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Marie Luise Kaschnitz

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Marie Luise Kaschnitz-Preis


    November 2008 - Verleihung
    des Marie Luise Kaschnitz-
    Preises an Sibylle Lewitscharoff
    © Evangelische Akademie
Die erste Begegnung zwischen Marie Luise Kaschnitz und der Evangelischen Akademie Tutzing fand 1951 im Rahmen der Tagung "Wozu Dichtung?" statt. Dort trug die Schriftstellerin am 9. September einen Gedichtzyklus vor, der unter dem Titel Tutzinger Gedichtkreis ihren 1957 erscheinenden Lyrikband Neue Gedichte eröffnet. Hierin dokumentiert sich die besondere Verbundenheit zwischen Autorin und Akademie. Es ist der letzte große Gedichtzyklus von Marie Luise Kaschnitz, in dem sie nach den Erfahrungen von Holocaust und Krieg ein anklagendes Gespräch mit Gott führt.

Zehn Jahre nach dem Tod der Autorin wurde der von der Evangelischen Akademie Tutzing gestiftete Marie Luise Kaschnitz-Preis am 14. Oktober 1984 zum ersten Mal verliehen. Einmalig fand die Verleihung nicht in Tutzing, sondern im Kaisersaal des Frankfurter Römer statt, wohin der Insel Verlag und die Stadt Frankfurt eingeladen hatten. Als erste Preisträgerin wurde Ilse Aichinger ausgezeichnet.


November 2006 - Verleihung
des Marie Luise Kaschnitz-
Preises an Pascal Mercier
© Evangelische Akademie
Die Evangelische Akademie Tutzing hat den Marie Luise Kaschnitz-Preis gestiftet, da die Qualität des literarischen Werks dieser Schriftstellerin über jeden Zweifel erhaben ist und "weil wir uns und unsere Arbeit im Werk dieser Dichterin wiedererkennen können: in dem Geist, der verwandt ist unserem Geist und in der Humanität, der Marie Luise Kaschnitz sich verpflichtet wusste".
Für das Profil galt von Beginn der Anspruch: "Der Marie Luise Kaschnitz-Preis ist und soll ein Literatur-Preis einer evangelischen Akademie, nicht ein kirchlicher Preis für sogenannte `christliche Kunst` sein".
Ein weiteres Qualitätsmerkmal liegt darin, dass eine sachverständige und unabhängige Jury den Preisträger bzw. die Preisträgerin auswählt. Eigenbewerbungen oder Eingabe von Verlagen sind in der Satzung ausgeschlossen.

Mit dem Preis sollen deutschsprachige - insbesondere jüngere - Autoren ausgezeichnet werden, deren erzählerisches, lyrisches und/oder essayistisches Werk - im Geist der Namensträgerin des Preises - zu würdigen bzw. zu fördern ist. In die Urkunde, die beim Festakt dem Preisträger überreicht wird, ist ein Zitat von Marie Luise Kaschnitz eingedruckt, das ihren Anspruch an die Verantwortung des Schriftstellers dokumentiert. Es dem Text "Schwierigkeiten, heute die Wahrheit zu schreiben" entnommen, den die Autorin im Jahr 1963 für Radio Bremen gesprochen hat:


"Künstlerische Wahrheit ist Treue zu sich
selbst und zu seiner Zeit. Die Wahrheit,
auch die künstlerische, ist unbequem, die
Gesellschaftskritik stößt, auch in freien
Ländern, auf Widerstand, den neuen Formen
bringen nicht nur die Böswilligen
Misstrauen entgegen. Es lohnt sich,
darüber nachzudenken, woher da jeweils
der Wind weht. Aber wer sich nach ihm
richtet, weiß, dass er den Boden der
Wahrheit schon verlassen und seine Sache
schon verraten hat."


Dieses Credo hat nichts an Aktualität eingebüßt. Die alle zwei Jahre im Herbst stattfindende Preisverleihung hat eine besondere Form. Sie ist integriert in eine öffentlich ausgeschriebene Wochenendtagung, die sich thematisch in Vorträgen, Lesungen und Diskussionsrunden mit dem Werk des Preisträgers auseinandersetzt. Zum Festakt der Preisübergabe werden zudem Persönlichkeiten aus Literatur, Kultur(Politik), Kunst, Wissenschaft und Medien eingeladen.

Die bisherigen Preisträger sind: Mirko Bonné, Ilse Aichinger; Hanna Johansen; Fritz Rudolf Fries; Paul Nizon; Gerhard Roth; Ruth Klüger; Erica Pedretti; Arnold Stadler; Wulf Kirsten; Robert Menasse; Julia Franck; Pascal Mercier; Sibylle Lewitscharoff.