Lord Jim: Roman. Mit e. Nachw. v. Otto A. Böhmer (detebe) - Softcover

Conrad, Joseph

 
9783257201284: Lord Jim: Roman. Mit e. Nachw. v. Otto A. Böhmer (detebe)

Inhaltsangabe

Die Geschichte eines jungen englischen Schiffsoffiziers, eines sensiblen und phantasiebegabten Menschen, der von Jugend an im Traum lebt, für eine bestimmte Aufgabe bestimmt zu sein, und im Augenblick der Bewährung versagt. Lord Jim träumt vom Heldentum. Seine Geschichte ist jedoch die einer ewigen Flucht, und beinahe scheint es, als sei die Welt »nicht groß genug für ihn«.

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Über die Autorin bzw. den Autor

Joseph Conrad, 1857 in Berditschew (Ukraine) geboren, war Sohn polnischer Landadliger. Er fuhr schon mit siebzehn Jahren für französische und englische Handelsgesellschaften zur See und erwarb zwölf Jahre später das Kapitänspatent. Für seine Romane wählte er die englische Sprache, die er in allen Finessen erlernt hatte, die er allerdings – zum Erstaunen und zur Erheiterung seiner Verehrer – mit fürchterlichem Akzent gesprochen haben soll. Conrad starb 1924 in Bishopsbourne (England).

Von der hinteren Coverseite

›Lord Jim‹, Conrads bekanntester Roman, erzählt die Geschichte eines jungen englischen Schiffsoffiziers, eines sensiblen und phantasiebegabten Menschen, der von Jugend an im Traum lebt, für eine besondere Aufgabe bestimmt zu sein, und im Augenblick der Bewährung versagt. Der Alptraum seiner Verfehlung treibt Jim immer weiter nach Osten, und beinahe scheint es, als sei die Welt »nicht groß genug für ihn«.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

"Es ist gewiß, daß eine Meinung sehr viel gewinnt, sobald ich weiß, daß irgend jemand davon überzeugt ist, sie wahrhaft annimmt." Novalis

Er war einen, vielleicht auch zwei Zoll weniger als sechs Fuß groß, kräftig gebaut, und er kam geradenwegs, mit leicht geneigten Schultern, den Kopf vorgestreckt und starr von unten heraufblickend auf einen zu, was an einen angreifenden Stier denken ließ. Seine Stimme war tief, laut, und sein Betragen bewies eine Art störrischer Selbstbehauptung, die nichts Aggressives hatte. Sie schien ein Zwang zu sein und war sichtlich ebensosehr gegen ihn selbst gerichtet wie gegen jeden andern. Er war von tadellosem Äußeren, blütenweiß gekleidet von Kopf bis Fuß, und in den verschiedenen Häfen des Ostens, in denen er als Hafenagent von Schiffslieferanten seinen Lebensunterhalt verdiente, war er sehr beliebt.

Es gibt nichts unter der Sonne, worin ein Hafenagent eine Prüfung abzulegen hätte, aber er muß Talent im allgemeinen besitzen und es auch praktisch unter Beweis stellen. Seine Tätigkeit besteht darin, unter Segel, Dampf oder im Ruderboot mit anderen Hafenagenten zu jedem vor Anker gehenden Schiff um die Wette zu rennen, fröhlich dessen Kapitän zu begrüßen, ihm eine Karte aufzudrängen - die Geschäftskarte des Schiffslieferanten - und ihn bei seinem ersten Besuch an Land zielbewußt aber unauffällig nach einem großen, höhlenartigen Laden zu. lenken, welcher alles enthält, was an Bord gegessen und getrunken wird; wo man alles bekommt, um ein Schiff seetüchtig und schön zu machen, von einer Anzahl Püttinghaken für das Ankertau bis zu einem Heft Blattgold für das Schnitzwerk am Heck; und wo der Kapitän von einem Schiffslieferanten, den er nie zuvor gesehen hat, wie ein Bruder empfangen wird. ...

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