Jurist, jüngster Gouverneur, neuer Kennedy, politisches Naturtalent, charismatischer Visionär - der 42. Präsident der Vereinigten Staaten ist einer der facettenreichsten und interessantesten Männer der Welt. Acht Jahre lang prägte er nicht nur die Innenpolitik eines damals vielleicht besseren Amerika, sondern dominierte auch die internationale Bühne. Ein Vollblutdemokrat, der die Massen bewegt und polarisiert hat.
In seinen Erinnerungen gewährt er erstmals tiefe Einblicke in sein privates und politisches Leben. Die vielen Gesichter dieses großen Politikers fügen sich in diesem Buch zu einem faszinierenden Gesamtbild.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
William Jefferson Clinton, geboren 1946 in Hope, Arkansas, wurde mit nur 32 Jahren zum ersten Mal Gouverneur seines Heimatstaates (1979-1981) ein Amt, das er von 1983 bis 1992 erneut innehatte. Von 1993 bis 2001 regierte er als 42. Präsident der Vereinigten Staaten im Weißen Haus. Der Träger des Aachener Karlspreises ist verheiratet mit Hillary Rodham Clinton, der im Jahr 2000 als Repräsentantin des Staates New York der Sprung in den Senat gelang.
Am frühen Morgen des 19. August 1946 kam ich nach einem heftigen Sommergewitter im Julia Chester Hospital in Hope zur Welt. Hope ist ein Ort mit etwa 6000 Einwohnern im Südwesten von Arkansas, 33 Meilen östlich der texanischen Grenze. Meine Mutter nannte mich William Jefferson Blythe III, nach meinem verstorbenen Vater. William Jefferson Blythe Jr. war eines von neun Kindern eines armen Farmers im texanischen Sherman gewesen, der starb, als mein Vater 17 Jahre alt war. Seine Schwestern erzählten mir später, mein Vater habe immer versucht, sie zu beschützen und sei zu einem fleißigen und lebenslustigen Mann herangewachsen. Im Jahr 1943 lernte der gut aussehende William im Tri-State Hospital in Shreveport (Louisiana) Virginia Kelley kennen, die dort zur Krankenschwester ausgebildet wurde. Am Tag ihrer ersten Begegnung hatte er die Frau, mit der er damals liiert war, in die Notaufnahme gebracht. Die beiden kamen ins Gespräch und flirteten miteinander, während die andere Frau behandelt wurde. Beim Abschied berührte William den Finger, an dem Virginia den Ring ihres Freundes trug, und fragte sie, ob sie verheiratet sei. Ein gestammeltes "Nein" war alles, was sie herausbrachte. Am folgenden Tag schickte William der anderen Frau Blumen in die Klinik und rief Virginia an, um sich mit ihr zu verabreden - er würde immer Blumen schicken, wenn er eine Beziehung beende.
Zwei Monate später heirateten sie, und unmittelbar darauf zog mein Vater in den Krieg. Während der Invasion Italiens war er der Fahrbereitschaft zugeteilt und reparierte Jeeps und Panzer. Nach Kriegsende kehrte er nach Hope zurück, holte meine Mutter und zog mit ihr nach Chicago, wo er seine frühere Stelle als Vertreter der Manbee Equipment Company wieder annahm. Die beiden kauften ein Haus im Vorort Forest Park, das jedoch erst einige Monate später bezugsfertig wurde. Bis dahin sollte meine Mutter, die mit mir schwanger war, zu ihren Eltern zurückkehren.ENDlich war es soweit: Die Möbel waren ins neue Haus gebracht worden und mein Vater machte sich am 17. Mai 1946 mit dem Auto auf den Weg nach Hope, um seine Frau abzuholen. Auf dem Highway 60, unweit von Sikeston in Missouri, platzte plötzlich ein Vorderreifen und mein Vater verlor auf der nassen Fahrbahn die Kontrolle über seinen Wagen. Er wurde aus dem 1942er Buick geschleudert und landete in einem Entwässerungsgraben. Als man ihn zwei Stunden später fand, ragte seine Hand über die Wasserlinie, einen Ast fest umklammert. Er hatte vergeblich versucht, sich aus dem Graben zu ziehen. Mein Vater starb im Alter von nur 28 Jahren. Seine Ehe dauerte zwei Jahre und acht Monate, davon hatte er nur sieben Monate mit meiner Mutter verbringen können. Viel mehr weiß ich nicht über meinen Vater.
Ich habe mir ein Leben lang gewünscht, ich könnte die vielen großen Lücken füllen. Ich klammerte mich an jedes Foto, jede Erzählung und jedes Stück Papier, um mehr über den Mann zu erfahren, der mich gezeugt hatte. Eines Tages, ich muss etwa zwölf Jahre alt gewesen sein, saß ich auf der Veranda meines Onkels Buddy in Hope, als ein Mann die Treppe heraufkam, mich ansah und sagte: "Du bist der Sohn von Bill Blythe. Du bist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten." Ich war tagelang außer mir vor Freude. Noch heute bin ich überglücklich, wenn es mir gelingt, wieder ein Puzzlestückchen zu finden, das eine dieser Lücken schließt.
Es war 1974 - ich bewarb mich um einen Sitz im Kongress und erlebte meinen ersten Wahlkampf -, als in der Lokalzeitung ein Artikel über meine Mutter erschien. Sie unterhielt sich an jenem Morgen in ihrem Lieblingscafé gerade mit einem befreundeten Rechtsanwalt über den Zeitungsbericht, als einer der Stammgäste, den sie nur flüchtig kannte, an ihren Tisch kam und sagte: "Ich war dort. Ich war in jener Nacht als Erster beim Unfallwagen." Er erzählte, dass mein Vater gekämpft hatte, offensichtlich noch eine Weile bei Bewusstsein gewesen war, den Kampf aber verloren hatte, bevor er die Unfallstelle erreicht hatte. Mutter bedankte sich, verließ das Lokal, stieg in ihren Wagen und begann zu weinen. Dann wischte sie sich die Tränen ab und fuhr zur Arbeit.
19 Jahre später erschien an meinem ersten Vatertag als Präsident in der Washington Post eine ausführliche Reportage über meinen Vater. In den folgenden zwei Monaten veröffentlichten die Presseagentur Associated Press und zahlreiche kleinere Zeitungen die Ergebnisse eigener Recherchen. Diese Artikel bestätigten Dinge, die meine Mutter und ich bereits wussten, enthielten aber auch zahlreiche Daten und Fakten, die wir bis dahin nicht gekannt hatten. Unter anderem stellte sich damals heraus, dass mein Vater wahrscheinlich schon dreimal verheiratet gewesen war, bevor er meine Mutter kennen lernte. Und anscheinend hatte er noch zwei weitere Kinder in die Welt gesetzt. Den anderen Sohn meines Vaters identifizierte die Presse als Leon Ritzenthaler, ein pensionierter Inhaber einer Reinigungsfirma aus Nordkalifornien. In einem Zeitungsartikel hieß es, dass er sich während des Präsidentschaftswahlkampfs des Jahres 1992 in einem Brief an mich gewandt, jedoch nie eine Antwort erhalten habe. Ich kann mich nicht an dieses Schreiben erinnern, aber in Anbetracht all der Angriffe, die wir damals abzuwehren hatten, ist es durchaus möglich, dass meine Mitarbeiter diese Angelegenheit von mir fern hielten. Vielleicht ging der Brief auch einfach in den Bergen von Post verloren, die jeden Tag bei uns eingingen. Wie dem auch sei, als ich in der Zeitung über Leon Ritzenthaler las, nahm ich Kontakt zu ihm auf. Bei einer Reise in den Norden Kaliforniens traf ich ihn und seine Frau Judy schließlich. Seitdem schreiben wir uns regelmäßig. Leon und ich sehen uns tatsächlich ähnlich, und aus seiner Geburtsurkunde geht eindeutig hervor, dass er denselben Vater hat wie ich. Es ist sehr schade, dass wir uns nicht schon früher kennen gelernt haben.
Etwa zur selben Zeit erhielt ich auch Informationen, die die Zeitungsberichte über eine Halbschwester bestätigten. Sharon Pettijohn, geborene Lee Blythe, war im Jahr 1941 in Kansas City von einer Frau zur Welt gebracht worden, von der sich mein Vater kurz darauf scheiden ließ. Sie schickte Betsey Wright, meiner ehemaligen Stabschefin im Gouverneursamt, Kopien ihrer Geburtsurkunde, der Heiratsurkunde ihrer Eltern, eines Fotos von meinem Vater und eines Briefes. In diesem Brief an ihre Mutter hatte er sich nach "unserem Baby" erkundigt. Leider hatte ich bislang nie Gelegenheit, Sharon persönlich zu begegnen.
Diese Neuigkeiten trafen meine Mutter, die damals schon seit einiger Zeit gegen den Krebs kämpfte, völlig unvorbereitet. Doch sie nahm diesen Schlag mit großer Würde hin und erklärte, zur Zeit der Großen Depression und im Krieg hätten viele junge Menschen Dinge getan, die in anderen Zeiten Anstoß erregt hätten. Wichtig sei für sie nur, dass mein Vater die Liebe ihres Lebens gewesen war und dass sie keinen Zweifel an seinen Gefühlen für sie hege. Was mich anbelangte, so war ich nicht sicher, welchen Reim ich mir auf diese Geschichten machen sollte. In Anbetracht meines eigenen Lebens hätte es mich im Grunde genommen aber kaum überraschen dürfen, dass mein Vater vielschichtiger war als jene Idealvorstellung, die ich mir ein halbes Jahrhundert von ihm gemacht hatte.
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