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Der Nachfolger: Roman - - Hardcover

Rosenboom, Thomas

 
9783421057891: Der Nachfolger: Roman -

Inhaltsangabe

Zwei Männer, zwei Gegner

Die Niederlande, 1912: Werfteigentümer Berend Bepol will sich zur Ruhe setzen. In seinem Schwiegersohn Niesten glaubt er den perfekten Nachfolger für die Betriebsleitung gefunden zu haben, doch plötzlich dreht sich der Wind und die beiden werden zu erbitterten Rivalen. – Ein opulent ausgestalteter Zeit- und Gesellschaftsroman von einem der bedeutendsten niederländischen Autoren der Gegenwart.

Berend Bepols Werft ist in Schwierigkeiten. Doch als es seinem Schwiegersohn und Nachfolger Niesten gelingt, den dringend benötigten Großauftrag an Land zu ziehen, missgönnt er ihm diesen Erfolg – blind vor Neid und wie besessen setzt Bepol alles daran, den Rivalen zum Scheitern zu bringen. Er verweigert ihm den Schiffsbauplatz auf der Werft. Aber Niesten lässt nicht von seinen Plänen ab und baut das Ungetüm auf der benachbarten Weide. Als sich die Dorföffentlichkeit zum Stapellauf versammelt, kommt es zur Katastrophe …

Ein bildkräftiger Gesellschaftsroman, in dem uns Thomas Rosenboom mit dem ihm eigenen »großen epischen Atem« (FAZ) und mit fast schon erschreckender Unerbittlichkeit den Untergang zweier tragischer Gestalten in einer Epoche des Umschwungs vorführt.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Thomas Rosenboom, geboren 1956, ist einer der bedeutendsten Autoren der Niederlande. Er wurde schon vielfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet. Den Librispreis, die wichtigste literarische Auszeichnung der Niederlande, erhielt er als einziger Autor sogar zweimal: für „Das Liebeswerk“ und „Neue Zeiten“ (2004 bei DVA).

Aus dem Klappentext

»Ein Buch der Krise, das ganz in unsere Gegenwart passt... Thomas Rosenboom, einer der prominenten und gefeierten Autoren aus den Niederlanden, hat einen Wirtschaftsroman geschrieben, der am Beispiel von Figuren, die den Anforderungen nicht gewachsen sind, erzählt, was es bedeutet, unterzugehen... So machte es Balzac, so ging Thomas Mann vor... alle arbeiten sie an einem großflächigen Portrait einer Zeit... Dieses Buch brauchen wir!«
Salzburger Nachrichten

»Mit "Der Nachfolger" hat Thomas Rosenboom erneut einen Roman vorgelegt, der sich in einem Zug lesen lässt, der voller Spannung ist, und der sowohl ein großes Zeitpanorama bietet als auch von überzeitlichen menschlichen Konflikten erzählt. Ein bildkräftiger Gesellschaftsroman, in dem der Autor den Untergang zweier tragischer Gestalten in einer Epoche des Umschwungs vorführt.«
Nordsee-Zeitung

»Dieses Buch brauchen wir!«
Salzburger Nachrichten

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Das erste Dampfschiff, das Groningen mit einem Besuch beehrte, war der englische Hochseeschlepper Selsey Bill; er lief bei Delfzijl ein, dampfte durch das schmale Damsterdiep weiter zur Stadt und wurde dort von einer jauchzenden Menschenmenge empfangen. Nach neun Tagen Jubelfeiern wurden die Kessel wieder unter Dampf gesetzt, doch stellte sich heraus, dass nirgendwo genug Platz zum Wenden war. So triumphal der Einzug gewesen war, so schmählich wurde der Abzug: Rücklings wurde er von drei Groninger Ackergäulen nach Delfzijl zurückgeschleppt, wieder durch das ganze Damsterdiep, siebzehn Seemeilen Ostnordost, ein Seeschlepper mitten durch die Wiesen. Nicht nur bei der Besatzung, auch bei den Groningern muss die Scham groß gewesen sein; kurz darauf wurde entschieden, dass es mit dem Damsterdiep so nicht weiterginge, dass man eine neue Verbindung zum Seehafen Delfzijl brauche.

Es war ein stiller Kanal geworden, das Damsterdiep; wenige Kilometer südlich führte nun ein anderer Kanal von der Stadt zum Meer, ein besserer Kanal, der Emskanal - diese Verbindung hatte Groningen zum Seehafen gemacht, und alles, was noch am Damsterdiep lag, wirkte zurückgeblieben, die Dörfer, die Betriebe und am Ende auch das Diep.
Einer dieser Betriebe war die Schiffswerft Bepol, eines der Dörfer der Weiler Wirdum, auf halbem Wege nach Delfzijl nur Appingedam lag dazwischen, mit seiner Kirche, dem Rathaus und dem Hotel, noch ein paar Kilometer weiter.
Wirdum bestand aus nur einem Gebäude, mit nur einem Stockwerk, dem Werfthaus, weiter war es nichts als ein unansehnlicher, bebauter Streifen am parallel dazu verlaufenden Wasser, Auslassungspunkte neben der langen, leeren Zeile des Diep, dieses unendlichen Leerraums zwischen Stadt und See, kein sinnvoller Satz mehr, kein Wort, nicht einmal ein Buchstabe - aber wie kraftvoll und beredt stieg dort doch die Werft mit ihrem hohen Haus aus all der Sprachlosigkeit empor, das so, in der blumigen Sprache Direktor Berend Bepols, quer zu Weg und Wasser, doch noch ein H bildete, und durch die Wucht, mit der die Platten in Form geschlagen, die Löcher gestanzt, die Bolzen vernietet, der Stahl gezogen wurde, war jeder Schlag ein Ausrufezeichen.
Dieser eiserne Hammerschlag war der Ton, der 1912 über jeder Groninger Schiffswerft hing. Gebaut wurde im Freien und nirgendwo mehr mit Holz, nur noch mit Eisen, für die Küstenfahrt zum Sund und zum Belt, von Riga bis Marokko, immer größer, auf immer größeren Werften: Die Schiffe mussten nicht mehr durch die schmale Binnenschleuse von Delfzijl ins offene Wasser geschleppt werden, nun konnten sie gleich in die Außenschleuse - über den Emskanal, auch vom alten 't Hoogezand her, das wegen seines guten Anschlusses an das neue Zentrum des Schiffbaus Sitz der altehrwürdigen Schiffbauvereinigung 't Hoogezand geworden war, die allmonatlich im Hotel Martenshoek tagte. Um noch größer bauen zu können, hatten sich dort Dutzende von Werften angesiedelt, aber auch am noch günstiger gelegenen Emskanal, ganz am Ende bei Delfzijl, knapp vor der Außenschleuse, war neue Betriebsamkeit entstanden, dort hatte zum Beispiel der bekannte Terneis aus Westerbroek seine Werft gegründet, und auch vom Damsterdiep waren welche gekommen - ja wahrhaftig, Berend Bepol war dort wirklich zurückgeblieben, mit seiner Frau Agaat und der siebzehnjährigen Tochter Ilse, nur was machte das schon, solange er Mitglied der Schiffbauvereinigung 't Hoogezand war, seine Werft florierte und auch er selbst, seit er sie vor zwölf Jahren geerbt hatte, stets mehr blühte und gedieh?
Während sein Vater in seiner Erinnerung ein Werftleiter war, der noch mit anpackte, immer in Holzschuhen, mit einem Maßband um den Hals und einem Hammer in der Hand, präsentierte er sich von Anfang an als Direktor: Er ließ den Queranbau der Küche parallel zum Kanal um einen neuen Raum verlängern, wodurch das Haus einen tiefen Seitenflügel bekam, in dem er ein Büro einrichtete, mit einer Schreibmaschine und einem Porträt seines Vaters, des Gründers, an der Wand, und fortan wurde die Leitung nicht mehr vom Spantenboden ausgeübt, sondern vom Büro, das eine eigene Tür ins Freie hatte wie eine Küche, wie die angrenzende Küche. Dort saß er mit seinen Verträgen und dem Schifffahrtsrecht, während die Hochkonjunktur den Rest erledigte - und so neigte er, mangels Problemen, immer mehr zum Philosophieren, mit einem unbändigen Hang zur bildhaften Sprache; er stieg auch immer öfter die Treppe hinauf, um vom hohen Schlafzimmerfenster aus gen Osten Ausschau über die Werft zu halten, die ihm dann wie ein wimmelnder Spielplatz zu Füßen lag, eingeklemmt zwischen der Pflasterstraße links nach Delfzijl und dem gleichlaufenden Kanal rechts, und ringsherum schirmten der geteerte Schuppen und die Schmiede das Gelände von der Straße ab; das Haus schützte es vor dem Westwind; rechts bildete zuerst der Seitenflügel, dahinter die Reparaturhelling und dann die Neubauhelling die Grenze zum Kanal, während gegenüber ein verwilderter Weidenhag das Anwesen eingrenzte - hinter dieser Hecke lagen Agaats Gemüsegarten und die Rasenbleiche, und noch weiter hinten, schon außerhalb des Grundstücks und durch noch mehr Weidenbestand dem Blick entzogen, das Wiesenstück, das Bepol für das Pferd gepachtet hatte. Jenseits des Kanals standen ebenfalls Weiden, aber einzelne, Kopfweiden, gedrungen und einsam wie Männer.
Doch bevor er einen Blick nach draußen warf, grüßte Bepol aus reiner Freundlichkeit immer zuerst kurz sein volles, von Wohlstand und Zufriedenheit geprägtes Gesicht im Spiegel über der Ablage - er war schon seit Jahren zufrieden, seine Zufriedenheit war allmählich von einer Stimmung zur Charaktereigenschaft gestockt, zum Ausdruck und Prinzip: Er glaubte an die Zufriedenheit, wie er auch an die Zukunft glaubte -, erst danach ging er weiter zum Fenster, stemmte sich gegen den ewigen Lärm von draußen, diese Wolke aus Hammerschlägen, die ständig über der Werft hing, diesen Hagelschauer von Schlägen, der sich mit dem Ton eines Maschinengewehrs von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf dem Gelände entlud, dieses beständige, unregelmäßige Trommelfeuer der Vorschlaghämmer, Polierhämmer, Setzhämmer und Niethämmer auf Eisen, manchmal etwas leiser, dann plötzlich wieder wild anschwellend, als sichte einer den Feind - überall war ein so ungeheuer durchdringender Lärm, dass es nicht einmal lauter wurde, wenn Bepol den Vorhang beiseiteschob und das Fenster öffnete.

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