20 Jahre nach dem Mauerfall werden drei ostdeutsche Autoren mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet: Erich Loest, Monika Maron und Uwe Tellkamp. Zwar gehören die drei unterschiedlichen Generationen an – Erich Loest ist Jahrgang 1926, Monika Maron wurde 1941 geboren und Uwe Tellkamp 1968 –, doch haben sie sich alle in ihren Werken intensiv und sehr persönlich mit ihren Erfahrungen in der DDR auseinandergesetzt. Ihre Bücher führen vor allem Westdeutschen und Jugendlichen, die die deutsche Teilung und die DDR nicht mehr selbst erlebt haben, jenseits jeglicher Ostalgie vor Augen, wie das Leben im »real existierenden Sozialismus« tatsächlich war. Damit fördern die drei Preisträger, wie Kurt Biedenkopf, der Präsident des Senats der Deutschen Nationalstiftung betont, »unser gemeinsames Geschichtsbewusstsein und ein verständnisvolles Wir-Gefühl«.
Wir vom ZVAB gratulieren den Preisträgern ganz herzlich und laden Sie ein, in den Werken der drei Autoren zu stöbern und ihren Stimmen aus einem untergegangenen Land zu lauschen.
Erich Loest Monika Maron Uwe Tellkamp
Erich Loest trat 1947 als 21-jähriger unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Diktatur in die SED ein. Als Journalist schrieb er für die Leipziger Volkszeitung und studierte in den 1950er Jahren am Literaturinstitut Johannes R. Becher in Leipzig. 1950 erschien sein erster Roman Jungen, die übrig blieben. Nach dem Tod Stalins geriet Loest in Konflikt mit dem DDR-Regime und wurde 1957 wegen »konterrevolutionärer Gruppenbildung« zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Bautzen verbüßte. Nach seiner Entlassung veröffentlichte er, zum Teil unter Pseudonym, eine Reihe von Romanen und Erzählungen wie den Kriminalroman Der Mörder saß im Wembley-Stadion, der unter dem Namen Hans Walldorf erschien. Als sich Loest Ende der 1970er Jahre mit anderen Schriftstellern gegen die Zensur engagierte, fiel er erneut in Ungnade. Er wurde von der Stasi massiv überwacht und bei seiner Arbeit behindert. Erich Loest zog die Konsequenzen und reiste in die Bundesrepublik aus. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Der elfte Mann (1969), Schattenboxen (1973), Swallow, mein wackerer Mustang (1980), Durch die Erde ein Riß (1981), Nikolaikirche (1995) und Prozesskosten (2007).
Titel |
ZVAB Suche |
|---|---|
| Jungen, die übrig blieben | Suche |
| Der Mörder saß im Wembley-Stadion | Suche |
| Der elfte Mann | Suche |
| Schattenboxen | Suche |
| Swallow, mein wackerer Mustang | Suche |
| Durch die Erde ein Riß | Suche |
| Nikolaikirche | Suche |
| Prozesskosten | Suche |
| Erstausgaben von Erich Loest | Suche |
| von Erich Loest signierte Bücher | Suche |
Monika Maron wuchs in einer linientreuen Familie auf: Ihr Stiefvater Karl Maron war von 1955 bis 1963 Innenminister der DDR. Doch schon als Schülerin distanzierte sich Monika Maron vom Regime und trat Ende der 1970er Jahre aus der SED aus. Auch scheiterten Versuche der Stasi, sie als Spitzel zu gewinnen, da Maron nur unbrauchbare Berichte ablieferte. Ihre zwei Berichte an die Stasi veröffentlichte sie nach der Wende in dem Essay-Band Quer über die Gleise. Seit Mitte der 1970er Jahre lebte Maron als freie Schriftstellerin in Berlin. 1981 erschien ihr Debüt-Roman Flugasche, der sich mit der Umweltverschmutzung in der DDR auseinandersetzte. Nachdem sie Druckverbot erhalten hatte und für sich keine Zukunft mehr in der DDR sah, siedelte Monika Maron 1988 in die Bundesrepublik über. Zu ihren wichtigsten Werken zählen Die Überläuferin (1986), Stille Zeile Sechs (1991), Pawels Briefe (1999) und Endmoränen (2002).
Titel |
ZVAB Suche |
|---|---|
| Flugasche | Suche |
| Die Überläuferin | Suche |
| Stille Zeile Sechs | Suche |
| Pawels Briefe | Suche |
| Quer über die Gleise | Suche |
| Endmoränen | Suche |
| Erstausgaben von Monika Maron | Suche |
| von Monika Maron signierte Bücher | Suche |
Uwe Telllkamp ist der jüngste der drei Preisträger: Er wurde 1968 in Dresden geboren. Nach dem Abitur verpflichtete er sich zum dreijährigen Wehrdienst in der NVA, um danach Medizin studieren zu können. Weil er Texte von westdeutschen Autoren und Wolf Biermann besaß, fiel er dort jedoch wegen »politischer Diversantentätigkeit« negativ auf und verlor seinen Studienplatz. Seinen Traum vom Medizinstudium konnte Uwe Tellkamp daher erst nach dem Ende der DDR verwirklichen. Nachdem Tellkamp zunächst Beiträge für Literaturzeitschriften wie Akzente und comma verfasst hatte, erschien 2000 sein erster Roman Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café. Im letzten Jahr veröffentlichte er bei Suhrkamp Der Turm, ein monumentales Gesellschaftspanorama über die letzten Jahre in der DDR, für das er mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Zu seinen wichtigsten Werken zählen außerdem die Erzählung Der Schlaf in den Uhren (2004) und Der Eisvogel (2005).
Titel |
ZVAB Suche |
|---|---|
| Der Eisvogel | Suche |
| Der Turm | Suche |
| Mit einem Porträt von Uwe Tellkamp: Radisch, Iris: Die Besten 2004, Klagenfurter Texte 2004 | Suche |