Straße der Pfirsichblüten

Inhaltsangabe

1111 Broschur / Taschenbuch

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Anne Rivers Siddons, vielgereist und lebensklug, gilt als eine der ganz großen Erzählerinnen des amerikanischen Südens. Seit 'Straße der Pfirsichblüten' gehört sie auch in Deutschland zu den beliebtesten Autorinnen großer Frauenunterhaltung.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Der Süden hat Lucy Bondurant Chastain Venable am Tag ihrer Geburt umgebracht. Nur fand sie erst jetzt den Tod. Es war ein Mord, wie er im Buche steht, klassisch im Entwurf, tadellos in der Durchführung; in seiner Art ein echtes Kunstwerk. Kein Wunder auch. Das können wir ja am besten, unsere Frauen umbringen. Oder zu Krüppeln machen. Oder, was vielleicht das Schlimmste ist, zu Ungeheuern.

Das ging mir am Nachmittag auf dem Friedhof Oakland durch den Kopf, als ich im fahlgelben Herbstsonnenlicht Georgias vor Lucys Grab in der Parzelle der Bondurants stand. Das und etliches andere, da hier und heute der angemessene Ort war zum Nachdenken: eine stille Beerdigung auf einem alten Friedhof, wo all unsere Angehörigen, Freunde und Bekannten begraben wurden und werden. Unter anderem dachte ich darüber nach, wie zufrieden und ruhig ich mich hier immer fühle, wie angenehm leer. Oakland ist mir von jeher lieb gewesen. Hier haben Lucy und ich schon als Kinder vor über vierzig Jahren miteinander gespielt.

Nicht, daß ich zum Makabren neigte, auch wenn manche aus unserer Clique da anderer Meinung wären. Denn für uns heißt »makaber« soviel wie »komisch«, und unter den hier Versammelten, mich selbst nicht ausgenommen, gab es keinen, der Lucys Cousin Shep Bondurant nicht »komisch« fand. Aber meine Absonderlichkeit besteht nicht in einer Vorliebe fürs Makabre. Eher im Gegenteil, finde ich. Ich bin im allgemeinen recht heiter und optimistisch, obwohl ich keinen Fuß mehr vor die Tür setze, oder kaum noch. Wenn ich einen Hang zum Makabren hätte, wäre ich jetzt vermutlich tot.

Nein, Oakland ist für mich kein Ort der Schatten und des Stillstands. Nicht einmal des Todes. Dort herrscht, natürlich still und heimlich, ein geschäftiges Leben und Treiben, das, wie Überall, wo Gleichgesinnte auf engem Raum in harmonischer Zweckgemeinschaft ...

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