"Was einmal gedruckt ist, gehört der ganzen Welt". Zensur während Aufklärung und Klassik
Adolph Freiherr Knigge
Zensur während der Aufklärung: Knigge und Rebmann
Über lange Zeit waren Päpste und Kardinäle die mächtigsten Zensoren.
Im 18. Jahrhundert forderten Aufklärung und Französische Revolution dann jedoch vor allem Kaiser und Könige heraus.
Damit der revolutionäre Funke nicht auf andere Länder übersprang, sprachen nun in erster Linie weltliche Gerichte
Verbote aus und verhängten Strafen.
Die deutschen Aufklärer wie Lessing standen der Zensur ohnmächtig gegenüber.
Lessing:
"Was einmal gedruckt ist,
gehört der ganzen Welt.
Niemand hat das Recht,
es zu vertilgen."
So wurde 1792 eine Schrift von
Adolph Freiherr Knigge zur Französischen Revolution (
Josephs von Wurmbrand politisches
Glaubensbekenntnis, mit Hinsicht auf die Französische Revolution und deren Folgen) unmittelbar nach ihrem Erscheinen
verboten und der Verleger zu einer Geldstrafe verurteilt. Auch
Georg Friedrich Rebmann, der sich in seiner Zeitschrift
Das neue graue Ungeheuer für die Revolution engagierte, erregte den Unmut der Behörden. Nachdem er 1795 in Erfurt
steckbrieflich gesucht wurde, floh er ins dänisch verwaltete Altona - und entging dabei seinen Verfolgern nur um
Haaresbreite, weil er sich, so Rebmann in seinen Erinnerungen, »in einer Schlucht [verbarg], deren gesammeltes Regenwasser
mich bis auf die Haut benetzte. Dies war meine Rettung.«
Zensur der Klassiker: Goethe und Schiller
Wie Rebmanns dramatische Flucht aus Erfurt zeigt, war es in Deutschland mitunter nicht allzu schwer, Verfolgung und
Verboten zu entgehen: Schließlich gab es keine zentrale Macht und damit keine zentrale Zensurbehörde. Stattdessen
entschieden Könige, Herzöge und Bischöfe in den vielen deutschen Teilstaaten autonom, was zensiert werden sollte,
und manche Bücher, die in einem Land verboten waren, durften vielleicht nur wenige Kilometer entfernt veröffentlicht
werden. Zu einer besonders liberalen Oase entwickelte sich der Kleinstaat Sachsen-Weimar unter Herzogin Anna Amalia
und ihrem Sohn Karl August. Hier fanden
Johann Wolfgang von Goethe und
Friedrich von Schiller ihre geistige Heimat.
Doch selbst die großen Dichter der Klassik mussten sich außerhalb von Weimar mit Zensurbehörden auseinandersetzen und
dabei, wie Schiller bei seinen
Räubern, teilweise massive Eingriffe in ihre Werke hinnehmen. Denn da die zuständigen
Behörden in Berlin einen Zwist zwischen leiblichen Brüdern für moralisch verwerflich hielten, wurden für die dortige
Aufführung aus Karl und Franz Moor kurzerhand Halbbrüder.
Napoleons Herrschaft
Die Opposition gegen Fremdherrschaft schlug sich vor allem in der Literatur und in politischen Broschüren nieder.
Der Nürnberger Verlagsbuchhändler Johann Philipp Palm musste sein Engagement gegen Napoleon mit seinem Leben bezahlen -
er hatte u. a. die Broschüre "Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung" gedruckt und wurde von einem französischen
Militärgericht zum Tode verurteilt.
Politische Literatur wurde nun vor allem im Ausland gedruckt und gelangte nur über Umwege nach Deutschland. Im
fiktiven Verlag Peter Hammer erschienen z. B. die "Betrachtungen und Gedanken" von Friedrich Maximilian Klinger"
Autor |
Titel |
ZVAB Suche |
| Arneth, Alfred Ritter von |
Maria Theresia und Joseph II. Ihre Correspondenz sammt Briefen Joseph's an seinen Bruder Leopold. |
Suchen |
| Goethe, Johann Wolfgang von |
Götz von Berlichingen |
Suchen |
| Karl von Eckartshausen |
Was trägt am meisten zu den Revolutionen itziger Zeiten bey? Und welches wäre das sicherste Mittel, ihnen künftig vorzubeugen? Eine Schrift zur Beherzigung für Fürsten und Völker. |
Suchen |
| Mendelsohn, Moses |
Phädon oder über die Unsterblichkeit der Seele |
Suchen |
| Schiller, Friedrich |
Die Räuber |
Suchen |
| Wieland |
Agathon |
Suchen |
| | |
Autor |
Titel |
ZVAB Suche |
| Batscha, Zwi |
Aufklärung und Gedankenfreiheit |
Suchen |
| Biedermann, Karl |
Deutschland im 18. Jahrhundert |
Suchen |
| Breuer, Dieter |
Geschichte der literarischen Zensur in Deutschland |
Suchen |
| Eybl, Franz M. (Hg.) |
Strukturwandel kultureller Praxis |
Suchen |
| Frühwald, Wolfgang |
Zwischen Aufklärung und Restauration |
Suchen |
| Haefs, Wilhelm und Mix, York |
Zensur im Jahrhundert der Aufklärung |
Suchen |
| Houben, Heinrich Hubert |
Der ewige Zensor |
Suchen |
| Houben, Heinrich Hubert |
Hier Zensur - wer dort? |
Suchen |
| Houben, Heinrich Hubert |
Polizei und Zensur |
Suchen |
| Kiesel, Helmuth; Münch, Paul |
Gesellschaft und Literatur im 18. Jahrhundert |
Suchen |
| Klingenstein, Grete |
Staatsverwaltung und kirchliche Autorität im 18. Jahrhundert. Das Problem der Zensur in der theresianischen Reform. |
Suchen |
| Mass, Edgar |
Literatur und Zensur in der frühen Aufklärung |
Suchen |
| Pahl, J. G. von |
Politische Lectionen für die Teutschen des neunzehnten Jahrhunderts |
Suchen |
| Raabe, Paul |
Der Zensur zum Trotz |
Suchen |
| Schneider, Franz |
Pressefreiheit und politische Öffentlichkeit |
Suchen |
| | |