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Lithographie

Samuel Prout

(1783-1852)

Antiquariat Bierl

Von Glück (und Leid) des Sammelns

"Alle Liebe zur Kunst bleibt so lange platonisch, bis man als Käufer sich mit ihr befaßt, recht eigentlich seine Haut für sie zu Markte trägt" (Emil Preetorius).


Une orgie
Ein Kunsthändler und Antiquar bedient seine Kunden mit Gütern, die sie streng genommen, nicht notwendig brauchen. Aber gerade deshalb sind sie glücklich: Sie haben so etwas wie "reine Freude" erworben. Denn die zweckfreien Dinge, die nicht Konsumierbaren sind es, die uns Menschen glücklich machen. Welche Freude für einen wahren Sammler, wenn er ein lange gesuchtes Stück findet. Und dieses Glücksgefühl des Findens ist nicht übertragbar, nur erlebbar! Genauso wie das Leid, wenn einem z. B. ein lange gesuchtes Stück entwischt, weil ein anderer Sammler schneller war! Denn, und das weiß jeder Sammler und Händler - man ärgert sich nicht lange über einen Fehlkauf, aber sehr lange über ein entgangenes "Schmankerl".

Kritische Zeitgenossen neigen zu der Ansicht, das Sammeln alter Graphik gebe es erst seit Beginn des 20. Jahrhundert. Doch weit gefehlt! Bereits seit der Renaissance, also seit Erfindung der "schwarzen Kunst" mit ihren verschiedenen Möglichkeiten der Bildwiedergabe durch Holzstock und Kupferplatte, wird gesammelt, bewahrt, aufgehängt, geforscht und präsentiert. Rembrandt van Rijn (1606-1669) selbst besaß über 3000 Kupferstiche, die er ganz oder teilweise als Vorlagen für seine Ölbilder verwendete.

Der wohl wichtigste Punkt zuerst: Was soll ich sammeln? Nach welchen Gesichtspunkten stelle ich eine Sammlung zusammen, welche Schwerpunkte kann ich setzen? In der Regel wird sich das im Laufe der Zeit heraus kristallisieren. Die Möglichkeiten sind nahezu unendlich: Städteansichten, Landschaften, Landkarten, Porträts, Heiligendarstellungen, Wappen, Pflanzen- und Tierbilder, Karikaturen, Exlibris, Künstlergraphik, Volkstrachten, Plakate, ferner bestimmte Drucktechniken, Zustandsdrucke usw. Die Themen sind vielfältig, denn auch die Interessen und Talente der Künstler waren es.

Natürlich suchen Sie sich ein Thema, das Sie interessiert, etwas, zu dem Sie eine Verbindung haben. Das kann Ihr Wohn- oder Geburtsort, Ihr Beruf, Ihre Familie oder Ihr Hobby sein. Auch Interesse für Geschichte, für Medizin oder Literatur, für bestimmte Länder, Tiere, Pflanzen oder ..., das alles kann den Weg zum Sammeln ebnen. Zum Sammeln braucht es Neigung und Interesse, Liebe und Leidenschaft.

Für den Sammler ist zunächst die Kenntnis der Drucktechniken unabdingbar. In der nächsten Zeit erhalten Sie hier im ZVAB Beschreibungen zu allen wichtigen originalen Drucktechniken mit Beispielen und entsprechenden Künstlern, den Anfang macht die Lithographie. Scheuen Sie sich nicht, auf "Tuchfühlung" mit der Graphik zu gehen. Gerade für das alte Papier und die feinen Unterschiede der verschiedenen Drucktechniken muss man durch Sehen und Anfassen ein Gefühl bekommen. Eine gute Gelegenheit hierzu sind Antiquariatsmessen. Termine und Orte finden Sie hier im ZVAB. Auf Messen lässt sich gut auch ein direktes Gespräch mit dem Händler führen.

Auf diesen Messen finden Sie qualifizierte Graphikhändler:
  • Kölner Antiquariatstage (30. bis 31. Mai 2009)
  • Frankfurter Antiquariatsmesse (14. bis 18. Oktober 2009)
  • LiberBerlin (30. Oktober bis 01. November 2009)
  • Quod Libet in Hamburg (13. bis 15. November 2009)
  • Stuttgarter Antiquariatsmesse (29. bis 31. Januar 2010)



Eurasburg - Sehr schlechter
Abzug der 2. Auflage -
nicht verkäuflich
Die Druckqualität und der Erhaltungszustand sollten für Ihre Sammlung eine wichtige Rolle spielen. Eines der besten Beispiele für die Druckqualität sind wohl Michael Wenings Blätter der Topographie Bayerns. Während die 1. unnummerierte Auflage mit schönen, kräftigen Abdrucken glänzt, sind die Abdrucke der 2. nummerierten Auflage meist schwach und ungleichmäßig.

Stock- oder Fingerflecken, kleine Randeinrisse oder verschiedene Papiertönungen sind ganz normal und dem Alter entsprechend. Wenn auch nicht immer in der Beschreibung erwähnt, sind Sie vom Händler auf jeden Fall im Preis berücksichtigt. Eine professionelle Restaurierung, wenn nötig, ist wichtig und gehört zum Pflegen und Bewahren.

Sollten Ihnen mehrere Exemplare einer Graphik zur Auswahl stehen, entscheiden Sie sich immer für den besten Zustand, auch wenn das Blatt im Moment kostspieliger ist. Sie werden es auf Dauer nicht bereuen.

Nach dem Erwerb eines Blattes benötigen Sie eine entsprechende Präsentation oder Aufbewahrung. Hier zählt wie überall "Schön ist was gefällt". Säurefreie Passepartouts erhalten Sie mittlerweile in allen Farben und auch bei den Rahmen kommen jedes Jahr, neben den Klassikern, neue Kollektionen heraus. Entscheiden Sie sich bei einem kostbaren Blatt für ein Glas mit UV-Schutz. Dennoch sollten Sie direkte Sonneneinstrahlung immer meiden. Gerade ein feines Altkolorit kann so unwiederbringlich zerstört werden. Die Aufbewahrung in Mappen und Kassetten ist immer empfehlenswert.


Wer sammelt, ist in guter Gesellschaft
(hier nur eine kleine Auswahl bedeutender Sammler):
  • Herzog Jean de Berry (1340-1406) - Miniaturhandschriften
  • Paul Praun (1548-1616) - Kupferstiche
  • Abbé Claude Mangis (1600-1658) - Kupferstiche
  • Michel de Marolles Abbé de Villeloin (1600-1681) - Kupferstiche
  • Hans Sloane (1660-1758) - Bücher und Graphik
  • Kurfürst Karl Theodor von Bayern (1724-1799) - Kupferstiche
  • Cornelis Ploos van Amstel (1726-1798) - Rembrandt Radierungen
  • Prinz Albert von Sachsen (1738-1822) - Handzeichnungen und Kupferstiche
  • König Maximilian I. Joseph von Bayern (1756-1825) - Graphik
  • Graf Moritz von Fries (1777-1826) - Kleinmeister
  • Adalbert Freiherr von Lanna (1836-1909) - Graphik


Bibliografie   

Autor
Titel ZVAB Suche
R.A. Winkler Wie sammle ich Lithographien. München: Moos 1965 Suche
Heinrich Leporini Der Kupferstichsammler. Berlin: Schmidt 1924 Suche
Max Schweidler Sammeln und Sichten. Innsbruck: Wagner 1941 Suche
Die Mappe (Hrsg.) Sammeln und Bewahren. München: Robert Wölfle 1973 Suche
Werner Muensterberger Sammeln: Eine unbändige Leidenschaft. Berlin Verlag 1995 Suche
Jürgen K. Ecker Handbuch für den Graphikkäufer. Gütersloh: Prisma 1985 Suche