Schalom meine Liebe: Roman (dtv Unterhaltung)

Seligmann, Rafael

 
9783423201735: Schalom meine Liebe: Roman (dtv Unterhaltung)

Inhaltsangabe

dtv 20173, Orig.-Ausgabe, 1998 271 Seiten, 8°, blau illustrierte OBrosch mit Rückentitel München : Dt. Taschenbuch-Verlag, Signiert

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Rafael Seligmann wurde 1948 in Israel geboren, 1957 kehrten seine Eltern mit ihm in ihre Heimat Deutschland zurück. Der promovierte Politologe, Dozent und Chefredakteur lebt seit 1989 als freier Publizist in München. 1989 erschien "Rubinsteins Versteigerung", der erste deutsch-jüdische Gegenwartsroman, der Ablehnung wie Begeisterung hervorrief. Dies gilt auch für die beiden nachfolgenden Romane "Die jiddische Mamme" und "Der Musterjude" (1997). 1995 - 1997 schrieb Seligmann das Drehbuch zum Film "Schalom Deutschland".

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Sie hörte den Schlüssel in der Wohnungstür. Ron trat ins Zimmer. Er überreichte Ingrid einen Strauß Rosen, den er im Bahnhof besorgt hatte. Sie wollte etwas sagen, doch Ron hielt ihr mit seiner kalten Hand sanft den Mund zu. Langsam löste er seinen Griff - um sogleich ihre Lippen mit einem Kuß erneut zu versiegeln. Ingrid wollte sich losmachen, dem Burschen gehörig die Leviten lesen. Doch sie spürte, wie Ron sich an sie klammerte. Er brauchte sie. Ingrid strich über seine widerspenstigen Haare, fuhr über seine fledermausartig abstehenden Ohren ujnd drückte den Unruhigen an sich.

Ingrid merkte, wie Rons Anspannung nachließ. Sie genoß seinen Kuß, seine Zärtlichkeiten. Ron wurde sicherer. Er spielte mit ihren Brüsten. Ingrid spürte wie ihr Leib heiß und feucht wurde. Rons Zunge tanzte in ihrem Mund. Er bog ihren Kopf zurück. Mit einem Ruck machte sich Ingrid los

»Erst läßt du mich kochen, dann hängen.«

Rons Gesicht war gerötet, die Frisur zerzaust. Doch plötzlich blitzte der Schalk in seinen Augen auf. Er blickte mit gespielt vorwurfsvoller Mine an sich herunter. »Genau wie du!«

Ingrid lacht auf. Sie bemühte sich, wieder eine ernste Mine aufzusetzen. Sie durfte Ron nicht alles durchgehen lassen: »Wo bist du bis jetzt rumgehangen?«

»Arbeit! Nichts als Arbeit!«.

»Jobs du seit neuestem als Diskjockey?«

Ron schüttelte grinsend den Kopf. »Nein, nein ich mußte meine Mischpoche kurz zu einer Hochzeit begleiten...«

»Warum hast Du mich nicht mitgenommen?«

»Weil ich so schnell wie möglich wieder verschwinden wollte.«

Ingrid ahnte, daß Ron ihr etwas verschwieg, deshalb beharrte sie auf ihrer Frage. »Warum?«

»Was willst du hören?«

»Die Wahrheit!«

»Es war eine jüdische Hochzeit...«

»Und da habe ich als Schickse nichts zu suchen?!«

Das Schimpfwort brachte Ron erneut in Harnisch! »Scheiße! Unsinn! Natürlich hättest du mitkommen können!«

»Ohne davon zu wissen.«

»Meine Mutter ist Schuld!«

»Nein, du!«

Ron ließ sich von Ingrids Einwurf nicht beirren. Er lief schreiend auf und ab. »Edith war Christin! Sie selbst ist zum Judentum übergetreten. Jetzt führt sie sich als Oberjüdin auf! Als Großinquisitatorin! Ich hab die Schnauze voll davon!«

»Warum hast du mich dann nicht mitgenommen!«

»Weil ich ein Feigling bin.«

Rons augenblickliche Ehrlichkeit ließ Ingrids Zorn verfliegen. Zärtlichkeit für den Geliebten erfüllte sie. Sie umarmte Ron.

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