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Mario und der Zauberer

Erstausgabe 1930

Mario und der Zauberer

Mario und der Zauberer

Mario und der Zauberer

Erstausgabe von Mario und der Zauberer mit Illustrationen von Hans Meid, S. Fischer 1930

Thomas Mann: Mario und der Zauberer (1930)

"Die Erinnerung an Torre di Venere ist atmosphärisch unangenehm." Mit diesem ersten Satz stimmt Thomas Mann die Leser seiner Novelle "Mario und der Zauberer" auf ein "tragisches Reiseerlebnis" ein. Die Spannung steigert sich stufenförmig. Am Ende fällt ein tödlicher Schuss. Viel früher, als die Atmosphäre im italienischen Badeort für die Familie des Erzählers immer unerträglicher wurde, hätte sie abreisen können oder sollen - oder nicht? Der Erzähler gibt seine - pädagogische - Antwort, die Thomas Manns Haltung gegenüber Zeitereignissen, weit über diese Stelle hinaus, auf geradezu geniale Weise beschreibt:

Soll man "abreisen", wenn das Leben sich ein bißchen unheimlich, nicht ganz geheuer oder etwas peinlich kränkend anläßt? Nein doch, man soll bleiben, soll sich das ansehen und sich dem aussetzen, gerade dabei gibt es vielleicht etwas zu lernen.

Die Geschichte basiert auf den Geschehnissen, die sich 1925 in Forte dei Marmi zugetragen haben. Das Ehepaar Mann verbrachte dort seinen Urlaub zusammen mit den jüngsten Kindern Elisabeth und Michael und bekam den "unerfreulichen überspannten und fremdenfeindlichen nationalen Gemütszustand" zu spüren. Auf beispiellose Weise fängt die Novelle die Stimmung des faschistischen Italien ein und konnte bei Erscheinen 1930 auch als Mahnung vor dem Nationalsozialismus in Deutschland gelesen werden. Thomas Mann behandelt eine für die Geschichte des 20. Jahrhunderts verhängnisvolle Problematik und zugleich ein zeitloses Thema: Die Verführbarkeit des Einzelnen und der Masse.

Postkarte von Forte dei Marmi
Doch Manns Selbtsaussagen zum politischen Gehalt sind schwankend.

Was 'Mario und der Zauberer' betrifft, so sehe ich es nicht gern, wenn man diese Erzählung als eine politische Satire betrachtet. Man weist ihr damit eine Sphäre an, in der sie allenfalls mit einem kleinen Teil ihres Wesens beheimatet ist. [...] Ich möchte die Bedeutung der kleinen Geschichte, vom Künstlerischen abgesehen, doch lieber im Ethischen als im Politischen sehen. (1932)

Die politisch-moralistische Anspielung, in Worten nirgends ausgesprochen, wurde damals in Deutschland, lange vor 1933, recht wohl verstanden: mit Sympathie oder Ärger verstanden, die Warnung vor der Vergewaltigung durch das diktatorische Wesen, die in der menschlichen Befreiungskatastrophe des Schlusses überwunden und zunichte wird. (1940)

Illustration zu Mario und der Zauberer von Heinz Minssen
Diese uneinheitlichen Aussagen haben die Interpreten immer wieder beschäftigt. Die Äußerung der Dreißigerjahre, dass "Mario und der Zauberer" angeblich nicht politisch gemeint war, kann als verzweifelter Zweckoptimismus und Selbstbeschwichtigung verstanden werden. Das bessere Wissen hatte Thomas Mann zur Ausarbeitung der Novelle gedrängt. Im Herunterspielen der politischen Wirkungsabsicht deutet sich jenes taktische Schweigen über das Naziregime während der ersten Jahre des Exils an, das Thomas Manns antifaschistische Reputation belastet hat. In den Äußerungen aus der Exilzeit, als kein Grund mehr bestand, die Wirkungsabsicht zu verschleiern, wird der politische Gehalt offen eingestanden. 1949 bezeichnet der Schriftsteller "Mario und der Zauberer" wieder stark herunterspielend als eine "simple story of human affairs" - diese Einschätzung wird erklärbar, wenn man sich Thomas Manns Überdruss gegenüber politischen Äußerungen zu Beginn des Kalten Krieges vor Augen hält.

Ausstellungsplakat (unter Verwendung eines Bildes von Thomas Mann, 1925, © Ullstein Bilderdienst)
Das Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum im Buddenbrookhaus in Lübeck widmet "Mario und der Zauberer", dem "vollendeten kleinen Meisterwerk", achtzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung eine große Sonderausstellung. Sie zeigt nicht nur die die politische, sond ern erläutert viele Lesarten dieses zentralen Textes: Philosophie und Psychologie, Ethik und Politik spielen ebenso eine Rolle wie das Italienbild Thomas Manns und die Problematik des Künstlers, die den "Zauberer" Thomas Mann beschäftigte.

Mit einer Fülle von seltenen Originalzeugnissen, durch Medien und Inszenierungen beleuchtet die Ausstellung diese Motive und Kontexte in der Entstehungs-, Publikations- und Wirkungsgeschichte der Novelle: Vom Manuskript Thomas Manns bis zum Film Klaus Maria Brandauers, von den frühesten bis zu den spätesten Reaktionen, von privaten Briefen Thomas Manns über historische Fotografien und politische Reden bis zum Ballett Lucino Viscontis. Eine wichtige Rolle spielen die verschiedenen bildkünstlerischen Umsetzungen, die die unterschiedliche Wahrnehmung des Textes widerspiegeln. Leisten die Illustrationen von Hans Meid (1930) noch keine weitreichende Interpretation der Novelle, nehmen die nach 1945 entstandenen Arbeiten Bezug auf die politische und ethisch-moralische Dimension des Textes. So umkreisen Heinz Minssen Federzeichnungen Spielarten des Bösen und Dämonischen, und Kurt Steinels Radierungen heben das Zwielichtige und Brüchige der Atmosphäre hervor. Paul Wunderlichs facettenreiche Bildwelt umfasst die Grundthemen Macht und Verführung, Eros und Tod.

Der Familienurlaub im fiktiven italienischen Badeort Torre di Venere ist von Beginn an durch Misshelligkeiten getrübt. Es ist unerbittlich heiß, und es herrscht eine politisch aufgeheizte, gereizte Stimmung vor. Am Strand geraten Kinder über "nationale Fragen" in Streit. Im Hotel wird der italienische Hochadel klar bevorzugt. Und nachdem die Familie des Erzählers wegen einer fragwürdigen Beschwerde das Quartier wechseln muss, kommt es zum Sittenskandal, weil die achtjährige Tochter nackt am Strand umherläuft. Schließlich kündigt sich der Zauberer Cipolla an, und man beschließt, seine Vorstellung aufzusuchen. Diese entpuppt sich als Hypnose-Veranstaltung, und Cipolla gelingt es durch geschickte Demütigungen, sich fast unumschränkte Macht zu verschaffen. Am Schluss tanzt sein Publikum wie eine Schar von Hampelmännern. Da ruft Cipolla den "schlichten Burschen" Mario auf die Bühne. Cipolla errät dessen Liebeskummer und bringt ihn dazu, seine Angebetete in ihm zu sehen und ihn zu küssen. Mario, aus der Hypnose erwacht, erschießt Cipolla. Der Erzähler resümiert: "Ein Ende mit Schrecken, ein höchst fatales Ende. Und ein befreiendes Ende dennoch, - ich konnte und kann nicht umhin, es so zu empfinden!"
Erstausgabe mit Schuber, S. Fischer 1930
Gewinnspiel anlässlich der Ausstellung
In Zusammenarbeit mit dem Buddenbrookhaus in Lübeck verlosen wir eine Erstausgabe der Novelle "Mario und der Zauberer" aus dem ZVAB, eine Jahreskarte für das Buddenbrookhaus und fünf Ausstellungskataloge.

Wir möchten von Ihnen wissen:

"Welchen Beruf übt Mario in der Novelle 'Mario und der Zauberer' aus?"

Lösung: Kellner

Das Gewinnspiel ist beendet.









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