Die Verdrängung der mittelniederdeutschen Schriftsprache durch die ostmitteldeutsche Verkehrssprache: Der Niedergang der Hanse

 
9781517247430: Die Verdrängung der mittelniederdeutschen Schriftsprache durch die ostmitteldeutsche Verkehrssprache: Der Niedergang der Hanse
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In dieser Arbeit soll eine historische Sprache im Kontext von Zeit, Raum und soziokulturellen
Besonderheiten betrachtet werden. Es handelt sich um die mittelniederdeutsche Sprache. Es ist
schwierig, die Grenzen des der mittelniederdeutschen Sprache zugrunde liegenden Niederdeutschen
festzulegen, da das Niederdeutsche wegen des Fehlens einer Sprachnorm nicht dem modernen Prototyp
einer (National-)Sprache entspricht. Da aber die Mehrheit der Sprachen der Welt nicht verschriftlicht
und in dieser Weise normiert ist, kann dieser Maßstab gar nicht bei der Entscheidung, ob das
Niederdeutsche eine Sprache ist, angelegt werden.
Für die im Mittelalter rasch fortschreitende Verbreitung des Mittelniederdeutschen im norddeutschen
und nordeuropäischen Raum, sowie für seine Ablösung durch das Frühneuhochdeutsche auf der Grundlage
der meißnischen Kanzleisprache ostmitteldeutscher Prägung, werden verschiedene Argumente angegeben.
Einer der Gründe ist der Aufstieg und Niedergang der Hanse. Dollinger kommentiert diesen Vorgang
folgendermaßen: „Es ist merkwürdig, wie die Größe und der Niedergang der Hanse sich genau in der
Ausbreitung und im Verfall des Niederdeutschen spiegeln.“ Dieser auffällige Zusammenhang, dass der
Aufstieg, die Blüte und der Niedergang der Hanse, mit dem Aufstieg, der Blüte und der Verdrängung des
Mittelniederdeutschen zeitlich zusammenfällt, hat mich motiviert, die geschichtliche Entwicklung des
Mittelniederdeutschen genauer zu betrachten. Nicht zuletzt sollen aber in dieser Arbeit auch die
soziokulturellen Veränderungen, die nicht vordergründig durch den Aufstieg und den Niedergang der
Hanse begründet sind, aber für das letztendliche Eindringen des Ostmitteldeutschen in den niederdeutschen
Sprachraum ausschlaggebend waren, untersucht werden. Im ersten Teil der Arbeit soll die sprachgeschichtliche
Entwicklung des Mittelniederdeutschen skizziert werden, während im zweiten Teil der Sprachwandel vom
Mittelniederdeutschen zum Frühneuhochdeutschen im Mittelpunkt steht. Da es den Rahmen deutlich
überschreiten würde, soll in dieser Arbeit nicht auf die vielfältigen, regional unterschiedlichen
Aspekte des Sprachenwechsels eingegangen, sondern vielmehr ein allgemeiner Trend aufgezeigt werden.
Vorweg bemerkt werden sollte die Tatsache, dass es sich beim Mittelniederdeutschen um eine
Schriftsprache und nicht um eine gesprochene Sprache handelt. Damit eine genaue Zuordnung vorgenommen
werden kann, ist dem sprachgeschichtlichen Abschnitt ein historischer Abriss über die Hanse vorangestellt.

Inhaltsangabe

1.Einleitung

2.Die Hanse, ein städtischer Kaufmannsbund der Frühen Neuzeit

3.Begriffsbestimmung des Mittelniederdeutschen
3.1.Niederdeutsche Sprachentwicklung bis zur Sprachstufe des Mittelniederdeutschen
3.2.Interne Periodisierung des Mittelniederdeutschen
3.3.Die Lübecker Norm
3.4.Trägerschaft und Textsorten des Mittelniederdeutschen

4.Niedergang des klassischen Mittelniederdeutschen und Ablösung durch die Ausgleichssprache ostmitteldeutscher (ostsächsischer) Prägung
4.1.Das Eindringen der hochdeutschen Sprache auf den verschiedenen Gebieten des Schriftwesens
4.1.1.Die Fürstenhöfe und die fürstlichen Kanzleien
4.1.2.Die städtischen Kanzleien
4.1.3.Die Kirche
4.1.4.Die Schule
4.2.Der sprachliche Ablösungsprozess und seine Merkmale

5.Fazit

6.Literatur

Studienarbeit
Autor: Siegolf Arndt (Pseudonym dokumente-online.com)
Universität Potsdam
2015

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