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Hörspielpreis der Kriegsblinden

Hörspielpreis der Kriegsblinden

Zum Karl-May-Gedenkjahr 2012 – ein Interview mit dem Karl-May-Forscher Ekkehard Bartsch


Ekkehard Bartsch im Western-
Outfit

Herr Bartsch, Sie sind Buchhändler und ZVAB-Antiquar. Welche Interessensgebiete sind in Ihrem Antiquariat in Bad Segeberg vertreten?
In meinem ZVAB-Angebot habe ich natürlich Bücher aus vielen Themenbereichen, aber besonderer Schwerpunkt sind durch meine Verkaufsausstellung während der Segeberger Karl-May-Spiele die Bereiche Karl May - Leben und Werk, Klassische Abenteuerliteratur, Völkerkunde, vor allem über die Indianer Nord- und Südamerikas, Geographie und die Pioniergeschichte Amerikas.

Sie engagieren sich als Herausgeber und Autor zahlreicher Aufsätze und als (Gründungs-)Mitglied verschiedener Karl-May-Vereinigungen. Seit wann interessieren Sie sich für den Autoren und wie kam es zu Ihrer Faszination?
Mein Interesse an Karl May besteht seit meiner Jugendzeit, angeregt durch einen für Karl May begeisterten Schulfreund. Meinen ersten Karl-May-Band Unter Geiern las ich 1956 mit 13 Jahren, und seither hat mich dieser Autor nicht mehr losgelassen, wurde auch richtungweisend für meinen Beruf als Buchhändler. 1969 gehörte ich zu den Gründungsmitgliedern der literarischen "Karl-May-Gesellschaft", war auch 17 Jahre lang an der Redaktion des Jahrbuchs der Karl-May-Gesellschaft (Hansa-Verlag) beteiligt und konnte hier und in anderen Publikationsorganen Aufsätze zur Biographie und zu einzelnen Werken Mays veröffentlichen.

3. 2012 feiern wir den 170. Geburtstag Karl Mays und erinnern an seinen 100. Todestag. Was bedeutet dieses Jahr für Sie?
Im Karl-May-Gedenkjahr 2012 gibt es ja zahlreiche Aktivitäten wie die literarischen Symposien in Leipzig und Dresden. Ich selbst plane für Juni/ Juli eine Karl-May-Ausstellung in der Kreisbibliothek Eutin (Holstein) und bin auch an einer Ausstellung hier im Rathaus Bad Segeberg beteiligt. Ein kleines Buch von mir über Karl May, eine eher volkstümliche, reich bebilderte Einführung in Leben und Werk des Autors, soll im Sommer in der Husum Druck- und Verlagsgesellschaft erscheinen.


Mein Leben und Streben in
der Erstausgabe von 1910

Karl May ist für seine Abenteuerromane bekannt, außerdem hängt ihm der Ruf eines Hochstaplers nach, der in seinem Leben mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Sie haben sich genauer mit dem Autor befasst. Welche Aspekte und Facetten seines Lebens sind heute allzu wenig bekannt?
Viele skurrile Dinge, etwa in Zusammenhang mit Hochstapeleien bei den Delikten der frühen Jahre, die dann zu den Haftstrafen führten, werden heute sehr ausführlich ausgebreitet. Etwas zu kurz kommt mir dabei die Darstellung der sozialen Hintergründe und der psychologischen Zusammenhänge, die überhaupt dazu führten, dass May derartig auf die schiefe Bahn geriet. Und was das eher kurios anmutende Rollenspiel Mays in der Zeit zwischen 1892 und 1898 betrifft, als er sich sogar im Kostüm des Old Shatterhand (mit Winnetous Silberbüchse) und als Kara Ben Nemsi abbilden ließ, so wird ein positiver Aspekt meist übersehen: Nur das unmittelbare Hineinleben in diese Rollen befähigte den Autor zu der suggestiven Kraft des Erzählens, die seinen Gestalten so dauerhafte Lebenskraft verlieh, dass man die Bücher nach über 100 Jahren immer noch gern liest.

Welche Sekundärwerke zu Karl May können Sie Liebhabern empfehlen? Wichtigstes Grundlagenwerk ist natürlich Karl Mays Autobiographie Mein Leben und Streben, deren Erstausgabe von 1910 zu den extrem seltenen Sammelstücken gehört, die aber seit 1975 als Faksimile-Nachdruck bei Olms erschienen ist. Neuausgaben gab es inzwischen bei Pawlak und Weltbild. In etwas bearbeiteter Fassung ist sie seit 1916 innerhalb der Gesammelten Werke in dem Band 34 Ich enthalten, der noch weiteres umfangreiches Material zu Leben und Werk Mays enthält und in immer wieder ergänzten und überarbeiteten Ausgaben erschienen ist (an den Auflagen ab 1968 bin ich auch mit beteiligt). Die umfassendste Biographie Karl May - Leben und Werk stammt von Hermann Wohlgschaft. Sie ist in einem großformatigen Band erstmals 1994 im Igel-Verlag erschienen, seit 2005 in stark erweiterter Neuausgabe in dreibändiger Einteilung innerhalb der historisch-kritischen Ausgabe der Werke Karl Mays. Eine wichtige Grundlagen-Biographie ist das Buch von Hans Wollschläger Karl May - Grundriss eines gebrochenen Lebens. Es ist seit 1965 in mittlerweile vier verschiedenen Ausgaben im Handel oder im Antiquariat zu finden.
Ansonsten ist die Fülle der Sekundärliteratur kaum überschaubar: Biographien und Bildbände, Buchreihen mit Untersuchungen zu einzelnen Werken Mays, ganz zu schweigen von der mittlerweile 41 Bände umfassenden Serie Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft (1970-2011).


Stuttgarter Ausgabe von
H. Pleticha und S. Augustin

Viele Leser kennen die grünen Karl-May-Bände. Um welche Ausgabe handelt es sich dabei, welche anderen Ausgaben gibt es und welche lesen Sie persönlich am liebsten?
Am bekanntesten ist heute die grüne Bamberger Ausgabe Karl Mays Gesammelte Werke aus dem Karl-May-Verlag, Bamberg. Deren Vorgänger waren die zu Lebzeiten Mays erschienene Freiburger Ausgabe im Verlag F.E. Fehsenfeld, Freiburg (1892-1912) und die Radebeuler Ausgabe im Karl-May-Verlag, Radebeul (1913-1945). Die Ausstattung ist - mit kleinen Abweichungen und Titelbild-Änderungen - gleich geblieben, doch erschienen die Ausgaben bis 1945 in Frakturschrift, während man nach dem Krieg generell zur lateinischen Schrift (Antiqua) übergewechselt ist.
Die Freiburger Ausgabe (33 Bände) gibt es mittlerweise auch komplett als Reprint. Während die Bamberger Reihe als volkstümliche Leseausgabe für das breite, besonders jugendliche Publikum fast durchweg textlich "bearbeitet" ist, bringt die Freiburger und teilweise auch die Radebeuler Ausgabe noch den alten Originaltext Karl Mays und ist deshalb von Sammlern und Forschern begehrt. Verschiedene andere Reihen der letzten Jahrzehnte wie Pawlak, Weltbild, Parkland oder die schöne, großformatige von Heinrich Pleticha und Siegfried Augustin herausgegebene Stuttgarter Ausgabe enthalten wieder die alten, unbearbeiteten Texte. Welcher dieser Editionen der Vorzug zu geben ist, das ist wirklich persönliche Ermessenssache. Ich selbst bevorzuge die alten Ausgaben, nicht zuletzt, weil ich die Frakturschrift (heute im Sprachgebrauch oft als "altdeutsche Schrift" bezeichnet) sehr liebe.

Als Gründungsmitglied der Karl-May-Gesellschaft begleiten Sie die Herausgabe einer historisch-kritischen Ausgabe von Karl Mays Werken. Was zeichnet eine solche Ausgabe aus und welche besonderen Herausforderungen stellt sie an die Herausgeber?
Die seit 1987 im Entstehen begriffene historisch-kritische Ausgabe bringt - im Rahmen des Möglichen - eine absolut zuverlässige Textfassung, also buchstabengetreue Nachdrucke der zu Lebzeiten Mays erschienenen Texte. Im Anhang, dem editorischen Bericht werden, soweit vorhanden, die Textvarianten zusammengestellt, vom Zeitschriften-Erstdruck bis zur Ausgabe letzter Hand. Diese Edition kann damit eine zitierfähige Grundlage bilden für die weitere literarische Karl-May-Forschung, die sich ja mittlerweile zu einem durchaus ernstzunehmenden Zweig der Germanistik entwickelt hat. Übrigens soll die oben erwähnte Autobiographie Mein Leben und Streben noch in diesem Jahr in der Reihe erscheinen.

Welche Sammlerstücke von und über Karl May bieten Sie derzeit in Ihrem Antiquariat an?
Mein Karl-May-Angebot im ZVAB umfasst natürlich nur einen ganz kleinen Teil meines Lagerbestandes, den ich freilich auch laufend ausweiten werde. Darüber hinaus habe ich im Sommer während der Segeberger Karl-May-Spiele meine Verkaufs- und Informationsausstellung in einem Blockhaus direkt am Freilichttheater, und da habe ich noch sehr viele kleine und auch größere Sammelstücke, die man schwer im Internet anbieten kann, sondern dem Sammler direkt zeigen muss. In meinem ZVAB-Angebot kann ich hinweisen auf einige der frühen, heute eher nostalgisch wirkenden Bände der Sekundärliteratur, die allerdings bis heute ihre Gültigkeit behalten haben: Etwa die frühen Verteidigungsschriften von E.A. Schmid und Ludwig Gurlitt oder die bereits zu Lebzeiten Mays erschienene Untersuchung von Adolf Droop.


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