© Mario Dondero, Pier Paolo Pasolini
am Filmset von "La Rabbia" 1963
Pier Paolo Pasolini
Pier Paolo Pasolini (*1922 Bologna, † 1975 Ostia) war einer der wichtigsten und wegen seines skandalträchtigen Lebens und seiner politischen Einstellung auch umstrittensten italienischen Schriftsteller und Filmemacher. Im November 1975 kam er unter noch immer nicht ganz geklärten Umständen gewaltsam ums Leben.
Ursprünglichkeit und Unschuld: das war die lebenslange, ungestillte Sehnsucht des Dichters Pier Paolo Pasolini. Die Sprache des verlorenen Paradieses und der Auflehnung gegen die Gesellschaft war für ihn der Dialekt der Mutter, das Friaulische.
Der junge Pasolini evoziert in seinem Frühwerk mit dem Friulanischen das Dorf und die Landschaft im Friaul, im Nordosten Italiens. Er kreiert eine antibürgerliche Utopie, das Bild von einem einfachen Leben, einer "besseren Jugend". Dieses Ideal hat Pasolini während seiner gesamten bewegten Karriere als Schriftsteller und Filmemacher niemals aufgegeben. Kurz vor seinem Tod griff er die frühen Gedichte wieder auf, variierte und kommentierte sie. Die konstruierte Idylle verbindet sich hier mit einer wortgewaltigen Klage über die konsumorientierte Massengesellschaft und einer Abrechnung mit Italiens faschistischer Vergangenheit. Nirgendwo sonst in Pasolinis Schaffen treten dessen obsessives Leiden an der Moderne und seine Suche nach einer Alternative deutlicher zu Tage.
Unter der Regie von Leopold von Verschuer führt das poesiefestival berlin am 12. Juni um 20 Uhr in der Akademie der Künste die Gedichtesammlung "Dunckler Enthusiasmo" des italienischen Autors auf. Die Übersetzung stammt von Christian Filips, der für diesen Zweck eine eigene Sprache entwarf aus Mittelhochdeutsch, Lutherisch, Sozio- und Dialekten ebenso wie aus Journalisten- und Fachsprachen.
Die Fassung für das Theater (basierend auf Filips/Pasolini: Dunckler Enthusiasmo, Friulanische Gedichte. Urs Engeler, 2009) greift die Dichotomie zwischen Kindheitsutopie und einer als tragisch empfundenen Realität durch eine Zweiteilung des Bühnenraumes auf. Das mütterliche Dorf steht auf der einen Seite, die globalisierte Welt auf der anderen. Es entstehen zwei Echoräume, die einander beständig antworten. Die späten Gedichte reagieren auf die frühen - und umgekehrt. Dabei wird deutlich, dass Pasolinis politischer Kampf gegen die Massenkultur für eine "archaische, agrarische Ordnung" nicht zu gewinnen ist. Die ursprüngliche Welt des Friaul muss dem Neuen weichen, der Dichter ist aus seinem Paradies vertrieben.
Die Musik stammt von dem Schweizer Komponisten Bo Wiget, einem "Glücksfall für die Theatermusik" (Diedrich Diederichsen).
poesiefestival berlin
Das
poesiefestival berlin gilt mit seinen jährlich weit über 10.000 Besuchern als das größte Europas und genießt weltweit hohes Renommee. Bisher waren u.a. Lawrence Ferlinghetti, Herta Müller, Paul Muldoon, Laurie Anderson, Volker Braun, Derek Walcott, Rita Dove und Friederike Mayröcker zu erleben.
Der diesjährige Fokus lag auf dem Mittelmeerraum mit Kunst und Dichtung aus allen Anrainerstaaten. Das Mittelmeer verbindet drei Kontinente miteinander und hat sich tief in Mythen, Geschichten und Künste unzähliger Kulturen eingeschrieben. Es ist Ort fruchtbaren kulturellen Austauschs, aber auch Ausgangspunkt blutiger Konflikte. Vom 4.-12.6.2010 präsentierte das poesiefestival berlin erstmals in Deutschland Dichter aus allen Anrainerstaaten des Mittelmeers und die gesamte Region als besonderen kulturellen Raum.
Gewinnspiel anlässlich des poesiefestivals berlin:
In Zusammenarbeit mit dem poesiefestival berlin verlosen wir 3 x je einen Festivalpass, mit dem sie freien Eintritt zu allen Veranstaltungen haben sowie 3 ZVAB Gutscheine im Wert von je 30 €.
Wir möchten von Ihnen wissen:
"Unter welche Titel erschien Pasolinis Roman 'La Divina Mimesis' in Deutschland?"
Lösung: Barbarische Erinnerungen
Das Gewinnspiel ist beendet. Herzlichen Glückwünsch an die Gewinner:
Festivalpässe:
Hedwig Görgen, Wolfgang Zielke und Sandra Warden.
Gutscheine
Stefanie Wessing, Claudia Sojer und Michael Herbers.
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