Loriot: Ei? - Eristik in Filzpantoffeln. Eine pragmatische Interpretation: Sprachanlyse

 
9781517248116: Loriot: Ei? - Eristik in Filzpantoffeln. Eine pragmatische Interpretation: Sprachanlyse
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Gegenstand der folgenden Interpretation ist die Dialogszene »Das Ei« aus Loriots »Dramatischen Werken«.
In der Szene wird satirisch zugespitzt die rhetorische Überlegenheit einer Ehefrau über ihren Mann am
Beispiel eines Bagatellstreits vorgeführt. Die Szene ist insofern ein Meisterwerk der Eristik - der
Kunst des Streitens - als in ihr eine Reihe elementarer Techniken, Taktiken und Strategien dieser
Kunst exemplarisch und auf gedrängtestem Raum zur tragikkomischen Anwendung gelangen. Zum Verständis
des inneren Funktionierens dieser Mechanismen wende ich an einigen Stellen Erkenntnisse der
funktionalpragmatischer Diskursanalyse an, an anderen begnüge ich mich, um auf dem zur Verfügung
stehenden Raum eine Gesamtwürdigung der Szene zu sichern, mit einer demgegenüber oberflächlicheren
Analyse der rhetorischen Mittel .
In der Szene geht es im einzelnen um eine Reihe vergeblicher Versuche des Ehemannes, seiner Frau
gegenüber das sprachliche Handlungsmuster des Vorwurfs zu initiieren. Die Ehefrau pariert schon im
Vorfeld sämtliche Vorstöße ihres Mannes mit einer Schlagfertigkeit, als habe sie Jochen Rehbeins
Arbeit über »Entschuldigungen und Rechtfertigungen« (1972) kongenial verinnerlicht. Wie zu zeigen
ist, kann die Dialogszene als Vereinigung ironisch-bissiger Illustrationen zu den Erkenntnissen
dieser Arbeit in ein Meisterwerk dramatischer Kleinkunst gelesen werden. In den Niederungen des
alltäglichen Ehekrieges, den die Szene vorführt, treten allerdings diejenigen Verfahren, die in
den Verästelungen und Randbemerkungen dieser Arbeit erwähnt werden, gegenüber den elementaren
eindeutig als über Sieg und Niederlage entscheidende in den Vordergrund.
Sowohl für das Verständnis der einzelnen Äußerungen als auch der für den Ehemann verhängnisvollen
Dynamik der Gesamtsequenz erweist sich dem Leser das Erfassen der Illokution des jeweils Gesagten als
zentral. Um im Sinne dieser Analyse der Illokution auf den Begriff zu bringen, was das jeweils Gesagte
notwendig beim Hörer bewirkt, d.h. was seine Handlungsqualität ist, müssen die konkreten Äußerungen als
Umsetzungen zu Grunde liegender sprachlicher Handlungsmuster - in unserem Falle sind besonders der Vorwurf
und die Rechtfertigung und ihre jeweiligen Vorfelder einschlägig - rekonstruiert werden. Da sich der
Streit der Eheleute jedoch nicht unwesentlich gerade auf dem Gebiet abspielt, welches Handlungsmuster
zu prozessieren sei, dienen umgekehrt die jeweiligen Äußerungen gleichermaßen dazu, die Verfolgung
bestimmter dieser Muster zu eröffnen oder voranzutreiben, wie gegenläufige abzublocken oder zum Einsturz
zu bringen. Als grundlegendes Gesetz der Eristik wird so das Folgende deutlich:
Bestimmen zu können, welches sprachliche Handlungsmuster abgearbeitet wird, erweist sich als gleichbedeutend
damit, die Oberhand im Streit zu behalten.
Ein besonderer Clou der Szene liegt darin, daß und wie je nach Verlauf dieser sprachlichen Auseinandersetzungen
das, was wir als den auslösenden Sachverhalt selbst anzusehen haben, seine materielle Evidenz verliert,
in seiner Qualität zu schillern beginnt und sie sogar wechselt.

1.Einleitung
2.Abblocken und Umdeuten
3.Thema und Muster Verlagern
4.Verwirren und Spieß Umdrehen
5.Exempel Statuieren
6.Literatur

Studienarbeit
Autor: Elena Berben (Pseudonym dokumente-online.com)
Universität Hamburg
2015

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