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Der Wind in den Weiden: Der Dachs lässt schön grüßen, möchte aber auf keinen Fall gestört werden. - Hardcover

Kenneth Grahame

 
9783036951232: Der Wind in den Weiden: Der Dachs lässt schön grüßen, möchte aber auf keinen Fall gestört werden.

Inhaltsangabe

Auf der Flucht vor dem Frühjahrsputz lernt der Maulwurf den Frühling, die Welt und die Freundschaft kennen. Die Geschichten von Dachs, Maulwurf, Kröterich und der Ratte machten Kenneth Grahame weltberühmt.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Kenneth Grahame wurde 1859 in Edinburgh geboren und starb 1932 in Pangbourne. Der Verfasser zahlreicher Kindheitsstudien wurde mit Der Wind in den Weiden, dem meistgelesenen Kinderbuch Englands, weltberühmt.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

DER FLUSS

Den ganzen Vormittag hatte der Maulwurf geschuftet: In seinem kleinen Haus war der Frühjahrsputz ausgebrochen. Zuerst mit Besen und Staubtuch, dann auf Leitern und Trittleitern und Stühlen und drittens
mit Pinsel und Tünche. Bis er Staub in Gurgel und Augen hatte und Placken weißer Tünche auf dem
schwarzen Pelz und ein Reißen im Rücken und Schmerzen in den Armen. Der Frühling rumorte
oben in der Luft herum und unten in der Erde herum und rund um den Maulwurf herum. Er drang in sein
dunkles und bescheidenes Haus und brachte seine eigenen Launen mit: die Unzufriedenheit der Götter und die Sehnsucht.
So kann es nicht erstaunen, wenn der Maulwurf plötzlich den Pinsel zu Boden schleuderte, "Schwachsinn!" und "Mit mir nicht!" sagte sowie "Zum Henker mit dem Frühjahrsputz!" und aus
dem Haus schoss ohne auch nur einen Mantel überzuziehen.
Er wurde da oben verlangt, ganz dringlich, und er hastete zu dem steilen, engen Tunnel, der ihm als Einfahrt diente.
Andere Tiere, deren Haus in Licht, Luft und Sonnenschein steht, benutzen breite Kieswege, aber der Maulwurf musste kratzen und krabbeln und kriechen und kramen, und dann wieder kramte und kroch und krabbelte und kratzte er und war mit seinen kleinen Klauen schwer beschäftigt und meckerte "Hops und hoch! Hops und hoch!", bis sein Nasenrüssel endlich - plopp! - herauskam in den Sonnenschein. Dann merkte der Maulwurf, dass er sich auf einer großartigen Wiese wälzte.
"Dies ist sehr gut", bemerkte der Maulwurf bei sich. "Dies ist weit besser als Tünchen." Die Sonne brannte ihm auf den Pelz, eine feine Brise kühlte ihm die heiße Stirn und nachdem er so lange eingekellert gewesen war, wirkte der Jubel der freundlichen Vögel auf ihn wie Geschrei. Alle vier Beine sprangen mit ihm in die Luft: Das Leben war lebenswert und schön war der Frühling ohne Frühjahrsputz. So kobolzte er über die Wiese bis zur Hecke auf der anderen Seite.
"Keinen Schritt weiter", sagte ein nicht mehr ganz junges Kaninchen. "Das Passieren dieser Privatstraße kostet einen Groschen!"
Im selben Augenblick hatte der ungeduldige und übermütige Maulwurf das Kaninchen aufs Kreuz gelegt.
Er trabte weiter an der Hecke entlang und verdummbeutelte die anderen Kaninchen, die eilig aus ihren Löchern linsten, um zu sehen, was es mit diesem Skandal auf sich habe.
"Zwiebelsoße! Zwiebelsoße!", bemerkte er höhnisch und war auch schon verschwunden, bevor sich die Kaninchen eine durch und durch befriedigende Antwort ausgedacht hatten.
Und dann fingen sie an aufeinander herumzuhacken: "Wie dumm du bist! Warum hast du ihm
nicht gesagt, dass..."
"...und warum hast du es ihm nicht gesagt?"
"Du hättest ihn immerhin daran erinnern können, dass..." - und so weiter, wie man das immer macht. Aber es war natürlich schon viel zu spät, wie es dann immer schon viel zu spät ist.
Es schien alles zu schön, um wahr zu sein. Eilig streifte der Maulwurf hierher und dorthin, streifte an den langen Hecken vorbei und durch das Unterholz und fand überall Vögel beim Nestbau, Blumen beim Knospen und Blätter beim Grünwerden. Alle waren fröhlich, alle wurden etwas und alle hatten viel zu tun.
Sein Gewissen verhielt sich ganz ruhig: Es quälte ihn nicht und flüsterte ihm nicht "Tünche!" ins Ohr. Stattdessen fühlte er sich prächtig - als einziger Faulpelz unter all diesen tüchtigen Mitbürgern. In den Ferien ist vielleicht nicht das Nichtstun am schönsten, sondern: das Anderen-Leuten-beim-etwas-Tun-Zusehen. Sein Glück schien vollkommen, als er nach langem ziellosen Umherstrolchen plötzlich einen randvoll mit Wasser gefüllten Fluss fand. Er hatte noch nie einen Fluss gesehen: so ein glattes, gewundenes, pralles Tier, kollernd und kichernd, das Sachen gurgelnd ergreift und lachend wieder fahren lässt, um sich auf neue Spielgefährten zu stürzen, die sich von ihm losreißen, um sich noch einmal fangen zu lassen.

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