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Liebe ohne Glauben - Thomas Mann und Richard Wagner

Richard Wagner ist der Künstler, der Thomas Mann am stärksten beeinflusst und beschäftigt hat. Die Einflüsse Wagners haben in Thomas Manns Werk deutliche Spuren hinterlassen. Und auch in Thomas Manns Leben - für sein Arbeiten und sein Selbstverständnis als Künstler spielte der Komponist eine herausragende Rolle. Die Musik Wagners war für Mann Rauschmittel und übte eine lebenslange Faszination aus. Der Schriftsteller stellte sich der Verführung und Überwältigung durch Wagner, um von ihr erzählen zu können. Wagner war auch Vorbild: Von ihm lernte Thomas Mann die Mittel der "Wirkung" - die Kunst, mit Sprache zu musizieren. So entstand ein von Wagner wesentlich beeinflusstes literarisches Werk.

Der "künstlerische Charakter" Wagners reizte allerdings auch zu Misstrauen und scharfer Kritik, sodass Thomas Mann nicht an Wagner 'glauben' konnte. Die Liebe zu seiner Musik aber blieb. Zuneigung und Kritik tragen gemeinsam Thomas Manns Wagner-Deutungen, die Wagners Werk in großartigen Essays hell ausleuchten. Im Lichte der politischen Erfahrung - unter dem Eindruck des Missbrauchs Wagners durch die Nationalsozialisten - deutete Thomas Mann Wagner kulturgeschichtlich und politisch.

Thomas Mann über Richard Wagner:

»Meine Liebe zu ihm war eine Liebe ohne den Glauben - denn stets schien es mir pedantisch, nicht lieben zu können, ohne zu glauben. Es war ein Verhältnis, - skeptisch, pessimistisch, hellseherisch, fast gehässig, dabei durchaus leidenschaftlich und von unbeschreiblichem Lebensreiz.«
Thomas Mann: Auseinandersetzung mit Wagner, 1911

»Die Passion für Wagners zaubervolles Werk begleitet mein Leben, seit ich seiner zuerst gewahr wurde.«
Thomas Mann: Leiden und Größe Richard Wagners, 1933


»Meine Redeweise über Wagner hat nichts mit Chronologie und Entwicklung zu tun. Es ist und bleibt 'ambivalent', und ich kann heute so über ihn schreiben und morgen so.«
Thomas Mann an Agnes E. Meyer, 18.2.1942

»Auf jeden Fall bleibt Wagner der Künstler, auf den ich mich am besten verstehe und in dessen Schatten ich lebe.«
Thomas Mann an Ernst Bertram, 4.6.1920

»Es gibt Fälle, bei denen man alles mögliche zugeben mag, und es bleibt immer etwas Überwältigendes zurück.«
Thomas Mann: Zu Wagners Verteidigung, 1939

»Was ich Richard Wagner an Kunstglück und Kunsterkenntnis verdanke, kann ich nie vergessen, und sollte ich mich noch so weit im Geiste von ihm entfernen.«
Thomas Mann: Auseinandersetzung mit Wagner, 1911


Liebe ohne Glauben. Thomas Mann und Richard Wagner

Sonderausstellung
15. Mai bis 25. September 2011 im Buddenbrookhaus, Lübeck
14. Juli bis 28. August 2013 im Neuen Rathaus, Bayreuth

Buddenbrookhaus
Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum
Mengstr. 4, 23552 Lübeck
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 10-18 Uhr

Das Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum im Lübecker Buddenbrookhaus nimmt Thomas Manns Wagner-Faszination im Rahmen einer großen Ausstellung mit dem Titel "Liebe ohne Glauben. Thomas Mann und Richard Wagner" in den Blick. Sie begleitet Thomas Mann in fünf Etappen auf seinem Passionsweg, seiner Liebe zu und seinem Leiden an Wagner. Die Ausstellung inszeniert die wechselnden Wagner-Bilder Thomas Manns und zeigt Originalexponate - Kompositionsskizzen, Briefe, Gemälde und Requisiten - aus dem Richard-Wagner-Museum / Haus Wahnfried zum Teil erstmals außerhalb Bayreuth. www.buddenbrookhaus.de
 
Begleitband
Begleitend zur Ausstellung erscheint der Band "Liebe ohne Glauben. Thomas Mann und Richard Wagner" mit wissenschaftlichen Beiträgen von Dieter Borchmeyer, Hans Rudolf Vaget, Eckhard Heftrich, Ulrich Karthaus, Karin Tebben, Helmut Koopmann, Ruprecht Wimmer, Volker Scherliess, Stefan Lorenz Sorgner, Dorothea Kirschbaum, Thomas Sprecher sowie Dagny Beidler. Der reich bebilderte Band enthält ein 'Wagner-Tagebuch' Thomas Manns sowie eine Diskografie von Wagner-Schallplatten aus dem Besitz Thomas Manns, recherchiert von Markus Schmeer.

Liebe ohne Glauben. Thomas Mann und Richard Wagner
Herausgegeben von Holger Pils und Christina Ulrich Göttingen: Wallstein Verlag 2011, ca. 250 Seiten ISBN 978-3-8353-0965-4


Gewinnspiel anlässlich der Ausstellung
In Zusammenarbeit mit dem Buddenbrookhaus in Lübeck verlosen wir eine bibliophile Ausgabe des gesuchten Titels aus dem ZVAB, eine Jahreskarte für das Buddenbrookhaus und fünf Ausstellungskataloge.

Wir möchten von Ihnen wissen:
Welche Novelle Thomas Manns nimmt schon im Titel direkten Bezug auf Wagners Ring des Nibelungen?

Zur Teilnahme
Teilnahmebedingungen
Teilnahmeschluss ist der 25.09.11






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