The death, then, of a beautiful woman is, unquestionably, the most poetical topic in the world.
Edgar Allan Poe ist der Erfinder der modernen Kurzgeschichte, gilt als Großmeister des sublimen Grauens und Vater der Detektiverzählung. Sein Leben und Werk werden nun anlässlich seines 200. Geburtstags am 19. Januar allerorten gebührend gewürdigt. Zu Lebzeiten, aber auch in den Jahren nach seinem frühen Tod im Alter von nur 40 Jahren, wurde ihm in seiner Heimat USA diese Anerkennung verwehrt. Erst durch die Wertschätzung, die Poe in Europa erfuhr, änderte sich dies. Nicht der Trunksüchtige, Mittellose, gesellschaftlich Unzeitgemäße bestimmt das Bild des Dichters. Vielmehr wird Poe heute als ungemein einflussreicher Wegbereiter für den Übergang von der Romantik zur Moderne wahrgenommen.
Der "Märchenkönig" Ludwig der II. von Bayern gehörte zu den frühesten Bewunderern von Edgar Allan Poe in Deutschland. In einem Interview mit einem amerikanischen Journalisten schwärmt er von Poe als "einem Juwel und einem der größten Menschen, die je geboren wurden". Dass der adelige Wittelsbacher Regent ausgerechnet in dem halbwaisen, aus ärmlichen Verhältnissen stammenden, amerikanischen Schriftsteller einen Seelenverwandten auszumachen glaubte, erscheint nur auf den ersten Blick verwunderlich. Edgar Allan Poe steht für ein Künstlerbild, das bis heute kaum etwas von seiner Faszination eingebüßt hat, gilt er doch als Inbegriff des poète maudit (des verfemten Dichters): das verkannte, gesellschaftlich verstoßene Genie, das der grausam abgestumpften Wirklichkeit mittels der Kunst (aber auch in selbstzerstörerischer Weise durch Alkohol und Drogen) entflieht.
Es waren tatsächlich nicht nur die persönlichen Schicksalsschläge und wirtschaftliche Not, die Poe mit seinem Leben hadern ließen. Seine gesamte Sicht auf die Welt vertrug sich kaum mit dem herrschenden puritanischen Zeitgeist, und als scharfzüngiger Kritiker machte er sich mit seinen Rezensionen auch unter Kollegen der schreibenden Zunft Feinde. Seine Gegnerschaft war schließlich so groß, dass Poes Werk nach seinem Tod, dessen Ursache bis heute nicht geklärt ist, als Ausgeburt eines wahnsinnigen, sündigen Trunkenbolds diffamiert wohl dem Vergessen anheim gefallen wäre, wenn es nicht über den Umweg über Europa, schließlich doch Eingang in den Kanon der amerikanischen Moderne gefunden hätte.
Wie König Ludwig empfand auch Charles Baudelaire Poe als einen Geistesverwandten und übersetzte schon früh dessen Erzählungen ins Französische. Dafür brachte er sich selbst die englische Sprache bei. Poes Ästhetik weist in der Tat Parallelen zu der der französischen Symbolisten auf. Und so lässt sich eine Rezeptionslinie von Baudelaire über Mallarmé bis hin zur Dekadenzliteratur des Fin de siècle, den Ästhetizismus und die l’art pour l’art-Bewegung ausmachen, wobei sich das Interesse an dem rationalen Analytiker Poe zunehmend hin zu einem an Poe, der als ein Meister des Schreckens, des Horrors und der Phantastik bewundert wird, verschiebt.
Poes nachhaltiger Einfluss auf die Literaturgeschichte ist vielfältig. Er gilt als Erfinder des Genres der Kurzgeschichte, das er auch theoretisch reflektierte. Daneben begründet er mit den Erzählungen "The Murders in the Rue Morgue" (1841; dt. "Der Doppelmord in der Rue Morgue", 1875) und "The Purloined Letter" (1845; dt. "Der entwendete Brief", 1882) die moderne Detektivgeschichte, in der der Ermittler durch genaue Beobachtung und präzise Analyse Verbrechen zu klären vermag. Als Erzähler fungiert ein namenloser Helfer des Detektivs Dupin. Damit liefert Poe die Vorlage für die Detektivgeschichte, wie sie Arthur Conan Doyle mit Sherlock Holmes und Dr. Watson aufgreifen wird.
"Der entwendete Brief" ist auch Gegenstand der Betrachtung zweier französischer Poststrukturalisten. Der Psychoanalytiker Jacques Lacan interpretiert 1955 die Erzählung und ruft damit den Widerspruch von Jacques Derrida hervor, der seine Lesart des Textes dagegen hält. Beide Interpretationen sind inzwischen selbst Thema einer Reihe von Veröffentlichungen geworden.
Edgar Allan Poes literarisches Lebenswerk umfasst mehr als 50 Gedichte, 70 Kurzgeschichten und mit Der Bericht des Arthur Gordon Pym ein einziges umfangreicheres Prosawerk. Dazu kommen zahllose journalistische Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften. Wir haben für Sie eine Auswahl seiner Werke im ZVAB zusammengestellt.
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