Duino Elegies: A Bilingual Edition - Softcover

Rilke, Rainer

 
9780865476073: Duino Elegies: A Bilingual Edition

Inhaltsangabe

Who, if I cried out, would hear me among the angelic
orders? and even if one of them pressed me
suddenly to his heart: I'd be consumed
in that overwhelming existence. For beauty is nothing
but the beginning of terror, which we can just barely endure,
and we stand in awe of it as it coolly disdains
to destroy us. Every angel is terrifying.
-from "The First Elegy"

Over the last fifteen years, in his two volumes of New Poems as well as in The Book of Images and Uncollected Poems, Edward Snow has emerged as one of Rainer Maria Rilke's most able English-language interpreters. In his translations, Snow adheres faithfully to the intent of Rilke's German while constructing nuanced, colloquial poems in English.

Written in a period of spiritual crisis between 1912 and 1922, the poems that compose the Duino Elegies are the ones most frequently identified with the Rilkean sensibility. With their symbolic landscapes, prophetic proclamations, and unsettling intensity, these complex and haunting poems rank among the outstanding visionary works of the century.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Rainer Maria Rilke; Translated from the German by Edward Snow

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Duino Elegies

Bilingual Edition

By Rainer Maria Rilke, Edward Snow

Farrar, Straus and Giroux

Copyright © 2000 Edward Snow
All rights reserved.
ISBN: 978-0-86547-607-3

Contents

Title Page,
Copyright Notice,
Preface,
Die Erste Elegie / The First Elegy,
Die Zweite Elegie / The Second Elegy,
Die Dritte Elegie / The Third Elegy,
Die Vierte Elegie / The Fourth Elegy,
Die Fünfte Elegie / The Fifth Elegy,
Die Sechste Elegie / The Sixth Elegy,
Die Siebente Elegie / The Seventh Elegy,
Die Achte Elegie / The Eighth Elegy,
Die Neunte Elegie / The Ninth Elegy,
Die Zehnte Elegie / The Tenth Elegy,
Also by Edward Snow,
About the Authors,
Copyright,


CHAPTER 1

    DIE ERSTE ELEGIE

    Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
    Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
    einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
    stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
    als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
    und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
    uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.

    Und so verhalt ich mich denn und verschlucke den Lockruf
    dunkelen Schluchzens. Ach, wen vermögen
    wir denn zu brauchen? Engel nicht, Menschen nicht,
    und die findigen Tiere merken es schon,
    daß wir nicht sehr verläßlich zu Haus sind
    in der gedeuteten Welt. Es bleibt uns vielleicht
    irgend ein Baum an dem Abhang, daß wir ihn täglich
    wiedersähen; es bleibt uns die Straße von gestern
    und das verzogene Treusein einer Gewohnheit,
    der es bei uns gefiel, und so blieb sie und ging nicht.

    O und die Nacht, die Nacht, wenn der Wind voller Weltraum
    uns am Angesicht zehrt —, wem bliebe sie nicht, die ersehnte,
    sanft enttäuschende, welche dem einzelnen Herzen
    mühsam bevorsteht. Ist sie den Liebenden leichter?
    Ach, sie verdecken sich nur mit einander ihr Los.

    Weißt du's noch nicht? Wirf aus den Armen die Leere
    zu den Räumen hinzu, die wir atmen; vielleicht daß die Vögel
    die erweiterte Luft fühlen mit innigerm Flug.

    Ja, die Frühlinge brauchten dich wohl. Es muteten manche
    Sterne dir zu, daß du sie spürtest. Es hob
    sich eine Woge heran im Vergangenen, oder
    da du vorüberkamst am geöffneten Fenster,
    gab eine Geige sich hin. Das alles war Auftrag.
    Aber bewältigtest du's? Warst du nicht immer
    noch von Erwartung zerstreut, als kündigte alles
    eine Geliebte dir an? (Wo willst du sie bergen,
    da doch die großen fremden Gedanken bei dir
    aus und ein gehn und öfters bleiben bei Nacht.)
    Sehnt es dich aber, so singe die Liebenden; lange
    noch nicht unsterblich genug ist ihr berühmtes Gefühl.
    Jene, du neidest sie fast, Verlassenen, die du
    so viel liebender fandst als die Gestillten. Beginn
    immer von neuem die nie zu erreichende Preisung;
    denk: es erhält sich der Held, selbst der Untergang war ihm
    nur ein Vorwand, zu sein: seine letzte Geburt.
    Aber die Liebenden nimmt die erschöpfte Natur
    in sich zurück, als wären nicht zweimal die Kräfte,
    dieses zu leisten. Hast du der Gaspara Stampa
    denn genügend gedacht, daß irgend ein Mädchen,
    dem der Geliebte entging, am gesteigerten Beispiel
    dieser Liebenden fühlt: daß ich würde wie sie?
    Sollen nicht endlich uns diese ältesten Schmerzen
    fruchtbarer werden? Ist es nicht Zeit, daß wir liebend
    uns vom Geliebten befrein und es bebend bestehn:
    wie der Pfeil die Sehne besteht, um gesammelt im Absprung
    mehr zu sein als er selbst. Denn Bleiben ist nirgends.

    Stimmen, Stimmen. Höre, mein Herz, wie sonst nur
    Heilige hörten: daß sie der riesige Ruf
    aufhob vom Boden; sie aber knieten,
    Unmögliche, weiter und achtetens nicht:
    So waren sie hörend. Nicht, daß du Gottes ertrügest
    die Stimme, bei weitem. Aber das Wehende höre,
    die ununterbrochene Nachricht, die aus Stille sich bildet.
    Es rauscht jetzt von jenen jungen Toten zu dir.
    Wo immer du eintratst, redete nicht in Kirchen
    zu Rom und Neapel ruhig ihr Schicksal dich an?
    Oder es trug eine Inschrift sich erhaben dir auf,
    wie neulich die Tafel in Santa Maria Formosa.
    Was sie mir wollen? leise soll ich des Unrechts
    Anschein abtun, der ihrer Geister
    reine Bewegung manchmal ein wenig behindert.

    Freilich ist es seltsam, die Erde nicht mehr zu bewohnen,
    kaum erlernte Gebräuche nicht mehr zu üben,
    Rosen, und andern eigens versprechenden Dingen
    nicht die Bedeutung menschlicher Zukunft zu geben;
    das, was man war in unendlich ängstlichen Händen,
    nicht mehr zu sein, und selbst den eigenen Namen
    wegzulassen wie ein zerbrochenes Spielzeug.
    Seltsam, die Wünsche nicht weiterzuwünschen. Seltsam,
    alles, was sich bezog, so lose im Raume
    flattern zu sehen. Und das Totsein ist mühsam
    und voller Nachholn, daß man allmählich ein wenig
    Ewigkeit spürt. — Aber Lebendige machen
    alle den Fehler, daß sie zu stark unterscheiden.
    Engel (sagt man) wüßten oft nicht, ob sie unter
    Lebenden gehn oder Toten. Die ewige Strömung
    reißt durch beide Bereiche alle Alter
    immer mit sich...

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Verlag: North Point Pr, 2000
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