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Abschied von Sidonie: Ausgezeichnet mit dem Evangelischen Buchpreis, Kategorie Roman, 1991. Erzählung (detebe)

Hackl, Erich

 
9783257224283: Abschied von Sidonie: Ausgezeichnet mit dem Evangelischen Buchpreis, Kategorie Roman, 1991. Erzählung (detebe)

Inhaltsangabe

Am achtzehnten August 1933 entdeckte der Pförtner des Krankenhauses von Steyr ein schlafendes Kind. Neben dem Säugling, der in Lumpen gewickelt war, lag ein Stück Papier, auf dem mit ungelenker Schrift geschrieben stand: »Ich heiße Sidonie Adlersburg und bin geboren auf der Straße nach Altheim. Bitte um Eltern.«

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Erich Hackl, geboren 1954 in Steyr, hat Germanistik und Hispanistik studiert und einige Jahre lang als Lehrer und Lektor gearbeitet. Seit langem lebt er als freier Schriftsteller in Wien und Madrid. Seinen Erzählungen, die in 24 Sprachen übersetzt wurden, liegen authentische Fälle zugrunde. ›Auroras Anlaß‹ und ›Abschied von Sidonie‹ sind Schullektüre. 2018 erschien die vielbeachtete Erzählung ›Am Seil. Eine Heldengeschichte‹. Hackl wurde unter anderem 2017 mit dem Menschenrechtspreis des Landes Oberösterreich ausgezeichnet.

Von der hinteren Coverseite

Erich Hackl ist – wie schon mit seiner aufsehenerregenden Erzählung ›Auroras Anlaß‹ – einem unerhörten, jahrzehntelang verschwiegenen Fall nachgegangen; in einer knappen, präzisen Sprache erzählt Hackl das bewegende Schicksal Sidonies, ihr kurzes Glück bei den Pflegeeltern und deren verzweifelte Bemühungen, das Kind vor dem ihm zugedachten Ende zu bewahren. ›Abschied von Sidonie‹ ist nicht nur eine Chronik der Gewalt, von ›Trägheit des Herzens‹ und Bestialität des Anstands, sondern auch eine Liebeserklärung an Menschen, die in großen wie in kleinen Zeiten Mitgefühl und Selbstachtung vor falsch verstandene Pflichterfüllung gestellt haben. Zugleich gibt das Buch einen tiefen Einblick in den Zustand eines Landes und seiner Bewohner, zeigt, was möglich war und was wirklich wurde, und was davon geblieben ist.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Am achtzehnten August 1933 entdeckte der Pförtner des Krankenhauses von Steyr ein schlafendes Kind. Neben dem Säugling, der in Lumpen gewickelt war, lag ein Stück Papier, auf dem mit ungelenker Schrift geschrieben stand: »Ich heiße Sidonie Adlersburg und bin geboren auf der Straße nach Altheim. Bitte um Eltern.«

Der Mann, ein gewisser Mayerhofer, grau, schlank, 63 Jahre alt, hatte im Zimmer hinter der Portiersloge, das ihm als Dienstwohnung zugewiesen war, geschlafen, ehe er, kurz nach Mitternacht, hochschreckte. Ihm war gewesen, als habe er die Türglocke schellen gehört. Sicher war er sich nicht; schon mehrmals in letzter Zeit hatte ein schrilles Läuten seine Träume zerrissen, war er aufgesprungen und zum Portal gelaufen, hatte aber erkennen müssen, daß ihm sein überreiztes Gehör einen Streich gespielt hatte. Deshalb blieb er jetzt noch halb aufgerichtet auf seiner Pritsche sitzen und horchte in die Dunkelheit. Es blieb still. Trotzdem entschloß er sich endlich, Nachschau zu halten. Mayerhofer stieß die Decke von sich, schwang seine Beine über den Bettrand und tappte im Finstern nach den Schuhen. Etwas vornübergebeugt, den eckigen Kopf zwischen die Schultern gestemmt, so schlurfte er in den Flur, wo das Nachtlicht ... .

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