Kurt Tucholsky
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Tucholsky, Kurt,: Konvolut v. 16 Büchern / 1. Gruss nach vorn, (Eine Auswahl aus seinen Schriften und Gedichten), Stuttgart-Hamburg, Ernst Rowohlt,, 1946.
DABEI: Tucholsky, Kurt - Ausgewählte Werke. Aus dem Ärmel geschüttelt (Stuttgart, Bücherbund Lizenzausgabe, o.J. (um 1985), geb., SU, 438 S., guter Zustand) (Lit.) ------------ DABEI: Tucholsky, Kurt - Ausgewählte Werke. Hier und da (Stuttgart, Bücherbund Lizenzausgabe, o.J. (um 1985), geb., SU, 447 S., guter Zustand) (Lit.) ----------- DABEI: Tucholsky, Kurt - Mit 5 PS. Auswahl von 1924 bis 1925. Ausgewählte Werke. Band 3 (Berlin. Verlag Volk und Welt als Lizenzausgabe mit Genehmigung des Rowohlt Verlages Reinbek bei Hamburg.1977, 3.Aufl., 559 S., Leineneinband mit Schutzumschlag (dieser m. leichten Gebr.spuren), 8°. Herausgegeben von Roland Links unter Mitarbeit von Christa Links. Mit einem Nachwort des Herausgebers. Einband und Schutzumschlag von Werner Klemke. guter Zustand. Mit 5 PS" hieß der erste große Sammelband von Kurt Tucholsky (1890-1935), der 1928 veröffentlicht worden war und vorwiegend Arbeiten aus den Jahren 1924 bis 1926 enthielt. Im vorliegenden Band sind Arbeiten aus den Jahren 1924 und 1925 vereint) (Lit.) --------- DABEI: Kurt Tucholsky - Rheinsberg (Ein Bilderbuch für Verliebte) (Berlin, Gebr. Weiss, um 1955, Ill. Max Schwimmer, 73 S., Leinen (schön), OUmschlag (etwas randrissig), kl. Widmung auf Vorsatz) ------------- DABEI: Kurt Tucholsky - Ein Pyrenäenbuch (Hamburg, Rowohlt, 1953, 12.-17. Tsd., 218 S., Leinen, kl. Lichtrand, sonst gut) -------------- DABEI: Raddatz, Fritz J. - Tucholsky. Ein Pseudonym (Essay) 6.-8. Tsd., Reinbek, Rowohlt, 1990, ISBN 3498057065, 158 S. 8° kartoniert, Originalumschlag, gutes Ex.) (Lit.) -------------- DABEI: Tucholsky, Kurt - Kurt Tucholsky haßt - liebt. In Prosastücken, Gedichten und Briefen. Hrsg. von Mary Gerold-Tucholsky (Hamburg: Rowohlt 1958, 7.-9. Tsd. Mit 1 Titelporträt. 252 S. OLn mit OSchutzumschlag, min. Gebr.spuren, gutes Ex.) ---------- DABEI: Tucholsky, Kurt - Ausgewählte Werke - 2 Bände (Reinbek b. Hamburg : Rowohlt 1965, 1.-30. Tsd., 506 S. 8° (Die Bücher der neunzehn ; Bd. 128), Gewebeeinband m. Schutzumschlag Zustand gut. Leichte Gebrauchsspuren) ------------- DABEI: Tucholsky, Kurt - Ausgewählte Werke. Band 1-4 (4 Bände) (Berlin, Volk und Welt, 1956, 1957, 1958, 1960, ca. 1800 S. zus., Leinen, gute Ex. (Deutschland, Deutschland unter anderen -- Panter, Tiger und andere -- ... ganz anders ---- Rheinsberg und anderes) (Lit.) -------------- DABEI: Kurt Tucholsky - Und überhaupt... (Hrsg. von Mary Gerold-Tucholsky (Hamburg: Rowohlt 1955, 7.-11. Tsd. 371 S. OLn, gutes Ex.) ------------- DABEI: Tucholsky Kurt - Ausgewählte Briefe 1913 - 1935 (Rowohlt Hamburg 1962, 1. Ausgabe, 567 S., Leinen, kl. Lichtrand, sonst gut) (Gesammelte Werke. hrsgg. von Mary Gerold-Tucholsky, Fritz J. Raddatz)
1. Nachkriegsausgabe, 295 S., Hg. Erich Kästner, Karton, Ränder u. Kanten etw. best., Name auf Vorsatz,
Tucholsky, Kurt: Rheinsberg ein Bilderbuch für Verliebte und anderes. Mit Zeichnungen von Kurt Szafranski. Herausgegeben vom Mary Gerold-Tucholsky. Rowohlt Taschenbuch Verlag 321.-330. Tausend 1981 Reinbek bei Hamburg ISBN: 3499102617
152S. 8°
Taschenbuch Papier allg. deutlich nachgedunkelt, ansonsten gute Erhaltung. Dieses berühmte "Bilderbuch für Verliebte", die sommerliche Wochenendfahrt zweier junger Großstadtmenschen ins märkische Schlossstätdchen, ist voll liebenswürdiger Ironie und erotischem Charme. Neben den biedermeierlich - poetischen Zeichnungen Kurt Szafranskis enthält diese Neuausgabe auch noch eine Auswahl verwandter Prosa. Mit der Erzählung Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte trat der bis dahin als Publizist bekannte Kurt Tucholsky 1912 ans Licht der literarischen Öffentlichkeit. Ihr Erfolg beim zeitgenössischen Publikum ist neben der inhaltlichen Provokation vor allem dem leichten, ironischen Stil zuzuschreiben, mit dem der Autor den Wochenendausflug eines unverheirateten jungen Paares schildert. Die kurze Erzählung handelt vom dreitägigen Ausflug zweier Verliebter, Claire und Wolfgang, die mit dem Zug ins ländliche Rheinsberg fahren, um ihrem monotonen Berliner Alltag zu entfliehen. Da die Reise eines unverheirateten Paares zu dieser Zeit als unziemlich galt, verwenden die Verliebten den Decknamen "Ehepaar Gambetta". Am Reisesziel angekommen, geben sie sich mit einer Prise Ironie unschuldigen touristischen Vergnügungen hin. So besichtigen sie das Schloss Rheinsberg und machen Bootstouren auf den umliegenden Seen. Gemeinsam bewundern sie die unberührte Natur, die ihnen als Grossstadtmenschen völlig fremd erscheint. Auf ihrem Nachtspaziergang verfolgen sie durch ein Fenster den Ausschnitt aus einem Theaterstück. Am zweiten Tag unternehmen sie nach einem späten Frühstück einen Spaziergang durch die Stadt. Anhand der Läden fällt ihnen auf, dass die Modernität auch vor dem Landleben nicht halt macht. Danach gehen sie zusammen ins Kino ("Kinematograph"), wobei Claire andauernd Fragen zu den Filmen stellt. Am letzten ihrer drei Tage unternehmen sie erneut eine Bootstour, bei der sie eine Medizinstudentin namens Lissy Aachner auf ihrem Boot mitnehmen. Nach einem Spaziergang durch den Park kehren sie mit dem Zug zurück "in die große Stadt, in der es wieder Mühen für sie gab, graue Tage und sehnsüchtige Telefongespräche, verschwiegene Nachmittage, Arbeit und das ganze Glück ihrer großen Liebe." Obwohl Rheinsberg keine eigentlichen Bilder enthält, erinnert es - wie der Untertitel verspricht -an ein Bilderbuch. So verzichtet Kurt Tucholsky weitgehend auf den klassischen Spannungsaufbau. Vielmehr werden das idyllische Rheinsberg und die freie Liebe der Protagonisten in einer losen Folge impressionistischer Momentaufnahmen beschrieben. Dies geschieht in szenischer Darstellung, vor allem in Form von Dialogen, die durch ironische Kommentare angereichert werden. Es dominiert ein personales Erzählverhalten: Es ist unschwer erkennbar, dass es die männliche Hauptfigur ist, aus deren Sicht die Handlung wiedergegeben wird. Die Sprache der beiden Protagonisten ist sehr eigentümlich. Tucholsky bedient sich bei den Dialogen in Rheinsberg einer für die damalige Literatur unkonventionell wörtlich übernommenen Umgangssprache. Ausserdem verwendet das Liebespaar in seinen Konversationen oft Sarkasmus und eine übertrieben rosige Liebessprache. " nein Sonne weeiit Land Seh mal: 'ne Akazie! 'ne blühende Akazie, lauter blühende Akazien" "Ich habe ein außerordentlich feines Empfinden dafür, ich vermute, du bist gewillt, dich über mich lustig zu machen. Wird diese Vermutung zur Gewißheit, so schlage ich dich nieder." Figuren Claire ist mit ihrem ungebundenen Wesen und dem losen Mundwerk das pure Gegenstück zum konventionellen Frauenbild des Wilhelminischen Reiches. Sie ist eine Medizinstudentin aus gutem Hause, mit strengem Vater und einer Familie mit gutem Ruf. Damit ihre Eltern nichts von ihrem verlängerten Wochenende mit Wolfgang erfahren, fährt sie unter dem Vorwand, eine Freundin zu besuchen, in die Ferien. Sie fühlt sich als wichtiges und hübsches Mädchen und gibt ihre Überlegenheit auch dem Geliebten mehrfach zu verstehen. Trotzdem ist ihre Liebe aus der Mischung von Sticheleien und liebevollen Wörtern deutlich herauszulesen. Claire hat ihre ganz eigene Weise, mit Menschen umzugehen, redet mit ihnen scheinbar wirre Dinge, um sie zu irritieren, was ihren eigenen Humor ausmacht. Besonders auffallend ist, dass sie sich ihre eigene, wirre Sprache zurechtgelegt hat, die an die ersten Sprechversuche eines Kleinkindes erinnert: "Ach Gott, konnste auch besser mir nicht zu bekorrigieren zu gebrauchs gehabs habs!". Das reale Vorbild für die Figur der Claire war Else Weil, mit der Kurt Tucholsky im August 1911 ein Wochenende in Rheinsberg verbrachte. Wolfgang ("Wölfchen") Über seinen Hintergrund ist noch weniger bekannt als über jenen von Claire. In dem gebildeten jungen Mann kann man indes unschwer das Alter Ego des jungen Kurt Tucholsky identifizieren. Er spricht Latein ("'Ne quis animadvertat! Prost.'") und kennt sich in Biologie aus. Des Weiteren liebt er es zu philosophieren. " Wie merkwürdig , sagte Wolfgang, draußen ist es totenstill, der Mond scheint, und hier drinnen spielen sie ein Scheinleben. Und wir kommen hinzu, wissen nichts von den Voraussetzungen des ersten Akts und bleiben ernst. " Im Gegensatz zu Claire wirkt er seriös und überlegt. Er stellt das typische Mannsbild dar: stark, beschützerisch und rechthaberisch. Meist ist er es, der sagt, was man tut und wohin man geht. Wenn Clarie ihm widerspricht, wird er wütend und droht ihr spielerisch, sie zu schlagen. Weitere Personen Herr Adler ist der übergewichtige Kastellan des Schlosses und führt das junge Paar herum. Stolz gibt er sein Wissen über das Gebäude preis und wundert sich, dass die Besucher nicht mehr Bewunderung zeigen. Lissy Achner ist eine sehr ambitionierte Medizinstudentin. Das verliebte Paar nimmt sie mit auf dem Boot und unterhält sich mit ihr. Lissy Achner spricht sehr viel und teilt Claire und Wölfchen ihre unkonventionellen Ansichten über Gott und die Welt mit. Sie scheint sehr stur zu sein und alles im Leben im Griff zu haben. Nach dem biografischen Interpretationsverfahren kann die Erzählung Rheinsberg als Aufarbeitung eines wirklich so geschehen Ausfluges von Tucholsky mit seiner Freundin (Else Weil) in die Natur ausgelegt werden. Tucholsky verspottet mit der lockeren, unschuldigen Liebe der beiden Protagonisten und deren frechen Spässchen die Prüdheit des Bürgertums bezüglich Sexualität und unverbindlichen Beziehungen, wie dies viele Künstler der Weimarer Republik getan haben. Der Stil der neuen Sachlichkeit der mit einer ironischen Lockerheit grosse Gefühle zum Ausdruck bringt, ist in diesem Werk sehr schön ersichtlicht. Gleichsam im Vorbeigehen verspottet der Satiriker Tucholsky in der Schilderung des Liebesidylls das Bürgertum, dessen Sexualmoral und Sprache sowie das Militärwesen mit seinem Märtyrertum. ("Sehssu, mein Affgen, das is nu deine Heimat. Sag mal: würdest du für dieselbe in den Tod gehen?") Das Buch hat sich seit seinem Erscheinen im Jahr 1912 zu einem Klassiker für Verliebte entwickelt. Dem Autor zufolge wurde das Werk von den Rezensenten gut aufgenommen. Zusammen mit Mr. X eröffnete Tucholsky auf dem Kurfürstendamm eine 'Bücherbar', in der sie billig Bücher und Alkohol verkauften. Wer in dieser Bar eine Ausgabe von Rheinsberg erstand, erhielt dazu gratis ein alkoholisches Getränk. Tucholsky schrieb zur 50'000 Ausgabe des Buches in der Weltbühne: "Die Presse brachte sich um. Die Breslauer Zeitung war dagegen, die Vossische dafür, Prag und Riga verhielten sich neutral - die Ausschnitte sind noch da - und der Sankt Petersburger Herold vom achtzehnten Dezember 1912 schrieb, wer einen Wilde erstehe, der bekäme Whisky Soda, und wer Ibsen kaufte, einen nordischen Korn. Das stimmte aber nicht - wir tranken selber. Und verkauften schrecklich viele Rheinsbergs ." Das Buch wurde 1967 unter der Regie von Kurt Hoffmann in Deutschland verfilmt. Die Rolle von Claire und Wolf übernahmen Cornelia Froboess und Christian Wolff.
[SW: Deutsche Literatur | Erzählung | Illustrierte Bücher]
Tucholsky, Kurt: Rheinsberg ein Bilderbuch für Verliebte und anderes. Mit Zeichnungen von Kurt Szafranski. Herausgegeben vom Mary Gerold-Tucholsky. Rowohlt Taschenbuch Verlag 48.Aufl. 2003 Reinbek bei Hamburg ISBN: 3499102617
152S. 8°
Taschenbuch Kugelschreibernamenszug bzw. Datum bzw. Unterstreichung auf Vorsatz, Titelblatt und Impressum/Inhaltsverzeichnis, Papier leicht nachgedunkelt, ansonsten sehr guter Zustand. Dieses berühmte "Bilderbuch für Verliebte", die sommerliche Wochenendfahrt zweier junger Großstadtmenschen ins märkische Schlossstätdchen, ist voll liebenswürdiger Ironie und erotischem Charme. Neben den biedermeierlich - poetischen Zeichnungen Kurt Szafranskis enthält diese Neuausgabe auch noch eine Auswahl verwandter Prosa. Mit der Erzählung Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte trat der bis dahin als Publizist bekannte Kurt Tucholsky 1912 ans Licht der literarischen Öffentlichkeit. Ihr Erfolg beim zeitgenössischen Publikum ist neben der inhaltlichen Provokation vor allem dem leichten, ironischen Stil zuzuschreiben, mit dem der Autor den Wochenendausflug eines unverheirateten jungen Paares schildert. Die kurze Erzählung handelt vom dreitägigen Ausflug zweier Verliebter, Claire und Wolfgang, die mit dem Zug ins ländliche Rheinsberg fahren, um ihrem monotonen Berliner Alltag zu entfliehen. Da die Reise eines unverheirateten Paares zu dieser Zeit als unziemlich galt, verwenden die Verliebten den Decknamen "Ehepaar Gambetta". Am Reisesziel angekommen, geben sie sich mit einer Prise Ironie unschuldigen touristischen Vergnügungen hin. So besichtigen sie das Schloss Rheinsberg und machen Bootstouren auf den umliegenden Seen. Gemeinsam bewundern sie die unberührte Natur, die ihnen als Grossstadtmenschen völlig fremd erscheint. Auf ihrem Nachtspaziergang verfolgen sie durch ein Fenster den Ausschnitt aus einem Theaterstück. Am zweiten Tag unternehmen sie nach einem späten Frühstück einen Spaziergang durch die Stadt. Anhand der Läden fällt ihnen auf, dass die Modernität auch vor dem Landleben nicht halt macht. Danach gehen sie zusammen ins Kino ("Kinematograph"), wobei Claire andauernd Fragen zu den Filmen stellt. Am letzten ihrer drei Tage unternehmen sie erneut eine Bootstour, bei der sie eine Medizinstudentin namens Lissy Aachner auf ihrem Boot mitnehmen. Nach einem Spaziergang durch den Park kehren sie mit dem Zug zurück "in die große Stadt, in der es wieder Mühen für sie gab, graue Tage und sehnsüchtige Telefongespräche, verschwiegene Nachmittage, Arbeit und das ganze Glück ihrer großen Liebe." Obwohl Rheinsberg keine eigentlichen Bilder enthält, erinnert es - wie der Untertitel verspricht -an ein Bilderbuch. So verzichtet Kurt Tucholsky weitgehend auf den klassischen Spannungsaufbau. Vielmehr werden das idyllische Rheinsberg und die freie Liebe der Protagonisten in einer losen Folge impressionistischer Momentaufnahmen beschrieben. Dies geschieht in szenischer Darstellung, vor allem in Form von Dialogen, die durch ironische Kommentare angereichert werden. Es dominiert ein personales Erzählverhalten: Es ist unschwer erkennbar, dass es die männliche Hauptfigur ist, aus deren Sicht die Handlung wiedergegeben wird. Die Sprache der beiden Protagonisten ist sehr eigentümlich. Tucholsky bedient sich bei den Dialogen in Rheinsberg einer für die damalige Literatur unkonventionell wörtlich übernommenen Umgangssprache. Ausserdem verwendet das Liebespaar in seinen Konversationen oft Sarkasmus und eine übertrieben rosige Liebessprache. " nein Sonne weeiit Land Seh mal: 'ne Akazie! 'ne blühende Akazie, lauter blühende Akazien" "Ich habe ein außerordentlich feines Empfinden dafür, ich vermute, du bist gewillt, dich über mich lustig zu machen. Wird diese Vermutung zur Gewißheit, so schlage ich dich nieder." Figuren Claire ist mit ihrem ungebundenen Wesen und dem losen Mundwerk das pure Gegenstück zum konventionellen Frauenbild des Wilhelminischen Reiches. Sie ist eine Medizinstudentin aus gutem Hause, mit strengem Vater und einer Familie mit gutem Ruf. Damit ihre Eltern nichts von ihrem verlängerten Wochenende mit Wolfgang erfahren, fährt sie unter dem Vorwand, eine Freundin zu besuchen, in die Ferien. Sie fühlt sich als wichtiges und hübsches Mädchen und gibt ihre Überlegenheit auch dem Geliebten mehrfach zu verstehen. Trotzdem ist ihre Liebe aus der Mischung von Sticheleien und liebevollen Wörtern deutlich herauszulesen. Claire hat ihre ganz eigene Weise, mit Menschen umzugehen, redet mit ihnen scheinbar wirre Dinge, um sie zu irritieren, was ihren eigenen Humor ausmacht. Besonders auffallend ist, dass sie sich ihre eigene, wirre Sprache zurechtgelegt hat, die an die ersten Sprechversuche eines Kleinkindes erinnert: "Ach Gott, konnste auch besser mir nicht zu bekorrigieren zu gebrauchs gehabs habs!". Das reale Vorbild für die Figur der Claire war Else Weil, mit der Kurt Tucholsky im August 1911 ein Wochenende in Rheinsberg verbrachte. Wolfgang ("Wölfchen") Über seinen Hintergrund ist noch weniger bekannt als über jenen von Claire. In dem gebildeten jungen Mann kann man indes unschwer das Alter Ego des jungen Kurt Tucholsky identifizieren. Er spricht Latein ("'Ne quis animadvertat! Prost.'") und kennt sich in Biologie aus. Des Weiteren liebt er es zu philosophieren. " Wie merkwürdig , sagte Wolfgang, draußen ist es totenstill, der Mond scheint, und hier drinnen spielen sie ein Scheinleben. Und wir kommen hinzu, wissen nichts von den Voraussetzungen des ersten Akts und bleiben ernst. " Im Gegensatz zu Claire wirkt er seriös und überlegt. Er stellt das typische Mannsbild dar: stark, beschützerisch und rechthaberisch. Meist ist er es, der sagt, was man tut und wohin man geht. Wenn Clarie ihm widerspricht, wird er wütend und droht ihr spielerisch, sie zu schlagen. Weitere Personen Herr Adler ist der übergewichtige Kastellan des Schlosses und führt das junge Paar herum. Stolz gibt er sein Wissen über das Gebäude preis und wundert sich, dass die Besucher nicht mehr Bewunderung zeigen. Lissy Achner ist eine sehr ambitionierte Medizinstudentin. Das verliebte Paar nimmt sie mit auf dem Boot und unterhält sich mit ihr. Lissy Achner spricht sehr viel und teilt Claire und Wölfchen ihre unkonventionellen Ansichten über Gott und die Welt mit. Sie scheint sehr stur zu sein und alles im Leben im Griff zu haben. Nach dem biografischen Interpretationsverfahren kann die Erzählung Rheinsberg als Aufarbeitung eines wirklich so geschehen Ausfluges von Tucholsky mit seiner Freundin (Else Weil) in die Natur ausgelegt werden. Tucholsky verspottet mit der lockeren, unschuldigen Liebe der beiden Protagonisten und deren frechen Spässchen die Prüdheit des Bürgertums bezüglich Sexualität und unverbindlichen Beziehungen, wie dies viele Künstler der Weimarer Republik getan haben. Der Stil der neuen Sachlichkeit der mit einer ironischen Lockerheit grosse Gefühle zum Ausdruck bringt, ist in diesem Werk sehr schön ersichtlicht. Gleichsam im Vorbeigehen verspottet der Satiriker Tucholsky in der Schilderung des Liebesidylls das Bürgertum, dessen Sexualmoral und Sprache sowie das Militärwesen mit seinem Märtyrertum. ("Sehssu, mein Affgen, das is nu deine Heimat. Sag mal: würdest du für dieselbe in den Tod gehen?") Das Buch hat sich seit seinem Erscheinen im Jahr 1912 zu einem Klassiker für Verliebte entwickelt. Dem Autor zufolge wurde das Werk von den Rezensenten gut aufgenommen. Zusammen mit Mr. X eröffnete Tucholsky auf dem Kurfürstendamm eine 'Bücherbar', in der sie billig Bücher und Alkohol verkauften. Wer in dieser Bar eine Ausgabe von Rheinsberg erstand, erhielt dazu gratis ein alkoholisches Getränk. Tucholsky schrieb zur 50'000 Ausgabe des Buches in der Weltbühne: "Die Presse brachte sich um. Die Breslauer Zeitung war dagegen, die Vossische dafür, Prag und Riga verhielten sich neutral - die Ausschnitte sind noch da - und der Sankt Petersburger Herold vom achtzehnten Dezember 1912 schrieb, wer einen Wilde erstehe, der bekäme Whisky Soda, und wer Ibsen kaufte, einen nordischen Korn. Das stimmte aber nicht - wir tranken selber. Und verkauften schrecklich viele Rheinsbergs ." Das Buch wurde 1967 unter der Regie von Kurt Hoffmann in Deutschland verfilmt. Die Rolle von Claire und Wolf übernahmen Cornelia Froboess und Christian Wolff.
[SW: Deutsche Literatur | Erzählung | Illustrierte Bücher]
Tucholsky, Kurt: Artikel von/über Kurt Tucholsky in "Die Weltbühne" bzw. "Das Magazin". 19 Titel. 1.) Jochen Reinert: Tucholsky, in drei Bildern / Tucholsky zum 90. (8. Januar 1980). 2.) Harald Heydrich: Tucholskys Doktorarbeit (16. Dezember 1980). 3.) Kurt Zeisler: Jacobson an Tucholsky (20. März 1990). 4.) Jochen Reinert: Wiedersehen mit Tydde (Über die Frauen von Tucholsky) (27. Februar 1990), zur Ergänzung beigelegt "An Tucholsky geschult". Anzeigen zum Tode von Dr. Jochen Reinert (17. 1.1941-18.11.2009). 5.) Susanne Schäfer: Tucholsky in Pankow (21. Juni 1983). 6.) Alfred Dreifuß: Zum Tode von Mary Gerold-Tucholsky (3. November 1987). 7.) "Peter Panter: B. Traven" Artikel/Kopie aus Heft Nr. 48 vom 25. November 1930 (10 Seiten). 8.) "Das Magazin" Heft 1/1990 mit den Artikel von Helga Bemmann: Tucholskys 6. PS, mit Tucholsy-Fotos und Faksimile. 9.) Die Leibesfrucht spricht (6. August 1991). 10.) Tucholsky und die Linke (2. Januar 1990). 11.) Kisch auf Panters Nachttisch (10. April 1984). 12.) Ignatz Wrobel in "Die Weltbühne" vom 29. April 1930: Schmutz bzw. Schund bzw. Geldverknappung, Artikel/Kopie. 13.) Kopie: "Schulzeugnis Kurt Tucholskys entdeckt" ("Die Weltbühne" vom 14. September 1971). 14.) Kopie Herbert Moll: "Mein Tucholsky-Brief von 1931" ("Die Weltbühne" vom 10. Juni 1975). 15.) Kopie "Der letzte Artikel Tucholskys?" ("Die Weltbühne" vom 27. September 1988). 16.) "Tucholsky, General und Bürgermeister", Artikel/Kopie von Gerhard Zwerenz in "Die Weltbühne" vom 13. Oktober 1992. 17.) "Erholung vom Vaterland (2). Der Frankreichkorrespondent Kurt Tucholsky", Artikel/Kopie ("Die Weltbühne" vom 27. April 1993). 18.) Zur Ergänzung beigelegt Artikel/Kopie "Ruhelos in Paris. Kurt Tucholsky in einem neuen Briefband" (Neues Deutschland vom 14. Mai 2007). 19.) "Schreibmaschine gegen Katastrophe. Grandios allein schon die Anfänge: Kurt Tucholskys Ausgewählte und Gesammelte Werke" (Neues Deutschland vom 27./28. September 2008) Verlag der Weltbühne
Format 21 x 15 cm; broschiert; gut erhalten




